Rote Rosen, grüne Drachen (Slash!)

  • Disclaimer:Dies ist eine Geschichte in der homoerotische Liebe vorkommt, es kommen zwar nur ein, zwei Küsse vor, trotzdem, wer das nicht mag, solls nicht lesen. Den anderen viel Spass beim lesen, ich würde mich über Kommentare freuen . Und ja, es ist vieleicht ein bisschen schnuzlig, darüber bitte einfach hinweg sehen *hundeblick aufsetzt*
    Anmerkung: Danke an meine Beta, Susi, ohne deren ständige Ermutigung das ganze nicht zustande gekommen wäre *knuddlt* Und natürlich allen, die sich dazu durchringen können, die Story zu lesen ;)



    Grüne Drachen, rote Rosen
    von Jackil


    Mit einem leisen Klicken glitt der Riegel der Tür zur Seite und er konnte sie aufstoßen. Aus dem Innern seiner Wohnung drang ein undefinierbarer Geruch nach Pizza, Fett, Kaffe und irgendetwas anderem. Frustriert aufseufzend schritt er in sein kleines Reich, schloss die Türe hinter sich, indem er sie schwungvoll zuknallen ließ. Dabei war er sich im Klaren, das spätestens nach 5 Minuten die Nachbarn kommen würden, um ihm zu sagen, dass er dies unterlassen solle. Doch das war ihm im Moment wirklich egal. Frustriert legte er seinen Schlüssel auf die kleine, hölzerne Kommode, die direkt neben der Türe stand, schon auf ihr lag die erste Pizzaschachtel, eine Pizzahälfte war noch vorhanden. Angeekelt wandte er seinen Blick ab, schmiss seinen Mantel zu Boden und schleuderte seine Schuhe mitten auf den Flur. Wie vorausgesagt klopfte es in eben jenem Moment hinter ihm an der, ehemals weißen, Türe. Genervt verdrehte er die Augen, drehte sich um und öffnete die Tür ein kleines Stückchen. Seine, offenbar schlecht gelaunte, Nachbarin trug nicht dazu bei, dass er die Tür weiter aufmachen wollte und das, was sie ihm an den Kopf warf, erst recht nicht. Zudem wollte er heute eigentlich am liebsten gar niemanden mehr sehen, doch er konnte sie nicht ignorieren und so versuchte er, sein freundlichstes Lächeln aufzusetzen und erwiderte in artigstem Ton, welcher ganz im Gegensatz zu ihrem Gezeter stand:" Tut mir Leid, Miss Laurence, wird ganz sicher nicht mehr vorkommen. Und jetzt entschuldigen Sie mich bitte, ich habe viel zu tun, schönen Abend noch." Somit verschloss er die Tür vor ihrer Nase wieder und wandte sich genervt um. Es stimmte zwar, er hätte viel zu tun, zum Beispiel seine miserable Bude mal aufzuräumen und zu renovieren. Doch HEUTE, würde er das ganz sicher nicht mehr tun, er hatte schon genug erlebt, für einen Tag.
    Schlurfend machte er sich auf den Weg zum Sofa, um einen weiteren Abend vor dem Fernseher zu verbringen, sich sinnlose Filme reinzuziehen und seine Sinne zu betäuben. Auf dem Weg durch den Flur stolperte er über seine schweren Arbeitsschuhe? , fluchte laut und rappelte sich wieder vom Boden auf. Er versetzte den beiden einen Tritt, welchen er bald darauf bedauerte, da er sich seine Zehen nicht mit den Stahlkappen messen konnten und sich so protestierend meldeten. Er fluchte erneut, humpelte in die Küche, wo er sich erstmal an einem kniehohen Stapel Pizzaschachteln vorbeizwängte, nur um anschließend fest zu stellen, dass er kein Bier mehr hatte. Achselzuckend verschloss er den Kühlschrank wieder, dann musste er eben etwas Härteres nehmen. So schnappte er sich eines der dreckigen Gläser aus der Spüle, ließ etwas Wasser hinein laufen und beschloss, nachdem er dies wieder ausgekippt hatte, dass das Glas jetzt sauber genug war.
