Adventskalender 2015

  • Hallo, ich bin diesmal ein bisschen früh dran. Aber zur einsimmung gibts eine kleine Adventsgeschichte und am 01.12 gehts dann richtig los. Viel Spaß beim Lesen und einen schönen ersten Advent!


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    Advent



    Die Männer saßen gelangweilt in der Baracke. Jeder hing seinen Gedanken nach, vereinzelt wurden Briefe geschrieben oder ein Buch gelesen. Es war erschreckend ruhig. Selbst Carter lag auf seinem Bett und starrte verträumt auf Newkirks Matratze. Der Engländer schlief seelenruhig. LeBeau blätterte ein Fotoalbum durch und Kinch las. An diesen Sonntag war einfach nichts los. Umso mehr erschraken die Männer, als Schultz fluchend in die Baracke stolperte. Alle Augen richteten sich auf ihn. Carter sprang auf und hielt dem Deutschen die Tür auf. In den Händen hielt der Feldwebel etwas Rundes und grünes. Aus ihrer Lethargie gerissen, blitze auf den Gesichtern Neugierde auf. Schwerfällig schob sich der Dicke weiter in den Raum und legte den sperrigen Gegenstand auf den Tisch. Mittlerweile kam auch Hogan aus seinem Büro und schaute vom Tisch zu Schultz und wieder zurück: „Schultzi? Was soll das sein? Und warum schleppst du das an?“
    „Ja mein, Buaben kennt ihr den garnix? Letztes Jahr war’s der Adventskalender und jetzt kennt ihr keinen Adventskranz?“
    „Hä? Ein was Adventswas?“ fragte Olsen.
    „Na an Adventskranz, “ kopfschüttelnd betrachtete Schultz die ratlosen Gesichter seiner Jungs. Dann fiel es ihm auf, er hatte die Kerzen noch nicht auf gesteckt. Aus seiner Manteltasche zog er vier rote, dicke Stumpenkerzen. Gekonnte wurden alle vier angebracht. Aber selbst jetzt schauten die Gefangenen immer noch ratlos. Carter kam die Idee, die Kerzen anzuzünden. Bei der zweiten schrie Schultz: „ Ja bist du närrisch? Die darfst du doch nicht anzünden?“
    „Schorschi, Kerzen sind zum Anzünden da!“ wandte Kinch ein, da Carter zu erschrocken zum Antworten war.
    „Eben! Du kannst doch nischt unseren Andre so anschreien, “ schimpfte LeBeau.
    Beschwichtigend hob Schultz die Hände: „ Buaben! Buaben! Ihr wisst wirklich nicht was doas ist? Oader?“
    „NEIN!“ schrie es ihm aus allen Ecken der Baracke entgegen.
    „Na dann setzt euch moal. Der Schultzi wird euch oane Geschichte erzählen“, Schultz setzte sich an den Tisch und die Männer versammelten sich um ihn, „ Also zu Weihnachten feiern alle Christen die Geburt von Jesus. Und da es den kleinen Buaben und Mädels schwerfiel auf diesen Tag zu warten und immer wieder nachfragten, wurde der Adventskranz erfunden. Im Jahre 1839 lebte der Theologe Johann Hinrich Wichern mit Waisen zusammen. Er leitete das „Rauhe Haus“ in Hamburg. Das war ein Kinderheim. Immer wieder froagten die Kinder wann den Weihnachten sei und so erfand er den ersten Adventskranz. Wichern nahm ein altes Wagenrad und setzte insgesamt 28 Kerzen darauf, 24 kleine, rote Kerzen und vier dicke weiße. Der Kranz wurde dann aufgehangen. Jeden Tag wurde eine kleine rote Kerze angezündet und an den Sonntagen eine weiße.“


    Stirnrunzelnd betrachteten die Männer den Tannen umflochtenen Ring mit vier Kerzen darauf. Schmunzelnd verstand der Deutsche und erklärte weiter: „In den Jahren wurde aus dem Rad ein aus Tanne geflochtener Ring mit nur noch vier Kerzen und ein bisschen Weihnachtsschmück darauf. Ihr dürft jetzt jeden Sonntag eine Kerze mehr anzünden. Und da heute der erste Advent ist, darf nur eine Kerze brennen.“
    „D-d-das ist eine sch-schöne I-idee. D-danke Schorschi!“ murmelte Newkirk und strich bedächtig über den Kranz. Er nahm sich fest vor seiner Schwester von diesem deutschen Weihnachtsbrauch zu schreiben. Aber auch die anderen Gefangenen schauten erfreut zu dem Kranz.
    „Na dann Schultzi, einen schönen ersten Advent!“ wünschte Carter fröhlich.

    "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt. " Jean-Paul Sartre


    "Papa! Lene behaupet sie hätte angefangen [mit ärgern], dabei habe ich doch angefangen!" Junior beim petzen.

  • Türchen 1: Es weihnachtet sehr!


    Mit geschlossenen Augen an die Barackenwand gelehnt rauchte der Brite Peter Newkirk seine Zigarette. Hin und wieder zog er den Mantel enger um sich. Seine Gedanken flogen nach London zu seiner geliebten Schwester Mavis, zu seinen Eltern und seinen Freunden. Leise seufzend öffnete er seine Augen und trat den Zigarettenstummel aus. Sein Blick schweifte über den altbekannten und verhassten Zaun. Er war einfach schon viel zulange hier. Eingesperrt und gehalten wie ein Tier im Zoo. Wie sehr er dieses Leben verachtete. In London war er immer unterwegs gewesen, hatte seine grenzenlose Freiheit geliebt. Sicherlich war das Leben nicht immer ein Zuckerschlecken gewesen. Mehr als einmal war er auf der Flucht gewesen und versteckte sich vor der Polizei, den Brüdern/ Ehemännern oder Vätern von seinen Affären oder vor den Gaunern, die er mal wieder über den Tisch gezogen hatte. Lächelnd dachte er an den einzigen sicheren Ort in London. Bei seiner großen Schwester Mavis fand er öfter als bei seinem Vater einen Unterschlupf. Das letzte Weihnachten vor seinem Militärdienst kam ihn in den Sinn. Seine Schwester liebte Weihnachten und schmückte immer am ersten Dezember ihre Wohnung. Sie war die ganze Weihnachtszeit aufgeregt, backte wie eine Weltmeisterin und verbreitete Weihnachtsstimmung pur. Sie saßen Heiligabend lange zusammen. Es herrschte ein ungewöhnlich belastendes schweigen zwischen ihnen.
    „W-Was?“ herrschte Newkirk nach einer Weile. Mavis sah nicht auf und seufzte hörbar. Leicht mit dem kopfschüttelnd schwieg sie weiter.
    Peter starrte seine ältere Schwester an und wurde zunehmend ungeduldiger: „ J-jetzt s-sag schon was l-los ist!“
    Kurz hob diese den Kopf und der junge Mann entdeckte Tränen. Sofort sprang er auf und setzte sich zu ihr. Er zog seine über alles geliebte Schwester an sich und hielt sie. Mavis schmiegte sich an ihn. Nach einer Weile des Weinen und Schweigen flüsterte sie: „ Unser letztes gemeinsames Weihnachten. Spätestens nächstes Jahr bist du im Krieg! Und was ist, wenn du …!“ Sie ließ den Gedanken unausgesprochen, aber die Geschwister dachten an das Selbe. Peter blieb die ganzen Feiertage, bevor er wieder seine Freiheit genoss. Wie recht seine Schwester doch hatte.
    Niedergeschlagen seufzte er und starrte wieder auf den Stacheldrahtzaun. Bevor er sich seinen depressiven Gedanken hingeben konnte, kam auch schon Carter angestürmt.
    „Hey! Du musst mir helfen.“
    „W-was?“
    „Du weißt doch wohl was heute für ein Tag ist?“
    „Hä?“
    „Na der erste Dezember! Wir müssen schmücken und den Adventskalender von Schultzi raussuchen und backen und die Stiefel putzen wegen den Nikolaus und Misteln suchen und Klinks ….“
    „Klar. K-komm w-wir sch-schmücken.“
    „WAAASSS?“ ungläubig starrte Carter auf seinen Freund. Seine Augen wurden immer größer als sein Freund tatsächlich zur Baracke lief.Beim Schmücken waren die düsteren Gedanken schnell vergessen. Die Männer lachten und alberten ausgelassen mit einander. Selbst der Colonel war mit von der Partie. Als Olsen ein paar Mistelzweigen brachte, erntete er böse Blicke. Der amerikanische Offizier räusperte sich und meinte: „Olsen, wenn ich mich an letztes Jahr zurück erinnere, war deine und Carters Mistelzweigaktion nicht so beliebt!“ Eine leichte Röte erschien in Olsen sowie Carters Gesicht. Beide schauten verlegen zu Boden. Das gab den übrigen Männern nur einen weiteren Grund lauthals zu lachen.
    Mit einem Mal schwang die Tür auf und der dicke Feldwebel Schultz trat ein: „ Na mei, was sans den hier los?“
    „Nischts Schorschi! Wir schmücken für die Adventszeit!“
    „Doann passts ja ganz guat, dass i euch wieda was mitgebracht habe“, lächelte der Deutsche väterlich und überreichte LeBeau ein kleines Päckchen.
    „Au ja! Wieder ein Adventskalender!“ freute sich Carter und hüpfte aufgeregt hin und her. LeBeau unterdessen packte das Geschenk aus. Der letztjährige Adventskalender stellte eine verschneite Winterlandschaft da, dieses Jahr war es ein Weihnachtsbaum mit Kerzen. Jeder Kerze stellte ein Türchen da. Vorsichtig öffnete LeBeau das erste Türchen und las: „ Die schöne Zeit beginnt. Alle Menschenüberraschen dich mit einem Lachen. Die dunkle Jahreszeit lädt ein, sie mit Kerzen und Lichtern zu erhellen. Die Tage werden wir genießen und uns nicht mitreißen lassen von Hektik und Stress. Die schöne Zeit beginnt. Alle Menschen überraschen dich mit einem Lachen- Lächle zurück.“
    „I dachte, dieses Jahr schenke ich euch einen Kalender mit Sprüchen. Da hab ihr woas zum Nachgrübeln!“
    „Danke Schulzi“, entgegnete LeBeau dankbar und stellvertretend für alle Gefangenen. Der Adventskalender wurde ausgehangen. Nun kann die Vorweihnachtszeit richtig beginnen.

