Adventskalender 2014

  • Hallo,
    hier also der versprochende Adventskalender. Jeden Tag gibts eine neue Geschichte oder auch mal einen Zwei- oder Dreiteiler. Die Geschichten sind alle unabhänig von einander und bauen nicht auf einander auf (es sei den es ist so vermerkt). Dann viel Spaß beim Lesen. Ich würde mich wirklich freuen, wenn ihr einen kurzen Kommentar nach dem Lesen hinterlasst.
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    1. Dezember


    „Hey Newkirk! Newkirk?! Neeewwwwkkkkkiiiiirrrrrrkkkkk!!!“, quengelte Carter und sah auf das obere Bett. Der Angesprochene hatte die Augen geschlossen und man konnte meinen, dass dieser schlief. Doch jetzt öffnete er genervt die Augen und sah hinab auf seinen jüngeren Freund: „ W-w-was d-denn? I-i-ich ver-versuche g-g-gerade d-d-dich zu i-i-ignorieren u-u-und du machst es m-m-m-mir echt schwer!“
    „Jaja, ich hab dich auch gern! Du sag mal, welcher Tag ist heute?“
    „M-m-montag.“
    „Das meine ich doch gar nicht. Welchen Tag haben wir den nun?“
    „Ä-ähm, den 1.D-d-dezember!“
    „Uh, dann ist ja bald Weihnachten. Komm steh auf! Wir müssen das Lager und die Baracke schmücken und Plätzchen backen und einen Adventskranz binden. Wir brauchen einen Weihnachtsbaum und eine Weihnachtskrippe und......“
    „CARTER!“ unterbrach Newkirk ärgerlich. Der Brite machte sich nicht wirklich etwas aus Weihnachten und schon gar nicht fernab der Heimat.
    „Aber,... aber... wir wollen doch Weihnachten feiern oder nicht?“ fragte Carter leicht panisch. Die Vorstellung, dass Weihnachten ausfallen könnte, missfiel ihn zu tiefst.
    „Carter, mach dir keine Sorgen, wir werden Weihnachten feiern. Du musst nur nicht so einen Stress machen,“ beruhigte Hogan sein jüngstes Teammitglied. Erleichtert atmete Carter auf. Genau in diesen Moment kam Schultz zu Tür herein.
    „Na Sch-sch-schorschi willst d-d-du wieder K-kaffee sch-schnurren?“
    „Ooh, gegen onen Koffee hob i nix. I hob a Geschenk für euch.“
    „Ein Geschenk? Es ist doch noch gar nicht Weihnachten. Das kannst du uns erst zu Weihnachten geben,“ meinte Carter verwirrt. Kannten die Deutschen den keine Weihnachtstraditionen. Beschenken die sich schon vor Weihnachten? Schultz musste lachen und meinte: „ Carta, dos is donn ober zu spait. Hier pack es aus.“
    Carter nahm das Geschenk entgegen und packte es aus. Verständnislos sah er auf das Bild, dass 24 kleine Türchen mit Zahlen hatte.
    „Schultz? Was soll das den sein? Was macht man damit?“
    Neugierig sahen die anderen Männer der Baracke auf die Winterlandschaft mit den kleinen Türchen. Überrascht und leicht schockiert, sah der dicke Feldwebel in die ahnungslosen Gesichter.
    „Na,dos is a Adventskalender.“
    „Ein was?“
    „Was ischt ein Adventskalender?“
    „W-was m-macht man damit?“
    „Ja mein, kenns ihr koinen Adventskalender?“ Der dicke Feldwebel sah in die fragenden Gesichter und seufzte.
    „Nun goat, Buaben setzt euch. I erzähl euch vom Adventskalender. Ob heute seins noch 24. Tag bis zum hoiligen Abend. Damit, die Buaben und Mädels nicht so ungedoildig werden, gibt es a Adventskalender. Jeden Tog doirfts ihr ein Türchen öffnen. Hinter jedem Türchen seins a anderes Bildchen. Ab jetzt vergeht die Weihnachtszeit schneller. Carta, konnst ja mol das Türchen mit do ons suchen und öffnen,“ erzählte Schultzi. Voller Vorfreude suchte und öffnete Carter das erste Türchen.
    „Guckt mal da ist ein Häschen dahinter,“ freute sich der junge Amerikaner wie ein kleines Kind, „Aber eins verstehe ich nicht. Santa Claus kommt doch erst am 25. Dezember. Hier sind aber nur 24. Türchen drauf.“
    „Ja mei, in Doitschland kommts das Christkind oder Weihnachtsmann om hoiligen Abend und der is am 24. Dezember.“
    „K-k-kommt das Christkind auch i-in d-der N-nacht durch den Kamin u-und st-steckt d-d-die Geschenke in die St-st-strümpfe?“
    „Nein. Bei uns is dor Weihnachtsmann ein verkleideter Mann. I hob for do ganze Nachbarschaft immer den Weihnachtsmann gespielt. Die Kinder singen oder sorgen Gedichte auf. Und bekommen donn a Geschenk. Manchmal werdens dor Geschenke och unter den Baum gelegt. So jetzt muss i ober wieda raus. Dor Olde meckert sonst wieder.“
    „Danke Schultzi!“, riefen die Männer der Baracke zum Abschied. Sie suchten einen geeigneten Platz für den Adventskalender und hängten ihn auf.
    Danach setzten sie sich zusammen und planten die restlichen Weihnachtsvorbereitungen.

    ENDE



    Anmerkung:
    In Frankreich und England sind Adventskalender nicht üblich. In den USA wurde der Adventskalender erst 1950 bekannt.

    "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt. " Jean-Paul Sartre


    "Papa! Lene behaupet sie hätte angefangen [mit ärgern], dabei habe ich doch angefangen!" Junior beim petzen.

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  • Schön, dass du dir die Mühe mit dem Adventskalender machst, ich freue mich voll.