    Er ging damit ins Wohnzimmer, wo er, aus dem einzigen abschließbaren Möbel welches sich dort befand, eine Flasche Whiskey holte und sich schließlich mit Glas und Flasche bewaffnet auf sein gammeliges Sofa fallen ließ. Dabei ignorierte er die leeren Kartons am Boden absichtlich, angelte nach der Fernsehbedienung und stellte seinen Fernseher Marke "uralt" ein. Wie immer flimmerte dieser zuerst, bevor sich das Bild langsam aufklärte. Er sah einem langweiligen Nachrichtensprecher entgegen, der irgendetwas von Verkehrsunfall redete. Er entschied, dass es ihn nicht interessierte, wie viele Menschen heute wieder durch Dummheit anderer gestorben waren und so zappte er weg. Das nächste was er sah, war eine Talkshow und nach einigem weiteren Gezappe entschied er sich schließlich seufzend dafür, sich die Show anzusehen. Er schmiss die Bedienung also neben sich und goss sich anschließend einen großzügigen Schluck Whiskey ein, welchen er auch sogleich hinunter stürzte. Der Alkohol brannte in seiner Kehle, doch es tat ihm gut, nach dem heutigen Tagwar es genau das, was er brauchte.
    Zuerst versuchte er noch, sich auf die Talkshow zu konzentrieren und sich über die erbärmlichen Kreaturen lustig zu machen, die er dort sah, doch bald schon schweiften seine Gedanken ab und ließen ihn den heutigen Tag wieder erleben.
    Begonnen hatte der ganze Schlamassel ja bereits am Morgen, bessre gesagt in der Nacht. Die Nacht durch hatte er so gut wie nicht geschlafen, und was war daran mal wieder schuld? Natürlich, ein heftiger Streit mit seinem besten Freund, der ihm einfach nicht aus dem Kopf wollte. Warum war er auch so dumm, sich mit Mike zu streiten? Er wusste doch schließlich genau, dass er sich das nie verzieh, und war er hundertmal im Recht. So auch diese Nacht, natürlich hatte er sich NICHT verziehen und hatte sich deshalb schlaflos im Bett von einer Seite zur anderen gewälzt, verzweifelt nach einem Einfall suchend, wie er sich am besten entschuldigen sollte. Nach dieser, mehr wach als schlafend verbrachten, Nacht war er schließlich doch eingeschlafen - 5 Minuten bevor sein Wecker klingelte. Jeden Morgen fragte er sich aufs Neue, warum er dieses Ding nur immer ans andere Ende seines kleinen Zimmers stellte. Und jeden Morgen konnte er sich die Frage mit: "weil du sonst nicht aufstehen würdest." beantworten. Genauso war es auch diesen Morgen gewesen, nur dass er diesmal noch weniger geschlafen hatte und folglich noch unmotivierter gewesen war, arbeiten zu gehen. Doch das metallische Scheppern des Weckers nervte ihn noch weitaus mehr, weshalb er sich, mit schmerzenden Gliedern, vom Bett erhob um den Störenfried auszuschalten. Was er dabei nicht bedacht hatte war, dass er am Abend zuvor seine Kleider auf einen Haufen vor das Bett gelegt hatte. Er verfing sich prompt in seiner Hose und fiel, logischerweise, zu Boden, als er versuchte sich loszumachen. Fluchend erhob er sich erneut, schüttelte die lästige Hose ab und brachte seinen Wecker mit einem heftigen Tritt zum Schweigen. Brummelnd sah er sich im Zimmer um, auch hier herrschte Chaos, wie im Rest seiner Wohnung. Auch dabei musste er an Mike denken und daran, wie er ihn immer mit seiner Unordnung aufzog. Er schüttelte den Kopf, als wolle er diese unliebsamen Gedanken damit verscheuchen und wandet sich dem Wäschekorb zu, in welchem seine gewaschene Kleidung lag. Daraus zog er einen grauen Pullover, es würde bestimmt wieder kalt werden heute, und eine schwarze, stark zerknitterte Hose. Seine Hosen bügelte er schon lange nicht mehr, hatte er sie erst eine Weile angehabt, würden sie so oder so genauso aussehen, wie die ungebügelten. Also, warum sollte er sich die Mühe machen? Er zog sich hastig an, da ihm ein Blick auf den verhassten Wecker verraten hatte, dass er sich beeilen musste.
    Doch sein Tag war wahrlich nicht von Glück geprägt, denn obwohl er auf seinen heiß geliebten Morgenkaffee verzichtet hatte, was ihn noch etwas schlechter stimmte, war er bereits zehn Minuten zu spät, als er das Treppenhaus hinunter hastete. Doch erst unten bemerkte er, dass er die Autoschlüssel in der Wohnung liegengelassen hatte. Er drehte also auf dem Absatz, rannte, zwei Stufen in einem nehmend und laut vor sich hin fluchend, die sechs Treppen, welche die drei Stockwerke verbanden, empor. Oben angekommen musste er erstmal durchatmen. So stand er da, vor seiner Türe, die Hände auf die Knie gestützt, gierig nach Luft japsend. Und wieder mal fragte er sich, warum er nur gerade in den dritten Stock hatte ziehen müssen. Hätte es eine schöne, kleine Wohnung im Erdgeschoss nicht auch getan? Nein, natürlich nicht, der Herr hatte Aussicht haben wollen. Und das hatte er jetzt davon... Mit diesen Gedanken rammte er den Schlüssel ins Schloss, drückte seine Türe auf.
