Posts by Rommel



    Zugegeben, Atatürk wäre wohl nicht sehr zufrieden, wenn er wüsste, wie sich seine Türkei in den letzten 10/15 Jahren entwickelt hat. Dennoch kann das hier nicht so unkommentiert stehen bleiben:


    Was deinen EU-Beißreflex angeht, ist vieles schon in diesem Thread angesprochen.


    Du kannst sooft beteuern, dass du kein Rassist bist, wie du willst. Solange du solche Sprüche wie „Soll doch nach Anatolien gehen und Ziegen f*****“ äußerst, ist deine Aussage unglaubwürdig. Das geht schon über gewöhnliche Xenophobie hinaus. Überdenke deine Einstellung.


    Die Türkei ist ein in sich gespaltenes Land. Auf der einen Seite eine urbane Bevölkerung, die durchaus dem westlichen Lebensstil offen gegenüber steht (Atatürk hat die Türkei seinerzeit schließlich auch nach Westen ausgerichtet). Auf der anderen Seite eine ländliche Bevölkerung, die kaum über den Rand ihres Dorfes hinauskommt. Und dann natürlich die vielen vielen Schichten dazwischen. Das wäre ein Ansatzpunkt, um gegen den EU-Beitritt der Türkei zu argumentieren.

    Ich würde mich nicht als Kurzentschlossener bezeichnen. Eher als Wechselwähler, wobei ich – gerade bei Bundestagswahlen – gerne dazu neige, meine Stimmen auch aufzuteilen.


    Es ist schon erschreckend, wie viel Resignation man, auch hier im Forum, bezüglich Wahlen und Demokratie beobachten kann. Demokratie ist nicht damit getan, dass alle Legislaturperiode wieder auf einem Blatt Papier ein Kreuz gemacht wird. Wer sich immer nur über „die da oben“ beschwert, sollte mal darüber nachdenken, wann er das letzte Mal Kontakt zu den Damen und Herren Abgeordneten gesucht hat. Die haben nicht umsonst ein Büro im Wahlkreis und dementsprechend Bürgersprechstunden. Als Wähler hat man durchaus das Recht, denen auch mal aufs Dach zu steigen.


    Lexif6 : Ich möchte dir nicht zu nahe treten, aber wo hast du denn diesen Stuss her?

    Im Vergleich zu Bildern, die direkt nach der Festnahme entstanden sind, ist es kein Wunder, dass die Angeklagte „erholter“ aussieht. Es ist kein Kunststück, auf der Flucht verwahrloster auszusehen als nach einigen Monaten im Gefängnis. Wie es aussieht, gibt es aber doch noch Leute, die sich den „guten“ alten Kerker im feuchten Keller ohne Tageslicht zurück wünschen.


    Auch wenn es schwerfällt, dies zu akzeptieren: Eine angeklagte und sogar eine verurteilte Person ist weder rechtlos noch vogelfrei. Es gibt Rechte, die nicht verwirkt werden können, egal was jemand angestellt hat.



    @Wyzo: Was kümmert es die stolze Eiche, wenn sich ein Borstenvieh an ihr wetzt? Sollen sie doch „Opfer“ sagen. Der Begriff ist heutzutage so sehr aufgeladen, dass man gerade bei bildungsfernen Schichten davon ausgehen kann, dass sie mit seiner Bedeutung eigentlich nichts anzufangen wissen und sich verbal nur ins eigene Knie schießen. Ohne dir zu nahe treten zu wollen: Für den Nazi-Begriff gilt ähnliches. Er wird in einigen Fällen so inflationär verwendet, dass er einer leeren Worthülse gleicht (weswegen ich, wenn ich mich mit anderen über das Thema NS unterhalte, auch lieber den Begriff „Nationalsozialisten“ verwende, auch wenn er länger ist).