    "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt. " Jean-Paul Sartre


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  • Mit etwas Verspätung kommt jetzt Türchen 2 und gleich kommt Türchen 3 dazu.


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    Türchen 2: Strohsterne
    „Tropf! Tropf! Tropf!“ hörte man leise durch die Baracke schallen. Es regnete in Strömen. Das graue Wetter passte zu der schlechten Laune der Männer. Alle saßen drin, froren und langweiten sich. Nur Carter versuchte verbissen zu basteln. Hin und wieder schaute einer der Männer zu ihm rüber und grübelte was der junge Amerikaner dort versuchte. Nachdem nach einer geschlagenen Stunde immer noch nicht ersichtlich wurde, was der Sergeant eigentlich bastelte, fragte Lebeau mürrisch nach: „Carter, was soll das? Was machst du da schon wieder?“
    Erschrocken schaute der Angesprochene auf und ließ das Ding in seinen Händen fallen. Unschlüssig ob er erst antworten oder seine Bastelarbeit aufheben sollte, starrte er den Franzosen an. Jedoch fing er sich wieder und meinte: „ Das wird ein Strohstern! Ich habe ich immer mit meinen Geschwistern gebastelt.“
    Kinch hob den Stern auf und betrachtete sich das Kunstwerk: „ Wie ein Stern sieht das aber nicht aus!“
    Frustriert senkte Carter den Kopf und murmelte: „ Ich wie nicht mehr wie es geht!“
    „Wann hast du denn das erstmals so einen Stern gebastelt?“
    Lächelnd erinnerte sich der junge Mann zurück und erzählte: „ Damals war ich neun der zehn Jahre alt. Meine Eltern hatten nicht viel Geld für eine aufwendige Weihnachtsdekoration. Aber wir hatten auf unserer Farm viel Stroh. Meine Großmutter setzte sich eines Abends mit uns Kindern zusammen und zeigte und wie man Strohpüppchen und Strohsterne selbst basteln konnte. Ich erinnere mich gut. Wir hatten den Kamin an und saßen nur im Feuerschein zusammen. Meine Mutter hatte uns allen Tee gekocht und es duftete nach Kräutern und Stroh. Während wir bastelten, erzählte uns Großmutter Geschichten und Märchen. Es war ein so schöner Abend gewesen. Es fühlte sich wie Weihnachten an. Kennt ihr dieses warme und flauschige Gefühl das man am Weihnachtsabend hat?“ Carter schaute sich um und sah einige der Männer zustimmend nicken. Sein eigener Gesichtsausdruck wurde trüb und düster. Leise fuhr er fort: „ Da wir alle traurig über das Ende des Abends waren, versprach uns Großmutter, dass sie mit uns Weihnachten feiern würde. Leider…leider verstarb sie kurz vor dem Heiligenabend. Seit ihrem Tod haben wir jedes Jahr Strohsterne aufgehängt. Sozusagen zum Gedenken an meine Großmutter.“
    Mittlerweile hatte Kinch seinen Arm um seinen jungen Freund gelegt und spendete ihm Trost.
    „Ich vermisse diese Tradition sehr. Deshalb wollte ich Strohsterne basteln und hier aufhängen. Aber daraus wird nun nichts mehr, “ niedergeschlagen ließ Carter seine Schultern hängen. Der Funker drückte seinen Freund einmal kurz an sich, bevor er ihn aufmunternd anlächelte: „ Ich kann dir zeigen wie es geht!“
    „Wirklich?“
    „Sicher! Komm Andrew, lass uns Strohsterne basteln!“
    Strahlend ließ sich Carter alles von Kinch zeigen. Die anderen Männer gesellten sich mit an den Tisch. LeBeau kochte frischen Kaffee und die Gefangenen saßen bastelnd und lachend den Abend zusammen.
    Carter sah sich in der Runde um und dachte selig: `Wie damals! Es fühlt sich wie Weihnachten an! `

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  • So hier Türchen 3. Übrings freue ich mich sehr über Rückmeldungen :rolleyes:. Die darf positiv wie negativ sein. Nicht das der Adventskalender noch gesperrt wird, weil er ein einziger Doppelpost ist :D.


    Türchen 3: Verbrannte Plätzchen und andere Katastrophen
    Fluchend rannte LeBeau in die verqualmte Baracke. Heute war ein so schöner Tag. Die Temperaturen waren herrlich mild und die Sonne schickte ihre letzten warmen Strahlen zu Erde. Er war nur kurz raus gegangen um mal nach den anderen zu sehen. Doch aus fünf Minuten wurden fünfzehn. Wild den Rauch wegwedelnd, schimpfte er sich selbst wegen seiner Unachtsamkeit. Hinter im hustete es. Aufgeschreckt drehte sich der Franzose um und sah Newkirk an. Ausgerechnet Newkirk war in die Baracke gekommen.
    „Ver-*hust*ver-verdammt Louis! W-was *hust* tust *hust* du?“
    „Reg disch ab! Mir sind die Weihnachtsplätzschen ein bisschen angebrannt!“
    „Ein *hust**hust* bi-bisschen?“ Nach Atem ringend riss der Engländer alle Fenster und Türen auf. LeBeau zog unterdessen die Plätzchen aus dem Ofen. Mit dem Gebäck kam auch eine neue große Wolke Rauch aus dem Ofen. Nun hustete auch er. Da der Englänger frische Luft geschnappt hatte, nahm er seinen Freund das Blech ab. Dieser stürmte gleich zum Fenster und japste nach Frischluft. Plötzlich kam vom Ofen ein herzliches Lachen. Wütend und gekränkt starrte LeBeau seinen Freund an.
    „Ge-gerade dir b-brennt w-was an?“
    „Lach nischt! Isch war abgelenkt!“
    „I-ist d-dir d-das sch-schonmal p-passiert?“
    Zögernd überlegte der Koch ob er seinen Freund einweihen sollte. Louis vertraute Peter. Aber er war nicht dumm. Wenn der freche Engländer die Geschichte kennen würde, hätte er, der Franzose, keine ruhige Minute mehr. Mit sich ringend bemerke er nicht, dass sein Freund auf ihn zukam.
    „Komm sch-schon. Er-erzähl e-es m-mir!“
    „Na gut! Setzsch disch!“ die Männer setzten sich an den Tisch und LeBeau begann: „Isch war noch ein kleiner Bengel. Vielleischt 6 oder 7 Jahre alt. Isch habe meiner Mama immer beim Kochen und backen zu gesehen und eines Tages waren meine ältere Schwester und isch allein zu `ause. Wir wollten unseren Eltern eine Freude machen und buken Plätzschen. Wir haben viel Teig gemacht und dann die Plätzchen in den Ofen geschoben. Da uns das Backen zu lange dauerte, sind wir in das Kindersimmer und haben gespielt. Über das Spielen haben wir die Plätzchen vergessen. Irgendwann hörten wir unsere Namen schreien. Als wir die Simmertür öffneten, kam uns eine Wolke schwarzer Rauch entgegen. Im erschten Augenblick dachten wir, es würde brennen und wir riefen nach unseren Papa. Dieser kam auch gleisch und nahm uns auf den Arm und trug uns auf die Straße. Dort wartete schon unsere Mama. Just in den Moment kam auch die Feuerwehr. Tja, was soll isch sagen? Es àtte nischt gebrannt. Der Qualm kam von den Plätzschen. Wir `aben den Ärger unseres Lebens bekommen. Mein Vater schimpfte fürschterlisch und wollte uns übers Knie legen, aber meine Mama tat alles mit einem Schmunzeln ab. Sie `at sogar die Plätzchen mit uns suende gebacken.“
    „U-und w-waren die wenigstens l-lecker?“
    Jetzt war es an LeBeau zu lachen: „ Nein, wir `atten statt Sucker Salz reingemischt. Und davon reichlich.“
    Ungläubig starrte der Engländer seinen Freund an. Der musste daraufhin noch stärker lachen. Doch als ihm klar wurde, dass sein Ruf als Superkoch in Gefahr war, verstummt er schlagartig. Genau in diesen Moment kamen auch die anderen Gefangenen zur Tür herein.
    „Corporal, war das, ein Versuch die Baracke abzufackeln?“ fragte Hogan streng. Über das eine und andere Gesicht huschte ein schadenfrohes Grinsen. Der Koch war wohl doch nicht so perfekt, wie er allen glauben machten.
    „N-nein w-war e-es n-nicht! E-es w-war ein Ver-versuch euch d-die eng-englische Küche n-näher zu-zubringen!“ antwortete Newkirk grinsend, „V-v-vielleicht s-sollte ich das B-b-backen einfach sein l-lassen!“
    Ungläubig starrten alle auf den Engländer. LeBeau verstand und spielte mit: „ Was erwartet man auch von einem Engländer? Kohle ist wa`rscheinlisch eine Delikatesse.“
    „Hey! A-als w-wäre d-dein F-fraß b-besser!“ motzte Newkirk zurück. Die beiden Männer steigerten sich ihn ihren sehr überzeugenden Streit hinein.
    „Schluss jetzt! Ab sofort kocht und bäckt nur noch LeBeau. Newkirk tu uns allen einen Gefallen und halt dich vom Ofen fern.“ Schmollend zog sich der Engländer zurück und LeBeau warf ihn einen siegessichern Blick zu. Stumm formte er jedoch das Wort „Danke“ mit seinen Lippen.