    Direkt vor seinen Augen, in der Mitte des Ganges lag sein Autoschlüssel: Das Mistding war ihm beim Herumhasten aus der Tasche geglitten. Seufzend und mehrere wüste Verwünschungen ausstoßend hob er ihn auf, schlug die Tür hinter sich zu und wollte gerade losrennen, als er bemerkte, dass er diesmal den Hausschlüssel fast vergessen hätte. Er zog ihn eilig aus dem Schloss und hastete erneut die Stufen nach unten.
    Dort angekommen hastet er über die stark befahrene Straße, ohne den regen Verkehr wirklich zu beachten. So wurde er auch beinahe angefahren und "durfte" sich in seinem unausgeschlafenen Zustand auch noch die Verwünschungen eines schlechtgelaunten Glatzkopfes antun. Er murmelte, laut genug, dass der andere ihn hören konnte "Halt doch die Klappe, Arschloch" und ging dann einfach weiter, als ob nichts gewesen wäre.
    Doch noch heil auf der anderen Straßenseite angekommen, schloss er sein Auto auf, ließ sich auf den verschlissenen Sitz seines Chevys fallen und stieß den Schlüssel ins Zündschloss. Anschließend schmetterte er die Türe zu, drehte den Schlüssel zeitgleich, als sein Fuß die Kupplung drückte und wartete auf das vertraute Schnurren des Motors. Doch es passierte nichts, eigentlich hatte er ja damit gerechnet. Das hinderte ihn jedoch nicht daran, wutentbrannt und mit voller Wucht gegen das Lenkrad zu schlagen. Inzwischen stink wütend zog er den Schlüssel wieder ab und steig erneut aus, seinem Chevy dabei einen letzten, bitterbösen Blick zu werfend.
    Er sah sich um, doch wie immer in solchen Momenten, sah er keines der ansonsten allgegenwärtigen, schwarzen Taxis. Natürlich, er war ja auch nur bereits 20 Minuten verspätet, warum hätte er da auch gleich ein Taxi "finden" sollen? Ihm würde wohl nichts anderes übrig bleiben, als den Bus zu nehmen.
    Doch auch das erwies sich als Sackgasse, denn der Bus kam ihm entgegen, als er um die nächste Ecke bog. Resigniert trottete er zur Bushaltestelle und ließ sich schwer auf die Bank fallen. In 15 Minuten würde der nächste Bus fahren, er hatte also Zeit genug, seine Verspätung anzukündigen. Doch sein Handy machte ihm bei diesem Plan einen dicken Strich durch die Rechnung, denn just in dem Moment, da er es hervor zog, war der Akku leer. Er sah gerade noch das Display erlöschen, dann starrte ihm leere Schwärze entgegen. Mit einem Seufzer steckte er das kleine Gerät zurück in seine Tasche und ergab sich in sein Schicksal.
    Der Bus hatte auch noch etwas Verspätung, sodass er, alles in allem, eine volle Stunde Verspätung hatte, als er endlich an seinem Arbeitsplatz eintraf.
    Der Chef hätte wohl nichts gesagt, wäre an diesem Tag nicht sonst noch alles schief gelaufen, was schief laufen konnte. Er hatte an einem Tag mehr Ausschuss produziert, als er normalerweise in zwei Wochen fabrizierte. Und so war es kein Wunder, dass der Chef ihn nachmittags zu sich ins Büro kommen ließ und ihn eine geschlagene halbe Stunde lang anschnauzte. Er hatte damit gerechnet, seinen Job zu verlieren, doch als er zögerlich, sich vorsichtig vorantastend, nachgefragt hatte, war die Antwort ein klares "Nein" gewesen, allerdings mit dem Vorbehalt, dass so etwas wie an diesem Tag nicht mehr passieren würde.
    SO hatte er den Tag ja noch ganz gut überstanden, eigentlich, zumindest was die Arbeit betraf, denn nach der Arbeit ging's erst richtig los.
    Den Heimweg legte er zu Fuß zurück, da die Busfahrer streikten und er wiederum kein Taxi fand. Als er auf dem Nachhauseweg gleich einen Abstecher in seine Stammbar machen wollte, war der erste Mensch, den er dort, lässig an den Tresen gelehnt, erblickte, Mike. Er machte auf dem Absatz kehrt und ging nach Hause, da er, unvorbereitet wie er trotz durchwachter Nacht war, noch nicht mit ihm sprechen wollte.
