Unternehmen Schwarzer Falke

  • „Ich soll WAS?“ Hochstetter ließ sich in seinen Stuhl fallen und hatte Mühe nicht den Höhrer fallen zu lassen. „Aber Herr General...ich“ Der Mann am anderen Ende ließ ihm keine Chance Einwände zu erheben und so gab er schließlich nach. „Ja Herr General, natürlich....ich freue mich auf unser Treffen.“


    Als er aufgelegt hatte starrte er geistesabwesend zur Tür seines Büros und suchte krampfhaft nach einem Ausweg. Nachdem er alle, zugegebenermaßen waren es nur wenige, Möglichkeiten durch hatte, blieb nur ein möglicher Ausweg – Stalag 13.


    Am nächsten Morgen fuhr er, wobei rasen das bessere Wort wäre, ins Stalag 13 und hielt den Wagen direkt vor Baracke 2. Feldwebel Schultz ignorierent, betrat er selbige und stürmte direkt in Hogans Zimmer. „Oh Major Hochstetter, wer hätte damit gerechnet,“ empfang ihn der am Tisch sitzende Colonel.


    „Sie werden mir helfen Hogan, ob sie wollen oder nicht. Haben sie das verstanden!“ Er baute sich vor Hogan auf und lehnte sich über den Tisch. „Oder ich erschieße sie!“


    Hogan musterte den Deutschen, der Major wirkte nicht sonderlich wütend, ehr verzweifelt. „Und bei was soll ich ihnen helfen? Übrigens schön das sie nun meinen Namen kennen.“


    „Ich...ja....also....“


    „Gehts etwas genauer Major?“


    „Nun ja, ich habe da ein Problem....mit General Burkhalter.“


    „Sie machen Witze oder? Was soll ich denn da machen?“


    „Aber Klink haben sie auch geholfen,“ antwortete Hochstetter und klang in gewisserweise wirklich verzweifelt.


    „Will er sie an die Ostfront versetzen?“ Der Major war zwar so gesehen weit gefährlicher als Oberst Klink, aber er kannte ihn und konnte damit leben. Doch wer wusste schon wer nach Hochstetter kam. Daher hatte der Major nun seine volle Aufmerksamkeit.


    Dieser schüttelte mit dem Kopf und setzte sich, zu Hogans überraschung, neben ihn. „Schlimmer Hogan...viel schlimmer...“


    „Erschießungskommando?“


    „Sie mögen mich nicht sonderlich oder?“


    „Was? Wie kommen sie denn jetzt darauf?“


    „Weil sie mich ständig tot sehen wollen, mal Ostfront, dann Erschießungskommando.“


    Hogan schloss für einen Moment die Augen und atmete tief ein. „Hochstetter, sie sind eben in mein Quartier gestürmt und wollen das ich ihnen helfe. Sie machen es mir gerade aber wirklich nicht leicht dies zu wollen...also nochmal....was ist ihr Problem.“


    „Also mögen sie mich?“


    Hogan stand auf und schloss die Tür seines Quartieres. „Das wird nicht gut enden Major...aber ich sag jetzt einfach mal ja.“ Er setzte sich wieder und versuchte sich an seine Geduld zu erinnern. „Das Problem Major?“


    „Ach ja...ich soll heiraten.“


    „Echt jetzt? Und deshalb stürmen sie hier rein und tun so als würde ihr nahes Ende bevor stehen?“


    „Nun ja, meine Vorgänger, also bei der Dame...sind alle tot. Einer hat sich sogar freiwillig an die Ostfront versetzen lassen.“


    Hogan sah Hochstetter einen Moment an, dann dämmerte es ihm langsam und er bemühte sich einen Lachanfall zu unterdrücken. Die Betonung liegt auf 'bemühte', denn er scheiterte kläglich. „Sie sollen den Besen heiraten?“


    „Das ist nicht lustig Hogan....ehrlich....Ich will die nicht."