    Die Geschichte ist sehr gut geschrieben und gefällt mir wirklich gut. Inhaltlich finde ich es schön, dass du dich an Weihnachten orientierst. Die Charaktere sind gut und sympathisch getroffen, echt toll. :)

    Das Gewissen ist fähig, Unrecht für Recht zu halten. Inquisition für Gott wohlgefällig und Mord für politisch wertvoll. Das Gewissen ist um 180° drehbar." (Erich Kästner)


    "Eine Rose gebrochen, bevor der Sturm sie entblättert." (Lessing)


    "Demokratie ist nicht die Herrschaft der Vernunft. Auch falsche Entscheidungen können demokratisch sein. Das ist zu akzeptieren" (Mein ehemaliger Chef, zumindest so in etwa)

  • Danke für deinen Kommentar. Ich freue mich, wenn es dir gefällt.Nicht alle Geschichten werden etwas mit Weihnachten zu tun haben. Aber das Motiv Winter wird recht oft vorkommen.
    Etwas verfrüht nun die zweite Geschichte.
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    2.Dezember


    Es war ein verschneiter, bitterkalter Dezembertag. Die meisten Männer hatten sich unter ihren Decken verkrochen oder saßen am kleinen Ofen. Hauptsache man hielt sich irgendwie warm. Das Holz zum Heizen war wieder einmal viel zu knapp bemessen und schnell wurde klar, dass es nicht einmal bis zum Ende der Woche reichen würde. Hogan wusste, dass es in den anderen Baracken nicht besser aussah. Wenn er keine Lungenentzündungen oder gefährliche Unterkühlungen bei seinen Männer riskieren wollte, musste er handeln. Schon seit Wochen war er mit Klink in Verhandlungen um mehr Holz. Es ist eine Idiotie, dass das Lager mitten im Wald liegt und dennoch müssen seine Männer auf Grund von Holzmangel frieren.
    „Ich werde mal zu unserem Ticha gehen. Mal sehen, ob ich ihn heute etwas Holz aus den Rippen leiern kann,“ murmelte er und trat aus der Baracke. Die eiskalte Luft schlug ihn entgegen und er fror sofort. Er stapfte durch den hohen Schnee zu Klinks Büro. Wegen dem Schneesturm, hat es Helga heute nicht ins Büro geschafft und der Amerikaner konnte gleich in das Büro durch gehen. Ohne anzuklopfen, riss er die Tür auf und sagte: „Oberst Klink, ich muss mit Ihnen reden.“
    „Hogan, sind Se den irre? Isch hab den Schreck meenes Lebens bekommen. Isch hab keene Zeit für Se. Also verschwinden Se wieder.“
    „Aber Oberst, es ist wichtig. In den Baracken ist zu wenig Holz. Meinen Männer ist kalt. Sie könnten krank werden oder erfrieren. Ich weiss zufällig, dass das Holzlager gut gefüllt ist, bitte geben Sie etwas an die Gefangenen aus.“
    „Des Holz is aber für de Wachen. Und wenn isch es den Gefangenen gebe ,gibts keens mehr für meene Leuts. Sehn Se Hogan, da is das Problem. Und wenn es Ihren Männern kalt is, dann soll'n se draußen Schnee schippen, dann wird’s den warm,“ meinte Klink und grinste Hogan gehässig an.
    „Und wenn wir das Lager bei nächster Gelegenheit wieder füllen würden? Bekommen wir dann etwas Holz?“
    „Aber mein lieber Hogan, Sie und ihre Männer bekommen ihre eigenen Holzlager gefüllt, wenn Se heute den Schnee schippen und ihr LeBeau nächste Woche kocht, wenn die dicke Sachertorte kommt. Sobald der Schneesturm vorbei ist, können Se gerne in den Wald gehen und Holz für den Eigenbedarf hacken und einlagern. Natürlich nur, wenn Se vorher das Holzlager der Wachen wieder aufgefüllt haben,“ Klink grinste nun noch hämischer.
    „Ja Sir. Wir fangen gleich mit schippen an,“ presste Hogan hervor. Frustriert und frierend lief er zu seiner Baracke zurück. Seinen Männern war die Situation schnell erklärt. Murrend und wütend standen sie auf und gingen nach draußen in die Kälte. Hogan wurde die zweifelhafte Ehre zu teil, mit allen Männern aus jeder Baracke zu reden. Die wenigsten hatten Verständnis, auch wenn sie alle insgeheim wussten, dass der Colonel sein Bestes tat und er es auch nicht leicht hatte. Es war auch nicht verwunderlich, dass der ranghöchste Gefangene selbst mit Hand anlegte.
    Völlig verschwitzt und erschöpft waren die Männer nach mehr als drei Stunden fertig. Doch ausruhen konnten sie sich nicht, jetzt galt es die Baracken mit Holz auszustatten. Nach weiteren zwei Stunden waren sie endlich fertig. Die Männer fielen in ihre Betten und schliefen sofort ein.
    Nur einer konnte nicht schlafen. Colonel Hogan, auch bekannt als Papa Bär undvTop Untergrund Agent, der meist eine Lösung in kniffligen Situationen fand, der öfter die Deutschen manipulierte als er zählen konnte und der die spektakulärsten Sabotageaktionen vollführte. Doch seinen eigenen Männer genügend Holz, ausreichend Nahrung und Medizin und hin und wieder eine warme Dusche zu organisieren, waren die härtesten seiner Kämpfe. Leider war er bei solchen Dingen, der Bittsteller und den Launen von dem Obersachsen ausgeliefert. Das waren Momente in denen er sich verdammt hilflos fühlte. In solchen Momenten hasste er den Krieg besonders. In solchen Augenblicken sehnte er sich besonders nach Hause, wo die Welt noch in Ordnung war. Erschöpft schloss nun auch er die Augen und träumte vom Ende des Krieges.