    Und jetzt saß er hier, auf dem Sofa und sinnierte erneut darüber, wie er sich wohl mit Mike versöhnen sollte. Er sah endlich ein, dass er um ein Gespräch nicht herumkommen würde. Wenn er Glück hatte, war Mike noch immer im Green Dragon. Von dem Gedanken beseelt, das ganze sofort zu klären, sprang er auf und warf dabei fast den Tisch um, der zwischen ihm und dem Fernseher stand.
    Mit einem schnellen Handgriff versicherte er sich, dass das Beistelltischchen auch stehen blieb, dann wagte er einen Sprung über die kunstvoll verstreuten Pizzakartons und hastete ins Schlafzimmer, um sich umzuziehen. Er hatte für seinen Geschmack viel zu lange, bis er sich schließlich doch für das schwarze, ziemlich lotterige T-Shirt entschied, auf welchem mit großen, weißen Buchstaben aufgedruckt war "Wer Ordnung hält ist nur zu faul zum Schuhen". Dieses Shirt hatte er von Mike zum Geburtstag geschenkt bekommen, und irgendwie mochte er es, passte es doch zu seinem Charakter. Nun war er mit seiner Kleiderwahl zufrieden und er stellte sich noch kurz vor den Spiegel, um seine kurz geschnittenen, schwarzen Haare kunstvoll zu verwuscheln. Als auch das übereinstimmte stürmte er, nun komischerweise bester Laune, in den Gang, wo er seine schwarzen Etnies, welche auch schon bessere Tage gesehen hatten, überstreifte und nach seiner kurzen Jacke griff, die er üblicherweise trug, um auszugehen, obwohl das jetzt ja streng genommen kein Ausgang war. Als er seinen Wohnungsschlüssel vom Tischchen im Flur nahm warf er der dort platzierten Pizzaschachtel noch einen finsteren Blick zu, dann wandte er sich lieber seiner gelblichen Türe zu, welche er mit einem schwungvollen Ruck aufriss. Betont locker trat er hinaus in das schäbige Treppenhaus, ließ die Türe hinter sich ins Schloss fallen und machte sich beschwingt auf den Weg nach unten, über unzählige abgewetzte und ausgetretene Stufen.
    Auf der Strasse schlug ihm sogleich der unverkennbare Stadtgeruch nach Abgasen und Fast Food entgegen, doch das tat seiner guten Laune keinen Abbruch. Im Gegenteil, er begann fröhlich vor sich hin zu trällern, während er den gewohnten, in fast jeder Woche allabendlichen, Weg zum Green Dragon einschlug. Doch je näher er dem Stammlokal kam, desto nervöser wurde er und gleichzeitig fragte er sich auch, warum er sich so aufgebretzelt hatte. Er wollte sich ja entschuldigen, und nicht den anderen anbaggern.
    Ein dünner Schweissfilm bildete sich in seinen Handinnenseiten, welchen er mit einer nervösen Geste an der Hose abwischte. Er konnte bereits das leuchtend rote Schild des Green Dragon sehen, welches stolz von der schmutzigen Fassade prangte. Auf dem Schild konnte er auch schon ziemlich bald den giftgrünen Drachen erkennen, welcher sich elegant um den goldenen Schriftzug rankte. Unwillkürlich verlangsamte er sein Tempo, als die Nervosität wieder ganz von seinem Körper Besitz ergriff und schließlich war er soweit, sich mit dem Gedanken zu besänftigen, dass Mike bestimmt nicht mehr da sein würde. Als er schließlich vor der Bar angekommen war, atmete er nochmals tief den Stadtmief ein, dann drückte er die hölzerne Türe auf und trat in das laute und bunte Getümmel im Inneren des Hauses ein.