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  • Dankeschön für die Likes!


    Türchen 4: Warum ist Jesus weiß?

    Er ärgerte! Wütend tigerte der Offizier durch sein Büro. Schließlich ließ er sich frustriert auf einen Stuhl fallen. Wieso waren die Menschen nur so intolerant? Wieso könnten sie nicht sehen, was er, Robert E. Hogan sah. Betrüb dachte er an den Moment am Vormittag zurück. Wie er gut gelaunt über den Hof schlenderte und bei der Entlausungsstation abbog. Da hörte er die abfälligen, rassistischen Kommentare von einigen RAF- Piloten. Und da sah er es. Diese Vollidioten beleidigten Sergeant Kinchloe, seine rechte Hand, seinen Freund. Was fiel denen nur ein. Wutentbrannt wollte er jeden einzelnen zurechtweisen und zu Strafarbeiten verdonnern, doch da traf ihn Kinch Ausdruck. In den Augen des Schwarzen sah er die Bitte nichts zu unternehmen. Zögernd kam er dieser Bitte nach. Und jetzt saß er hier im Büro alleine und ärgerte sich schwarz. Innerlich verfraßen ihn Selbstzweifel und Vorwürfe. Wie konnte er nur untätig bleiben?


    Der amerikanische Offizier war so in seinen Gedanken vertieft, dass er nicht hörte wie es leise klopfte. Auch das Öffnen der Tür entging ihn. Erst das zögernde: „Colonel?“ ließ ihn aufschrecken. Hogans Blick richtete sich auf Kinch, der nun ganz eintrat und vorsichtig die Tür öffnete. Der Funker atmete tief durch und meinte dann: „Danke!“
    „Wofür? Ich habe nichts gemacht!“
    „Doch Sie haben es ignoriert“, verächtlich schnaubte der Colonel und resigniert setzte sich Kinch zu seinen Vorgesetzten,
    „ Colonel, es ist besser so. Wären Sie dazwischen gegangen, hätten diese Typen mir beim nächsten Mal das Leben ganz zur Hölle gemacht. Leider ist gegen Dummheit noch kein Kraut gewachsen. Ich bin froh, dass Sie und die Anderen nicht so sind!“
    Sprachlos sah Hogan zu seinen sonst so kämpferischen Freund. Wie konnte er nur aufgeben? schoss es dem Offizier durch den Kopf.
    „Kinch, ich möchte dir eine kleine Geschichte erzählen, “ neugierig schaute der Angesprochene auf und hörte zu.
    „Vor ein paar Jahren, war ein kleiner 7 jähriger Junge, der in seiner behüteten blütenweißen Welt aufwuchs. Alles in seiner kleinen Welt war weiß. Schwarze Menschen kannte er nur als Bedienstete. Eines schönen Tages lief der kleine Matthew durch den Garten des Jungen. Wie sich herausstellte war er der Sohn des Chauffeurs der Familie. Beide Kinder spielten den ganzen Tag zusammen und auch die drauffolgenden Tage verbrachten sie ihre Zeit zusammen. Kurzum sie wurden Freunde. Doch irgendwann kam Matthew nicht mehr. Unterdessen bastelten die weißen Kinder für Weihnachten kleine Jesus Krippen. Alle Kinder malten die Figuren rosig an. Nur der eine Junge malte alle Figuren mit einer braunen Farbe an. Den Ärger kannst du dir sicher vorstellen. Die Lehrerin rastete aus, die Eltern waren schockiert und der Pfarrer sprach von Ketzerei. Immer wieder hörte der Junge, dass die Schwarzen minderbemittelt, minderwertig und unwert waren. Aber wie konnte ein Freund unwert sein. Am Heiligen Abend saß die Familie zusammen und der Junge fragte, warum den Jesus weiß war und woher man das wisse. Die Antwort des Vaters war deutlich. Jesus war weiß, weil er der Heiland war, der Retter der Menschheit“, Hogan schwieg einen Moment bedächtig.
    „Sir, Sie waren der kleine Junge.“
    „Ja, und ich verstehe das bis heute nicht! Und jetzt verurteilen wir die Deutschen für den Antisemitismus und die Intoleranz. Wie können wir das tun, wenn es in der Heimat nicht besser ist?“
    „Es sind Menschen wie Sie, die die Welt ein kleines bisschen besser machen. Und es werden Menschen wie Sie sein, die für die Rechte aller Unterdrückten kämpfen werden.“
    „Und du? Wirst du mit mir kämpfen, Kinch?“ Beide Männer sahen sich eindringlich an. Und ein im Stillen versprachen sie sich, immer zu kämpfen.

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  • Türchen 5: Heimkehr!

    Olsen, Kinch und Hogan schauten fasziniert zu Newkirk. Dieser tigerte nervös durch die Baracke. Der sonst so sarkastische Brite, war nun alles andere als hart. Erneut umrundete der Corporal den Tisch.
    „Colonel? Was ist denn mit Newkirk?“ flüsterte Olsen nachdenklich.
    „Keine Ahnung! Vielleicht sollten wir Wilson holen“, entgegnete der Offizier besorgt.
    Kinch hingegen lächelte und meinte: „ Peter braucht keinen Sanitäter. Er macht sich Sorgen um Carter und LeBeau. Und die beiden sind noch nicht überfällig. Es wird also noch schlimmer!“
    Entgeistert sahen sie anderen beiden den Funker an. Frustriert ließ sich Newkirk auf einen Stuhl fallen: „ W-w-wie spät ist e-es?“
    „Fünf Minuten später als bei deiner letzten Frage!“ schmunzelte der Schwarze.
    Newkirk wollte wieder aufspringen, da hielt ihn Olsen zurück: „ Alles okay?“
    „Klar! I-ich h-hab sch-schon immer das W-warten gehasst.“
    „Wie du hast es schon immer gehasst?“
    „ M-mein Vater war 1920 S-s-soldat bei der RAF. Damals h-hatten sie br-britische Soldaten zu den A-a-arabern ge-geschickte. Sie k-k-kämpften gegen die T-t-türken.“
    „Ah, die Arabische Revolte?“ fragte Hogan interessiert nach.
    „Ja. A-auf jeden Fall w-w-war mein Vater d-dort. Immer wieder hatte er uns ge-ge-geschrieben, er w-würde W-w-weihnachten z-zu Hause s-sein. Und d-dann kam der T-t-tag und er war immer n-n-noch nicht da. M-meine Mutter w-weinte den ganzen A-a-abend b-bitterlich. Erst hatte ich es nicht ver-verstanden, aber Mavis er-erklärte mir, d-dass von u-unserem Vater schon seit W-w-wochen keine N-n-nachricht mehr ge-gekommen war. Ich w-weiß noch, w-wie M-mavis mich in den A-arm nahm und meinte, ich wäre beim ersten M-mal zu jung gewesen. Z-zwei Jahre früher h-hätten sie auch auf V-vater und unseren Br-bruder William ge-gewartet. Vater kam irgendwann h-heim, William nicht. S-sie er-erzählte mir, dass sie mit M-mutter immer eine K-k-kerze ins Fenster ge-gestellt hätte. Zu-zusammen sammelten wir alle K-kerzen, die wir finden k-konnten ein und st-stellten sie ins F-fenster. Meine Mutter half uns beim An-anzünden der K-kerzen und l-lächelte, aber das war nur aufgesetzt. W-wir merkten sch-schnell, dass sie jede H-hoffnung aufgegeben hatte. Später am A-a-abend saßen wir alle zu-zusammen auf dem S-sofa und sie er-erzählte uns Ge-geschichten über V-vater“, in Erinnerung schwelgend starrte Newkirk auf seine Hände. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht: „ Ich k-k-kannte ihn ja kaum. Als er 1918 aus dem Kr-krieg wieder kam, war i-ich gerade zwei u-u-und es zog ihn in den n-n-nächsten Krieg als ich keine dr-drei war. Naja. W-wir schliefen dann ir-irgendwann ein. Mitten in der N-n-nacht hörten wir ein lautes P-poltern. Meine M-mutter schr-schreckte auf und be-dedeutete uns, dass wir uns ver-verstecken sollen. Was wir auch taten. K-keine zwei Au-augenblicke später h-hörten wir meine Mutter laut kr-kreischen!“


    Erschrocken sahen die drei Zuhörer zu dem Briten, jeder einzelne malte sich die schlimmsten Szenarios aus.
    „Und? Wie ging es weiter?“ fragte Olsen neugierig.


    „Leise schl-schlichen wir uns raus um na-nachzusehen, ob es Mutter g-gut ging. Und was s-s-soll ich sagen, ich sah einen fr-fremden Mann in der T-tür, der meine M-mutter im Arm hielt. Dann kr-kreischte auch noch M-mavis los und st-stürmte auf diesen T-typen zu. Wie sich r-r-rausstellte war das m-mein V-vater. Meine Mutter spr-sprach noch l-lange von einem W-w-weihnachtswunder!“
    „Wow, was für eine schöne Geschichte!“ meinte Kinch ernst.
    „Kerzen im Fenster und ein Weihnachtswunder?! Könne wir auch brauchen und …“, Hogan wurde durch das Öffnen des Tunneleinganges unterbrochen. Carter und LeBeau betraten die Baracke und sahen fragend zu den vier wartenden Männern.
    „Ihr hättet doch nicht auf uns warten müssen, es war doch nur eine Routinemission“, sagte Carter.
    „Och wir haben nicht wirklich gewartet. Newkirk hat uns eine Geschichte erzählt“, erwiderte Hogan gelassen.
    LeBeau schnauft nur abschätzig: „ Um was ging es? Um Weiber, Kartenbetrügerei oder englisches Essen?“
    Olsen, Hogan und Kinch sahen sich einen Moment an und lachten leise.
    „Es ging um ein Weihnachtswunder. Aber egal jetzt, wie war die Mission?“
    Nach der Auswertung der Mission gingen alle ins Bett. Peter Newkirk lag noch lange wach und dachte an das damalige Weihnachtsfest. Seine Gedanken schweiften zu seiner geliebten Schwester, insgeheim wusste er, dass sie wieder Kerzen ins Fenster stellte. Nur diesmal waren sie für ihn.