    Ende

    "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt. " Jean-Paul Sartre


    "Papa! Lene behaupet sie hätte angefangen [mit ärgern], dabei habe ich doch angefangen!" Junior beim petzen.

  • Oh, das ist nicht schlimm, wenn nicht alle mit Weihnachten zusammenhängen. Aber als Auftakt fand ich den Adventskalender gut.


    Die jetzt ist zwar etwas traurig, aber auch gut geschrieben. Und ich habe sie auch erst heute gelesen. :)

    Das Gewissen ist fähig, Unrecht für Recht zu halten. Inquisition für Gott wohlgefällig und Mord für politisch wertvoll. Das Gewissen ist um 180° drehbar." (Erich Kästner)


    "Eine Rose gebrochen, bevor der Sturm sie entblättert." (Lessing)


    "Demokratie ist nicht die Herrschaft der Vernunft. Auch falsche Entscheidungen können demokratisch sein. Das ist zu akzeptieren" (Mein ehemaliger Chef, zumindest so in etwa)

  • Ich hatte mir gedacht immer mal was Lustiges und was Trauriges/ Nachdenkliches abzuwechseln. Hoffentlich finde ich bald mal die Zeit (und vorallem neue Ideen) zum weiterschreiben. Aber hier erstmal das "dritte Türchen".


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    3. Dezember


    In Baracke zwei war alles ruhig. Die meisten Männer lagen auf ihren Betten und schliefen oder schrieben Briefe. Carter, LeBeau, Kinch und Newkirk spielten Karten. Hogan war in seinem Quartier. Plötzlich wurde die Tür auf gestoßen und ein verärgert aussehender Colonel stand im Türrahmen: „Newkirk in mein Büro! SOFORT!“
    „V-v-verdammt und i-i-ich habe gerade so ein g-gutes B-b-blatt,“ murmelte der Brite. Langsam stand er auf und schlich, wie schon so oft in den letzten Tagen, in Hogans Büro.
    „Isch frag misch, was er wieder angestellt 'at. Er muss in letzter Zeit 'äufig zum Colonel,“ bemerkte LeBeau.
    „Du kennst doch Peter. Er war mal wieder frech und hat Befehle nicht befolgt. Zumindest kann ich mir das gut vorstellen,“ entgegnete Kinch.
    „Oh man, der Colonel, ist aber wirklich sauer auf Newkirk. Aber immer, wenn Newkirk wieder raus kommt, ist der Colonel glücklich und entspannt. Ich frage mich was Peters Strafe ist. Vielleicht ….,“ plapperte Carter. Plötzlich wurde die Tür aufgerissen und Klink betrat die Baracke.
    „Wo is'n der Hogan? Isch muss mit dem quatschen, nichwar,“ fragte Klink.
    Die Männer am Tisch zeigten auf die Bürotür. Doch als Klink zum Büro wollte, sprang Carter auf und stellte sich dem Ticha in den Weg: „ An Ihrer Stelle würde ich da nicht rein gehen. Der Colonel hat wirklich schlechte Laune. Und der Newkirk muss Strafarbeiten ableisten.“
    „So so, der Hogan hat schleschte Laune. Na und?! Der werte Heer muss mir trotzdem helfen, nichwar. Nix ist so wischtig wie die Schlüpper für die Kalinke zu Weihnachten. Der muss mich beraten, welche Schlüpper ich kaufen soll. Also geh'n Se mir aus dem Weg. Sonst wird der Ticha Se fressen, nichwar,“ schimpfte der Oberst und überlegte einen Augenblick. Vielleicht war es wirklich nicht sinnvoll in das Büro des ranghöchsten Gefangenen zu platzen. Der Tiger, wollte zu nächste heraus finden, wie schlecht gelaunt der Amerikaner war und murmelte:,„ Nu jut, isch hör erst mal was die da treiben.“


    Vorsichtig lauschte Klink an der Bürotür.


    „ Oooohhh.... mmmhh.....das.....ist soooooo gut,“ stöhnte Hogan leise.
    „C-c-colonel, m-muss ich das w-wirklich tun?“
    „Ja! Du hast so geschickte Finger. Und du willst doch auch das es mir gut geht. Nur ein glücklicher Colonel ist ein guter Colonel! ….. oooohhhh......genau so.....genau da......mach etwas härter.“
    „S-sir, eine F-f-frau wäre da-da-dafür b-b-besser g-geeignet!“
    „Ach Blödsinn, du kannst das genauso gut. Gib mir mal noch das zweite Kissen, dann liege ich bequemer. Komm mach schon weiter. ….Ohhhh.... du weißt gar nicht, wie gut sich das anfühlt...! Oooohhhh Peter.... ich bin gerade....aaahh Wachs in deinen Händen! Mmmmhhhhh.....“


    Klink glaubte sich zu verhören und lief rot im Gesicht an. Aufgebracht schimpfte er: „ Diese Sauferkel, so was gibt’s in meenen Lacha nich. Die treibens ja schlimmer als Murks und Mulle.“
    Voller Wut riss er die Bürotür auf.
    „Hey, schon mal was von Anklopfen gehört?“ empörte sich Hogan.
    Klink blieb wie angewurzelt stehen und starrte auf die Situation. Hogan lag mit nacktem Oberkörper auf dem unterem Bett und Newkirk saß schräg hinter ihm und massierte ihm den Rücken.
    „Was zum Teufel treiben Se hier?“ fragte Klink perplex.
    „Newkirk massiert mir den Rücken. Ich bin total verspannt und habe Rückenschmerzen vom vielen schmücken und dem ganzen Weihnachtsstress. Was dachten Sie denn, was wir hier tun?“ antwortete Hogan.
    „Er sagte, ihr treibt es wie Murks und Mulle!“ rief Carter aus dem Nebenraum. Neugierig linsten nun auch die anderen Männer in das Büro ihres Vorgesetzten.
    Carters Worte dämmerten nun den drei Männern im Büro. Klink wurde vor Verlegenheit feuerrot im Gesicht und huschte schnell aus der Baracke. Hogan wusste nicht ob er verärgert oder belustigt sein sollte. Und Newkirk fing laut an zu lachen: „A-a-also Sir, d-dafür nehmen S-s-sie sich dann b-b-bitte eine Frau!“


    ENDE

    "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt. " Jean-Paul Sartre


    "Papa! Lene behaupet sie hätte angefangen [mit ärgern], dabei habe ich doch angefangen!" Junior beim petzen.

