"... ja aber die Autobahnen"

  • Je länger der Krieg zurückliegt und je mehr sich das deutsche Selbstbewußtsein erholt, desto öfter begegnet man dem Phänomen der Mythebildung. da waren alle keine Nazis außer Hitler, seiner Clique und der SS. Überhaupt hat auch niemand Kriegsverbrechen begangen, außer die SS.
    Irgendwie neigen die Menschen dazu, an was furchtbarem die kleinsten Vorteile und Postiven Dinge herauszulutschen. Wahrscheinlich weil die "Es war ja nich alles schlecht" Haltung dabei hilft, ein Trauma zu überwinden (Man nehme nur die ganzen Ostalgieshows)
    Ich arbeite gerade an dem Thema Mythen im, um, und über das Dritte Reich. Und eine der beständigsten ist "Na der Hitler hat doch die Autobahnen gebaut und damit die Arbeitslosigkeit beseitigt. Nur dummerweise hat er sie für den Krieg gebaut."
    Dieser und jede Menge anderer Unfug sind heute noch präsent in den Köpfen de Menschen.


    Also lasst mal hören, was euch so zu dem Thema geläufig ist? Was haben eure Großeltern dazu erzählt? war eure Großvater vielleicht sogar ein Bahnarbeiter. Oder gar ein Autofahrer?

  • "aber die Autobahnen", "aber die sinkenden Arbeitslosenzahlen", blablabla. Alles nur Kriegsvorbereitung.
    Aber was anderes: Warum hast du was dagegen, dass sich der "Deutsche Geist" wieder erholt? Deutschlands Geschichte besteht nicht nur aus Kriegen (was du am besten Wissen müsstest). Das ist ein großer Fehler der Geschichtsforschung: Es wird zu viel an heutigen Maßstäben gemessen und nicht an denen, die damals galten.
    Ein Beispiel? Friedrich der Große, früher ein aufgeklärter Monarch, vom Volk geliebt. Heute? Ein Monarch, das sagt schon alles.

  • Unser Problem.Wir Deutschen sehen nur die Vergangenheit und das schlechte jetzt...


    Wallenstein zum Beispiel hätte sich locker zum Kaiser machen können.Doch er hat es nicht getan.Er wollte seinem Land und seinem Herr dienen...


    Rommel
    ein mischung aus Friedrich,Bismarck und Rommel wäre doch mal was schönes...

  • Ich will euch ja net die Laune vermiesen, aber beides beantwortet meine frage nich.
    Außerdem legst Du mir sachen in den Mund, Rommel, die ich nie behauptet habe.


    Aber der Reihe nach:


    Alles nur Kriegsvorbereitung? - Käse
    1. wenn man die Karten vergleicht, wo vor Kriegsbeginn bereits fertig gestellte Autobahnen waren, lagen die alle kilometerweit von der Grenze entfernt. Wäre es nicht zweckmäßig, sie dahin zu bauen, wo sich die Truppen dann hauptsächlich bewegen müssten?
    Freilich sind sie nicht fertig geworden, aber warum baut man zuerst die Teilstücke, die einem am wenigsten nützen würden?
    2. Die Autobahn taugte nicht zur Truppenverlegung. Denn die Wehrmacht war keine motorisierte Armee (auch nach damaligen Maßstäben nicht). Den ganzen Krieg hindurch war das Pferdegespann das logistische Rückrad der WH. (und wer sich mit Pferden auskennt, weiß, dass Beton schlecht für deren Füße ist)
    3. Ich habe kein Problem damit, dass sich der deutsche Geist erholt. Ganz im Gegenteil. Er tut das nur auf eine stellenweise sehr merkwürdige Art und Weise.
    4. Es ist kein "Fehler" der Geschichtsforschung. Vergangenes an den heutigen Maßstäben zu messen. Genau das ist der Sinn. Wir rekonstruieren das Geschehen (Dazu muss man sich möglichst in die Zeit zurückdenken können) aber konstruieren die Geschichte.
    Geschichte ist nicht das Zusammentragen von Fakten und Daten.
    Wem würde es nützen, die Dinge heute aus dem Blickpunkt des wilhelminischen Kaiserreiches zu betrachten?
    Geschichte ist ein Abbild vom Abbild der Realität 8Grundzüge Foucault'scher Diskursanalyse - aber das is Geschichtsphilospohie)


    Punkt eins und zwei sind schon ein paar dieser Mythen. Aber ich will nich alles verraten.