    "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt. " Jean-Paul Sartre


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  • So, ich habe es endlich auch geschafft einzusteigen.
    Ich bin wieder sehr begeistert.
    Aber jedesmal wenn jemand anders als der Tiescher tigert, bin ich irritiert. ;)

    Das Gewissen ist fähig, Unrecht für Recht zu halten. Inquisition für Gott wohlgefällig und Mord für politisch wertvoll. Das Gewissen ist um 180° drehbar." (Erich Kästner)


    "Eine Rose gebrochen, bevor der Sturm sie entblättert." (Lessing)


    "Demokratie ist nicht die Herrschaft der Vernunft. Auch falsche Entscheidungen können demokratisch sein. Das ist zu akzeptieren" (Mein ehemaliger Chef, zumindest so in etwa)

  • Oh. Ein erster Kommentar. Da poste ich doch heute Abend glatt nochmal zwei Geschichten :D

    "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt. " Jean-Paul Sartre


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  • Türchen 6: Ein (fast) ganz normales Weihnachtsfest

    Leise schlich Schultz in die Baracke 2. Heute war mal einer dieser Tage, an denen man einfach nur im Bett liegen und nichts tun sollte. Er ahnte das kommende Grauen. Doch noch hatte keiner der Gefangenen Notiz von ihm genommen. Plötzlich drehte sich LeBeau um und rief: „`ey Schorschhi! Komm `er und trink einen Kaffee mit!“
    Wie angewurzelt blieb der deutsche Feldwebel stehen. Bloß nicht bewegen. Nun schauten auch die anderen Gefangen zu ihm rüber. Er, der Feldwebel, mehrfacher Vater, sah sein Ende kommen.


    „Alles in Ordnung?“ fragte nun Carter. Nach Worten suchend starrte der Wächter immer noch auf die Männer. Er fühlte sich als würde er vor einer Horde Raubtiere stehen. Doch plötzlich ein Lichtblick, Hogan kam aus seinem Büro.
    „Sch! Sch! Colonel Hogan! Colonel Hogan! Kommen Sie moal!“ flüsterte der Feldwebel laut. Das gab den Ausschlag bei den anderen Männern, nun hielten sie den Deutschen für völlig durchgeknallt. Hogan wollte gerade zu Schorschi, als die Barackentür aufgestoßen und Kinch kam herein.
    „Oh Schorschi, die schön. Du bringst uns die Post!“ kaum hatte der Funker den Satz ausgesprochen. Stürmten alle auf den Deutschen zu und überrannten ihn. Sein klägliches „Hilfe“ würde von den Gefangenen übertönt. Der amerikanische Offizier sah sich genötigt, mal wieder den Deutschen zu retten. Fünfzehn Minuten und alle Nerven von Feldwebel Schultz später, hatte jeder Gefangene seine Post und es kehrt Ruhe in der Baracke ein. Vertieft lasen sie Männer die Neuigkeiten aus der Heimat. Plötzlich brach Kinch im schallenden Gelächter aus. Erschrocken zuckten einige zusammen, wieder andere sahen verwirrt zu Hogans rechter Hand.
    „Kinschi? Was `ast du?“ immer noch kichernd sah der Schwarze von seinem Päckchen auf und schaute in die fragenden Gesichter.
    „Meine Schwester hat mir Weihnachtsdeko geschickt! Aber bevor ich sie euch zeige, müsst ihr die Geschichte dazu kennen.“ Die Gefangenen wendeten sich nun vollständig dem Schwarzen zu. Ein letztes Mal räusperte er sich und dann begann er zu erzählen: „ Ich muss ungefähr zehn oder elf Jahre alt gewesen sein. Da hatten wir die Weihnachtstradition, den Baum immer erst am Heiligen Abend zu schmücken und danach besuchten wir die Kirche. In dem Jahr war alles ein bisschen hektischer und der Kirchenbesuch kam vor dem Baumschmücken. Wieder zu Hause wollte mein Vater die Dekoration holen. Schlampig wie ich in dem Alter war, lagen mein Basketball, Skatboard und so weiter im Flur. Und da passierte es. Mein Vater trat auf das Skatboard, rollte los, fuhr gegen einen Ball und stoppte letztlich am Baseballschläger. Mit lauten Krachen fiel die Kiste mit der Dekoration zu Boden. Alle Kugeln waren zerstört. Nicht eine Einzige war ganz geblieben. Wir sahen das Weihnachtsfest schon ins Wasser fallen. Mein Vater, dem glücklicherweise nichts außer einem riesigen Schreck passiert ist, macht sich sofort auf den Weg in die Stadt. Mit leeren Händen kam er wieder. Traurig saßen wir vor dem ungeschmückten Baum. Da meinte meine kleine Schwester: „ Wir haben doch noch mehr Dekoration!“
    „Nein haben wir nicht, Schätzchen“, entgegnete Mom. Aufgeregt hüpfte die Kleine hin und her. Sie rannte zu meinen Vater und zog an seiner Hand. Leicht wiederwillig ging er mit. Und tatsächlich kamen beide mit einer Kiste zurück. Nur waren darin keine Kugeln für den Baum, sondern Anhänger für den Osterstrauß. Und so kam es, dass unser Weihnachtsbaum mit Ostereiern, Häschen und Lämmchen geschmückt wurde. Das Jesus Kind lag nicht in der Krippe sondern im Osternest und wir buken passend dazu Osterplätzchen. Es war ein total verrücktes Weihnachtsfest, aber wir hatten unseren Spaß.“


    Breit grinsend zog Kinch kleine Holzanhänger in Form von Häschen und Ostereiern hervor. Die Männer lachten herzlich los und man beschloss gemeinsam, dass diese Anhänger einen Ehrenplatz am diesjährigen Weihnachtsbaum bekommen sollten.

    "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt. " Jean-Paul Sartre


    "Papa! Lene behaupet sie hätte angefangen [mit ärgern], dabei habe ich doch angefangen!" Junior beim petzen.

  • So diesmal wieder eine Geschichte aus der Vergangenheit eines Helden. Über Kritik, Kommentare etc. würde ich mich freuen.


    Türchen 7: Stille Nacht, friedliche Nacht!

