Bundesjugendspiele

  • Ich habe gerade gelesen, dass eine Mutter sich für die Abschaffung der Bundesjugendspiele einsetzt. Dazu gibt es im Netz offenbar sehr geteilte Meinungen, ich selbst kann sowas allerdings befürworten, bzw. wäre wenigstens für eine freiwillige Teilnahme mit entsprechendem Anreiz. Vermutlich hängt das mit den eigenen Erfahrungen zusammen.
    Bei uns gab es 4 Disziplinen:
    Weitsprung (ich habe nie mehr als 1,20 geschafft, weil ich erstens einfach zu blöd war, richtig zu springen und sitzend aufzukommen und zweitens mich auch nie getraut habe, das auszuprobieren, wenn alle daneben stehen, weil ich Angst hatte, dann nur 40 cm zu schaffen).
    Weitwurf (fand ich noch am erträglichsten, auch wenn ich hier ebf. unter der Durchschnittsleistung blieb und mein Lehrer mir immer wieder bescheinigte, dass ich falsch werfen würde)
    100m-Sprint (sehr demütigend, ich kam immer deutlich nach den anderen ins Ziel)
    800m-Lauf (ich war immer die Letzte, weil die Vorletzte sich nie an die Absprache hielt, mit mir gemeinsam einzulaufen)


    Ich habe sie gehasst. Ich war auch nie ein großer Fan von Sportunterricht, beim Turnen habe ich zweimal geweint. Aus heutiger Sicht muss ich sagen, dass das pädagische Konzept eher schlecht war (jemand anders und ich mussten etwas der Klasse zeigen. Ich freute mich, weil ich dachte, ich könnte es ausnahmsweise auch mal so gut, dass ich was vormachen dürfte und war dann leider immer nur das Negativbeispiel. Ich habe bis heute ein kleines Trauma davon, das erschreckt mich immer wieder). Dennoch war Sportunterricht für mich ok, ich habe mitgemacht. Wenn es nicht gerade Turnen war, hatte ich auch Spaß daran und später, als man auch tänzerische Sachen machen konnte, war ich richtig mit Motivation dabei und meine Noten wurden besser.
    Bei den Bundesjugendspielen habe ich mich allerdings seit der 7. Klasse mit einem Attest ausrüsten lassen, damit ich mir das ersparen konnte. Für jemandem, dem Leichtathletik nie lag, war das eine demütigende Veranstaltung, die mir definitiv nie Spaß daran vermitteln konnte. Heute würde ich das u. U. sogar nochmal ausprobieren wollen, in kleinerer Gruppe, ohne Angst, dass mich alle auslachen, dass alle im Kreis um meinen Sprungversuch herumstehen.


    Vielleicht sollte man sie anders aufziehen oder tatsächlich freiwillig machen und dann alternativ Unterricht anbieten, also irgendwas, das einen Anreiz bietet, nicht einfach nur frei zu machen. Denn ab der 9. Klasse haben bei uns sowieso nur noch 50 % mitgemacht, der Rest war "krank".



    Ok, das war nun ein recht persönliches Statement, das ursprünglich anders gedacht war.
    Welches Verhältnis habt ihr zu den Bundesjugendspielen? Findet ihr Abschaffen ok?

    Das Gewissen ist fähig, Unrecht für Recht zu halten. Inquisition für Gott wohlgefällig und Mord für politisch wertvoll. Das Gewissen ist um 180° drehbar." (Erich Kästner)


    "Eine Rose gebrochen, bevor der Sturm sie entblättert." (Lessing)


    "Demokratie ist nicht die Herrschaft der Vernunft. Auch falsche Entscheidungen können demokratisch sein. Das ist zu akzeptieren" (Mein Chef, zumindest so in etwa)