  • „Wenn sie fertig sind mit lachen, würden sie dann die Güte haben mir zu helfen,“ fragte Hochstetter sichtlich ungeduldig. „Burkhalter kommt in zwei Tagen nach Hammelburg und will dann mit das ich mit seiner Schwester Essen gehe.“


    „Aber wie kommt er denn überhaupt auf die Idee?“


    „Nun da die anderen Herren alle in der Armee waren und im Krieg gefallen sind, hat seine Schwester den Entschluß gefasst das es diesmal kein Soldat sein soll. Und bedauerlicherweise, schien dem General kein anderer eingefallen zu sein als meine Wenigkeit. Er glaubt wohl ich habe mehr Überlebenschancen.“


    Hogan wischte sich die Tränen ab und atmete tief durch. „Was ist wenn sie anderweitig vergeben wären?“


    „Bedauerlicherweise weis Burkhalter das ich es nicht bin, es würde daher doch sehr auffällig sein wenn ich in zwei Tagen plötzlich eine Freundin präsentiere.“


    „Wieso haben sie denn auch keine?“


    „Sie haben doch auch keine Hogan.“



    „Ich sitze auch in einem Kriegsgefangenenlager.“


    „Ja...ist ein Argument.“ Er fuhr sich mit der Hand durchs Haar und seufzte einmal mehr. „Leider hat Burkhalter unmissverständlich klar gemacht, dass ich die Wahl habe zwischen seiner Schwester und der Front. Ich komme da also nur raus wenn Frau Linkmeyer kein Interesse hat.“


    Hogan klopfte dem deutschem freundschaftlich auf die Schulter. „Ich sags ungern, aber da sind ihre Chancen gering. Ich meine,“ er musste wieder lachen, „sie wollte sogar Klink heiraten.“ Er musterte Hochstetter von oben bis unten. „Und sie sind wesentlich attraktiver als er.“


    „Sie finden mich attraktiv,“ entgegnete Hochstetter mit ziemlich hoher Tonlage.


    „Nein...ja...ich will sie jetzt nicht heiraten.“


    „Eigentlich schade.“


    „WAS?“


    „Also nein, ich meine...das war nicht so gemeint wie es klang...ich meine nur...so gegenüber Frau Linkmeyer...also sie wissen schon....“


    Hogan stand ebenfalls auf und sah den Major ernst an. „Jetzt fühle ich mich aber geschmeichelt,“ sagte er trocken und strich dabei mit der Hand über Hochstetters Lederriemen. Musste dann aber, aufgrund von Hochstetters Gesichtsausdruck, in punkto Beherrschung kapitulieren und verfiel in lautes lachen.


    „Hogan, zum letzten mal, DAS ist nicht witzig!“ Hochstetter geduldete sich bis der Colonel sich beruhigt hatte, „Also, helfen sie mir?“


    „Ja aber ich brauche Zeit um darüber nachzudenken. Bei Klink lag es anders, der ist schon von Natur aus schwer zu verkaufen. Allerdings....“


    „Allerdings was?“


    „Wenn ich ihnen helfe...was habe ich davon?“ Hogan verschrenkte die Arme vor der Brust und ging in Gedanken bereits sein Vorgehen durch. Es war viel zu unterhaltsam um sich daraus zu halten.


    Hochstetter schloss kurz die Augen, atmete tief ein und versuchte, entgegen seinem Naturell, ruhig zu bleiben. „Was wollen sie denn Colonel?“


    „Weis ich noch nicht, aber ich denke darüber nach bis sie wieder kommen. Sagen wir morgen Mittag?“


    „Sicher und,“ er nahm Haltung an und salutierte, „vielen Dank.“


    Hogan nickte nur und sah dem Major nach als er das Zimmer verließ, in dem kurz darauf Newkirk und Carter standen.


    „Was wollte der Schwarze denn,“ fragte Newkirk.


    „Er ist das neue Opfer von Getrude.“


    „Das ist echt hart Sir,“ sagte Carter.


    „Genau, und deshalb werden wir ihm da auch raus helfen.“ Carter und Newkirk sahen ihn ungläubig an. Bei Klink war es ja eine Sache, er war immerhin ihr Kommandant, aber Hochstetter. „Seht es mal so Jungs, wenn er heiratet wird er abkommandiert werden, dann bekommt die Hammelburger Gestapo einen neuen Chef und wir unter Umständen ein echtes Problem. Wir wollen doch nichts riskieren und unser Glück überstrapazieren, oder?“


    „Stimmt Sir, so betrachtet haben sie recht,“ antwortete Newkirk. „Und, haben Sie schon einen Plan Sir?“


    „Mhh ja, so ein wenig. Erstmal besuche ich unsere Schnulle.“


    „Wozu das denn,“ fragte Carter.


