Der verlorene Sohn

  • Jaja, ich tu es schon wieder. Eine etwas düstere Geschichte. Aber die nächste wird dann wirklich skurill und schräg :D 
    Übrings wurde die Geschichte inspiriert von den Shippig Theard. Viel Spaß beim lesen!


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    Der verlorene Sohn



    Leise und heimlich schleicht sie durch die Nacht. Vor wenigen Jahren wäre sie mit erhobenem Haupt durch die Straßen marschiert, aber jetzt? Sie duckt sich weg, senkt schnell den Blick und versteckt sich, wenn sie einen Soldaten sieht. In einer dunklen, feuchten Gasse hält sie inne. Ihr Blick schweift über die unzähligen Trümmer. Nichts steht mehr an seinem Platz – alles ist zerstört. Eine kleine Träne rollt ihre Wange herunter. Berlin! Welch stolze und prächtige Stadt warst du einst. Und jetzt? Die Stadt liegt in Trümmern, die Menschen leben im Leid und Elend und die Sowjets ziehen wie Raubtiere durch die Stadt. Viele Familien wurden getrennt – auch ihre. Jeden Tag betet sie für ihre Tochter. Lotta hat es vor Kriegsende in das sichere Amerika geschafft.
    Der Moment der Ruhe verfliegt. Sie muss weiter laufen. Mit zügigen Schritten eilt sie weiter. Ein Geräusch! Schwere Schritte hallen durch die Nacht. Sie drückt sich gegen die feuchte Ruine es Hauses und hält die Luft an. Die Schritte scheinen zu verklingen. Erleichtert nimmt die ihre Reise wieder auf. Da vorn ist der Treffpunkt. Ein kurzer Blick auf die Uhr verrät ihr, dass sie pünktlich ist. Ein kalter Luftzug streift durch die Gasse. Sie fröstelt und kuschelt sich ein bisschen mehr in ihren Mantel. Ihre Gedanken kreisen um den Mann ihrer Träume – um die Liebe ihres Lebens.
    „Frau Linkmeyer?“ flüstert es leise von der Seite.
    „Ja, ich bin hier!“ erwidert sie ebenso leise. Ein junger Mann, kaum dem zwanzigsten Lebensjahr entwachsen, kommt auf sie zu. Zitternd hält er ihr seine Hand entgegen. Leicht lächelt sie und ergreift die Hand. Diese kleinen höflichen Gesten haben auch in diesen grausamen Zeiten ihren Wert noch nicht verloren.
    „Junger Mann, man sagte mir sie könnten wir Auskunft über das Stalag 13 geben.“
    „Ja, ich war da, als die Alliierten einmarschierten. Es war alles vorbereitet gewesen. Die Naziflagge war gegen eine weiße getauscht, alle Waffen lagen am Boden und man öffnete die Tore für die feindlichen Soldaten. Als die Motoren der Panzer abgestellt wurden, herrschte eine unheimliche Ruhe. Kein Laut war zu hören. Und mit einem Mal jubelten die Gefangenen. Sie lagen sich in den Armen. Die deutschen Soldaten wurden allesamt festgenommen und in die Arrestzellen gesperrt, “ er schluckt bei der Erinnerung. Nervös wischt er sich eine blonde Haarsträhne aus dem Gesicht. Die Gedanken, Ängste und auch kleine Hoffnungen überschlagen sich in Gertrudes Kopf. Jetzt erst mustert sie das halbe Kind vor sich. Engelsblonde Haare, blaue- graue Augen mit einem kämpferischen Glanz, groß und schlank ist er. Seine Haltung, die kleinen Gesten alles erinnert sie an jemanden. Sie wischt den Gedanken beiseite, dass ist jetzt nicht wichtig.