    Wallende Rauchschwaden und Hitze empfingen ihn im hellen Innenraum der Bar. Und während er seinen Blick, vermeintlich unbestimmt, schweifen ließ, hatte ein anderer seine Ankunft längst bemerkt und dieser Jemand tat nun sein Bestes, sich hinter seinem Bier zu verstecken. Dennoch hatte Robert ihn ziemlich schnell gefunden, er bemerkte, wie sich auf seiner Haut ein Schweissfilm bildete und er seine Beine zu jedem Schritt in Richtung Tresen zwingen musste. Trotzdem ging er auf Mike zu, welcher noch immer am Tresen saß und ganz und gar mit seinem Bier beschäftigt schien. Um sich von seinen wackligen Knien zu befreien, die sich nun wirklich wie Pudding anfühlten, bestellte er sich ein Bier. Sich an seinem Bier festhaltend setzte er sich auf den Barhocker direkt neben Mike, drehte sich ihm zu. Sein Freund sah kläglich aus, so als ob ihm in seiner Haut alles andere als wohl wäre. Wenn er es sich genau überlegte, sah sein Gegenüber genauso aus, wie er sich fühlte, beschissen. Um die Stille zu brechen, welche sich über sie gelegt hatte und welche in absolutem Kontrast zur lärmigen Ausgelassenheit rundum stand, brachte er schließlich ein gepresstes "N'Abend" hervor und begann sich dann ausgiebig mit seinem Bier zu beschäftigen. Auch Mike presste ein "Guten Abend" und schließlich ein leises, zerknirschtes "Entschuldigung" hervor. Beim letzen Wort sah Robert wieder auf, blickte Mike einen Moment an und sagte schließlich. " Lass uns in den Hof gehen und reden, ja? Hier drin ist nicht der richtige Ort, für ein ernsthaftes Gespräch..."
    Mike nickte nur, anscheinend war auch sein Mund ausgedörrt und sein Hals schien wahrscheinlich ebenfalls von einem Klotz blockiert, ganz genauso fühlte sich nun zumindest Robert. Dennoch nahm er tapfer einen Schluck aus seiner Bierflasche, zeigte dem Barkeeper, dass sie gleich wieder kommen würden und stand dann auf. "Also, lass uns gehen." Mit diesen Worten ging er voran, seine Knie fühlten sich erneut mehr nach Wackelpudding als nach Muskulatur und Knochen an, aber er ging, diese Tatsache tapfer ignorierend, weiter.
    Im Hof zog ein kalter Wind und Robert beschloss sogleich, dass er hier nicht unbedingt länger zubringen wollte, als nötig. Da Mike sich mit dem folgen zeit ließ, lehnte er sich locker gegen die Mauer und wartet auf ihn, die Arme fröstelnd um sich geschlungen.
    Zum Glück ließ sein Freund dann doch nicht allzu lange auf sich warten und trat, dabei einen warmen Lichtstrahl ins trübe Grau des Hinterhofs werfend, aus der Bar und auf ihn zu. Zuerst suchten beide verkrampft nach einem Anfang, doch dann gab ein Wort das andere, sodass sie sich schließlich versöhnt in die Arme sanken.
    Doch darauf, was dann passierte, darauf war er ganz und gar nicht vorbereitet. Sie hatten sich gerade wieder getrennt, als Mike ihn mit seinem Körper förmlich an der Wand festnagelte, sodass er sich beim besten Willen nicht mehr bewegen konnte. Und dann senkte sich Mikes Kopf quälend langsam, wie in Zeitlupe, nach vorne, erstaunlich weiche Männerlippen schlossen sich über den seinen. Und als er gerade das Gefühl hatte, dass nichts Schlimmeres mehr kommen könnte, da fühlte er eine drängende Zunge, die sich ihren Weg in seinen Mund bahnen wollte. Erst versteifte sich sein gesamter Körper, dann stieß er Mike mit voller Wucht von sich, Ein letzter, irritiert-wütender Blick blitze von seinen Augen zu den betroffenen von Mike, dann wandte er sich ab, rannte zur rettenden Türe, stürzte durch die Bar, vergaß fast, seinen Mantel zu nehmen und rannte schließlich durch den fallenden Schnee nach Hause.
    Erst als er auf seinem Sofa lag, erlaubte er sich eine Atempause und auch erst hier erlaubte er seinen Gedanken, sich zu drehen. Er hatte kein Problem mit Schwulen, ganz und gar nicht, war sein bester Freund doch schwul, doch damit, dass er selbst auf Männer stehen sollte, damit hatte er ein Problem, ein wesentliches sogar.
    Was dabei das größte Knacknuss darstellte war, dass es sich gut angefühlt hatte, verdammt gut sogar. Aber es war ein Mann, der ihn geküsst hatte, ein Mann! Er war doch nicht schwul, nie gewesen und überhaupt, er und Männer, das war doch etwas absolut Unlogisches. Außerdem wollte er seinen besten Freund nichtverlieren. Aber, würde er ihn wirklich verlieren?
    Er verlor sich immer mehr in seinen Gedanken, doch derjenige, welcher sich am tiefsten festsetzte und der am längsten hielt war der, dass es trotzdem schön gewesen war. So schlief er schließlich ein, erschöpft und verwirrt wie er war.