    „Damit Unternehmen schwarzer Falke starten kann.“ Er lies seine Männer stehen und ging in Klinks Büro. Letzter war nicht da, dafür aber dessen Sekretärin. „Na Helga, wie geht’s?“


    „Sehr gut Colonel, Klink ist aber nicht da.“


    „Ich wollte auch zu dir.“ Er setzte sein charmantestes Lächeln auf. „Ich bräuchte deine Hilfe. Du hast nicht zufällig eine Freundin die...sagen wir mal testweise, morgen Abend mit einem Herrn ausgehen würde?“


    „Testweise?“


    „Nun ja, ich will nur wissen wie er sich dabei anstellt. Es geht nur um ein Abendessen, ein wenig reden, was trinken.“ Er suchte noch nach den Worten um Schnulle irgendwie klar zu machen wer der betreffende Mann war, um den es ging. „Und für die Mühe werde ich mich auch erkenntlich zeigen.“


    „Da bin ich mir sicher;“ antwortete Helga. „Also wer ist es?“


    „Major Hochste....“


    „Das ist nicht dein ernst?“


    „Doch ist es. Nur ein Abendessen, nichts weiter. Ich will nur wissen wie er sich dabei so anstellt...er hat da so ein Problem...“


    „Das glaube ich gern.“


    „Er soll Frau Linkmeyer heiraten.“


    Helga sah ihn überrascht an und lies sich dann lachend in den Stuhl fallen. „Und wie genau soll ein Abendessen da helfen?“


    „Nun, wenn er sich dabei als völlig unbrauchbar heraus stellt, dann ist das der beste Ansatz um Getrude davon zu überzeugen das er eine miese Wahl ist.“


    „Na ja, ein wenig leid tut mir der Major jetzt schon. Die Linkmeyer ist doch mindestens 10 Jahre älter.“


    „14 Jahre.“ Helga sah Hogan überrascht an. „So über den Daumen gepeilt,“ fügte der Colonel hinzu.


    „Na schön, ich werde mich mal umhören. Aber leicht wird es nicht.“


    Hogan gab ihr einen Kuss auf die Wange. „Vielen Dank meine Liebe.“


    Hochstetter erschien am anderen Tag pünktlich zur Mittagszeit und wurde vom Colonel an der Tür zur Baracke abgefangen. "Major, gehen wir ein wenig spazieren," sagte Hogan. Helga hatte tatsächlich jemanden gefunden der einverstanden war mit Hochstetter essen zu gehen.


    "Und, ist ihnen was eingefallen?"


    "Ja ist es. Sie werden sich heute Abend mit einer Maria Schmidt zum Abendessen treffen. 18:00 Uhr im Schwarzen Ross."


    "Aber wie soll mir das helfen Hogan? Wie gesagt, ich kann Burkhalter nicht plötzlich eine Freundin präsentieren."


    "Stimmt, aber erst einmal muss ich sie näher kennenlernen und wissen wie sie auf Frauen wirken. Dann planen wir ihr Treffen mit Getrude. Vertrauen sie mir, ich habe Klink ja schließlich auch gerettet."


    "Gut, einverstanden. Und was möchten sie nun für ihre Hilfe?"


    Hogan dachte kurz nach. "Wenn ich Erfolg habe Major, dann laden sie mich in Hammelburg zum Essen ein."


    "Ich soll was?"


    Und da war sie wieder, diese enorm hohe Tonlage, die Hogan bisweilen fast schon vermisste. "Ein Abendessen, die Alternative zur Hochzeit und Ostfront."


    "Na ja..."


    "Und immerhin sehe ich besser aus als der Besen."


    Hochstetter musterte den Amerikaner einen Moment. "Ja das stimmt allerdings. Nur..."


    "Und ich verspreche ich bin eine wirklich gute Gesellschaft." Er sah das der Major noch mit sich haderte, was er durchaus nachvollziehen konnte. Es war keine gute Zeit um mit einem Amerikaner beim Abendessen erwischt zu werden.


    "Wollen sie nicht lieber ein Abendessen mit einer Dame?"


    "Nein, das hab ich doch öfter."


    "Ach ja, haben sie?" Hochstetter sah Hogan misstrauisch an und trat bis auf wenige Zentimeter an den Amerikaner heran.