    Was Frau Kiesewetter sowie das Theater um die Presseplätze angeht kann ich dir jedoch zustimmen. Auch wenn ich Wikipedia nicht unbedingt als Referenzwerk heranziehen würde.

    Hier kannst du nachlesen, warum erst jetzt. Kurz gesagt: Im Zusammenhang mit dem Fall Demjanjuk ist die Staatsanwaltschaft zu dem Schluss gekommen, dass den einzelnen Angeklagten nicht eine bestimmte Tat nachgewiesen werden muss, sondern dass derjenige, der in einem KZ Wächter o. ä. gewesen ist, sich auch schuldig gemacht haben muss. Diese Ansicht ist jedoch noch nicht richterlich bestätigt, da Demjanjuk gestorben ist, bevor das Revisionsverfahren abgeschlossen war.


    Das jetzige Alter hat keinen Einfluss darauf, welche Strafe der Verdächtige zu erwarten hat. Die Frage ist jedoch, ob es Sinn macht, ihn jetzt noch zu 15 Jahren Gefängnis zu verurteilen, da er wohl nicht mehr lebend rauskommen wird (es sei denn, er wird 108 Jahre alt). Eine einfache Aussetzung der Strafverfolgung würde jedoch auch gegen das allgemeine Rechtsempfinden verstoßen.


    Schau dir mal die Geographie von Österreich an und vergleich das mit dem damaligen dortigen Sowjetischen Besatzungsgebiet. Die sogenannte „Alpenfestung“ liegt nicht in diesem Bereich, hätte also gegebenenfalls erst von der Roten Armee erobert werden müssen. In Zeiten, in denen diese vor allem auf den schnellen Vorstoß mit mobilen Einheiten (z.B. Panzer) setzte, hätten die Alpen nur unnötig Kräfte gebunden. Österreich konnte für die strategischen Ziele vernachlässigt werden, wenn die SBZ/DDR unter sowjetischer Kontrolle stand. Denn von dort aus war ein schneller Vorstoß bis zum Atlantik wesentlich unkomplizierter als von den Alpen her.
    Die politischen Vorteile eines kommunistischen deutschen (Teil-)Staates im Rahmen der Ostblockbindung hätten mit Österreich überdies auch nicht ausgeglichen werden können.


    Könntest du jetzt vielleicht meine eingangs gestellte Frage beantworten oder auf eine andere Weise zum eigentlichen Thema dieses Threads zurückkehren?

    tunel :
    Es gibt Leute, für die ist die Abschaffung der Praxisgebühr eine Erleichterung, unabhängig davon, ob du einen Vorteil davon hast oder nicht.


    Es hat niemand behauptet, dass die Energiewende billig und sofort zu haben sein wird. Es ist meiner Meinung nach aber ein Schritt in die richtige Richtung, zumal das Endlagerproblem bei Kernkraftwerken nicht gelöst wird. Nachfolgende Generationen werden es uns danken, dass sie nicht noch mehr Atommüll versorgen müssen, zumal wie ja jetzt schon sehen, wie „sicher“ Asse und Co sind. Ich gebe allerdings zu, dass einige Details verbessert werden müssten.


    Was den Hitler-Vergleich angeht, schreibe ich dir dasselbe, was ich auch schon zu Wyzo geschrieben habe: Die Äußerungen des Boulevards interessieren mich nicht.


    Dass du unter den hohen Spritkosten leidest, ist bedauernswert. Wenn ich aber auf der anderen Seite Menschen sehe, die zu faul sind, ein paar hundert Meter zu gehen und lieber das Auto nehmen, oder sich zu fein dafür sind, trotz exzellenter Anbindung den ÖPNV zu benutzen, beschleicht mich regelmäßig das Gefühl, dass das Benzin/der Diesel noch nicht teuer genug ist.

