Die Wege der Liebe sind unergründlich

  • Hier mal wieder eine Kurzgeschichte von mir.



    London 1944, Hauptquartier


    Colonel Robert Hogan war mit seinem Sprengstoffexperten Sergeant Andrew Carter in Londoner Hauptquartier gereist. Während der Colonel
    an einer wichtigen Besprechung mit verschiedenen Generälen und Wissenschaftlern teilnahm, wurde dem jungen Sergeant der neuste
    Sprengstoff erklärt. Da Carter hin und wieder selbst verschiedenen Sprengstoffe hergestellt hatte, konnte er seine Erfahrungen mit
    einfließen lassen. Seine eigene Besprechung war nunmehr seit zwei Stunden zu ende und er streifte durch die Gänge des Gebäudes.
    Gerade hatte er sich ein paar Bilder angesehen, als er sich umdrehte und eine vorbei eilende Person anrempelte. Dieser Person fielen ein Stapel Akten herunter.
    „Oh entschuldigen Sie bitte. Ich bin manchmal so tollpatschig. Ich wollte Sie ganz bestimmt nicht anrempeln,“ entschuldigte sich Carter schnell und hockte sich zu Boden um die Akten aufzugeben.
    „Kein Problem Sergeant, dass kann jeden mal passieren,“ antwortete eine schüchterne Stimme.
    Carter sah auch und bemerkte, dass eine junge Frau neben ihm hockte. Sie hatte lange braune Locken und strahlte ihn mit blauen Augen an.
    Unfähig weiter Akten aufzulesen, starrte er sie an.
    Als die junge Frau aufstand, löste sich auch Carter aus der Starre und fragte: „ Wie heißen Sie? Nicht das Sie denken, ich will Sie
    an baggern. Nicht das ich es nicht tun würde, denn Sie sind wunderschön. Ich meine... “
    Die junge Frau lächelte und meinte: „ Sergeant, ich muss diese Akten schnell zu einer Besprechung bringen.“
    „Oh, ich verstehe!“ murmelte der junge Amerikaner enttäuscht.
    „Wenn Sie genau hier warten, bin ich gleich wieder zurück und dann zeige ich Ihnen, wo man hier Kaffee herbekommt,“ schlug die junge
    Frau vor und eilte davon.
    'WOW! Das Mädchen war wunderschön. Hoffentlich kommt sie gleich zurück,' dachte Carter verträumt.
    Tatsächlich kam sie kurze Zeit wieder und lächelte schüchtern: „ Also wenn Sie Lust haben, dann können wir uns noch zusammen setzten
    und einen Kaffee trinken?“
    Übermütig sprang er ihr entgegen und meinte: „ Klar. Wo müssen wir lang?“
    Die junge Frau führte ihn in einen kleinen Aufenthaltsraum. Dieser war zum Glück der Beiden leer. Schnell waren zwei Tassen, der
    Kaffee, Zucker und Milch zu Hand. Schweigend saßen die beiden jungen Menschen sich gegenüber und wussten nicht, was sie nun sagen
    sollten. Nach einiger Zeit fragte Carter: „ Verräten Sie mir jetzt Ihren Namen?“
    „Oh! Oh bitten entschuldigen Sie. Ich heiße Mavis. Oh bitte duzen Sie mich doch,“ antworte die junge Frau verlegen und schaute scheu
    zu ihren Gegenüber.
    „Schön dich kennenzulernen. Ich heiße Andrew. Du darfst mich auch duzen!“
    „Es freut mich auch Andrew. Bist du hier neu stationiert?“
    „Nein! Nein, nur auf der Durchreise! Und du?“