  • Hehe :D


    Dann hoffe ich mal, dass du mit dem reinstellen nachkommst. Wenn nicht, verzeihen wir dir das aber bestimmt auch. :)

    Das Gewissen ist fähig, Unrecht für Recht zu halten. Inquisition für Gott wohlgefällig und Mord für politisch wertvoll. Das Gewissen ist um 180° drehbar." (Erich Kästner)


    "Eine Rose gebrochen, bevor der Sturm sie entblättert." (Lessing)


    "Demokratie ist nicht die Herrschaft der Vernunft. Auch falsche Entscheidungen können demokratisch sein. Das ist zu akzeptieren" (Mein ehemaliger Chef, zumindest so in etwa)

  • Das reinstellen ist das kleinste Problem. Viel mehr hänge ich gerade am schreiben. Aber für diese Woche sind alle Texte fertig ;o)

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    4. Dezember


    Wie jeden Morgen stand Feldwebel Schultz auf und macht sich bereit für die Arbeit. Bevor er sein Zimmer verließ, nahm er das Familienfoto in die Hand und setzte sich auf sein Bett.


    „Ja mei. Meine Lieben, was wünscht ich heut bei euch zu sein. Ob dor Kinder, wieder don Adventskalender voller Freude öffnen? Gretchen, was würd i nit alles tun um dich im Orm zu halten. Was würd i nit alles tun um dich zu trösten, jetzt wo dor zwoar groaßen Buaben an de Front sans. Dich und dor Buaben und dor Mädels im Orm halten und nit mehr los lassen. Vielleicht, wenn Gott will, noach de depperten Krieg,“ flüsterte der Deutsche leise und wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel. Er stellte das Bild zurück und verließ sein Zimmer. Jetzt würde er wie jeden Tag in Baracke zwei gehen und die Männer wecken. Und wie jeden Tag, würden sie motzen und meckern. Wie sehr er das alles hasste.
    „Raus! Raus! Raus! Appell! Appell! Appell!“ schrie Schultz in die Baracke und schlug immer wieder gegen Newkirks Bett.
    „Schultzi, wir ste'en alle auf, aber 'ör bitte auf zu schreien,“ sagte LeBeau müde und stand auf. Die anderen Männer in der Baracke taten es ihm gleich. Der dicke Feldwebel sah sich verwundert um. Keiner der Männer suchte Streit mit ihm, keiner motzte oder meckerte. Sie beeilten sich sogar und traten ordentlich zum Appell an. Schultzi vermutete, dass die Männer etwas im Schilde führte. Vorsichtshalber würde er sie heute besonders im Augen behalten. Nach einer Stunde des Patrouillierens, ging er zum obligatorischen Kaffee in Baracke zwei. Aber auch jetzt waren die Männer ungewöhnlich ruhig. Sie alle lagen entweder im Bett und lassen oder spielten am Tisch Karten. Aber irgendetwas stimmte an diesem Bild nicht.


    „Colonel Hogan, wo sans dor Newkirk?“ dem Deutschen fiel die Abwesenheit des zynischen Briten erst recht spät auf.
    „Ich glaube der wollte draußen eine rauchen.“ Es sah den Briten nicht ähnlich, dass er die Einsamkeit, der Geselligkeit vorzog. Aber gut, wenn es alle anderen akzeptierten, dann wollte es der Deutsche ihnen gleich tun. Bei seinen Rundgang durch Lager, sah er das Newkirk ganz verlassen und mit geschlossenen Augen an der Wand der Entlausungstation lehnte. Langsam ging er auf den jungen Mann zu.
    „Newkirk, sans alles in Ordnung?“
    Der Angesprochene schluckte schwer und nickte. Noch immer hielt er die Augen geschlossen.
    „Newkirk, was sans los? Hä? I seh doach, dass was nit stimmt,“ versuchte es der Deutsche erneut.
    Schweigend schüttelte Newkirk den Kopf und ließ die Augen geschlossen. Für einen Moment war Schultz versucht zu gehen, doch dann dämmerte es ihm, dass es genau das falsche wäre. Er sah sich sorgfältig um, bevor er den jungen Mann in seine Arme zog. Dieser wehrte sich nicht gegen die Umarmung. Und einen Augenblick später, konnte Schultz das leise Schluchzen an seiner Schulter hören. Sanft streichelte er dem jungen Mann, der genauso alt wie sein Sohn war, über den Rücken. Es brauchte keine Worte, sondern eine einfache Umarmung um Trost zu spenden. Nach einer kurzen Weile hatte sich Newkirk wieder beruhigt.
    „Sans wieder alles okay?“ fragte der Feldwebel besorgt.
    „E-e-es ist n-nur die V-v-vorweihnachtszeit. M-man ist m-mehr in der B-baracke und man h-hat zu viel Z-z-zeit zum n-n-nachdenken. Ich ver-vermisse meine F-f-familie, mein z-z-zu Hause und meine F-fr-frreunde,“ flüsterte Newkirk leise.
    „Dos is schoan okay. Dor depperte Krieg, koann ja nit ewig gehen,“ entgegnete Schultz und streichelte seinem Gegenüber über die Haare.
    „Sch-sch-schorschi? Du sa-s-sagst es d-d-doch nicht den J-j-jungs?“
    „Ach i wo! Dor Jungs müssen och nit oalles wissen.“