    Friedrich der Große: Es spielt keine Rolle, wie aufgeklärt er war, wenn es darum geht, die Probleme von heute zu lösen. Und da hat ein Monarch nichts verloren. Denn wenn die Monarchie den heutigen Ansprüchen gewachsen wäre, wäre sie nicht schon "ausgestorben".

  • mal ganz abgesehen davon, ob die autobahnen nun kriegsvorbereitung waren oder nicht. was die meisten leute immer vergessen ist, dass die autobahnen bereits zu weimarer zeiten als arbeitsbeschaffung geplant waren. und zwar nicht von hitler bzw. den Nazis!
    da es aber nicht mehr zur durchführung kam, war es für die nazis natürlich bequem, die autobahn und dem damit verbundenen abbau der arbeitslosenzahlen, als seinen eigenen erfolg auszugeben.

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  • naja es ist auch nicht so bekannt. aber cih denke es ist wichtig zu wissen, denke ich, um dem "hitler - der heiland der arbeitlosen anno `33" - gesülze zu begegnen.

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  • dass mit ausbilder schmidt habe ich auch mal gesehen "autobahn, gute idee. wer kam da eigentlich drauf?"


    hitler ist eben der erste, den man mit der autobahn assoziert und
    es ist schon so, dass die autobahn unter hitler gebaut wurde, aber die idee stammte von den sogenannten "novemberverbrechern" sprich der weimarer regierung.


    hey mein 500ster post *sektflasche hol*

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  • Da sieht man mal wieder wie wenig man in der Schule über Geschichte lernt!
    Beim Kapitel Hitler habe ich nämlich immer sehr gut aufgepasst, aber über die wichtigsten Dinge sprich D-Day und KZ haben wir fast rein granichts gelern!


    In der Schule haben wir auch nur gelernt, dass Hitler sie Bauen ließ udn da kommt man auf die Idee das er sie auch Erfunden hatte!

  • @ Klinks Nachbar

    Quote

    1. wenn man die Karten vergleicht, wo vor Kriegsbeginn bereits fertig gestellte Autobahnen waren, lagen die alle kilometerweit von der Grenze entfernt. Wäre es nicht zweckmäßig, sie dahin zu bauen, wo sich die Truppen dann hauptsächlich bewegen müssten?


    Was hätten sich denn die Länder wohl dabei gedacht, wenn Hitler angefangen hätte, Autobahnen bis an Ihre Grenzen zu bauen? Ich kenn jetzt die Karten nicht, aber was heisst "Kilometerweit"?


    Quote

    4. Es ist kein "Fehler" der Geschichtsforschung. Vergangenes an den heutigen Maßstäben zu messen. Genau das ist der Sinn. Wir rekonstruieren das Geschehen (Dazu muss man sich möglichst in die Zeit zurückdenken können) aber konstruieren die Geschichte.
    Geschichte ist nicht das Zusammentragen von Fakten und Daten.
    Wem würde es nützen, die Dinge heute aus dem Blickpunkt des wilhelminischen Kaiserreiches zu betrachten?
    Geschichte ist ein Abbild vom Abbild der Realität 8Grundzüge Foucault'scher Diskursanalyse - aber das is Geschichtsphilospohie)


    Sorry, aber das kapier ich jetzt nicht. Was soll es denn bringen, die Geschichte an heutigen Maßstäben zu messen?