    „Ich arbeite beim Internationalen Roten Kreuz. Wir halten hier unsere Versammlungen ab. Ich begleite die Besuche in die Kriegsgefangenenlager. Ich war schon in Polen, Frankreich und Österreich. Leider halten sich die Lagerkommandanten nicht an, die Genfer Konvention. Die Deutschen sind Barbaren. Wobei es den alliierten Gefangenen besser ergeht als den sowjetischen. Hoffentlich
    gerätst du nicht in Gefangenschaft.“
    Schweigend sahen sie sich an. Carter, konnte ihr schlecht die Wahrheit erzählen. Beide sahen wieder in ihre Tassen. Hin und wieder warfen sie sich verstohlene Blicke zu. Wie zwei frisch verliebte Teenager beim ersten Date, lächelten sie sich immer wieder an. Schließlich entwickelte sich doch ein Gespräch zwischen den beiden. Carter erzählte von seiner Familie und Amerika. Und Mavis hörte
    gespannt zu. Sie stellten fest, dass sie viele Gemeinsamkeiten haben.
    Gerade als der junge Sergeant nach Mavis Adresse fragen wollte, kam Hogan herein und packte ihn an der Schulter. Streng sagte er: „
    Carter, ich habe dich schon überall gesucht! Wir müssen jetzt los!“
    „Entschuldigen Sie bitte Sir. Bitte nur noch eine Minute!“
    „Nein! Jetzt sofort Sergeant!“ befahl der Colonel und zog den Jüngeren auf die Beine. Carter blickte entschuldigend auf die junge Frau und
    winkte zum Abschied. Zu mehr kamen sie nicht mehr, dann Hogan zog Carter hinter sich her.
    „Carter, du solltest doch bei den Besprechungsräumen bleiben und keine Mädchen an baggern! Wir sind schon etwas in Verzug, also
    beeil' dich jetzt!“
    Widerwillig und traurig eilte der junge Amerikaner seinem Vorgesetzten hinterher.
    Auf der gesamten Rückreise war Carter schweigsam. Hin und wieder versuchte Hogan ihm ein Gespräch auf zu drängen, gab es dann aber
    irgendwann auf. Pünktlich zum Appell waren sie wieder im Lager. Nachdem Appell warf sich Carter auf das Bett und stellte sich
    schlafend. Er wollte keinen sehen und sprechen. In seinen Gedanken war er wieder in London und bei Mavis. Als der junge Sergeant auch
    nicht zum Mittagessen aufstehen wollte, seufzte Hogan frustriert und setzte sich an das Bett von Carter.
    „Hey Carter, ich weiß, dass du sauer auf mich bist! Also sag was du zu sagen hast und dann ist wieder gut. Okay!“
    Niedergeschlagen drehte sich Carter zu seinen Vorgesetzten und meinte: „ Sir, ich bin nicht wütend. Eher traurig. Wir hatten keine Zeit mehr Adressen auszutauschen. Ich hab von ihr nicht mal einen Nachnamen. Nach den Krieg finde ich sie doch nicht wieder.“
    „Oh, das tut mir leid. Hatte sie den einen ungewöhnlichen Namen? Vielleicht kannst du sie auch über den Vornamen finden.“
    „Ich weiß nicht, ob Mavis ein seltener Name ist. In North Dakota gibt’s den Namen zumindest nicht so häufig.“
    „Dann solltest du mal Newkirk fragen.“ Begeistert von der Idee des Colonels, strahlte der junge Amerikaner und setzte sich auf.
    „Das werde ich gleich machen.“
    „Ach und Carter, wenn es die Richtige war, dann wirst du sie schon wieder finden!“