    23. Dezember 1915
    Ich rannte und rannte. Wie war ich hier nur reingeraten? Ich sollte jetzt eigentlich zu Hause bei meiner jungen Frau sitzen und mein Leben genießen. Aber nein, ich rannte über gefrorene Erde und hoffte inständig das der Feind mich nicht finden würde. Als ich eine verlassene Hausruine fand, versteckte ich mich darin. Plötzlich hörte ich ein leises Stöhnen. Auf Zehenspitzen schlich ich mich um die Ecke. Verdammt, da lag einer dieser Tommys. Beim genaueren Hinsehen erkannte ich, dass er verletzt war. Sein Gewehr hatte er nicht in Reichweite. Er war der Feind, ich musste ihn töten. Aber wie sollte ich nur auf einen im Stroh liegenden Verletzten schießen. Vorsichtig und bedacht darauf kein Lärm zu machen huschte ich zu seinem Gewehr und schnappte es mir. Erschrocken und mit Angstverzerrten Gesicht sah er mich an. Er war etwas älter als ich. Kraftlos versuchte er sich aufzurichten: „ Boy! Please!“
    Was wollte er von mir? Ich verstand seine Sprache nicht. Zaghaft schüttelte ich den Kopf. Einen Moment dachte der Ältere nach, lächelte und versuchte es erneut: „ Du verstehst kein Englisch?“
    Oh, er sprach also auch deutsch. Zu Antwort nickte ich ihn zu.
    „Junge? Willst du mich erschießen?“
    „ Ich.. Ich bin kein Junge. Ich bin Gefreiter Hans Georg Schultz!“
    „Okay Gefreiter Hans Georg Schultz. Willst du mich erschießen?“
    „Wie könnte ich? Sie sind verletzt!“ empörte ich mich. Wie konnte der Tommy nur so von mir denken. Zu allem Überfluss lächelte er mich auch noch an. Hustend versuchte er erneut sich aufzurichten. Schnell schnappte ich meine Wasserflasche und gab ihn ein paar Schlucke zu trinken. Erst jetzt merkte ich, dass er fiebert. Anscheinend hatte er auch einen Streifschuss am Bein abgekommen. Feind hin oder her, ich konnte ihn doch nicht sterben lassen. Ich drückte ihn wieder in Stroh und versuchte ihm die Hose auszuziehen.
    „Was! Was machst du?“
    „Ihnen helfen. Ich habe Jod und Verbandszeug im Rucksack!“
    „Wieso?“
    „Ich kann Sie doch nicht einfach sterben lassen! Sehen Sie es als verfrühtes Weihnachtsgeschenk!“ endlich hörte die Gegenwehr auf. Rasch desinfizierte ich die Wunde und verband sie. Immer wieder flüsterte ich Entschuldigungen, denn egal wie vorsichtig ich war, ich tat ihm weh. Erschöpft schlief der Verletzte ein. In einem ruhigen Moment gab ich mich auch der Müdigkeit hin.
    Ein Schrei in einer fremden Sprache weckte mich und als ich mühsam die Augen öffnete sah ich direkt in den Lauf eines Gewehres. Innerlich schloss ich mit meinem Leben ab und sah mich schon vor meinen Schöpfer. Der Tommy sprach schnell und eindringlich auf den Neuankömmling ein. Die Waffe senkte sich und ich atmete erleichtert auf. Der Neue war ein Franzose. Er reichte mir die Hand: „ Corporal Mathieu LeBeau:“
    „Gefreiter Hans Georg Schultz“, zögernd ergriff ich die Hand und schüttelte sie. Der Tommy neben mir packte mich an der Schulter und stellte sich auch vor: „ Privat Thomas Newkirk!“
    Im weiteren Gespräch kam heraus, dass die beiden ziemlich gut deutsch sprachen. Wir erzählten und wie wir von unseren Truppen getrennt wurden. Dieser LeBeau wusste wo die nächste Front war und wir beschlossen am nächsten Tag, gemeinsam dorthin zugehen.
    Am Abend zog Newkirk ein Foto aus seiner Tasche und erzählte stolz: „Männer, das ist meine Familie. Morgen ist Weihnachten und sie sind allein in der Heimat und ich bin hier“, er zeigte auf eine hübsche Frau, „Das ist Mary meine Ehefrau. Sie ist wunderschön und liebevoll.“ Nachdenklich schaute er auf seine drei Kinder. Es war ein großer Junge oder eher schon ein junger Mann, ein Mädchen und ein Baby. Vielleicht war es sein Enkel. Newkirk berichtete weiter: „ Der Große ist mein Sohn William. In zwei Jahren wird er Volljährig und muss zum Dienst. Hoffentlich ist der Krieg dann vorbei. Das Mädchen ist meine Tochter Mavis. Sie ist mein kleiner ruhiger Engel. Gerade fünf geworden. Und der freche kleine Bengel ist mein Peter. Erst wenige Wochen alt. Unser Nachzügler. Wer hätte gedacht, dass er das Endprodukt des letzten Fronturlaubs werden würde?“ Laut lachend und dennoch sehnsüchtig strich er sanft über das Bildnis eines jeden einzelnen Familienmitgliedes.
    Der Franzose zog nun seinerseits ein Foto aus der Tasche. Eine Frau mit vier Kindern stand vor einem Weinberg. „ Meine Frau Marie und unsere Kinder Caroline 12, Amelia ist 9, Henrietta mit 7 Jahren und mein einziger Sohn Louis 5 Jahre. Mein ganzer Stolz und ich habe sie so lange nicht mehr gesehen.“
    Beide sahen mit abwartend an. Zaghaft zeigte ich nun mein Familienfoto vor. Es zeigte meine Gretchen mit dickem Bauch. „Ähm das ist mein Gretchen. Wir haben 1913 geheiratet. Das Baby ist mittlerweile auf der Welt. Es heißt Fritz, ein Junge. Er ist vor zwei Monaten geboren!“ Grinsend gratulierten mir meine „Feinde“.
    Ausgelassen sprachen und lachten wir zusammen. Was gaben wir wohl für ein Bild ab? Ein Franzose, ein verletzter Engländer und ein Deutscher, die am Feuer saßen und sich eine Flasche Wein teilten. Als die Flasche leer war murmelte Newkirk benommen: „ Kameraden, lasst uns einen Schwur leisten. Ab morgen sind wir wieder Feinde, aber heute noch Freunde. Lasst und schwören niemals auf den Sohn des anderen zu schießen und dass wir unsere Kinder immer gegenseitig beschützen.“ Betrunken wie wir waren schlugen wir ein. So war es besieget die Knaben Fritz Schultz, Luis LeBeau, William und Peter Newkirk standen nun unter unser dreier Schutz. Nachdenklich und den Blick in die Ferne schweifend lassen hörte ich in die Nacht hinein. Es war die erste friedliche Nacht seit Monaten. Keine Schüsse, keine Schreie. Eine stille, friedliche Nacht!
    Mit vereinten Kräften schleppten wir Newkirk bis zu Front. Erstaunlicherweise schoss niemand auf uns. Wie hätten sie auch gekonnt, die Gefahr den eigenen Mann zu treffen war zu groß. Am Heiligen Abend 1915 verabschiedeten sich drei Feinde, die einen gemeinsamen Schwur mit sich trugen.

    Gegenwart Weihnachten 1943
    Ich schaue den frechen Briten und der Kakerlake hinterher. Die beiden haben mit Hogan, Carter und Kinch wieder sabotiert. Natürlich wusste ich von Papa Bär und dem Tunnelsystem unter dem Lager. Aber ich würde nichts sagen, immer hin habe ich Hans Georg Schultz einen Schwur geleistet.

    "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt. " Jean-Paul Sartre


    "Papa! Lene behaupet sie hätte angefangen [mit ärgern], dabei habe ich doch angefangen!" Junior beim petzen.

  • Hach, ich lese diese Kurzgeschichten so gerne. :)
    Und bin froh, dass ich es wieder geschafft habe.


    Bei der 2. war ich zunächst verwirrt und fing auch schon an zu rechnen, wie alt die Kinder von Newkirk sein können, wenn man Newkirks geschätztes Alter zugrunde legt. Es ist natürlich eine schöne Überraschung gewesen und hätte ich aufmerksamer das Datum gelesen, hätte es mich wohl auch nicht so verwirrt.


    Bei der ersten Geschichte musste ich vor allem daran denken, was für ein Verlust das damals für eine Familie gewesen sein muss. Ich glaube, früher waren Christbaumkugeln, häufig ja wirklich aus Kristall oder ähnlichem, sehr teuer. Allerdings sahen sie meist auch schöner aus als die Plastikkugeln. Gingen dafür auch flott kaputt. Das kam irgendwie nicht so ganz raus.
    Aber die Ostereier sind eine gute Idee. :D


    Ich versuche jetzt bei der Stange zu bleiben.

    Das Gewissen ist fähig, Unrecht für Recht zu halten. Inquisition für Gott wohlgefällig und Mord für politisch wertvoll. Das Gewissen ist um 180° drehbar." (Erich Kästner)


    "Eine Rose gebrochen, bevor der Sturm sie entblättert." (Lessing)


    "Demokratie ist nicht die Herrschaft der Vernunft. Auch falsche Entscheidungen können demokratisch sein. Das ist zu akzeptieren" (Mein ehemaliger Chef, zumindest so in etwa)

  • Türchen 8: Weihnachtswünsche




    Es sollte sein letztes Weihnachtsfest mit seiner Familie sein. Gestern kam der Einberufungsbefehl. Den ganzen Abend hatte sein Vater ihn nachdenklich gemustert. Nachdem die Familie in der Kirche war und Geschenke ausgetauscht wurden, kam der Großvater zu seinen Enkel. Sanft legte er den Arm auf die Schulter des Jüngeren. Sein Enkel sah auf und lächelte: „ Großvater?“
    „Komm mein Junge, lass uns ein Stück gehen.“
    Beide traten auf die Straße und spazierten ein Stück schweigend.
    „Karl? Was bedrückt dich? Warum bist du an einen festlichen Abend, wie diesen traurig?“
    „Ach Großvater! Gestern kam mein Einberufungsbefehl. Ich weiß, ich sollte mich freuen, immerhin darf ich jetzt dem Führer dienen und alle Männer der Familie waren bei Militär. Aber…naja…“, murmelte der junge Karl Langenscheidt.
    „Ach Junge! Der Krieg ist heute auch nicht mehr, was er früher war. Wir haben Weinachten noch Waffenruhe und Anstand gehabt. Ich sah die drastische Entwicklung zur Grausamkeit schon als dein Vater in den Krieg zog. Und nun ist wieder Krieg. Ich frage mich, wann die Menschen endlich aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und friedliche Verhandlungen führen. Ihr jungen Burschen werdet in den Krieg geschickt und endet doch alle nur als Kanonenfutter“, schimpfte der erfahrene Großvater. Über die Worte nachdenkend spazieren beide schweigend weiter. Nach einiger Zeit fragte der Jüngere: „ Aber was soll ich denn tun? Ich bin so oder so dem Tode geweiht. Verweigere ich mich, werde ich hingerichtet. Ziehe ich den Krieg, werde ich erschossen vom Feind.“
    „Dein Onkel Otto kann sicher etwas für dich tun. Vielleicht kannst du in eines dieser Lager als Wache.“
    „Das wäre toll!“ die Aussicht nicht an die Front zu müssen, stimmte den jungen Mann glücklich. Die Männer ließen zurück. An der Hauseingangstür hielt der Alte den Jungen auf.
    „Karl, nur eines schwöre mir! Wenn du in eines dieser Lager kommst. Ob nun Judenlager oder Gefangenenlager, vergiss nie wer du bist. Und vergiss nie, dass die Internierten Menschen wie du und ich sind. Das eben diese Menschen auch Väter, Söhne, Brüder und Enkel sind. Sei human und nicht grausam! Und noch eines. Versprich mir, dass du jedes Jahr zu Weihnachten wohlbehalten nach Hause kommst. Dann erfüllst du mir meine beiden größten Weihnachtswünsche“ Großvater und Enkel sahen sich einen Moment tief in die Augen.
    „Ja! Ja Großvater, ich verspreche es dir!“
    Am Abend erzählte Karl seiner Familie von dem Einberufungsbefehl und sein Onkel Otto wollte sich gleich nach den Feiertagen für ihn einsetzen. Zufälligerweise wüsste er von seinen Freund General Burkhalter, dass in irgendeinem kleinen Kriegsgefangenenlager Personalmange herrschte.

    "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt. " Jean-Paul Sartre


    "Papa! Lene behaupet sie hätte angefangen [mit ärgern], dabei habe ich doch angefangen!" Junior beim petzen.