    Jeder muss das werden, was er ist.
    NN


    Ich war Atheist, bis ich erkannte,
    dass ich Gott bin

    NN

  • Quote

    Original von DerEiserneOberscht
    Sorry, aber das kapier ich jetzt nicht. Was soll es denn bringen, die Geschichte an heutigen Maßstäben zu messen?


    sagen wir es mal so. das fach geschichte, oder die gesammte beschäftigung mit der geschichte wäre sinnlos, wenn wir daraus nicht etwas gewinnen würden. die geschichte kann nur fakten aufzeigen ( die berühmten w- fragen!) aber letzendlich bist du gefragt, du wertest (bewusst oder unbewusst) das bild , das dir vermittelt wird. Diese deine wertung ist nun mal DEINE (also heutige ( oder bist du gestrig? :D)) meinung. die geschichte mit heutigen maßstäben zu werten heißt nichts anderes als vergangene fehler zu analysieren, aus der vergangenheit zu lernen oder auch eine bestimmte handlung zu rechtfertigen. die geschichte am zeitgeist zu messen hieße stark vereinfach: hitler = arbeit, brot und ein platz an der sonne = super, drittes reich ... ich bin dabei!

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  • Ja es stimmt aber mit den Autobahnen, schaut euch doch die aktuellen Karten an die Autobahnen sind doch nummeriert nach ihrem Bau.


    Klinks Nachbar hat ganz recht die Wehrmacht war nicht ausreichend motorisiert, um die Autobahnen zu nutzen, es sind 2/3 der Truppentransporte über die Gleise gegangen.


    Außerdem, was nutzen mir die Autobahnen im eigenen Land wenn ich Krieg gegen ein anderes führe, sie sind genauso ein strategisches Ziel vie Eisenbahngleise und Brücken.

  • Quote

    Original von Oberst Wilhelm Klink


    Klinks Nachbar hat ganz recht die Wehrmacht war nicht ausreichend motorisiert, um die Autobahnen zu nutzen, es sind 2/3 der Truppentransporte über die Gleise gegangen.


    Außerdem, was nutzen mir die Autobahnen im eigenen Land wenn ich Krieg gegen ein anderes führe, sie sind genauso ein strategisches Ziel vie Eisenbahngleise und Brücken.


    Das ist sicherlich richtig. aber auch bei motorisierten Armeen wird so viel wie möglich per Schiene verlegt. Heißt also, es wären auch 2/3 gewesen, wenn die Wehrmacht genügend LKWs gehabt hätte.


    Und im Gegensatz zu Brücken Verkehrsknotenpunkten ind Autobahnen nicht unbedingt ein strategisches Ziel. Aber das Autobahnen Städte miteinader verbinden, gibt es für einen Piloten keinen besseren Wegweiser.


    Finds schick, dass Du den thread noch rausgekramt hast. :D


    Evey : Dein Grundgedanke ist richtig, aber Du widersprichst Dir ganz gehörig.

  • qnachbar: ich bitte um aufklärung. wo genau?

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  • Genau das ist die Aufgabe von Geschichte: nicht nur Fakten sammeln (die Aufgabe eines Sprachwissenschaftlers besteht ja auch nich bloß darin, die Buchstaben zu können)


    Geschichte ist nichts anderes, als Vergangenes nach heutigen Maßstäben zu bewerten, alles andere ist kontraproduktiv oder ne simple Freizeitbeschäftigung.

  • ich denke, es ist die geschichte, die die fakten vorgibt. unsere aufgabe, ist es die fakten zu deuten. das ist die aufgabe des historikers, nicht die der geschichte.

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  • Zwei Buchstaben sind keine Literatur, eine Hand voll Zahlen noch keine Mathematik. Geschichte ist eine Konstruktion. Geschichte ist das, was wir uns heute darunter vorstellen, was früher gewesen ist. Und das macht der Historiker. Jahreszahlen auswendig können ist keine Geschichte. Zu sagen "am soundsovielten war das und das" ist keine Geschichte.

  • aber voller vorurteile behaupten, wer gut und böse ist, das ist Geschichte, oder was? zu sagen "den kann ich net leiden, das ist der böse!", ist richtig?
    so gehst du ran, die amis, die konservativen, die rechten, das sind immer die bösen!

    "Der erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaften macht atheistisch; aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott." - Werner Heisenberg


    Für Gott und Vaterland!