    Zu seinem Glück war der nächste Tag ein Samstag, sodass es nichts ausmachte, dass er den Wecker nicht gestellt hatte. Das war auch der Grund dafür, dass er erst aufwachte, als seine Klingel mehrmals äußerst ausgiebig und deshalb höchst störend betätig wurde. Etliche ziemlich unschöne Verwünschungen vor sich hermurmelnd und mit Augen, die kaum größer waren als Schlitze, suchte er sich durch sein Chaos dann auch den Weg zu seiner Türe, die er unsanft aufriss. Patzig fragte er: "Ja?" Dabei nach dem Störenfried Ausschau haltend. Dieser war ein in ein scheußliches Violett gekleideter Bote, welcher ihm, Kaugummi kauend, ein Klemmbrett unter die Nase hielt: "Sie sind Robert Butterworth, oder?" Der Kaugummi bildete eklige Fäden zwischen den Zähnen des Boten, welcher mit offenem Mund kaute, sodass man die zartrosa Farbe des Kauobjektes nur zu gut erkennen konnte. Sich mit seiner Hand einmal über die verquollenen Augen fahrend nickte Robert. "Ja, bin ich. Warum?" Der Bote deutet auf das Klemmbrett. "Ich hab ne Lieferung für Sie. Unterschreiben se hier doch mal." Er deutete auf ein leeres Kästchen und hielt Robert noch im gleichen Zug einen Kugelschreiber hin. Dieser nahm ihn, um den kauenden Burschen möglichst bald wieder los zu werden, so schnell wie möglich in die Hand und kritzelte seine Unterschrift hin. Dabei fand auch langsam der Gedanken, was es wohl sein könnte, den Weg in sein Hirn, sodass er dem Boten ungeduldig dabei zusah, wie der sein Klemmbrett umständlich wegsteckte, den Kugelschreiber in seiner Westentasche verschwinden ließ und sich dann an seiner Tasche zu schaffen machte.
    Als er dann aber sah, was er bekam, da wünschte er sich, diese Klingel nicht gehört zu haben. Denn was der Bote ihm nun entgegenstreckte war eine einzelne, rote Rose.
    Völlig perplex griff er danach, sah dem violetten Boten zu, wie er, noch immer Kaugummi kauend, die Treppe hinab stieg und eine fröhliche Melodie zu summen begann. Robert fühlte Ekel in sich aufsteigen, weshalb er sich umdrehte, die Tür hinter sich schloss und zurück in sein Wohnzimmer ging, die Rose dabei in der rechten Hand weit von sich gestreckt, als wäre es eine halbverfaulte Bananenschale.
    Im Wohnzimmer ließ er sich aufs Sofa fallen, dann beschloss er, in verzweifelter Hoffnung, nach einer Karte zu suchen, die ihm zeigen würde, dass die Rose nicht von Mike stammte. Doch er fand keine Karte, was den Absender nur umso deutlicher werden ließ. Er starrte die Rose eine Weile an und beschloss dann, dass sie ins Wasser musste. Also legte er sich fürsorglich aufs Sofa und ging in die Küche, um sich ein Glas zu holen, Vasen besaß er keine. Ein kurzer überblick zeigt ihm, dass er nur noch ganz genau ein Sauberes Glas hatte, zu seinem Glück war es ein langes, röhrenförmiges, aus welchem die Rose nicht gleich wider hinaus kippen würde.
    Nachdem die Rose im Wasser stand, setzt er sich erst ihr gegenüber, starrte sie an und versank in seinen Gedanken, wenn er ehrlich war, in denselben Gedanken wie gestern schon. Doch er wollte diese Gedanken nicht mehr haben, wollte nicht mehr immer nur an diesen Kuss denken. Und er wusste nur etwas, was wirklich half, gegen unliebsame Gedanken: Arbeit. Und Arbeit gab es, wie er sich selbst gestand, in seinem Apartment mehr als genug. So machte er sich seufzend an die Arbeit, begann damit, die leeren und halbvollen Pizzakartons zusammen zu tragen und in Mülltüten zu verfrachten.
    Vier Stunden später hatte er alle Kartons entsorgt, sein ganzes dreckiges Geschirr in sauber strahlendes verwandelt, den Boden gesaugt, die Fenster geputzt und sogar sein Bett gemacht. Nun wollte ihm beim besten Willen nichts mehr einfallen, was er noch tun konnte. Seine Wohnung strahlte wie schon lange nicht mehr, nichts, na ja sagen wir fast nichts, lag auf dem Boden und es war richtiggehend ordentlich.