  • Türchen 9: Von Pickelhaube, Schaukelpferd und anderen Katastrophen


    Der großartige Wilhelm Klink saß in seinem Büro. Der Ticha, wie er sich gern selbst nannte, ärgerte sich über seine Gefangenen. In der Vorweihnachtszeit hatten diese nur rote Grütze im Kopf. Sie machten ihn und seinen Männern das Leben schwer. Frustriert ließ er den Kopf sinken und schweifte mit seinen Gedanken in eine unkomplizierte Zeit.


    Seine Frau lebte und war mit Kind Nummer drei schwanger. Und seine Söhne, waren sein ganzer Stolz. Dies war, bevor Heinrich Kampfpilot wurde und er, Oberst Klink, jeden Tag auf das Beileidsschreiben der Regierung wartete. Es war vor Friedrichs Wesensveränderung und dessen Eintritt in die Gestapo. Damals waren beide einfach nur seine kleinen Lausbuben, die er abgöttig liebte.
    An jenem letzten gemeinsamen Weihnachtfest, betrachtete der zweifache Vater den leuchtenden Weihnachtsbaum. Wie jedes Jahr war er mit Strohsternen und echten Kerzen geschmückt. Und wie jedes Jahr, seit sein Erstgeborener sich selbstständig fortbewegen konnte, standen zwei Eimer Wasser neben dem Baum. Seine Frau kuschelte sich an ihn und genossen schweigend den Moment. Seine beiden Söhne spielten unterdessen in der hinteren Ecke des Wohnzimmers. Sein ruhiger und besonnener Friedrich bastelte Strohsterne und sein wilder Heinrich versuchte seine Steinschleuder zu justieren und mit Walnüssen zu befüllen. Es war ein ruhiger, besinnlicher Abend.Die Eltern beschlossen nach dem Abendessen und der Bescherung, die Kinder weiter spielen zu lassen. Friedrich blätterte auf dem Bauchliegend in seinem neuen Bilderbuch, während Heinrich mit Vaters Pickelhaube, einem kleinen Holzschwert und seinem neuen Schaukelpferd durch das Wohnzimmer ritt und unsichtbare Gegner niederstreckte. Frau Klink lachte bei diesen Anblick: „ Tja Willi, unser Jüngster kommt ganz nach Papa. Sicher wird er mal Pilot beim Militär.“
    „Und unsa Friedrich wird een Gelehrte! Bestimmt Arzt oder sowas!“ Zustimmend nickte die Schwangere und stand auf. Die Eltern wollten für alle einen heißen Kakao zubereiten und die lieben Kleinen zu Ruhe bringen.
    Als sie zurück, sahen sie wie Friedrich den kleinen Heinrich erklärte, wie falsch Gewalt, Folter und töten ist. Während die Mutter sich den Kindern zuwendete, ließ sich der Vater auf das Sofa fallen. Ein jeher Schmerz durchzuckte ihn und kreischend sprang er auf. Dabei trat er auf die Murmeln des erstgeborenen. Drehend und mit den Armen wildfuchtelnd versuchte er das Gleichgewicht wieder zu finden. Doch es gelang ihm nicht und er fiel rücklings über das Schaukelpferd des Jüngsten und riss den Weihnachtsbaum mit sich. Das nächste was Wilhelm Klink mitbekam war das eiskalte Wasser, mit dem er übergossen wurde und der freudige Schrei Friedrichs: „ Mama, ich hab den Papa gelöscht!“
    Durchnässt, zerstochen und mit schmerzenden Rücken lag Wilhelm im Tannenbaum und kam nicht mehr hoch. Frustriert seufzte er: „ Warum ists bei uns een Tradition den Weihnachtbohm abzufackeln?“
    „Mein armer Liebling, ich habe keine Ahnung!“
    „Wesste was mal eener erfinden müsste? Elektronische Weihnachtsbohmbeleuchtung!“
    Lachend half die schwangere Ehefrau ihrem Mann auf die Beine. Zusammen wurde das Chaos beseitigt und alles wieder schick hergerichtet.


    Klink schreckte aus seien Gedanken hoch. Er war wieder im Hier und Jetzt. Er nahm sich fest vor, bei der diesjährigen Weihnachtsfeier diese Geschichte zum Besten zu geben.

    "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt. " Jean-Paul Sartre


    "Papa! Lene behaupet sie hätte angefangen [mit ärgern], dabei habe ich doch angefangen!" Junior beim petzen.

  • Das klingt ganz nach Klink!

    Das Gewissen ist fähig, Unrecht für Recht zu halten. Inquisition für Gott wohlgefällig und Mord für politisch wertvoll. Das Gewissen ist um 180° drehbar." (Erich Kästner)


    "Eine Rose gebrochen, bevor der Sturm sie entblättert." (Lessing)


    "Demokratie ist nicht die Herrschaft der Vernunft. Auch falsche Entscheidungen können demokratisch sein. Das ist zu akzeptieren" (Mein ehemaliger Chef, zumindest so in etwa)

  • Tja, wie Klink lebt. So und weiter gehts!

    Türchen 10: Die späte Einsicht!



    Ein grauer Nieselregen legte sich über das Kriegsgefangenenlager. Es war ein kalter Dezembertag im Jahre 1944. Er, der große und ach so mächtige General, zog den Mantel enger um sich. Sein Blick schweifte über das Lager und blieb am Stacheldrahtzaun hängen. Gefangen! Eingesperrt! Ohnmächtig!


    Seine Gedanken hingen der Vergangenheit nach. -Wie er seine Nabe bekam. Das erste Handschütteln des geliebten Führers. Die Beförderung zum General. Der Amtsantritt in Berlin. Positives wurde getrübt durch die vielen negativen Erinnerungen. -Wie er seine Tochter und Nichte in den Saale führte und die Gestapo die Mädchen wie Vieh behandelten. Die bitteren Tränen seiner Nichte Lotta, als sie Obersturmbannführer Friedrich Klink heiratete. Ihr verängstigtes Gesicht. Die Nachricht über den Tod von Freunden. Der unmenschliche Schmerzensschrei seiner Frau Berta, als das Schreiben über den Tod des einzigen Sohnes kam. Die stechenden Worte über Ehre und Stolz, dass der Sohn für den Führer, Vaterland und Reinrassigkeit starb.


    Kleine Tränen sammelten sich in seinem Augenwinkel. Was hatten sie alles geopfert? Sinnlos geopfert? So viele Kinder, Söhne sind gestorben. Das Reich sollte doch wachsen und gedeihen, sich ausbreiten. Und nun lag es in Schutt und Asche. Alles war verloren! Blind waren sie dem Führer wie dumme Schafe gefolgt.


    Er schaute zu den Gefangenen, die wissend und albernd an den Baracken standen. Schultz, der dicke Feldwebel, wie er umgarnt wurde. Für ihn war nicht alles verloren. Diese Gefangenen hatten etwas zu verbergen. Wie oft hatte Hochstetter von Papa Bär und Co erzählt? Den Gestapoooffizier haben solche Reden an die russische Front gebracht. Und ihm selbst? Hatte er je daran geglaubt? Sicher, war es absurd aber er kannte Hogans Genialität. Möglich war es und sollte es stimmen, dann haben Klink und Schultz gute Karten unbeschadet aus dem Kriegsende zu kommen.


    Kriegsende. Er hatte die Anzeichen zeitig erkannt. Spätesten nach den Niederlagen in Stalingrad hätte man Verhandlungen führen müssen. Aber jetzt war es zu spät. Von der einen Seite rückten die Sowjets immer näher, von der anderen die Alliierten. Was würde ihm bleiben? Gefangenschaft? Unwahrscheinlich, er war für alle Gefangenenlager zuständig. Mit Ausnahme von Stalag 13, herrschte in keinem die Genfer Konvention. Es gab nur eine Möglichkeit abzutreten. Mit einem lauten Knall und der eigenen Waffe. Nach Weihachten würde er Abschied von seiner Familie nehmen und dann gehen, wie so viele vor ihm!

    "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt. " Jean-Paul Sartre


    "Papa! Lene behaupet sie hätte angefangen [mit ärgern], dabei habe ich doch angefangen!" Junior beim petzen.

  • Türchen 11: Kleiner schwarzer Weihnachtswichtel?