    An diesen Abend saß Schultz wieder auf seinem Bett. Er hielt ein Foto seiner Frau in den Händen und flüsterte leise: „Och Gretchen. Dor Buaben hier sans guate Buaben. Sie vermissen ihre Familien genauso, wie wir unsere Familien vermissen,“ lächelnd strich er über das Bild, bevor er fort fuhr, „Meine Arbeit is nit leicht. Mal dorf i nix seh', nix hör' und nix woasen! Und donn gibt es Tag, wie
    heute, dor muss i genau hinsehn. Wie bei unseren Buaben. Die doachten och immer i bekumm nix mit, dabei woaste i oalles. Und im richtigen Moment war i foar se dor. Irgendwie sans die Buaben hier nit anders. Es sans doach meine Buaben.“
    Feldwebel Schultz stellte das Bild weg und konnte nach einem langen Tag endlich ins Bett. Morgen würde er das motzen und meckern seiner Jungs wieder hören. Bei diesen Gedanken schlief er lächelnd ein.


    Ende

    "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt. " Jean-Paul Sartre


    "Papa! Lene behaupet sie hätte angefangen [mit ärgern], dabei habe ich doch angefangen!" Junior beim petzen.

  • Wäre zwar schade, wenns eins (oder mehrere) ausfällt, aber ich (wir) würde es dir verzeihen. Ich habe da wirklich volles Verständnis für, wenn man neben dem Schreiben von Kurzgeschichten für dieses Forum auch noch anderes zu tun hat. ;)


    Und trotzdem finde ich die Geschichten Klasse. Auch, weil sie so kurz sind. Dann kann man sie morgens ohne schlechtes Gewissen vor der Arbeit gerade lesen.

    Das Gewissen ist fähig, Unrecht für Recht zu halten. Inquisition für Gott wohlgefällig und Mord für politisch wertvoll. Das Gewissen ist um 180° drehbar." (Erich Kästner)


    "Eine Rose gebrochen, bevor der Sturm sie entblättert." (Lessing)


    "Demokratie ist nicht die Herrschaft der Vernunft. Auch falsche Entscheidungen können demokratisch sein. Das ist zu akzeptieren" (Mein ehemaliger Chef, zumindest so in etwa)

  • Ich spekuliere darauf, heute im Seminar einiges zu schreiben ( 8 Stunden am Stück Verwaltungsrecht!). Schon zum Selbstschutz, man wird bei soviel Recht nach einer Weile blöde im Kopf, wenn man sich nicht anderweitig beschäftigt.


    Was arbeitest du den, dass du da früh lesen kannst?


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    5. Dezember


    Pünktlich sechs Uhr stürmte Feldwebel Schultz in die Baracke und schrie: „Appell! Appell! Alles aufstehen und raus! Los! Los! Los!“
    Wie jeden Morgen unterstrich er seine Worte mit ein paar heftige Schläge gegen Newkirks Bett. Überraschender Weise kam Colonel Hogan zeitnah aus seinem Quartier und trieb seine Männer an: „ Männer, nun macht schon. Heute will ich kein Gemurre und Gemotze hören. Los jetzt! Wir wollen unseren geliebten Lachaticha nicht warten lassen!“
    Verwundert starrte Schultz zu dem amerikanischen Offizier und zuckte mit den Schultern. Ihm konnte es nur recht sein, wenn er mal die Meute nicht antreiben musste. Tatsächlich standen alle Gefangenen ordentlich in Reih und Glied als der Kommandant aus seinem Büro kam.
    „Rapppppoooooooort!“
    „Herr Kommandant, es seins alle Gefangenen angetreten und es seins alle wie immer!“
    „Das is ja wohl logisch. Aus diesem Lacha ist noch nie eena entkommen. Isch bin eben der Ticha. So jetzt aba zu wischtigeren Dingen. Liebe Gefangene ihr wisst ja was morchen für en Tach is, nichwar?! Und da wollte isch euch sachen.....“
    „Herr Kommandant, was ist den Morgen für ein Tag!“ fragte Hogan neugierig.
    „Na morchen ist doch Nikolaus! Und da müsst....“
    „Was soll das den sein? Was passiert denn da?“, unterbrach diesmal Carter.
    „ Da fliecht mir de Scheibe aus dem Oche. Schultz, wollen die mich verarschen? Jeder kennt doch den Nikolaus,“ empörte sich Klink und schüttelte den Kopf.