    „Dieser Colonel… der Amerikaner …ähm…wie hieß der gleich“, fuhr er fort.
    „Hogan. Colonel Robert Hogan, “ seufzte die Witwe.
    „Ja, genau. Er versuchte sich, für die Deutschen stark zu machen. Aber die „Befreier“ erzählte von anderen Lagern. Von eines mit dem Namen Dachau. Eigentlich kann ich nicht mehr viel sagen, außer das Wilhelm Klink am nächsten Morgen tot in der Zelle aufgefunden wurde. Hogan hatte sich sehr aufgeregt. Er schien als hätte er einen guten Freund verloren. Auch einige der anderen Gefangenen wirkten über den Tod des Lagerkommandanten betroffen. Eines ist sicher, offiziell war es Selbstmord, aber ich habe die Leiche gesehen, es war Mord. Man hat ihn eiskalt zu Tode geprügelt. Ich…“, tränen strömen über das Gesicht des jungen Mannes. Unfähig weiter zusprechen sah er zu Boden.
    „Waren Sie eine der Wachen?“
    „Nein!“
    „Aber warum waren Sie dann im Lager?“
    „Ich habe jemanden besucht.“
    „Ihren Vater?“ zweifelnd rang sie mit sich. Sollte sie ihre Vermutung äußern?
    „Ja.“
    „Wer sind Sie?“
    „Ich bin Heinrich Wilhelm Klink. Der Kommandant war mein Vater. Er war ein gütiger und liebevoller Vater. Schon in den 30er wollte er mit mir auswandern. Immer hatte er Angst um mich. Sein „Halt dich von der SS und der Gestapo fern!“ ein Lächeln huscht über sein Gesicht. Frau Linkmeyer starrt ihn nur an. Deshalb kam er ihr so bekannt vor. In ihrer eigenen Trauer gefangen, ist sie unfähig den Sohn ihrer heimlichen Liebe zu trösten. Geistesabwesend dreht sie sich um und möchte gehen. Doch eine starke Hand packt sie am Handgelenk.
    „Frau Linkmeyer, eines sollten Sie noch wissen. Mein Vater hat Sie sehr geliebt. Er hat regelrecht von Ihnen geschwärmt, “ erzählt Heinrich sanft. Ungläubig und misstrauisch sieht sie ihn an.
    „Es war wegen General Burkhalter…“
    „Was hat mein Bruder damit zu tun?“ unterbricht sie rüde. Die Erinnerung an ihren geliebten Bruder treibt ihr Tränen in die Augen.
    „Mein Vater sagte stets, wenn er sich zu der Liebe bekennen würde, dann wäre ich schneller an der Napola als ich „Heil!“ sagen könnte. Die Liebe zu mir und die ständige Angst um mich, ließen ihn glauben, dass er mich nur schützen könnte, wenn er die Liebe verleugnet. Es…es…tut mir wirklich leid!“
    Ohne nachzudenken umarmt sie den jungen, gebrochenen Mann vor ihr. Sie trauerten beide um denselben Menschen.
    Ein einsamer Gedanke huscht vorbei: `Das hätte dein Sohn sein können, Gertrude! `
    Wortlos packt sie seine Hand und beide eilen zusammen ihn durch die dunklen, stillen Trümmerberge von Berlin.