    Der Colonel klopfte Carter aufmuntern auf die Schultern und stand auf. Von der Vorstellung, Mavis wiederzusehen, beflügelt sprang
    Carter auf und stürmte nach draußen zu Newkirk. Dieser lehnte rauchend an der Außenwand der Baracke und hatte die Augen
    geschlossen.
    „Hey Peter! Peter ich muss dich unbedingt was fragen. Ich ward doch mit dem Colonel in London und dort habe ich das tollste,
    wunderhübscheste, perfekteste Mädchen aller Zeiten kennen gelernt. Sie war witzig und wir hatten soviel gemeinsam und ….“
    „C-carter! K-komm a-auf d-den Punkt!“ befahl Newkirk genervt.
    „Oh sorry! Also ich wollte sie gerade nach ihrer Adresse fragen, da kam der Colonel und wir mussten gehen. Ich hab weder ihre Adresse
    noch ihren Nachnamen. Aber ich weiß wo sie arbeitet und ihren Vornamen. Der klang echt selten. Zumindest gibt es den nicht so oft
    in North Dakota. Deshalb wollte ich dich fragen, ist in London der Name Mavis auch selten?“
    „M-mavis? S-sorry Carter, aber v-vor zirka 25 J-jahren war der echt beliebt. A-alleine in m-meiner Nachbarschaft l-lebten vier M-mädchen
    die so h-hießen.“
    Geknickt ließ Carter den Kopf hängen und schlich zurück in die Baracke. Tief traurig ließ er sich auf sein Bett fallen, drehte sich
    zur Wand und zog seine Decke über den Kopf. LeBeau beobachtete verwundert seinen jungen Freund und sah fragend zu Hogan. Dieser
    formte stumm mit seinen Lippen das Wort „Liebeskummer“. Der Franzose verstand sofort und hatte gleich die passende Idee parat.
    Nach wenigen Minuten hatte er eine dampfende Tasse mit heißer Schokolade in der Hand und setzte sich zu Carter aufs Bett: „
    Andrew, 'ier nimm. Trink das und esch geht dir gleisch besser.“
    „Lass mich in Ruhe!“
    „Lass dir 'elfen! Trink die Schokolade und erzähle mir von ihr.“
    Widerwillig drehte sich Carter um und setzte sich auf. Einen Moment starrte er trotzig auf die Tasse, bevor er sie nahm. Nach einigen
    Minuten erzählte der Amerikaner den Franzosen, was in London passiert ist. Als er von der jungen Frau berichtete, geriet er ins
    Schwärmen. Selig lächelnd schaute er auf: „ Ich habe noch nie ein Mädchen kennen gelernt, dass soviel mit mir gemeinsam hat. Es ist...
    irgendwie ist es... nun ja Liebe auf den ersten Blick. Das klingt albern.“
    „Nein. Klingt esch nischt. Die Liebe ischt nischt logisch. Wenn du sagst sie ischt die Rischtige, die Eine, dann ischt es wahr. Wenn sie
    genauso empfindet, werdet ihr eusch wieder sehen.“
    „Meinst du wirklich?“
    „Ja, wenn ihr für einander bestimmt seit, wird eusch dasch Schicksal zusammen führen“
    „Das wäre schön! Danke Louis!“
    „Nischt der Rede wert, man ami,“ lächelte der Franzose seinen jüngeren Freund an und stand wieder auf.
    Es sprach sich schnell in der Baracke rum, dass sich Carter bei der letzten Mission verliebt hatte. Die meisten sprachen ihn aufmunternde
    Worte zu und machten Vorschläge, wie man sie nach dem Krieg ausfindig machen könnte.