    „Oberst, wenn dieser Nikolaus ein deutscher Brauch ist, dann kann es durchaus sein, dass wir ihn nicht kennen. Und wenn ich mich so umsehe, weiß hier kein Gefangener, was dieser Nikolaustag ist. Vielleicht wollen Sie uns es erzählen? Machen Sie aber schnell, uns wird kalt,“ erwiderte Hogan lässig.
    „Vielleicht ham Se recht, Hogan,nichwar. Also die lieben Kinderchen putzen am Abend des 5. Dezembers ihre Stiefel und stellen sie in den Flur. Den in der Nacht vom 5. auf den 6. kommt der Nikolaus und bringt den braven Kindern Nüsse, Äpfel, Apfelsinen und so'n Zeuch. Den unartigen steckt er aber eine Rute oder Kohle in die
    Stiefel,nichwar,“ erklärte Klink geduldig.
    „C-c-colonel, das m-m-meint der doch nicht E-e-ernst?“
    „Ich bin mir nicht sicher. Und jetzt Ruhe, der ist noch nicht fertig.“
    „Und was isch euch mitteilen wollte, is dass ihr alle morchen zum Nikolaustag eene Überraschung bekommt. Für jeden von euch gibt’s ….“
    „Kommandant, Kommandant! Müssen wir auch unsere Stiefel putzen?“ fragte Carter begeistert.
    „Lieber nischt. Isch würde die Kohle den Nüssen vorzie'en. Dann wird uns wenigstens warm. 'offentlisch waren wir alle unartig,“ entgegnete LeBeau grinsend.
    „Klappe zu! Isch war noch nich fertig, nichwar. Ob ihr eure Stiefel putzt oder nischt is egal. Vielleicht würdet ihr weniger mistig aussehen, wenn ihr es mal machen würdet. Also morchen, darf jeder von euch fünf Minuten warm duschen und es gibt für jeden einen Apfel. Frisches Obst habt'ta lange nisch mehr gesehn.“
    Bei der Aussicht auf eine warme Dusche, jubelten die Gefangenen. Normalerweise wurde nur eiskalt geduscht.
    „Herr Kommandant, dass ist wirklich sehr großzügig von Ihnen.Vielen Dank,“ bedankte sich Hogan.
    „Meen lieber Hogan, isch bin ja keen Unmensch. Und nu wechgetreten!“
    Erfreut betraten die Männer ihre Baracke. Sie freute sich alle auf den nächsten Tag.
    „Okay Leute, ich weiß ihr seit aufgeregt, aber jetzt müssen wir mal wieder arbeiten. Unsere lieben Auftragsgeber möchten, dass wir heute aus Hammelburg Angriffspläne der Operation „Barbarossa“ holen und nach London schicken.“
    „Sir, heute Abend sollte keiner von uns nach draußen gehen. Es ist ein Schneesturm angesagt,“ warf Kinch ein.
    „Verdammt, da hast du natürlich recht. Es wäre viel zu gefährlich. Dann müssen wir es verschieben oder an den Untergrund abgeben. Kinch kontaktiere London, dass wir es heute Abend nicht machen können und frage dann beim Untergrund an, ob die die Mission durchführen können!“ befahl Hogan genervt.
    „Ja, Sir!“
    Nach einer halben Stunde kam Kinch wieder aus dem Tunnel. Seine Gesicht
    sprach Bände und er trat zu seinem Vorgesetzten: „Sir, der Untergrund kann die Mission nicht übernehmen und London will, dass wir es schnellstmöglich machen.“
    „Dann morgen Abend,“ beschloss der Amerikaner.
    Die Planung der bevorstehenden Mission wurde verschoben und alle Männer gingen ihren Tätigkeiten nach. LeBeau kochte, Newkirk spielte mit ein paar Anderen Karten, Kinch las ein Buch und Hogan saß mit seinem Kaffee am Tisch und beobachtete Carter, der umständlich an seinen Schuhen handtierte.
    „Carter, was machst du eigentlich?“
    „Sir, ich putze meine Schuhe. Vielleicht kommt ja der Nikolaus auch zu uns,“ antwortete der junge Sergeant und blickte kurz auf.
    Schmunzelnd wendete sich der Colonel den Anderen zu. Die kindliche Naivität Carters war etwas ganz Besonderes.
    Am Abend vor dem Schlafengehen, stellte das Teamküken seine Schuhe neben die Tür und hoffte auf den Besuch des Nikolaus.


