Adventskalender 2017

  • Hi ihr,


    natürlich müsst ihr dieses Jahr nicht auf die regelmäßigen Türchen verzichten. Heute gibt es ihn einem Rutsch die ersten vier und dann hoffentlich jeden Tag ein neues ;o) Türchen 3 und 4 sind eine Geschichte. Aber etwas länger als de anderen, deswegen wurde geteilt.

    Viel Spaß beim Lesen!


    Türchen 1

    Schwer stöhnend schleppte sich der Deutsche Feldwebel durch das Luftstalag 13. Worauf hatte er sich nur eingelassen? Seine Füße schmerzten, sein Rücken brachte ihn fast um und sein ganzer Körper verlange nach Weißwurst und Bier. Doch für seine Bengels sammelte er nochmal alle Kräfte.

    „Schultzi, wo bleibst du denn? Wir haben noch so viel zu tun“, schrie ein junger amerikanischer Sergeant namens Andrew Carter durch das Lager. Der Dicke schaute auf und sah Carter breit grinsend an. Wie konnte er so voller Energie sein, während er selbst leidet. Die Kiste in seinen Armen wog schwer und drohte abzustürzen. Plötzlich spürte er eine deutliche Entlastung auf den gepeinigten Armen.

    „Hey Schultzi, ich nimm dir die Kiste ab“, meinte Sergeant James Kinch. Dankbar lächelte der Deutsche den Schwarzen an. Zusammen liefen sie zu Baracke 2. Die beiden machten große Augen, als sie das Chaos und das wilde Treiben sahen. Der sonst so fröhliche Carter gab strenge Anweisungen und kommandierte die anderen Gefangenen rum. Selbst Colonel Hogan folge brav den Anweisungen.

    „Oh man! Carter übertreibt es jedes Jahr mit der Weihnachtsdeko!“ murmelte Kinch.

    „ Jo moi, reicht es nicht, dass er das gesamte Lager, die Wächterbaracke, Klinks Büro und Wohnung geschmückt hat? Macht er es jetzt in jeder Baracke?“ fragte der Deutsche ungläubig.

    „Ja, tatsächlich ist unsere Baracke die letzte.“

    Genau in diesen Moment schaute Carter auf und strahlte über das ganze Gesicht: „Da bist du ja endlich Schultzi. Leute, wir haben noch zwei volle Kisten Weihnachtsdeko.“

    Ein kollektives Stöhnen ging durch Menge.

    „Äh, Carter?! In unsere Baracke ist jeder einzelne Fleck mit Weihnachtszeug geschmückt. Es ist kein Platz mehr“, wies der Colonel hin.

    „Das stimmt nicht ganz! Ihr Büro ist komplett leer!“

    „WAS!“ schockiert blickte sich Hogan hilfesuchend um. Vielmehr erntete er ein fieses Grinsen seiner Männer.

    „NEIN! CARTER VERGISS ES!“

    „Aber Colonel…“

    „NEIN und das ist ein Befehl Sergeant!“

    Carter schaute mit zitternder Lippe und seinen besten Welpenblick zu seinen Vorgesetzten auf. Hilflos musste der Colonel mit ansehen, wie sich Tränen in den Augen seines Sprengstoffexperten sammelten. Hogan brauchte seine ganze Selbstbeherrschung um nicht einzuknicken. Seine Nerven wurden durch diese unheimliche Stille und den Blicken seiner anderen Männer zusätzlich strapaziert.

    Als dann eine einzelne Träne über die Wange Carters kullerte, kam Bewegung in die Baracke. Schulzi quetschte sich an den Gefangenen vorbei und nahm den jungen Amerikaner tröstend in den Arm. Mit vorwurfsvollen Blick starrte der Deutsche auf den Colonel, während er Carter sanft an seine Brust drückte.

    Frustriert seufzend gab der Offizier nach. Sofort verschwanden die Tränen aus Carters Augen und er schnappte sich zwei Mitgefangene. Zusammen begannen sie ihr Werk. Insgeheim betete Hogan, es möge nicht zu kitschig werden.

    Nach zwei Stunden führte Carter Hogan in dessen Büro. Stolz präsentierte der junge Mann sein Werk. Der Colonel schluckte alle bösen Sprüche herunter und zwang sich zu einem Lächeln.

    „Nett! Es …ist…wirklich…nett!“ brachte der Gefangenenälteste hervor.

    „Danke Sir!“ strahlte Carter über das ganze Gesicht.