    „Muuuaaaahhhh!“ lachte es kalt durch die Gemäuer der Gestapozentrale. Bei diesem Lachen bekam jeder Gänsehaut, selbst die härtesten Offiziere unter ihnen. Dieses irre, quietschende Lachen bedeutete, dass Major Wolfgang Hochstetter einen fiesen, hinterhältigen Plan entworfen hatte.
    Unterdessen im Stalag 13.
    Die Männer langweilten sich mal wieder. Im Hof war es zu kalt und in den Baracken kälter. Die Turnhalle war geschlossen, es gab keinen Schnee sondern nur eisige Kälte. Auch die sonst so zahlreichen Aufträge aus London blieben aus. Kurz es gab nicht zu tun.
    „Menno. Langeweile sollte verboten sein!“ beschwerte sich Carter.
    „Dir ischt langweilig?“ fragte LeBeau scheinheilig nach.
    „Ja!“
    „Dann geh `olz `acken. Dann bisscht du beschäftigt und wir `aben unsere Ruhe!“ LeBeau erhielt reichlich Rückendeckung von den anderen Männern. Maulend zog sich Carter seine Jacke über. Das Holzhacken würde er jetzt schon hassen.Nach einer guten Stunde sah er mehrere Lastwagen und eine Gestapokarre auf den Hof fahren. Sofort ließ der Sergeant die Axt fallen und rannte in die Baracke.
    Völlig außer Atem berichtete er: „ Da …. Kamen…Lastwagen…und …Gestapo!“
    Alarmiert sprang Hogan auf und wollte gerade zu Klinks Büro, als die Tür aufsprang und ein grinsender Hochstetter eintrat. Ein perplex schauender Klink folgte. Der amerikanische Offizier fing sich schnell und fragte arrogant: „ Was wollen Sie uns diesmal unterschieben? Haben wir wieder Brücken gesprengt, das Deutsche Reich in den Kriegsanstrengungen sabotiert oder gar ausspioniert?“
    „Nicht doch mein lieber Hogan! Ich dachte so unter FREUNDEN stattet man sich immer mal einen Besuch ab!“ entgegnete der Gestapo- Zwerg sanft.
    „Freunde?“
    „Ja Freunde! Hogan, ich bin hier um Ihnen und ihren Männern eine kleine Weihnachtsfreude zu machen. Jede Baracke bekommt einen Weihnachtsbaum, eine Kiste Holz und Lebensmittel. Als kleines Vorweihnachtsgeschenk!“ Alle Männer inklusive Hogan sahen den Mann in Schwarz ungläubig an. Und tatsächlich wurde sofort alles Versprochene von den Wachen reingetragen. Die Gefangenen bedankten sich artig und zugleich verwirrt.Kinch beäugte die Geschenke kritisch. Er schnappte sich seinen Notizblock und schrieb die Wort „Wahrscheinlich werden wir abgehört!“ Hogan las und nickte zustimmend. Er beorderte alle Männer seiner Baracke in das Nebenzimmer und zusammen heckten Sie einen Plan aus, wie sie Hochstetter reinlegen konnten. Aber zu Allererst, schwärmten nach der Besprechung die Männer aus und schickten die Barackenvorsteher zur Hogan und warnten die anderen Gefangenen vor der Abhöraktion. Selbst Schultz wurde eingeweiht.


    Auffälliger Weise hatte sich der schwarze Gnom bei Klink einquartiert. Er saß gespannt vor seinem Abhörgerät und belauschte die seichten Unterhaltungen der Gefangenen. Am Abend konnten die Spiele beginnen. Hogan kam in den Hauptraum der Baracke.
    „Jungs, wir haben eine neue Mission! Der Codename lautet „Papa Bärs Weihnachten“.“ Innerlich jubelte Hochstetter. Auf so etwas hatte er gewartet.


    „Newkirk, du wirst dich um Papa Bär kümmern. LeBeau du um Goldlöckchen. Carter und O´Mally um Mama Bär, Olsen und McNeir um Baby Bär. Es darf nicht schiefgehen. Vorallem darf Hochstetter nicht mitbekommen. Jungs trefft alle nötigen Vorbereitungen. Heute Nacht müssen wir es durchziehen!“ wies der Colonel an. Der Major vor seinem Funkgerät, führte einen Freudentanz auf. Er würde heute Nacht die Möglichkeit haben, eine ganze Untergrundeinheit hochzunehmen. Am Rande bekam er mit, dass es eine Tür in der Baracke ging.„Still gestanden! Aofgestanden und salutiert, wenn der Spieß die Baracke betritt! Wie siehts hier den schon wieder aus ….!“ Erschrocken starrte der Gestapooffizier auf das Abhörgerät. Das war doch dieser fette Schultz. Er dachte immer, dass er so sanft und nachlässig den Gefangenen gegenüber ist, aber das hier hört sich nach einem sehr strengen Regiment an. Sollte es also wahr sein, wenn die Gefangenen behaupten Schultz wäre so unmenschlich. Kopfschüttelnd kam Hochstetter zu der Erkenntnis, dass er den vermeintlich gutmütigen Schultz falsch ein eingeschätzt hat. Die Nacht kam und der Major saß immer noch vor dem Funkgerät. Es war ziemlich lange Ruhe gewesen und er schlief auch fast ein, da tat sich endlich etwas.
    „Männer, wie sieht’s aus? Papa Bär da?“ hörte er Hogans Stimme.
    „Hier!“
    „Mama Bär?“
    „Hier!“
    „Baby Bär?“
    „Auch her!“
    „Du Goldlöckchen?“
    „Hier!“
    Weiter hörte Hochstetter nicht mehr. Er sprang auf und rannte aus seinem Quartier nach draußen, weckte Klink, schnappte sich zwei Männer und stürmte Baracke zwei. Völlig erschrocken zuckten alle Gefangenen zusammen.
    „Jetzt hab ich Sie Hogan. Ich habe alles gehört!“ schrie Hochstetter freudig. Klink betrat die Baracke und sah seine Gefangenen wach um den Tisch sitzen.
    „Was is’n hier los? Hogan! Ihre Männer müssten alle in der Furzmule liechen!“
    „Klink, Sie Idiot! Hier findet ein Treffen der Untergrundeinheit statt! Hogan geben die Agenten raus!“
    „Welche Agenten?“
    „Papa Bär, Mama Bär, Baby Bär und Goldlöckchen!“ Völlig erschrocken starrte Hogan seinen Gegenüber an und meinte leise. „Davon dürften sie doch nichts wissen!“
    „Bah! Ich habe Sie abgehört. Der Tannenbaum ist präpariert! Und jetzt übergeben sie die Agenten!“
    Widerwillig griff Hogan auf den Tisch und nahm drei kleine Plüschteddy und ein kleines Püppchen in die Hand und gab sie Hochstetter.
    „Major, wir wissen um ihr Vorliebe für die Geschichte von Goldlöcken und den drei Bären, deswegen wollten wir Ihnen als Dankschön alle vier schenken!“
    Hochstetter starrte erst verwirrt auf die Plüschtiere. Erst nach und nach erkannte er, dass er reingelegt wurde. Wütend aufbrüllend rannte Hochstetter aus der Baracke und fuhr heim.Die Männer unterdessen lachten herzlichst. Am nächsten Tag wurden alle Geschenke von Hochstetter auf Wanzen untersucht und diese entsorgt.

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  • Die emotionale Seite von Burkhalter fällt mir immer etwas schwer, trotzdem schön geschrieben und die Bedenken sind gut an ihn angepasst.
    Die zweite Story ist genial und ein typischer Hochstetterfall. Er schafft es ja doch nie, die Helden zu erwischen. :)

    Das Gewissen ist fähig, Unrecht für Recht zu halten. Inquisition für Gott wohlgefällig und Mord für politisch wertvoll. Das Gewissen ist um 180° drehbar." (Erich Kästner)


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  • Türchen 12: Wer ist Nimrod?


    Aufgeregt kritzelte Sergeant Andrew Carter kleine Notizen auf einen Zettel. Hin und wieder strich er welche durch oder schüttelte den Kopf und schrieb neue dazu. Nach einer geschlagenen Stunde war der Tisch in der Baracke über und über mit Notizblättern bedeckt. LeBeau wollte gerade welche von Tisch fegen und sich mit seinen Kaffee setzten, da schimpfte Carter: „ Louis, Finger weg von meinen Notizen. Das ist wichtig!“
    „Wasch su Teufel machst du?“
    „Ich versuche herauszufinden wer Nimrod ist!“
    „Du bischt bekloppt!“
    „Hey, das klingt interessant! Was hast du schon rausgefunden?“ wollte Olsen wissen.
    „Naja, es muss jemand sein, der Zugang zum Lager hat. Und dieser jemand dürfte nicht auffallen. Hochstetter und Burkhalter können wir ausschließen. Aber Schultz oder Klink könnten in der näheren Auswahl sein!“
    „Klink?“ fragte Olsen entsetzt.
    „Ja! Warum nicht?“ überlegte Carter.
    „Naja, er ist schräg und dämlich.“
    „Ne er is der Ticha!“ lachte Kinch von seinem Bett aus. Er war dem Gespräch der beiden Männer gefolgt.
    „Aber mal im Ernst, es könnte auch einer von uns sein!“ warf O´Mally ein.
    „Oder es ist der Colonel selbst!“ erwiderte Olsen.
    „Was bin ich?“ fragte Colonel Hogan, der gerade in die Baracke kam. Newkirk folge und schaute neugierig in die Runde.
    „Äähm…öööh…mmh...“ stammelte Olsen verlegen. Carter kam ihm zu Hilfe und sprach de Gedanken aus.
    „Sir, wir überlegen gerade wer Nimrod sein könnte. Ich dachte ja eher an Schutzi oder Klink oder eine andere Wache Aber die Jungs meinten es könnte auch einer von uns sein und…“
    Hogan fing laut an mit lachen, nach Atem ringend keuchte er: „ Und da denkt ihr an mich? Da ehrt mich! Aber Nimrod ist einer der besten britischen Agenten unserer Zeit!“
    „Dann ist es eben Newkirk! Er ist flink, extrem leise und unauffällig und so oft wie er in der Stadt ist, hat er auch die Möglichkeit Informationen zu sammeln!“ schlussfolgerte Carter.Alle Augen richteten sich auf den Briten. Selbst der ranghöchste Offizier musterte seinen Corporal nachdenklich.
    Dieser verschränkte die Arme vor der Brust und schnaubte frustriert: „ W-w-wenn ich G-g-gENERAL Nimrod wäre, d-dann würde ich s-s-sicherlich nicht hier r-r-rumhängen. So ein ge-ge-gemütliches Versteck mit ein oder zwei h-hübschen F-f-fräuleins wäre viel sch-schöner und einem Nimrod a-a-angemessener.“
    Lächelnd und zu gleich Kopfschüttelnd stimmte der Colonel dem Briten zu und beendete die Diskussion: „ Newkirk kann nicht Nimrod sein. Denkt doch mal nach. Und mal ehrlich, wir wollen doch gar nicht wirklich wissen wer Nimrod ist. Was wir nicht wissen, kann man nicht aus uns rausfoltern!“
    Widerwillig sahen die anderen Männer ein, dass es besser wäre, wenn keiner von ihnen wüsste wer Nimrod ist. Sie konnten auf eine Auflösung nach Kriegsende hoffen.