    tunel :
    Du solltest nicht nur auf das schauen, was von den Medien als Sau durchs Dorf getrieben wird. Die ganz normale Tagespolitik wird nämlich meist selten bis überhaupt nicht beachtet. „Schavan tritt zurück“ oder „G 20 Gipfel mit Merkel“ sind Themen, mit denen man Auflage machen kann. Da werden solche größeren Themen wie „Energiewende“ oder auch kleinere wie „Abschaffung der Praxisgebühr“ schnell vergessen. Ganz zu schweigen von dem neuen Mindestlohn für Beschäftigte der Abfallwirtschaft oder den gesenkten Steuersatz für Versicherungen gegen Unwetterschäden für Landwirte (diese Aufzählung enthält lediglich Beispiele, unabhängig davon, wie ich sie persönlich bewerte).


    Des Weiteren war schon zu allen Zeiten jeder davon überzeugt, dass die aktuelle Regierung die unfähigste sein soll.

    @ DTH:
    Ich denke, dass der (noch-) Papst nach seinem Amtsverzicht wie jeder andere emeritierte Bischof behandelt wird. Schließlich ist er als Bischof von Rom zurückgetreten. Der Bischof von Rom ist der Papst, er wird nicht mehr Bischof von Rom sein, also wird er auch kein Papst mehr sein. Das Papstamt ist ja schließlich keine Weihe, sondern (wie der Name schon sagt) ein Amt. Benedikt/Ratzinger ist geweihter Bischof und diese Weihe behält er auch.


    So ist es zumindest meine Auffassung. Wie der Vatikan dann im Einzelnen entscheidet, werden wir sehen.


    Schön, dass wir das Thema Versailler Vertrag beenden konnten.


    Was Österreich angeht: Heute mag es ja eine respektable Position in Europa eingenommen haben. In Anbetracht des herannahenden Kalten Krieges war dieses kleine (Vor-)Alpenland für die strategische Planung der Sowjets eher zu vernachlässigen. Jedoch ein Fuß mitten in Mitteleuropa, von wo aus man bis zum Atlantik hätte durchspazieren können und der zudem eine zuverlässige westliche Klammer der Ostblockstaaten bildete ist nicht zu verachten. Die SBZ/DDR war letztendlich zu wertvoll, als dass Stalin sie einfach so losgelassen hätte.
    Soviel dazu, warum in den Alpen eine Neutralität möglich war. Was ist mit der Antwort auf meine Frage?

    Tja, da hat der Heilige Vater für eine Überraschung der ganz besonderen Art gesorgt. Er ist seinem Gewissen gefolgt, also kann man davon ausgehen, dass er für sich das Richtige getan hat.
    Es hätte nicht zu ihm gepasst, wenn er seine letzten Jahre wie Johannes Paul II verbracht hätte. Johannes Paul II war ein Papst der großen Gesten, wohingegen Benedikt XVI eher ein Mann des Wortes ist. Wobei das Zeichen seines Vorgängers schon groß war: Leiden und Tod gehören zum menschlichen Leben dazu und nicht aus dem öffentlichen Bewusstsein gedrängt.


    Was mich hingegen keineswegs überrascht ist die Tatsache, dass in den Medien wieder die „Hoffentlich kommt ein Papst, der Reformen durchführt“ – Keule ausgepackt wird. Das Zweite Vatikanische Konzil ist noch nicht richtig verstanden worden und manch einer ruft schon nach dem Vatikanum III. Wir brauchen nicht noch eine Vereinigung, die dem Zeitgeist hinterherläuft…


    DTH :
    Welche päpstlichen Würden meinst du im Speziellen?


    @Wyzo:
    „Wahre Götter“? Ich sage nur Bonifatius: 1 – Donar: 0.


    Ja, das ist Demokratie. Alles andere würde zu einer Hegemonialstellung größerer Länder über kleinere führen.