    Allein gelassen und leicht verzweifelt sah er sich in dem leuchtenden Raum um. Ja, der Raum leuchtete. Überall standen Kerzen und kleine Kerzenständer. Und was war das? Glitzerte der Engel etwa?

    Am liebsten hätte der sonst so taffe Amerikaner die Flucht ergriffen. Er befand sich in einer Weihnachtshölle. Und es würde noch 23 Tage bis Weihnachten dauern.

    "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt. " Jean-Paul Sartre


    "Papa! Lene behaupet sie hätte angefangen [mit ärgern], dabei habe ich doch angefangen!" Junior beim petzen.

  • Türchen 2

    Zitternd und völlig durchnässt stand der junge Soldat im Regensturm auf dem Trainingsplatz. Er freute sich insgeheim, dass es nur Regen und kein Schnee war. Wie war er nur in diese missliche Situation geraten?

    Er, Soldat James Kinchloe, konnte mal wieder seine übergroße Klappe nicht halten. Als er auf dem Trainingsplatz kam und sah wie der befehlshabene Offizier einen schwarzen Soldaten zu Boden trat, hatte er es gewagt den Mund aufzumachen. Ja, er schrie den Offizier an, dieser wäre unehrenhaft, alle Amerikaner ob schwarz oder weiß kämpften doch gemeinsam gegen die Nazis und überhaupt, sei der Offizier nicht besser als ein Nazi. Insgeheim hatte er es sofort bereut. Wie konnte er sich nur so gehen lassen? Wütend auf sich selbst schaute der Schwarze gen Himmel. Der Offizier war ruhig geblieben, zu ruhig. Der Weiße ordnete lediglich ein dreistündiges Strammstehen an. Das konnte doch nicht alles sein? Da würde bestimmt noch eine weitere Strafe folgen.

    Leise betete Kinch, man möge ihn nicht den Urlaub zu Weihnachten streichen. Aber wenn es so wäre, könnte er es auch nicht ändern. Frustriert bemerkte er, dass es bereits dunkel war und es stärker regnete. Wie lange müsste er noch stehen? Er kannte zugut die weißen Offiziere, die immer wieder „vergaßen“ Strafen zu beenden. Völlig in Gedanken versunken, hörte er nicht, wie sein Name geschrien wurde.

    „Kinchloe!“

    „KINCHLOE!“ Erschrocken fuhr der Schwarze zusammen und drehte sich um. Dort stand sein Offizier mit seinem schmierigen Lächeln und blickte verächtlich auf ihn.

    „Ja Sir!“

    „Die drei Stunden sind um! Sie können jetzt reingehen und duschen. Wir wollen ja nicht, dass ein so geschätztes Mitglied der amerikanischen Armee krank wird.“

    „Ja Sir! Danke Sir!“

    Kinch rannte in die warme Mannschaftsunterkunft. Am Rand bemerkte er, dass alles weihnachtlich geschmückt war. Ach ja, es war Adventszeit. An seinem Spind zog er frische, trockene Kleidung heraus und huschte in die Dusche. Das warme Wasser schmerze auf dem unterkühlten Körper. Langsam wärmte er sich auf und versank erneut in Gedanken. Er bemerkte die näherkommenden Männer nicht. Erst als er brutal gegen die geflieste Wand gedrückt wurde, erwachte er aus seinem Tagtraum.

    „Soso, dieser schwarze Abschaum hat unseren geliebten Offizier beleidigt. Jungs, ich denke wir sollten dem Hund seinen Platz im Leben zeigen!“ tönte es hinter Kinch. Leises Kichern war zuhören und plötzlich war es totenstill.

    Ohne Vorankündigung wurde der Schwarze von einem Schlag getroffen. Und es folgte der nächste und dann noch einer. Es waren keine Fäuste, die gesichtslosen Männer schlugen ihn mit Gürteln. Die Schmerzen wären überwältigend und Kinch sank auf den Boden. Unter der Vielzahl und der Brutalität, platzte die Haut des jungen Amerikaners bald auf. In einer Fötus Haltung lag er auf den Boden und schrie bei jedem Schlag. Sein Blut mischte sich mit dem Wasser aus dem Boden und beschmutze die Schuhe seiner Peiniger.

    Nach einer gefühlten Ewigkeit ließen sie ab von ihm. Der Anführer spuckte auf ihn herab und höhnte: „Jetzt Neger, weißt du wo dein Platz ist. Auf den Boden zu unseren Füßen!“

    Kinch hörte wie die Männer die Dusche verließen, bevor die Tür ein letztes Mal zuschlug, hörte er den Anführer erneut: „Achja. Ich soll dir ausrichten, dein Weihnachtsurlaub ist gestrichen und du hast zusätzlichen Latrinendienst!“ Mit einem grausamen Lachen wurde die Tür zugeschlagen.