    In dieser Ordnung stach die langstielige, rote Rose nur umso mehr heraus, wie sie stolz auf dem Wohnzimmertisch thronte, ihn in ihrer Haltung regelrecht zu verspotten schien. Doch auch wenn er wollte, er konnte seinen Blick nicht von der filigranen Blume abwenden. Doch eigentlich sah er nicht die Rose, sonder immer wieder die gleiche Bildsequenz, immer wieder Mike, wie er sich zu ihm vorbeugte, ihn küsste. Doch seine Reaktion unterschied sich immer, zuerst sah er sich, gleich reagieren wie am Abend zuvor. Dann sah er sich, wie er den Kuss willig erwiderte, die Zunge willkommen hieß. Beim dritten Mal sah er sich, wie er Mike verprügelte, ihm alle möglichen Schimpfworte an den Kopf warf. Doch er wusste nur, dass die dritte Version eindeutig die falsche war, welche von den anderen beiden jedoch richtig war, das konnte er beim besten Willen nicht sagen. Doch er ahnte, dass er genau das tun musste, um endlich Frieden zu finden. Er hatte seinen Blick nun nach draußen gelenkt, wo wildes Schneetreiben herrschte, weiße Flocken wurden vom Wind erfasst, aufgewirbelt, nur um anschließend doppelt so schnell wieder gen Boden zu trudeln. In seinen Händen hielt Robert ein kleines, in königsblaues Papier eingewickeltes Geschenk, Mikes Weihnachtsgeschenk, er hatte es beim aufräumen gefunden. Es würde jetzt wohl wertlos sein, dabei war es so perfekt für Mike gewesen. Wenn er es sich recht überlegte, so war alles wertlos, seit er Mike verloren hatte. Allerdings: Hatte er ihn überhaupt verloren? Musste es so wirklich zu Ende sein? Warum konnte er eigentlich nicht weitermachen? Warum sollte er es nicht ausprobieren? Das Geschenk hin und her wiegend kam er schließlich zu dem Schluss, dass er sich erstmal, erneut, mit Mike aussprechen musste. Es war doch ein Tag vor Weihnachten und er wollte seinen besten Kumpel nicht verlieren, wegen eines einzigen Kusses. Entschlossen legte er das Geschenk auf den Wohnzimmertisch neben die Rose und ging ins Badezimmer, um seine Zähne zu putzen. Dort fiel ihm zum ersten Mal auf, wie ungepflegt er aussah. Er trug noch immer die gleiche Kleidung wie am Abend zuvor, die nach Rauch und Alkohol stank und seine Wangen wurden von einem mehr oder weniger dekorativen Dreitagebart geziert. Ihm war sofort klar, dass er sich vor dieser Aussprache zu Recht machen musste. Doch ein Blick auf den Wecker zeigte ihm ebenfalls, dass es bereits halb neun war. Seufzend zog er sich aus und stieg unter die Dusche, er musste dies tun, auch wenn er dadurch erst gegen zehn bei Mike auftauchen würde. So ließ er dann den harten, warmen Strahl auf seinen dünnen Körper fallen und entspannte sich zusehends unter dem Wasser, welches ihn zu massieren schien.
    Alle Hast war verflogen, als er nach dieser entspannenden Dusche und anschließender Rasur aus dem Badezimmer ins Schlafzimmer schlenderte, wo er sich seinem alten Problem stellte: Was zog er an? Nach einigem Hin und Her hatte er sich für eine ziemlich neue, etwas breitere schwarze Hose, ein schlichtes dunkelgrünes Shirt und einen schwarze Kapuzensweater entschieden. Wie am Abend zuvor zerzauster er seine Haare kunstvoll, zog dann Schuhe und Mantel an und wandte sich zum gehen, das Weihnachtsgeschenk sicher in der Manteltasche versorgt.
    Eine Stunde später stand er unsicher vor dem Haus, in welchem sich Mikes Wohnung befand. Er kannte den neuen Bau gut, er war schon oft hier gewesen. Aber nie war es so nervös gewesen wie jetzt, niemals hatte er dieses aufgeregte Kribbeln in seinem Bauch gefühlt, zu keinem Zeitpunkt war er so aufgekratzt gewesen, dass er hätte kotzen können. Aber jetzt, ja jetzt hatte er das Gefühl, dass er sich übergeben müsse, gleichzeitig waren seine Beine zittrig wie Espenlaub, was die Sache nicht sehr vereinfachte, besonders Angesichts der Tatsache, dass er bis in den vierten Stock würde gehen müssen, da der Lift mal wieder gewartet wurde. Er warf noch einen Blick auf die hell erleuchteten Fenster, die zu Mikes Wohnung gehörten, dann betrat er das Gebäude und begann seinen Aufstieg.