    Bezüglich der Rolle, die du dem Versailler Vertrag zuschreibst, bleibt mein Einwand bezüglich der anderen nationalistischen und faschistischen Regime in Europa bestehen.
    Nur damit wir uns richtig verstehen: Ich möchte die Rolle des Versailler Vertrages nicht negieren. Nur habe ich die Erfahrung gemacht, dass Personen, welche dessen Rolle überbewerten, dazu neigen, durch den Vertrag die Verantwortung für Hitler und seine Folgen allein den Siegermächten des Ersten Weltkrieges zuzuschreiben, um Deutschland damit komplett zu entlasten. Sollte dies bei dir nicht der Fall sein, können wir dieses Thema langsam abschließen.


    „Folgeorganisation“ würde bedeuten, dass Montanunion und Euratom nicht zur gleichen Zeit existierten, sondern die eine die Nachfolge der anderen antrat. Dem war/ist nicht so, da die Montanunion erst 2002 aufhörte zu existieren (und zwar schlicht deswegen, weil die Verträge nicht verlängert wurden). Die Euratom besteht hingegen noch heute.


    Ich sehe immer noch nicht, warum es gerechtfertigt ist, Italien dafür verantwortlich zu machen was vor 70/90 Jahren geschehen ist, du aber regelmäßig Gift und Galle speist, wenn Deutschland seine Taten aus dem Zweiten Weltkrieg vorgehalten werden. Oder willst du Italien vorwerfen, dass sie im Zweiten Weltkrieg Deutschland nicht die „Nibelungentreue“ (ein Wort, welches in diesem Zusammenhang vollkommen deplatziert ist) gehalten haben, als die Alliierten direkt vor der Haustüre standen? Oder dass sie nicht an den vielbeschworenen „Endsieg“ geglaubt haben? Außerdem: Italien hat im Ersten Weltkrieg zu keinem Zeitpunkt den Mittelmächten angehört.
    Ob das Deutsche Reich jemals „jemanden verraten“ hat, kannst du selbst entscheiden: 1914 Überfall auf das neutrale Belgien und Luxemburg, 1939 Überfall auf Polen (nein, Gleiwitz zählt nicht); 1940 (wieder einmal) Einmarsch in das neutrale Belgien und Luxemburg, zudem Überfall auf die neutralen Staaten Niederlande und Dänemark; 1941 Überfall auf die Sowjetunion unter Verletzung des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes.
    Im Übrigen hat ein „Deutsches Reich“ zur Zeit Napoleons nicht existiert.


    Da die Sprache ein Teil der Kultur ist definierst du ein Volk (vereinfacht ausgedrückt) durch die Kultur. Setzen wir einen Hanseaten und einen Schwaben an einen Tisch und schauen, was passiert. Noch besser: Einen Bayern und einen Berliner. Dann werden wir sehen, wie heterogen eine Kultur doch sein kann und dass sie als Begründung für ein Volk nur bedingt taugt.


    Ich bitte dich, du kannst doch Österreich, was seine wirtschaftliche und strategische Rolle für die Sowjetunion angeht, nicht mit Deutschland vergleichen. Um deinen Tippfehler zu korrigieren: Die Stalin-Noten waren von 1952.


    Frankreich stimmte der Wiedervereinigung unter der Bedingung zu, dass die Europäische Integration (welche lange vor 1989/90 initiiert wurde) fortgeführt wurde. Die Deutsche Mark war in diesem Zusammenhang nebensächlich. Frankreich die „Alleinschuld“ am Euro zu geben missachtet die Tatsache, dass es auch in Deutschland (sogar private) Initiativen gab, einen gemeinsamen europäischen Währungsraum zu schaffen.


    Könntest du was die „aktuelle“ (Datum deines Posts: 9. Februar) Aktion von Frau Merkel angeht ein wenig konkreter werden?


    Im Übrigen hast du immer noch nicht die Frage beantwortet, mit welcher ich in diesen Thread eingestiegen bin: Wo liest du schon wieder die EU rein?



    Wir haben nur eine Stimme im Rat der EZB, weil jeder nur eine Stimme hat. Das dahinter liegende Konzept nennt sich „Demokratie“.