    "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt. " Jean-Paul Sartre


    "Papa! Lene behaupet sie hätte angefangen [mit ärgern], dabei habe ich doch angefangen!" Junior beim petzen.

  • Meine Frage ist nun: Wer war Klinks erste Frau? Linki hatte ja schon mehrere Ehemänner, daher ist Lotta geklärt, aber was ist mit Klinks Familie passiert? Ich glaube, hier kann insgesamt (in weiteren Stories) noch ausgebaut werden, aber es ist ein guter Ansatz.


    Das Klink tot ist, trifft mich sehr. Unabhängig von deiner ihm verliehenen menschlichen Seite hat er das nicht verdient. Wobei da in der Realität wohl noch ganz andere betroffen waren. Klink kommt einem ja doch immer sehr hilflos vor.

    Das Gewissen ist fähig, Unrecht für Recht zu halten. Inquisition für Gott wohlgefällig und Mord für politisch wertvoll. Das Gewissen ist um 180° drehbar." (Erich Kästner)


    "Eine Rose gebrochen, bevor der Sturm sie entblättert." (Lessing)


    "Demokratie ist nicht die Herrschaft der Vernunft. Auch falsche Entscheidungen können demokratisch sein. Das ist zu akzeptieren" (Mein Chef, zumindest so in etwa)

  • Das ist die große Frage. Eine mögliche Antwort gab es ja schon in einer Geschichte. Da war Klink verheiratet und Frau Kilink starb bei der Geburt des letzten Kindes (Frieda). Oder vielleicht ist die Haushälterin ja mehr als nur das, nämlich eine heimliche Affäre. Fragen übr Fragen. Aber die Geschichten sollen anregend sein und da müssen einige Fragen offen bleiben :D

    "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt. " Jean-Paul Sartre


    "Papa! Lene behaupet sie hätte angefangen [mit ärgern], dabei habe ich doch angefangen!" Junior beim petzen.

  • Tolle Story, mir gefallen die traurigeren Sachen echt gut, und da ich bekennender Klinkmeyer Fan bin, ist das natürlich auch noch ein Pluspunkt ❤
    Mir gefällt auch, dass, wenn schon jemand der Dramatik wegen stirbt, es der Mann ist und nicht umgekehrt, wie es in so vielen Filmen der Fall ist.
    Und über Heinrich mehr zu erfahren ist auch immer super, auch wenn es unter solchen traurigen Umständen passiert.


    Deine Idee für Klinks erste Frau gefällt mir gut, ich glaube, das nehme ich in meine Headcanons auf :D


    [edit: Mist, der hat mir über die hälfte meiner Antwort abgeschnitten, weil der Smiley nicht funktioniert hat, hmmm]

    Orange ist ein Zustand

    ♕ Mitglied des Gertrude Linkmeyer Defense Squad
    8) stolzes Smileymonster :D

  • Danke für den Kommentar. Ich versuche alle Charaktere mal einzubeziehen. Im diesjährigen Adventskalender werden wir auch mehr über Olson, Langenscheidt, Hochstetter und Co. erfahren (oder zumindest werdet ihr meine Headcanons lesen ;o)


    Mal eine allgemeine Frage, soll ich weiterhin die Kurzgeschichten im eigenen Theard posten oder mal einen Sammeltheard eröffnen?

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  • Yay, für Geschichten über die weniger beachteten Charaktere bin ich immer zu haben


    Und bezüglich Sammelthread würde ich sagen, falls die Gechichten zusammengehören und/oder aufeinander aufbauen, kannst du sie schon in einem Thread sammeln. (Bei den Folgenfortsetzungen ist es ja auch so, oder?)
    Falls Sie aber wie hier in ein anderes unterforum besser passen, würde ich sie in das entsprechende forum packen.

    Orange ist ein Zustand

    ♕ Mitglied des Gertrude Linkmeyer Defense Squad
    8) stolzes Smileymonster :D

  • Guter Tipp. Meine Geschichten gehören alle mehr oder weniger zusammen. Aber ich lass die mal lieber einzeln. Übrings hat mich meine Muse heute garnicht mehr aus ihren Fängen entlassen. Die nächste Geschichte wird nachher noch hochgeladen. :D (Wie war das mit dem Fanfics spamen?)

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    "Papa! Lene behaupet sie hätte angefangen [mit ärgern], dabei habe ich doch angefangen!" Junior beim petzen.

  • Aber das ist doch kein Spammen...


    Ich würde es auch so machen, dass die, die zusammengehören, zusammen gepostet werden, die die getrennt sind, auch so belassen werden. Ist übersichtlicher.

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  • Dann kommt es mir nur so vor. Wenn ich auf den Bereich Fanfiction gehe und bei "sonstige" vermehrt sich meine Betty (Rabe auf dem Ava), da denke ich immer, ich sollte vielleicht mal einen Gang runterschallten mit den ganzen Fanficts. Aber solange es euch nicht stört, kann ich ja getrost weiter machen.

    "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt. " Jean-Paul Sartre


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  • Warum sollte es uns stören?
    Ich meine, wenn du immer nur ein Wort oder Smilie posten würdest, dann wäre es Spam. Aber du gibst dir für deine Antworten Mühe und bereicherst das Forum. Und das auch noch mit Serieninhalten.

    Das Gewissen ist fähig, Unrecht für Recht zu halten. Inquisition für Gott wohlgefällig und Mord für politisch wertvoll. Das Gewissen ist um 180° drehbar." (Erich Kästner)


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