    Schmerz! Der Schmerz war unerträglich. Kinch konnte sich nicht rühren und blieb einfach auf dem Boden liegen. Vielleicht würde er sterben. Wollte er den wirklich für ein Land kämpfen und sterben, dass ihn so sehr verachtete? Wie konnte er stolzer Amerikaner sein, wenn er doch wusste, dass diese ein bisschen besser als die Deutschen waren?

    Leise öffnete sich die Tür. Kinch konnte die Schritte hören. Waren seine Peiniger zurück? Konnte das sein? Waren sie noch nicht fertig mit ihm?

    Ein erschrockenes Keuchen und die Schritte werden schneller.

    „Hey. Geht es dir gut?“

    Keine Reaktion. Kinch konnte und wollte nicht antworten. Das Wasser wurde abgestellt und ein Handtuch über ihn gelegt. Entkräftet schloss der Schwarze die Augen und gab sich der Dunkelheit hin.


    ...Fortsetzung folgt.....

    "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt. " Jean-Paul Sartre


    "Papa! Lene behaupet sie hätte angefangen [mit ärgern], dabei habe ich doch angefangen!" Junior beim petzen.

  • Türchen 3

    Als er wiedererwachte, waren die Schmerzen weg. Kinchloe schaute sich zögerlich um. Er lag in einem Bett auf der Krankenstadtion. Eine freundliche Krankenschwester erschien und lächelte ihn an.

    „Wie sind die Schmerzen Herr Kinchloe?“

    „Ich…ich habe keine“, hauchte der Verletze schwach.

    „Der Arzt hat Ihnen ein starkes Schmerzmittel gegeben.“

    „Danke! Was ist…?“

    „Einer unserer Sanitäter hat Sie in der Dusche gefunden. Er ist ein hochgeschätztes Mitglied des Lazarettes. Nachdem Sergeant Wilson Hilfe holte und Sie versorgt hatte, tobte er wegen den Verbrechen. Es wird Sie freuen zu hören, dass Sie morgen zu Ihrer Familien entlassen werden. Wilson brachte die Vorgesetzten dazu. Sie müssen erst im neuen Jahr ihren Dienst wieder antreten.“

    Kinch konnte seinen Ohren kaum trauen. War es real oder fantasierte er?

    „Warum?“

    Verwirrt sah die Schwester den Schwarzen in die Augen.

    „Warum hat er es getan?“

    „Achso. Sergeant Joseph Wilson ist kein Rassist. Er war über eine derartige Grausamkeit schockiert und redete die anderen ins Gewissen. Sein Vorteil ist, dass er vor Jahren einen hochrangigen General das Leben rettete. So konnte er alles mit Leichtigkeit durchsetzen. Wenn die Täter gefasst werden, wird ihre Strafe hart sein!“

    So kam es auch. Seine Eltern pflegten ihren verletzten Sohn wieder gesund. Weihnachten verbrachte James Kinchloe im Kreise seiner Liebsten. Leise sprach er ein Gebet für den unbekannten Retter. Joseph Wilson gab den Schwarzen den Glauben an die Menschheit wieder.

    Stalag 13

    Schwerverletzt wurde der schwarze Unteroffizier vor die Füße des Lagerleiters geworfen. Es war kein Geheimnis, dass die Gestapo alles andere als sanft mit ihren Gefangenen umging. Kinch wurde auf Grund seiner Hautfarbe besonders brutal behandelt.

    Im dreckliegend betete der Amerikaner für eine halbwegs menschliche Behandlung. Kaum war die Gestapo wieder abgefahren, wurde der Schwarze auf die Füße gezerrt und ins Büro des Lagerkommanden geschleift.

    „Schultz, setzte den Mann auf den Stuhl und holen Se den Lachersani!“ befahl der Deutsche seiner Wache. Kinch wurde sanft auf einen Stuhl gesetzt. Der Oberst beute sich zu dem Gefangenen herunter und sah ihn mitleidig an.