    Du willst nicht, dass der Nazi-Vorwurf gegen Deutschland gebracht wird, wirfst Italien aber sein Verhalten vor knapp 70 beziehungsweise 90 Jahren vor? Vielleicht solltest du mal deine Maßstäbe überprüfen…


    Den Versailler Vertrag als einzige Erklärung für Hitler hinzustellen ist nicht richtig. Zum einen wurde während der gesamten Weimarer Republik versucht, die Auswirkungen des Vertrages zu beschneiden. Wenn ich mir beispielsweise das Vertragswerk von Locarno ansehe, waren die Versuche nicht unbedingt erfolglos. Zum anderen gab es in Europa auch Länder mit faschistischen Regimen, die nicht negativ von einem der Pariser Vorortverträge betroffen waren, zum Beispiel Italien.


    Eine Doku auf Phoenix ist nicht unbedingt eine gute Belegstelle, vor allem dann nicht, wenn Guido Knopp daran beteiligt war (was bei Phönix-Dokus nicht unbedingt erforderlich ist, aber leider öfter mal vorkommt). Dass das Sicherheitsbedürfnis Frankreichs die Pariser Außenpolitik nach dem Zweiten Weltkrieg recht lange beherrschte, steht außer Frage. Auf der anderen Seite hatte Deutschland einen gewaltigen Nutzen von der Montanunion (Stichwort Wirtschaftswunder). Nebenbei: Hätte Adenauer „uns nicht an den Westen verkauft“, wäre es „uns“ genauso ergangen wie der SBZ: Westdeutschland wäre ein Sowjetischer Satellitenstaat geworden. Außerdem ist die Europäische Union nicht nur aus der Montanunion hervorgegangen. Es gab beziehungsweise gibt auch noch die Europäische Atomgemeinschaft und die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft.
    Kurt Schumacher pflegte im Übrigen einen recht autoritären Führungsstil und duldete keinen Widerspruch zu seinen Entscheidungen. Auch durch ihn wurden innerhalb der SPD marxistische und sozialistische Ideen propagiert, welche der Partei einen Durchbruch zur Volkspartei verhinderten. Aber vielleicht könntest du ein wenig konkreter in deinen Aussagen werden, damit ich richtig auf diese eingehen kann.


    Erste konkrete Pläne für den Euro gab es schon 1970. Ab 1979 gab es schon den sogenannten ECU als gemeinsame Rechnungseinheit der Europäischen Gemeinschaft. Die Idee des Euro reicht also schon lange vor 1989/90 zurück und kann nicht als bloßer „Preis für die Wiedervereinigung“ abgetan werden, vor allem, da die Wiedervereinigung 1989/90 doch eher überraschend kam.


    „Deutschland ist größer als die Grenzen von 1990“? Ich kann mir zwar denken was jetzt kommt, aber trotzdem: Erzähl doch mal…


    Du willst das Fass „Selbstbestimmungsrecht der Völker“ wirklich aufmachen? Dann bitte ich dich erst einmal den Begriff „Volk“ zu definieren.


    Ich möchte dich darauf hinweisen, dass nicht nur Deutschland zu den Nettozahlern der EU gehört, sondern (Stand 2009) auch Länder wie Frankreich, Benelux, Großbritannien und (Achtung) Italien. Hinzu solltest du beachten, dass Deutschland nur der Hauptzahler ist, wenn wir in absoluten Zahlen rechnen. Das ist aber insofern Sinnlos, da Deutschland nun mal die größte Volkswirtschaft und der bevölkerungsmäßig größte Mitgliedsstatt in Europa ist. Betrachten wir die Pro-Kopf-Zahlen befinden wir uns nur auf dem siebten (!) Platz, sogar noch hinter Luxemburg oder Belgien. Was den Anteil der Zahlungen an die EU am BIP angeht (die wohl aussagekräftigste Vergleichszahl), liegt Italien (!) noch vor Deutschland. Die Mär vom „deutschen Zahlmeister“ kannst du also deinen „Kameraden von der anderen Feldpostnummer“ erzählen.