    Fortsetzung folgt ….

    "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt. " Jean-Paul Sartre


    "Papa! Lene behaupet sie hätte angefangen [mit ärgern], dabei habe ich doch angefangen!" Junior beim petzen.

  • Als ich Lachaticha las, musste ich erst an spanische Chicas denken, bis ich die richtige Betonung gefunden hatte. :D

    Das Gewissen ist fähig, Unrecht für Recht zu halten. Inquisition für Gott wohlgefällig und Mord für politisch wertvoll. Das Gewissen ist um 180° drehbar." (Erich Kästner)


    "Eine Rose gebrochen, bevor der Sturm sie entblättert." (Lessing)


    "Demokratie ist nicht die Herrschaft der Vernunft. Auch falsche Entscheidungen können demokratisch sein. Das ist zu akzeptieren" (Mein ehemaliger Chef, zumindest so in etwa)

  • Sächsisch ist auch eine Fremdsprache :D .
    Übrings hat Verwaltungsrecht was Gutes. Ich bin gestern mit dem Adventskalender weiter gekommen und werde heute auch weiterschreiben können. Einen fröhlichen Nikolaustag!
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    6. Dezember


    In aller Früh sprang Carter voller Vorfreude aus dem Bett und sah in seine Schuhe. Tatsächlich fand er etwas in ihnen. Vorsichtig entnahm er eine Apfelsine, ein paar Nüsse und Schokolade.
    „Peter! Peter! Er war da. Er war wirklich da!“ schrie Andrew und trat an Newkirks Bett.
    „Ver-ver-verdammt Andy! L-lass m-mich schlafen!“ murmelte Newkirk müde.
    „Aber, ER war da!“ versuchte es der junge Seagant erneut.
    „Andrew, sei endlisch leise. Es ischt erscht fünf Uhr. Wir können noch eine Stunde schlafen,“ beschwerte sich nun auch LeBeau. Betrübt liess sich Carter auf sein Bett fallen. Vielleicht sollte er es abermals versuchen nur etwas leiser: „Hey Peter, wach auf. Ich muss dir etwas erzählen.“
    „H-herr G-gott nochmal! C-c-carter , halt endlich deine K-k-klappe. Wir sind alle m-müde und wollen w-w-weiter schlafen. Kann es nicht bis nach dem A-a-appell warten?“ brüllte Newkirk. Als er jedoch den verletzten Ausdruck im Gesicht seines Freundes sah, fragte er sanfter: „H-h-hey. T-tut mir l-leid. Okay. W-wer war den d-da?“
    Andrew setzte zu einer Antwort an, doch da hörten die Männer, wie ihr Colonel laut fluchte. Bei den meisten Flüchen lief der junge Amerikaner rot an und er flüsterte: „ So was darf er doch nicht sagen! Nicht mal als Colonel.“
    Kurz darauf humpelte Hogan in den Hauptraum und machte das Licht an. Wütend sah er auf seine zwei hellwachen Teammitgliedern. „Das ist nicht witzig! Erstens weckt ihr alle mit eurem Geschreie und dann streckt ihr mir irgendeinen Mist in meine Schuhe.“
    Carter und Newkirk blickten sich verwundert an. Carter ergriff zuerst das Wort: „ Sir, war bei Ihnen auch der Nikolaus. Bei mir war er nämlich auch.“
    „Carter, es gibt keinen Nikolaus. Es gibt auch nicht den Osterhasen oder Santa Claus,“ knurrte der Offizier. Weiter forderte er: „Ich will das der Scherzbold sich bei mir meldet.“
    „S-s-sir, was w-w-war den bei I-i-ihnen nun im Schuh?“ fragte Newkirk. Mittlerweile war die ganze Baracke wach und starrte neugierig auf den Ranghöchsten Gefangenen. Keiner war sich einer Schuld bewusst. Frustriert seufzend packte Hogan seine Schuhe und kippte sie über den Tisch aus. Zum Vorschein kamen eine kleine Plastikbox, eine kleine Metalldose und ein paar schwarze Kohlen hervor.
    Ein paar der Männer kicherten hinter vorgehaltener Hand , einige grinsten und nur Carter fragte: „Colonel, hatte Klink nicht gesagt, dass nur die unartigen Jungs Kohlen bekommen?“
    Nun lachten alle in der Kaserne, mit Ausnahme von Hogan, der rosa Wangen bekam.
    „Sir, vielleicht sollten Sie mal die Dose und die Box öffnen,“ schlug Kinch leise lachend vor.
    Missmutig griff der Colonel nach der Dose und öffnete diese. Verwundert holte er einen Film hervor. Jetzt wurde auch der Colonel neugierig. Vorsichtig sah er in die Box. Mehrere gefaltete Blätter Papier lagen in ihr. Hogan entfaltete sie und las drüber. „Das sind die Angriffspläne, die wir aus Hammelburg holen sollten.“
    Eine Mischung aus Verwunderung und leichte Schockierung beherrschten seine Gefühlswelt. Der leitende Offizier fragte sich, von wem die Pläne stammen. Seine Gedanken wurden von Carter unterbrochen: „Colonel, Ihnen ist ein kleiner Umschlag zu Boden gefallen.“
    Der Angesprochene sah zu Boden und entdeckte den Brief. Langsam hob er diesen auf und begann zu lesen. Zur gleichen Zeit sahen die Männer gespannt auf ihren Vorgesetzten. Dieser las nun den Brief laut vor:

    „Lieber Colonel Hogan, da uns auch heute Abend ein Schneesturm bevorsteht, wollte ich Ihnen ein kleines Geschenk machen. Hier sind die Angriffspläne der Operation „Barbarossa“ und als kleines Extra ein Film mit Bilder der neuen Raketen. Normalerweise bekommen nur die artigen Jungs mit sauberen Schuhen Geschenke, aber bei Ihnen mache ich mal eine Ausnahme. Gemäß der Tratition bekommen Sie dennoch Kohlen. Eine besinnliche Weihnachtszeit. Ihr Nikolaus alias Nimrod.“


    Einen Moment war es mucksmäuschen still in der Baracke. Alle hingen ihren Gedanken nach. Grübelnd fragte Carter: „ Colonel, haben Sie die Kohlen jetzt bekommen, weil Sie ihre Schuhe nicht geputzt haben oder weil Sie unartig waren?“
    Abermals lachten alle Männer der Baracke. Diesmal konnte der Colonel mitlachen.

    Ende

    "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt. " Jean-Paul Sartre


    "Papa! Lene behaupet sie hätte angefangen [mit ärgern], dabei habe ich doch angefangen!" Junior beim petzen.

  • Da ich heute wegfahre, hier schon mal die nächste Geschichte für morgen. Es geht ins Mystische!