    „Ich bin Oberscht Klink. Der Lachatischer von Deutschlands härtesten Gefangenenlacha. Hier ist nie eener jeflitzt. Nich gestern, nicht heute und morchen och nich. Junge, du siehst eh nich so aus, als könnste weit flitzen. Unser Lachasani versorgt dich und dann bekommste ne Baracke mit Bett.“

    Kinch konnte kaum den wirren Worten von Klink folgen. Also die Tür aufflog, schaffe er aus kaum aufzublicken. Am Rande bekam er mit, dass der Lagersani ein Weißer war. Mit weißen Ärzten hatte er sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Trotz seines schlechten, körperlichen Zustandes versuchte sich Kinch gegen die Berührungen des Sanis zu wehren. Doch dieser ließ sich nicht beirren, fasste Kinch Hinterkopf und zu ihr zu sich. Leise flüsterte der weiße Amerikaner: „Ich habe dich schon einmal gerettet, ich werde dich jetzt nicht aufgeben!“

    Perplex hielt Kinch inne und starrte den Sani an. Er kannte ihn nicht, was meinte er damit. Der Andere entfernte sich und meinte lauter: „Ich bin Sergeant Joe Wilson, Lagersanitäter.“

    Ein Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit durchströmten Kinch sofort. Ja, es hatte ein gutes Gefühl bei der bevorstehenden Gefangenenzeit.

    Ende

    "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt. " Jean-Paul Sartre


    "Papa! Lene behaupet sie hätte angefangen [mit ärgern], dabei habe ich doch angefangen!" Junior beim petzen.

  • Türchen 4

    Erschöpft, müde, nass und hungrig erreichte der Gestapooffizier Wolfgang Hochstetter seine Wohnung. Leise schloss er die Tür auf und ließ dabei seinen Tag Revue passieren. Mal wieder hatte er einen Tipp bekommen, dass Papa Bär und seine Männer heute Nacht ein großes Ding planten. Das Ziel sollte die neue Munitionsfabrik südlich von Hammelburg sein. Logischerweise hatte er sofort eine Truppe guter Männer zusammengestellt und die Fabrik umstellt. Ganze vier Stunden, bei Starkregen, warten sie auf die Widerständler. Aber es kam niemand. Es war eine ruhige Nacht gewesen, nirgends gab es Bombenangriffe oder Sabotage.

    Und er stand im Dezember in einem Wald bei starken Platzregen. Wie sehr hatte er sich nach einer heißen Dusche, ein leckeres Essen und seine Familie gesehnt. Wäre dieser Tipp nicht gekommen, hätte er heute Abend alles haben können. Doch jetzt, kurz vor Mitternacht, waren Frau und Tochter schon im Bett, das Essen war kalt und er war zu müde fürs duschen.

    Leise schlich er in die Wohnung und verharrte kurz im Wohnzimmer. Statt einem dunklen, kalten Raum fand er das ganze Gegenteil vor. Der ganze Raum war weihnachtlich geschmückt und mit Kerzen erleuchtet. Seine Frau und Tochter lagen unter einer Decke zusammen gerollt auf dem Sofa. Der schwache Kerzenschein des Adventskranzes erleuchtete die schlafenden Gesichter.

    Der sonst so harte und grausame Gestapoagent lächelte sanft bei diesem Anblick. Liebevoll und sanft streichelte er seinem kleinen Mädchen eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Seine Frau wurde unterdessen wach und lächelte ihren Mann verschlafen an: „Wolf, du bist endlich zu Hause. Wir haben die Wohnung geschmückt und haben dann noch gelesen. Anscheinend sind wir dann eingeschlafen.“ Langsam setzte sie sich auf und legte eine Hand auf die Wange ihres Mannes und musterte ihn aufmerksam: „Du bist ganz kalt und nass. Komm, ich mache dir etwas zu essen und du geht’s dich unter der Dusche aufwärmen.“

    Widerstandlos gehorchte er seiner geliebten Frau. Nach einer heißen Dusche und einen Teller warmer Suppe, brachte der Offizier seine Tochter ins Bett. Sanft hob er sie ihn seinen Arm. Seine kleine Prinzessin kuschelte sich näher an seine Brust und murmelte: „Papi, war der Weihnachtsmann schon da?“ „Nein, kleine Maus, da musst du noch etwas warten.“

    „Ist gut Papi. Kann der Weihnachtsmann machen, dass du weniger arbeiten musst?“

    „Nein, leider nicht.“

    Leise seufzte das kleine Mädchen. Vorsichtig legte der Vater das Kind ins Bett. Küsste sie sanft auf die Stirn und flüsterte: „Ich versuche während der Weihnachtszeit öfter zu Hause zu sein.“

    Vielleicht sollte er mal ein ernstes Wörtchen mit Hogan sprechen, dass Papa Bär Weihnachten Urlaub macht.

    "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt. " Jean-Paul Sartre


    "Papa! Lene behaupet sie hätte angefangen [mit ärgern], dabei habe ich doch angefangen!" Junior beim petzen.