    "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt. " Jean-Paul Sartre


    "Papa! Lene behaupet sie hätte angefangen [mit ärgern], dabei habe ich doch angefangen!" Junior beim petzen.

  • Und Teil zwei der Geschichte.



    Die Wochen vergingen und Carter träumte immer wieder von seiner Mavis. Doch heute sollte seine Träumerei einmal unterbrochen werden, den es stand eine Rot-Kreuz- Inspektion an. Oberst Klink lag den Gefangenen schon seit einer Woche damit in den Ohren und wollte Bestnoten. Colonel Hogan hatte allen befohlen sich anständig zu benehmen. Es kam allen zu Gute, wenn Klink seine Bestnoten bekam. Und um ein besonders gutes Bild von sich abzugeben, wurde selbst Newkirk, der wegen eines „Fluchtversuches“, im Arrest saß, frei gelassen. Schultz kam gerade und scheuchte alle Gefangenen in die Baracken, nur Colonel Hogan sollte sich in Klink Büro einfinden. Die Männer schauten neugierig aus dem Fenster, als mehrere Dinge gleichzeitig passierten. Der Wagen der Rot-Kreuz- Delegation fuhr ein und es stiegen zwei Inspektoren und eine junge Frau aus. Carter erkannte sie sofort und sagte den anderen, dass das seine Mavis sei. Und Newkirk wurde von Langenscheidt von der Dusche zur Baracke gebracht. Die junge Frau und der Brite sahen sich kurz an. Er blieb wie erstarrt stehen und sie schlug vor Schreck die Hand vor den Mund. Leise flüsterte sie ihren zwei Begleitern etwas zu. Diese wanden sich an Oberst Klink. Dieser nickte und sagte etwas zu Mavis. Daraufhin stürmte sie auch Newkirk zu. Sie überschüttete ihn mit Küssen und lag in seinen Armen. Übermütig wirbelte er sie herum.
    „Langenscheiß, auf Grund der besonderen Umstände, dürfen die beiden etwas Zeit mit eenander verbringen. Aber haben Se een Oche ouf die Beeden,“ befahl Klink und führte die beiden Inspektoren in
    sein Büro.
    Carter, der alles genau beobachtet hatte, legte sich wortlos zu seinen Bett und zog die Decke über den Kopf. Kinch und LeBeau setzten sich schnell zu ihm und versuchten ihn zu trösten. Nach einer Weile kam Carter abrupt hoch und meinte wütend: „ Das ist nicht fair. Der kann alle haben, warum muss er mir Mavis wegnehmen.“
    „Andrew, Peter wird nicht wissen, dass es deine Mavis ist. Du bist wie ein Bruder für ihn. Er würde nie etwas tun, dass dich verletzten würde,“ versuchte Kinch zu schlichten.
    „Eben, rede nachher mal mit ihm. Dann bischt du schlauer,“ stimmte LeBeau zu.
    Trotzig verschränkte der junge Sergeant seine Arme vor der Brust und ignorierte seine Freunde. Er war einfach zu verletzt. Kurze Zeit später kam Schultz in die Baracke: „ Gemma zum Appell. Machts mir
    heute bitte keine Probleme!“
    Gehorsam stellten sich alle auf und Newkirk kam mit Mavis aus der Kantine, gab ihr einen schnellen Kuss auf die Wange und eilte zu seinem Platz. Carter funkelte Newkirk böse an. Also er einen verstohlenen Blick zu seiner Angebeteten warf, bemerkte er, dass sie ihn verwirrt anstarrte. Der Appell war schnell vorbei und die Männer sollten wieder in die Baracken. Carter zögerte beim hineingehen. Als er sich zum Gehen umwandte, sprühte er eine Hand an seinem Arm.
    „Andrew? Was machst du hier?“
    „Ich bin ein Gefangener, dass sieht man doch!“ antwortete er aggressiver als er wollte.
    „Du hast mich zusammen mit Peter gesehen. Bitte zieh keine falschen Schlüsse. Seit wir uns begegnet sind, kann ich nur noch an dich denken. Ich weiß, es klingt albern, aber es ist wie Liebe auch den ersten Blick. Und ich ...“
    „Spar dir deine Worte! Ich muss jetzt zurück in die Baracke!“ ohne einen Blick zurück zuwerfen, stampfte Carter in die Baracke.
    Den Tränen nahe wollte Mavis noch etwas sagen, aber sie traute sich nicht. Stattdessen drehte sie sich um und gesellte sich zu ihren Kollegen. Hogan hatte die Szene beobachtet und war mehr als
    verwundert. Nachdem die Delegation abgefahren war, begab er sich in seine Baracke und wollte Carter zur Rede stellen. Schon von draußen konnte er hören, dass im drinnen ein Streit ausgetragen wurde.