    Am Abend im Tunnel

    „H-h-heute war es echt k-knapp! Sie haben mir f-fast ent-entlarvt.“
    „Wie konntest du es abwenden?“
    „Ich s-sagte ihnen, wenn ich d-du wäre, würde ich i-irgendwo mit ein paar M-mädels abhängen!“
    „Gut gemacht Peter! Sei etwas vorsichtiger in nächster Zeit. Hier ist das diesjährige Weihnachtsgeschenk für den Colonel“, die dunkle Gestalt gab den britischen Soldaten einen großen braunen Umschlag. Zum Abschied klopfte er Newkirk auf die Schulter und verschwand in die Dunkelheit des Tunnels.
    „L-l-lebwohl Nimrod! Pass bl-bloß auf dich auf!“

    "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt. " Jean-Paul Sartre


    "Papa! Lene behaupet sie hätte angefangen [mit ärgern], dabei habe ich doch angefangen!" Junior beim petzen.

  • Ein ganz neuer Gedanke, und mal überhaupt nicht abwegig, sondern spannend.
    Ich mag natürlich auch den Klinkschen Nimrod, finde es aber schön, sich mal davon zu lösen.

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  • Danke schön! ier die neuste Story!

    Türchen 13: Wenn der erste Schnee fällt…

    Die Temperaturen waren binnen weniger Tage in den Baracken auf den Gefrierpunkt gefallen. Die Tage wurden nun immer länger, kälter und gefährlicher. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis der erste Schnee fallen würde. Mit dem Schnee würden zwei neue Gefahren auf die Gefangenen zukommen. Zum einen wurden dann meist die Vorräte knapp, da die Laster mit den Lebensmitteln oder Rot-Kreuz-Paketen nicht durch kamen. Aber auch die Sendungen mit Munition, Medikamente und Missionswichtigen Dingen aus London fielen dann weg, da die Flieger wegen schlechter Wetterlage nicht starten konnten. Andererseits verschärfte sich das Risiko bei dem Missionen. Die Nächte waren heller, wenn der Schnee den Mond reflektierte und man musste darauf achten, dass keine Schneespuren zu sehen waren. Aber vor allen zerrten auch die Kälte und die Nässe an den Kräften.Colonel Robert Hogan lehnte an der Barackenwand, schaute missmutig gen Himmel und sendete ein stilles Gebet, dass es möglichst nicht schneien sollte. London verlangte zurzeit so viel von ihm und seinem Team. Gleichzeitig bemerkte der Offizier den Unmut und den kränklichen Gesundheitszustand seiner Jungs. Carter fiel wegen einer Lungenentzündung komplett aus. Kinch kämpfte sich am Funkgerät trotz Grippe durch. LeBeau hatte mittlerweile auch eine Erkältung, zum Glück nicht schlimmes, aber der Lagersanitäter hatte ein vorläufiges Verbot für Außenmissionen ausgesprochen. Aus dem Kernteam blieben nur er und Newkirk übrig. Aus Baracke zwei könnte man einzig und allein noch Olson einspannen, alle anderen waren gesundheitlich zu sehr angegriffen. Wenn es jetzt anfängt zu schneien, fällt Mission Papa Bär für den Winter aus. Hogan konnte und wollte nicht seine letzten gesunden Männer die halbe Nacht durch den Wald hetzen. Spätestens dann würden sie krank werden.


    „Colonel Hogan? Nachricht aus London, “ krächzte Kinch heißer und riss seinen Vorgesetzten aus den Gedanken. Widerwillig folgte der Offizier seinem Funker in die Bracke und nahm die Information entgegen. Das innere der Baracke bot ein leider alltägliches Bild. Die meisten Männer schliefen oder leideten leise vor sich. LeBeau kochte Tee und Hühnerbrühe, Olson kümmerte sich und die Kranken und Newkirk schlief völlig erschöpft von den fast täglichen, nächtlichen Missionen. Seufzend ließ sich der Amerikaner auf einen Stuhl fallen und las die Nachricht. Sie sollten in der Nacht mal wieder in ein Hotel einbrechen und Informationen besorgen. Also wieder ein Job für den Briten. Wie die vielen Nächte zuvor auch.Baker kam aus dem Tunnel gestiegen und hielt seinem Vorgesetzten schweigend einen weiteren Zettel hin. Der Widerstand würde heute am üblichen Standort ein paar geflohene Gefangene vorbei bringen. Hogan sah zu seinen Leuten. Newkirk würde Mission Nummer eins stemmen und er Mission Nummer zwei. Olson sollte lieber hier bleiben und sich um die Kranken kümmern. Mühsam richtete sich der angeschlagene Offizier auf und weckte leise seinen Safeknacker.
    „Peter, du musst aufstehen! Wir haben eine neue Mission!“
    „N-noch f-fünf M-minuten!“
    „Mir ist klar, dass du müde bist. Aber du musste jetzt trotzdem aufwachen und aufstehen.“


    Verschlafen öffnete Newkirk die Augen und stand leicht schwankend auf. Die Missionen waren schnell durch gesprochen. Während Hogan erzählte, legte der übermüdete Corporal seinen Kopf auf den aufgestellten Arm und nickte immer wieder weg. Einerseits könnte er es seinen Untergebenen nicht verdenken, anderseits ärgerte es ihm.
    „Coporal Newkirk!“ donnerte er. Erschrocken für der Angesprochene zusammen und setzte einen entschuldigen Blick auf.
    „S-s-sorry Colonel!“
    „Peter, du bist nur müde? Du fühlst dich nicht krank?“
    „N-nur m-müde und ein b-bisschen K-kopfschmerzen. I-ich hör jetzt zu“, murmelte Newkirk leise. Zusammen sprachen sie die geplanten Missionen durch.


    Am Abend machten sie sich auf den Weg. Hogan kam schnell am Treffpunkt an und begrüßte Tiger freundlich. Es stellte sich heraus, dass die fünf Gefangen aus dem Lager 16 kamen und schon in zwei Tagen weiter zum U-Boot sollten. Leise schlichen sie zurück zum Lager.
    Hustens sah Kinch zu den Neuankömmlingen auf. Der amerikanische Offizier trat auf ihn zu und fragte: „ Ist Newkirk schon da?“
    Der Funker schüttelte den Kopf und meinte aufmuntern: „ Sir machen Sie sich keine Sorgen. Peter hat noch eine gute Stunde Zeit.“
    Nickend stimmte der Offizier dem Sergeant zu und machte sich auf den Weg in die Baracke. Die Minuten verstrichen und mit der Überfälligkeit Newkirks machten sich die ersten Schuldgefühle breit. Er hätte ihn nicht gehen lassen dürfen. Newkirk war zu müde und erschöpft für so eine Mission wo die gesamte Aufmerksamkeit gebraucht wird. Er rief sich das Bild seines reichlich blassen Corporals in das Gedächtnis. Seine Gedanken wurden unterbrochen, als LeBeau sagte: „ Oh, es fängt an zu schneien! Da wird es wohl weiße Weihnachten geben.“
    Entgeistert starrte der Offizier aus dem Fenster. Schnee- das hatte der Mission gerade noch gefehlt. Missmutig schaute er auf seine Uhr. Newkirk war mittlerweile zwei Stunden zu spät. Unruhig kletterte er die Leiter zum Tunnel herunter. Und wieder sah Kinch auf. Der Funker las die Frage in den Augen des Colonels und schüttelte traurig den Kopf. Nach weiteren zwei Stunden, überlegte Hogan ob er Newkirk suchen sollte. Es konnte sein, dass der Brite Hilfe brauchte. Gerade als Hogan seinen Mantel anziehen wollte, hörten er und Kinch das erlösende Geräusch des Tunneleingangs. Ein eingeschneiter, weißer Newkirk erschien im Funkraum.
    „S-sagt n-nichts! I-ich ver-versuche mich gerade a-als Sch-schneemann!“
    „Wo zum Teufel warst du so lange? Du hättest vor vier Stunden wieder hier sein müssen!“ schimpfte Hogan vorwurfsvoll.
    „Sch-schneesturm!“
    „Geht’s dir gut?“
    „Dank d-des Sch-schneesturms, ja!“
    „Was ist passiert?“
    „D-die M-mission war eine F-falle! E-es gab keine I-infos im Safe. Dafür h-hat mich eine G-gruppe von der G-gestapo quer durch den W-wald gejagt. Der Sch-schneesturm fing an und sie z-zogen ab. L-leider konnte ich auch nicht weiter. A-als es s-sich be-beruhigt hatte, bin ich gleich h-hergekommen,“ berichtete Newkirk.
    „So jetzt reicht’s! Wir sagen alle Missionen ab! Sobald die Gefangenen von Lager 16 beim U-Boot sind, machen wir Urlaub. Fast mein ganzes Team ist krank, wir sind derzeit unterbesetzt und fangen an Fehler zu machen. Newkirk zieh dir was Trockenes an. Kinch geh ins Bett und kuriere dich aus. Ich funke den Widerstand an, dass morgen jemand die Gefangen abholt und zum U-Boot bringt und danach teile ich London mit, dass Papa Bär in Urlaub geht.“
    Gesagt- getan! London stimmte einer 14tägigen Auszeit zu. Oskar Schnitzer würde die Gefangen am nächsten Tag abholen und mitnehmen. Und er, der große Papa Bär saß schweigend da und ließ den Abend Revue passieren. Heute hätte er um ein Haar Newkirk verloren. Er hätte sich nie verzeihen können, wenn wirklich etwas passiert wäre. Zum Glück hatte es geschneit. Nun ja, vielleicht ist Schnee doch nicht so unnütz!

    "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt. " Jean-Paul Sartre


    "Papa! Lene behaupet sie hätte angefangen [mit ärgern], dabei habe ich doch angefangen!" Junior beim petzen.