    "Na ja, vielleicht nicht so oft. Ich bin ja schließlich ein Gefangener. Was ich aber definitiv sehr selten habe, ist ein Abendessen mit einem Deutschen ohne sächsichen Akzent."


    "Das macht einen auf Dauer irre oder?"


    "Absolut, nichts gegen Oberst Klink, aber dieses 'nichwar' verfolgt mich schon im Schlaf."


    "Und von den Geschichten über seine Kalinke ganz zu schweigen."


    "In der Tat. Sie können ja immerhin noch gehen, aber ich muss hier wohnen!"


    Hochstetter nahm Haltung an und sah grinsend zu Hogan. "Na schön, ich habe ohnehin keine Wahl. Und sie sind mir in der Tat lieber als die Linkmeyer."


    "Danke, ich fühle mich langsam wirklich geschmeichelt Major."


    "Keine Ursache Colonel, sie sind ohne Zweifel ein attraktiver Mann."


    Der Umstand das Hochstetter bei dieser Aussage noch immer grinste, verwirrte Hogan erheblich. Aber so oder so, beschloss er das dass Gespräch langsam aus dem Ruder lief. "Ok...jetzt wird das Gespräch doch etwas 'crazy'. Viel Spaß heute Abend, wir sehen uns Morgen vor ihrer Verabredung mit Burkhalter und seiner Schwester." Er schlug Hochstetter auf die Schulter und lies den Deutschen stehen ohne auf eine Antwort zu warten.

  • Teil 3

    Es war kurz nach 9:00 Uhr als Hogan bei Helga erschien. „Und, hat sich deine Freundin schon gemeldet?“


    „Nein Hogan, aber ich erwarte jeden Moment ihren Anruf. Auch wenn ich nicht weiß was du dir davon erwartest.“


    Hogan lehnte sich an den Türrahmen von Klinks Büro. „Es ist ja nur ein Anfang.“ Er wechselte zu Helgas Schreibtisch als das Telefon klingelte. Es war in der Tat Maria Schneider, doch leider sollte der Colonel nicht das zu hören bekommen was er wollte.


    „Maria sagt danke,“ sagte Helga und hielt den Hörer etwas beiseite. „Es war ein wunderbarer Abend und der Major eine ganz hervorragende Gesellschaft. Sie hofft auf eine Wiederholung.“


    „Was? Das ist unmöglich...ich meine wir reden von Hochstetter. War sie auch mit dem richtigem zum Abendessen?“


    Helga musste lachen. „Ich gebe dir ja recht, ich kann es auch nicht verstehen. Aber sie kennt Hochstetter aus dem Hauptquartier der Gestapo, also ja, sie war mir dem richtigen Essen. Soll ich Maria noch etwas fragen?“


    „Ja, wie verlief denn der Abend? Ich meine wie hat sich der Major denn ihr gegenüber verhalten?“ Er hatte die Herausforderung angenommen, den Major daraus zu helfen und er würde verdammt nochmal nicht versagen. Und was noch viel schlimmer war, er konnte sich unmöglich so irren.


    Helga leitete die Fragen an ihre Freundin weiter, verabschiedete sich dann und legte auf. „Maria sagt der Major war durch und durch ein Gentleman. Sie waren Essen und sie hat ihn dann zu seiner Wohnung beglei..?“


    „Sie hatten Sex,“ unterbrach Hogan die Sekretärin und sprang förmlich vom Schreibtisch auf.


    „Nein, sie haben nur was getrunken,“ antwortete Helga sichtlich irritiert von Hogans Reaktion. Auch wenn sie die Erzählung ihrer Freundin ebenfalls merkwürdig fand. „Sie hat sich sehr wohl gefühlt und meint es ist selten dass man mit einem Mann so locker ausgehen kann und das ohne ständig an gegraben zu werden.“


    „Na schön, dann muss ich wo anders anfangen,“ seufzte Hogan resigniert und verließ das Zimmer.