    Seufzend beeilte sich Colonel und konnte schnell die Streithähne ausfindig machen. Unerwarteterweise wurde Carter von Kinch zurück gehalten und Newkirk hielt ein Taschentuch unter seine blutende Nase.
    Der junge Sergeant wollte sich gerade losreißen, als Hogan streng fragte: „ Was zum Teufel ist den hier los? Kann man euch nicht mal zwei Minuten aus den Augen lassen!“
    „I-ich h-hab k-keine A-ahnung. C-carter kam r-rein und h-hat m-mir g-grundlos eine Ver-verpasst!“
    „Das war nicht grundlos. Du weiß genau, was du gemacht hast. Es hat jeder gesehen.“
    „V-von w-was r-redest du?“
    „Von allen musstest du dir gerade sie aussuchen. Du weißt gar nicht wie sehr ich dich hasse!“
    Newkirk sah verletzt zu Carter. Dem war sein Freund gerade egal. Da Hogan sich auf nichts einen Reim machen konnte, fragte er Kinch: „ Kannst du mir sagen, was hier passiert ist?“
    „Sir, sehen Sie da muss ich etwas ausholen. Wir sollten alle in unseren Baracken bleiben, da kamen gerade die Rot- Kreuz- Leute. Offensichtlich kannten sie die junge Dame und Newkirk sehr gut. Und ...“
    „ Ich hab nur eine Frage an dich Newkirk. Liebst du sie?“ knurrte Carter kalt.
    „Natürlich! M-mehr a-alles a-andere a-auf d-der W-welt. A-aber d-das ist doch ver-verständlich!“
    Voller Wut stürmte Carter auf seinen Gegenüber zu und wollte ihn wieder schlagen. Hogan und Kinch konnten ihn gerade so zurück halten.
    „Sergeant Carter, jetzt ist aber genug!“ befahl Hogan und an
    Newkirk gerichtet: „ Und du solltest besser auf deine Wortwahl achten. Dein Verhalten ist nicht fair, Carter gegenüber!“
    „W-was? I-ich h-hab g-gar nichts ge-getan! I-ich ver-verstehe nicht, w-was das Pr-problem ist!“
    „Das Problem ist, dass dich die Kleine sieht und ihr euch in den Armen lagt. Und zu allem Überfluss gabs noch Küsschen hier und Küsschen da. Und jetzt sagst du auch noch, dass du sie liebst!“ versuchte Olsen zu erklären.
    „E-e-entschuldigung, dass ich meine Sch-schwester l-liebe und mich fr-freue sie nach vier J-jahren w-wieder zu sehen. Euch würde ich g-g-gerne an meiner S-stelle sehen!“ motzte der Brite wütend. Augenblicklich wurde es ruhig in der Baracke.
    „D-deine Schwester?“ stotterte Carter.
    „J-ja, m-meine k-kleine Schwester M-mavis!“
    Betreten sah Carter auf den Boden und musste erkennen, dass er sowohl seinen besten Freund, wie auch seiner Angebeteten unrecht getan hatte. In die Stille brach plötzlich LeBeau in schallendes Gelächter
    aus: „ Das ischt das ultimative Missverständnis. Peter, deine Mavis ist Carters Traumfrau, von der er sein Wochen redet. Er dachte du 'ättest disch an die Kleine ran gemacht!“
    „Hör mal! Das tut mir furchtbar leid! Ich hätte erst mit dir reden sollen,“ entschuldigte sich Carter.
    „W-w-warte. E-erst schlägst du m-mich und dann s-sagst du mir, du h-h-hasst mich. U-und n-nun willst du d-dich an MEINE Sch-schwester ran sch-schmeißen? Ist das dein E-e-ernst?“ entgeistert sah der Engländer seinen Freund an. Dann grinste er frech und meinte: „ M-mavis muss d-dir e-echt den K-kopf ver-verdreht h-haben! Aber d-das b-beruht auf G-gegenseitigkeit.“
    „Wirklich? Hättest du den was dagegen? Immerhin sind wir Freunde und sie ist deine Schwester und....?“
    „N-nein. I-ich d-denke ihr p-passt ganz gut zu-zusammen. A-a-aber i-ich w-warne dich! B-brich ihr das H-herz und ich b-breche d-dir jeden einzelnen K-knochen!“
    Heftig schluckend suchte Carter nach den richtigen Worten, da fiel ihm ein, dass er Mavis Herz schon gebrochen hat. Seufzend ließ er sich auf einen Stuhl fallen und verbarg sein Gesicht in den Händen:
    „ Sie will sicher nie wieder etwas mit mir zu tun haben. Ich habe sie vorhin so schlecht behandelt.“ Stockend erzählte er, was zwischen den beiden vorgefallen war.
    Ausgerechnet Newkirk tröstete seinen besten Freund: „ Hey, s-so sch-schlimm ist d-das n-nicht. S-sie ist n-nicht n-n-nachtragend. Sch-schreib i-ihr einen B-brief und er-erklär i-ihr alles.“
    Dankbar für diesen Vorschlag, schlang der Amerikaner seine Arme um den Hals seines Freundes und schrieb danach einen Entschuldigungsbrief.