    Den Nazivergleich hast du jetzt ins Spiel gebracht. Wenn du nur auf das hörst, was der ausländische Boulevardjournalismus bringt, dann kannst du ja gleich die „Bild“ lesen. Wenn du unbedingt eine Debatte über Themen wie Schuld, Moral und Ethik eröffnen willst, können wir das gerne machen, aber nicht in diesem Thread.


    „Informiere dich mal über den Versailler Vertrag!“ Gerne, aber vielleicht solltest du dich mal über das Londoner Schuldenabkommen von 1953 informieren. Oder ein wenig konkreter in deinen Aussagen werden, da das Thema „Vertrag von Versailles“ ziemlich umfangreich und mit Mythen belastet ist. Im Übrigen diskutiert auch hier die Geschichtswissenschaft darüber, ob Versailles wirklich so große Auswirkungen auf das Deutsche Reich nach dem Ersten Weltkrieg hatte, oder ob es sich hierbei nicht um eine große Panikmache handelte.


    Vielleicht könntest du dir mal die Mühe machen, deine Aussprüche (wie beispielsweise „Knebelvertrag“, „EU-Propaganda“ …) ein wenig näher zu erläutern, anstatt nur mit unmotivierten Halbsätzen und Anderthalbzeilern irgendwelche nebulöse Wortfetzen in die Gegend zu setzen.




    kathi :
    Ich habe nie behauptet, dass es in Deutschland keine Fehler gibt, oder dass wir sogar im Paradies leben. Aber dieses ständige Genöhle und Gejammer wie schlecht es uns doch geht und dass wir von allen anderen nur Ausgenutzt werden geht mir allmählich auf die Nerven. Von einer bestimmten Seite wird wieder der „Gutmenschen-Vorwurf“ kommen, aber ich sage es trotzdem: Aus unserer privilegierten Position heraus dürfen wir auch über unseren eigenen Tellerrand herausschauen und denen helfen, denen es nicht so gut geht. Eine radikale Abschottung von allem und jedem hat noch nie geholfen.


    <ironie>
    Vielleicht lebe ich ja auf der Rückseite des Mondes und warte darauf, dass jemand mit einem Smartphone vorbei kommt ...
    </ironie>


    Ich weiss nicht, welchen "EU Knebelvertrag" du meinst, vor allem, da diese Union auf vielen verschiedenen Vertragswerken beruht. Deine Ansicht, dass wir Länder "nicht brauchen", erinnert mich eher an einen verqueren Nationalismus, der uns in der Hauptsache zwei Weltkriege eingebracht hat. Ferner erweckt diese Art der Bewertung von Ländern deinerseits bei mir den Eindruck, dass du eine Denkweise verinnerlicht hast, die du sonst immer kritisierst: Eine kapitalistische.


    Die EU gehört immer noch zu den besten Errungenschaften, die Deutschland passieren konnten. Allein schon die Vorteile, die uns durch einen gemeinsamen Markt entstehen, sind nicht zu unterschätzen, zumal Deutschland eine Exportnation ist, welche, was Rohstoffe angeht, auf Importe angewiesen ist. Die Zeit, wo wir allein durch Kohle aus dem Saarland und dem Ruhrgebiet reich geworden sind, ist vorbei.