    Auch vor der Türe wartet er einige Minuten, bevor er zögerlich den Klingelknopf betätigte. Er konnte das Klingelzeichen im Inneren der Wohnung widerhallen hören und dann hörte er die Schritte, die sich langsam der Türe näherten. Er sah auf seine Uhr und erschrak, es war bereits fünf vor zwölf. Wahrscheinlich war Mike schon im Bett gewesen und er hatte ihn rausgeklingelt, er war viel zu spät, besser war, wenn er wieder ging. Doch gerade als ihm diese Gedanke durchs Hirn geschossen war, öffnete sich die sonnengelbe Türe und ein reichlich erstaunter Mike sah ihm entgegen. Robert wollte zwar etwas sagen, doch sein Mund war so ausgetrocknet, dass er beim ersten Mal keinen Ton raus brachte. Nach einigen Anläufen, er würde ich später immer fragen, wie er es überhaupt schaffte, konnte er schließlich ein "Wir müssen reden" hervor quetschen. Mike nickte nur leicht und trat einige Schritte zurück, sodass Robert sich an ihm vorbei in die Wohnung hinein zwängen konnte. Das vertraute, rote Sofa stand noch immer an seinem abgestammten Platz und schien förmlich nach ihm zu rufen, weshalb er nur kurz seinen Mantel an die Garderobe hängte und dann zielstrebig darauf zusteuerte. Er konnte fühlen, dass Mike ihm folgte, was ihm seine Nervosität wieder verdeutlichte, doch er nahm sich fest vor, dass er jetzt nicht nervös sein durfte. Doch das war leichter gedacht, als getan, denn als er schließlich auf dem weichen, flauschigen Sofa Platz genommen hatte und Mikes Präsenz neben sich wahrnahm, da wusste er nicht, was er sagen oder tun sollte. Die Hand, die er nun auf den seinen spürte, verbesserte die Situation nicht im Geringsten und auch nicht den unsicheren Blick, den er deutlich auf sich Ruhen fühlte. Vorsichtig hob er nun auch seinen Blick, den er bislang nur auf die Hände fixiert hatte, begegnete den unheimlich klaren, grünen Augen seines Gegenübers, nicht sicher, was er dort sehne würde, sehen wollte. Doch als er den Blick des anderen sah, die smaragdgrünen Augen, die ihn intensiv musterten, da war es um ihn geschehen und plötzlich wusste er ganz klar, welches der richtige Weg war, der richtige Weg konnte nur der sein, bei dem er an Mikes Seite kam. Seinem Gefühl folgend überbrückte er die kurze Distanz zwischen Mike und ihm, nahm dessen Gesicht vorsichtig in seine Hände und hauchte einen zaghaften, unschuldigen Kuss auf dessen vor erstaunen leicht geöffnete Lippen. Zuerst fühlte Robert keine Reaktion und Angst beschlich ihn, Angst, das falsche getan zu haben, doch dann legte Mike zögerlich und langsam einen Arm um ihn, hielt ihn sanft. Und in dem Moment, da sich Mikes Arm um ihn schloss, da erwiderten Mikes Lippen den Kuss, nahmen ihm seine Unschuld und seine Unsicherheit. Diesmal stieß Robert seinen Freund nicht von sich, als er dessen Zunge nahe fühlte, nein, diesmal öffnete er bereitwillig den Mund, hieß ihn willkommen und lauschte verzückt den vollkommen neuen Gefühlen, Geschmäckern und Eindrücken, die ihm durch dieses Erlebnis zu Teil wurde. Eindrücke, die ihm gefielen, die ihn in ihren Bann zogen, von denen er mehr wollte. Und schließlich legte auch Robert zögerlich, scheu seine Arme um Mikes Taille, fühlte seinen Freund wie nie zuvor, nahm ihn ganz neu wahr.
    Als sie sich schließlich aus diesem langsamen, zärtlichen und für beide vollkommen neuen Kuss trennten, sah Robert auf seine Armbanduhr, mehr aus Reflex, als das er wirklich gewollt hätte. Das Zifferblatt zeigte exakt auf 00.01 Uhr, was ihn lächeln ließ. Er sah in Mikes Augen, verlor sich einen Moment in diesen glücklichen Spiegeln der Seele und auch er selbst fühlt ein prickelndes Glücksgefühl in sich aufsteigen, als er leise, zärtlich sagte: "Fröhliche Weihnachten"


    Ende

  • Hey Jacki,


    die ist klasse :) bin leider erst jetzt zum lesen gekommen, aber ich find die wirklich gut...


    erinnert mich irgendwie grade an ein Rollenspiel...


    ich wüsste nur gern, was Robert Mike schenken wollte und über was die beiden sich am Anfang gestritten hatten.