    Die nächsten Wochen waren für Carter die reinste Hölle. Er wartete gespannt auf eine Antwort. Würde sie überhaupt antworten? Oder hasste sie ihn womöglich? Würde er sie wieder sehen? Und dann kam endlich der erlösende Tag, für ihn war ein Brief von Mavis dabei. Gespannt, aber gleichzeitig auch ängstlich öffnete er mit zitternden Fingern den Brief und begann zu lesen:


    Lieber Andrew,
    ich habe mich sehr über deinen Brief gefreut. Erst wollte ich ihn nicht öffnen, hattest du mich im Lager doch sehr verletzt, aber der Liebe wegen entschied ich mich um. An jenen Tag haben wir beide
    Fehler gemacht und ich gebe dir nicht die alleinige Schuld an dem Fiasko. Hätte ich dir einfach gesagt, dass Peter mein Bruder ist, wären wir im Guten auseinander gegangen. Wenn ich es dir gesagt hätte, wäre es glaubhaft gewesen? Mein lieber Bruder und dich sind doch recht verschieden, wenn nicht gar gänzlich verschiedene Persönlichkeiten.
    Entschuldige bitte, ich schweife ab. Zu deiner Frage soviel, ich möchte dich immer noch gerne näher kennenlernen. Ich hoffe auf einen regen Briefwechsel und ein besseren Kennenlernen.


    Deine Mavis

    Überglücklich setzte sich der Amerikaner an eine Antwort. Die Briefe wurden immer länger und persönlicher. Monate lang hatten sie sich nun geschrieben. Jeden Brief unterschrieb sie mit „ Ich werde
    in London auf dich warten!“
    Und dann endlich kam der Tag der Befreiung und die Heimreise. Alle amerikanischen Gefangenen wurden über London geschickt. Am Flughafen stand Carter ganz verloren und sah sich nach seiner Geliebten um.
    „Andrew! Andrew!“ hörte er seinen Namen und ehe er sich versah, umarmte seine Mavis ihn. Vor Glück weinend lagen sie sich in den Armen und versprachen sich gegenseitig, von nun an alle Wege gemeinsam zu gehen.

    ENDE

    "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt. " Jean-Paul Sartre


    "Papa! Lene behaupet sie hätte angefangen [mit ärgern], dabei habe ich doch angefangen!" Junior beim petzen.

  • Ich schließe mich Yggdrasil an. :)

    Das Gewissen ist fähig, Unrecht für Recht zu halten. Inquisition für Gott wohlgefällig und Mord für politisch wertvoll. Das Gewissen ist um 180° drehbar." (Erich Kästner)


    "Eine Rose gebrochen, bevor der Sturm sie entblättert." (Lessing)


    "Demokratie ist nicht die Herrschaft der Vernunft. Auch falsche Entscheidungen können demokratisch sein. Das ist zu akzeptieren" (Mein ehemaliger Chef, zumindest so in etwa)

  • Danke schön! Es freut mich, wenn euch die Geschichte gefällt.

    "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt. " Jean-Paul Sartre


    "Papa! Lene behaupet sie hätte angefangen [mit ärgern], dabei habe ich doch angefangen!" Junior beim petzen.