    Quote

    Original von kathi
    ich war als kind auch von zeit zu zeit allein zuhause weil meine eltern arbeiten waren.
    außendem sollte man auch sozialkontakte knüpfen, leute kennenlernen, zusammenarbeit und so. dort hat man dinge gelernt, die man zuhause nicht gelernt hat. zum ende hin hat mein vater kleine technikkurse angeboten. einfache schaltungen halt.
    es gab feste für die ganze familie, es war gut besucht


    Dafür brauche ich aber keinen Kinderbauernhof, der von einer beliebigen staatlichen Stelle (Bund, Länder, Kreis, was auch immer) getragen wird. Es gibt viele Möglichkeiten, wo die Orts(teil)gemeinde von sich aus aktiv werden kann, ohne nach dem staatlichen Geldsäckel zu rufen. Ich kenne beispielsweise ein Dorf, wo auf dem Gemeindegrund ein Grillplatz angelegt wurde (wunderschöne Aussicht über die Ortschaft). Es ist nur ein Beispiel, aber Möglichkeiten gibt es viele.

    Das ist beklagenswert. Dabei nimmt der Sozialetat des Bundes knapp 40% des gesamten Bundeshaushaltes in Anspruch. Wobei ja auch differenziert werden muss, wer Träger der jeweiligen Einrichtungen ist. Die Kommunen und Gemeinden sind ja leider regelmäßig knapp bei Kasse.


    Andererseits gehört die Erziehung von Kindern und Jugendlichen in den Bereich der elterlichen Pflichten und nicht auf den Kinderbauernhof...

    Dass das Geld "überall" hingeht, nur nicht zu den Bürgern, ist ein gerne verbreitetes Gerücht. Ich bekomme es zwar nicht in bar auf die Hand, dafür lebe ich aber auch nicht in einem sogenannten "Failed State". Ich kann meine Kinder auf eine vernünftige (und staatliche) Schule schicken und mich im Krankheitsfall auf Ärzte verlassen, die in staatlichen Universitäten ausgebildet wurden und nicht beim Metzger um die Ecke. Die Liste ließe sich beliebig erweitern.

    Um ganz ehrlich zu sein: Ich habe den Sinn hinter Boxen noch nie so richtig verstanden: Zwei Personen steigen in einen Ring und prügeln sich (gerne auch technisch Anspruchsvoll). Dabei gibt es blaue Augen, geplatzte Lippen und wenn es hoch kommt eine Gehirnerschütterung.
    Zur "Ehrenrettung": Es ist, in meinen Augen, bei weitem nicht so sinnlos wie Formel 1 Rennen. Mehrere Runden fahren und dabei unnötig Treibstoff in die Luft blasen...

    Quote

    Original von Wyzo
    Was soll dazu noch sagen ?


    Knebelvertrag EU !
    Deutschland muss notfalls für was zahlen was seiner eigenen Poltik widerspricht !
    Da waren ja sogar die Reparationsforderungen des Versailler Vertrags noch gerechter !


    Aber ich vergass ja: Wir sind Nutzniesser der EU-Unterdrückung ! (Jedenfalls so unsere Herren und Damen der Politik...)


    Kannst du mir mal sagen, wo du hier schon wieder die EU reinliest? Hier ist der original Spiegel-Artikel nachzulesen. Auch da kein Wort über die EU oder ähnliches. Bitte trainiere dir diesen Beißreflex ab, bevor die Zahnarztrechnung zu hoch wird.


    Die angesprochenen Bürgschaften unterstützen übrigens in erster Linie keine anderen Staaten, sondern deutsche Unternehmen, die ins Ausland exportieren. Und da Deutschland nunmal eine Exportnation ist, ist dies auch nicht verwunderlich.


    Ich bin der Auffassung des "endlosen Kreislaufes" nicht so ganz einverstanden. Mehr Nahrungsmittel bedeutet nicht gleichzeitig mehr Menschen. Ein gutes Beispiel dafür ist Deutschland selber. Wir haben mehr als genug Nahrung und trotzdem sinken die Geburtenzahlen.


    In Regionen, wo Nahrungsmittelmangel herrscht, werden (unter anderem) deshalb so viele Kinder geboren, damit ein bis zwei wenigstens das Erwachsenenalter erreichen und die Eltern versorgen können.