    Weit kam er allerdings nicht, da Klink ihn draußen stoppte. „Hogan, sie suche ich schon seit 10 Minuten!“


    „Nun Oberst, sie haben mich gefunden.“


    „Der dicke Burkhalter hat angerufen, er kommt heute ins Lager. Zusammen mit seiner Schwester Gertrude. Die wollen hier bei mir Essen.“

    Hogan dachte kurz nach, das Burkhalter hier her kam würde ihm erst einmal Zeit verschaffen. „Hat er was von Hochstetter gesagt?“


    „Na, jetzt wo sie es sagen. Der kommt auch. Aber Hogan, was denn wenn die alte Zippelgusse wieder nen Mann sucht?“


    „Tut sie, Oberst, aber ich kann sie beruhigen, sie kommt wegen Hochstetter:“


    „Was? Der will die Olle?“


    Hogan rollte genervt mit den Augen. „Nein Klink, er will sie genau so wenig wie sie. Aber Burkhalter und seine Schwester sind der Ansicht, es mal mit etwas anderem als einem Soldaten zu versuchen...sie wissen schon, die hohe Verlustquote.“


    „Na ja, Burkhalter hat nen guten Draht nach Berlin und zu Himmler. Da könnte Hochstetter doch sicher aufsteigen.“


    „Würden sie General werden wollen, wenn dies hieße den Besen zu heiraten?“


    Klink verzog das Gesicht. „Ne nicht wirklich. A bissl leid tut mir der Kleine ja schon. Aber warum müssen die denn zu mir ins Lager kommen?“


    „Was fragen sie mich, ich bin hier nur Gefangener. Ich habe Hochstetter versprochen ihm zu helfen oder wohl besser zu retten.“


    „Ach und warum? Ich meine, wenn der die Alte heiraten würde, dann würde er ja sicher auch von hier verschwinden.“


    „Und dann? Kommt ein anderer Gestapofritze an. Kommen Sie Klink, Hochstetter mag nicht immer nett zu ihnen sein, aber es könnte sie schlimmer getroffen haben, nicht wahr?“ Er wusste das er recht hatte. Es gab genug Leute die Hochstetters Nachfolge antreten würden, mit weniger Skrupel und mehr Gewaltbereitschaft.


    „Nun da haben sie nicht ganz unrecht. Wenn ich da an den Meyer von Stalag 9 denke...den hat sein Gestaposchatten erhängen lassen. Haben sie denn schon einen Plan?“


    „Ja, ich denke schon. Sorgen sie aber dafür das ich am Abendessen teilnehme. Dann sehen wir weiter.“


    Hogan lies Klink stehen und ging auf den Wagen zu, der gerade das Tor passierte. „Guten Morgen Major, heute ohne Chauffeur?“


    „Guten Morgen....ja, ich bleibe ohnehin im Lager. Der General kommt gegen Mittag her.“


    „Ja ich weiß, Klink hat es mir gerade gesagt. Aber nun zu ihrem Abendessen von gestern...das ging in die Hose.“


    „Wieso? Fräulein Schneider erschien mir sehr zufrieden,“ entgegnete Hochstetter verwirrt.


    „Das war sie auch, sehr sogar. Nur genau das ist das Problem! Wenn eine Dame wie Maria Schneider von ihnen hellauf begeistert ist, dann wird es doch eine Gertrude Linkmeyer erst recht.“


    „Oh ....“

    „Ja oh, damit ist Plan A dann hinfällig.“


    „Nun nehmen sie es mir nicht übel Hogan, aber wenn ihr Plan allein darauf beruhte, anzunehmen das ich für Frauen eine unerträgliche Gesellschaft darstelle .... so war er wohl kaum besonders gut....und mein Vertrauen in Sie ist drastisch gesunken.“


    „Ja schon gut, es war halt ein Versuch. Bei Klink war in dieser Sache mehr Potenzial. Aber ich habe ihnen versprochen zu helfen und ich werde es.“


    „Tut mir leid sie enttäuscht zu haben Colonel, ich mag selbstredend nicht ihren Charme und ihre Erfahrung in Punkto Frauen haben ab...“


    „Ich habe ja nicht erwartet das die Frauen schreiend vor ihnen weg rennen .... nur …eben nicht das sie so begeistert sind von ihnen, dass sie gleich mit in Ihre Wohnung gehen. Oder Sie Damen überhaupt dorthin mitnehmen.“


    „Das ist normal auch nicht der Fall. Ich mag keinen Besuch, das irritiert mich. Aber es ließ sich dort besser reden als in dem vollen Restaurant.“


    „Geredet? Bei uns nennt man das anders.“


    Hochstetter sah ihn verwundert an. „Ich verstehe nicht ganz Hogan?“


    „Ach kommen Sie Hochstetter, Schnulle hat mir die Dame beschrieben. Das ist keine die man zum Reden mit nimmt.“


    „Hogan, sie sollten nicht von sich auf andere schließen. Wir haben in der Tat nur geredet.“


    „Sehr schön Major.“


    „Nun ob das schön ist sei mal dahin gestellt. Was ist mit der Linkmeyer?“


    „Ich habe Klink aufgetragen dafür zu sorgen, dass ich am Abendessen teilnehme. Dann sehen wir weiter. Nur …. versuchen sie nicht unnötig nett zu sein.“


    „Ich bin bei der Gestapo, wir sind nie unnötig nett. Aber da ich an meinem Leben hänge, lege ich auch keinen Wert darauf den General zu verärgern.“


    „Ja da haben sie auch wieder recht, ich meine nur, halten sie sich einfach etwas bedeckt und lassen sie mich reden. Kriegen sie das hin?“


    „Sicher Colonel. Allerdings,“ er trat näher an Hogan ran und senkte seine Stimme ,“nur falls es nötig ist, können Sie die Linkmeyer nicht einfach verschwinden lassen?“


    Hogan sah den Major überrascht an. „Also das ist jetzt schon etwas rapiad. Davon ab das ich, falls Sie es vergessen haben sollten, in einem Gefangenenlager sitze.“


    Hochstetter winkte leicht genervt ab „Ersparen sie mir das Hogan, Sie gehen hier ein und aus wie es ihnen beliebt. Letzte Woche erst waren sie in der Braundorfer Straße in Hammel…“


    „Sie haben eine blühende Fantasie Major,“ unterbrach Hogan den Deutschen und versuchte seine aufkommende Nervosität zu verstecken.


    „Nein habe ich nicht Hogan…Braundorfer Straße 2a, 3 Etage, linke Wohnung…eine Daniela Ziller. Brünette kurze Haare, arbeitet in einem kleinen Lebensmittelladen.“ Er strich über seinen Gürtel und wirkte sichtlich erfreut, während der amerikanische Offizier ihn mit offensichtlicher Sprachlosigkeit ansah. „Nun, was sagen sie Hogan? Wie sie sehen habe ich meine Arbeit gemacht.“


    „Ja…das haben Sie ….“ Hogan war sich nicht sicher was ihn im Moment mehr Sorgen bereitete – Hochstetters Wissen oder die Tatsache das es ihm scheinbar viel Spaß bereitete, ihm dieses mitzuteilen.


    „Kein Vergleich zu Klink, nichwar?“


    „Wenn Sie noch einmal ‚nichwar‘ sagen, bringe ich Sie persönlich an die Ostfront.“ Er musterte den Major und wartete auf irgendeine Reaktion. „Und nun?“


    „Nun was?“


    „Ja was passiert nun, da Sie ja so offensichtlich Bescheid wissen über meinen Ausflug.“


    „Nichts. Ich wollte ihnen nur aufzeigen das ich gut bin in meinem Job.“


    Hogan schlug seine Hände vor sein Gesicht. „Das darf alles nicht wahr sein…. Ok Major, ich gebe zu Sie sind gut.“ Er sah auf seine Uhr. „Wir haben ja noch ein paar Stunden bis zum Essen, ich werde mich dann mal zurück ziehen um über den Plan nachzudenken. Wir sehen uns heute Abend.“


    „Tun Sie das und denken Sie immer daran Hogan, ich habe ein Auge auf Sie.“


    Hogan kämpfte einen Moment mit sich und dem Versuch Hochstetters Anmerkung unkommentiert zu lassen, aber er konnte ee nicht. Er setzte seinen besten und charmantesten Blick auf und fing an zu lächeln. „Damit beweisen sie einen ausgezeichneten Geschmack Major, ich fühle mich einmal mehr geschmeichelt.“


    „Sie wissen wie ich das gemeint habe Hogan,“ entgegnete Hochstetter trocken.


    „Sicher, aber wissen sie es auch?“ Er ließ den Deutschen stehen und ging in seine Baracke. Er hatte die Herausforderung betreffend Linkmeyer angenommen und er würde er würde sie meistern, auch wenn er im Moment keinen echten Plan hatte und sich dazu eingestehen musste, anderweitig abgelenkt zu sein. Und dann wäre da noch sein Besuch in der Braundorfer Straße.