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    7. Dezember


    Schweißgebadet schreckte der junge Mann aus seinen Träumen. Ein heftiger Hustenanfall ergriff ihn. Jeher Schmerz durchzuckte seinen Körper und das Atmen fiel ihm schwer. Leicht stöhnend fiel er in sein Kissen zurück. Eine kalte Hand legte sich auf seine Stirn. Wie durch Watte konnte Stimmen vernehmen: „Wie geht es ihm?“
    „Sir, er ist unverändert. Er hat immer noch hohes Fieber und die Lungenentzündung klingt einfach nicht ab. Er braucht dringend Penizillin.“
    „Ich habe schon mit Klink gesprochen, der gibt einfach keines raus. Und London kann uns keines wegen der angespannten Wetterlage schicken. Er muss es so schaffen. Kannst du den nichts für ihn tun, Wilson?“
    „Sir, ich versuche schon mein Bestes. Aber ich bin kein Zauberer. Es sieht wirklich schlecht aus.“
    Redeten diese Stimmen über ihn? Was ist den mit ihm? Sein ganzer Körper ist ein Meer aus Schmerzen. Ihm ist heiß und kalt zu gleich. Es fiel ihm schwer einen klaren Gedanken zu fassen. Angestrengt versuchte er die Stimmen zu zuordnen. Was ihm aber nicht gelang. Sein Geist dämmerte weg und er schlief wieder ein. Nach ein paar Stunden erwachte er wieder. Hellwach setzte er sich im Bett auf und sah sich um. Jetzt erinnerte er sich, er war auf der Krankenstation. Neben seinem Bett saß eine Gestalt. Diese hatte den Kopf auf die verschränkten Arme gebettet und schien zu schlafen. Vorsichtig darauf bedacht die Gestalt nicht zu wecken, besah er sich eben diese. Peter! Wie lange
    wachte Peter wohl schon an seinem Bett? Eine weitere Gestalt näherte sich dem Bett. Joseph Wilson der Lagersanitäter. Neugierig beobachtete er die Situation. Wilson trat auf Peter zu und rüttelte sanft dessen Schulter. Verschlafen richtete sich Peter auf und rieb sich die Augen.
    „Newkirk, geh in deine Baracke und ins Bett. Du kannst nicht die ganze Nacht hier sitzen. Auch du brauchst einmal eine Pause.“
    „W-wilson, ich werde h-h-hier bleiben. W-wenn er wach w-wird und was braucht, m-m-möchte ich d-da s-sein,“ erwiderte Newkirk bestimmt.
    „Newkirk...Peter, sein vernünftig. Wenn Andrew wach wird, braucht er dich ausgeruht. Und nun geh ins Bett,“ flüsterte Wilson und drückte sanft Peters Schulter.
    „N-n-nein, ich b-b-bleibe.“
    Resigniert seufzte Wilson und holte von dem Nachbarbett eine Decke und legte sie über Newkirks Schultern. Dankbar blickte der Brite zum Sanitäter auf, bevor dieser den Raum verließ. Peter musterte den Kranken. Er sah dabei schrecklich erschöpft aus.
    Carter war verwirrt, haben die beiden nicht mitbekommen das er wach war? Er konnte sie doch hören und sehen.
    „Hey Peter, mir geht’s schon viel besser. Mach dir keine Sorgen um mich.“
    „K-k-kleiner,d-du musst w-wieder g-gesund werden. W-wir b-brauchen dich d-doch a-a-alle. Wir ver-ver-vermissen dich sch-sch-schrecklich. N-nicht nur auf den M-m-missionen, s-s-sondern als F-freund. D-dein sonniges G-gemüt und deine sinnlose P-plapperei fehlen uns,“ eine verzweifelter Blick blitzte in Newkirks Augen auf, „ I-ich... ich...ich weiß n-n-nicht was ich ohne dich machen soll. Du d-darfst ... d-du d-d-darf nicht...d-du m-m-musst...A-andy, du darfst nicht st-st-sterben.“
    Der Brite schniefte leise und wischte sich über die Augen.
    „Peter, mir geht’s gut. Kannst du mich nicht hören?“ rief Andrew verzweifelt. Er wollte seinen Freund nicht leiden sehen.
    „Er kann dich nicht hören,“ ertönte eine liebliche Stimme. Eine gleißend weiße Lichtgestalt trat auf Andrew zu. Eine warme leuchtende Hand griff nach Carters Hand und zog ihn mit. Carter war ganz und gar in Licht, Wärme und Geborgenheit gehüllt. Schwebend entfernten sich die beiden von der Krankenbaracke und vom Lager. Ihre Reise führte sie durch einen langen dunklen Tunnel. Am Ende des Tunnels traten sie durch ein hölzernes Tor, auf eine wunderschöne Wiese. Sattes grünes Gras erstrahlt vor ihnen und es gab Blumen in allen erdenklichen Farben. Doch die Umgebung interessierte den jungen Mann nicht. Er gab sich ganz seinen Gefühlen hin. Vollendes zufrieden stellte er fest, dass er keine Schmerzen mehr spürte und nur Glück, Geborgenheit und tiefe Liebe empfand. Hier gab es nicht schlimmes, keinen Krieg, kein Leid und vor allem keine Grausamkeit.
    „Andrew!“ hörte er seinen Namen. Fragend drehte er sich zum Rufenden.
    „Großvater! Großvater bist du es wirklich?“
    „Ja mein Junge ich bin es,“ antwortete der Alte und zog seinen Enkel in die Arme. Sanft fuhr er fort: „Ich hätte nicht erwartet, dich so schnell hier zu sehen. Junge, du bist zu jung. Aber auch wir hören hier von dem Krieg. Von dem ganzen Elend und Leid. Wir sehen die geschändeten Seelen, die von der Erde kommen. Jetzt Andrew, wird alles besser. Hier bist du sicher.“
    Großvater und Enkel liefen durch den Himmelsgarten und plauderten über alte Zeiten und über das was kommen wird. Nach und nach vergaß Andrew Carter den Krieg und Stalag 13.
    Doch plötzlich hörte er ein leises wimmern. Verwundert sah er sich um. Er konnte aber nicht aus machen, woher das Wimmern kam. Da war es doch schon wieder. „Großvater, hörst du das nicht? Da weint doch wer.“
    „Junge, ich höre nicht!“ Carter rannte über die unendlich weite Wiese. Wie vom Donner berührt blieb er stehen. Ein Gedankenblitz durch zuckte ihn. Peter! Er musste zu Peter zurück. Noch konnte er seinen Freund nicht zurück lassen.
    „Großvater, es war schön dich wieder zu sehen, aber ich muss gehen. Zurück ins Lager und zu meinen Freunden!“ Leicht lächelnd umarmte der Alte seinen Jungen erneut und flüsterte: „Du bist etwas ganz Besonderes. Nur die wenigsten ziehen den Krieg und das Elend, dem Paradies vor. Aber du mein Junge, geht’s zurück um weiter gutes zu tun. Ich bin stolz dein Großvater sein zu dürfen!“
    Mit einem Mal war Carter wieder in seinem Bett. Schwerfällig öffnete er die Augen und sah neben sich. Anscheinend wurde sein Freund von schlimmen Alpträumen gequält, den er wimmerte leise im Schlaf. Sanft streichelte Carter über den Kopf des Schlafenden und flüsterte mit krächzender Stimme: „Peter, wach auf. Es ist alles in Ordnung!“ Ein schmerzhafter Hustenanfall ergriff ihn. Tränen traten in seine Augen und seine Lungen und sein Hals brannten wie Feuer. Als er die Augen öffnete, sah er das angebotene Glas Wasser. Dankbar nahm er es an. Die kalte Flüssigkeit linderte das kratzende Gefühl in seiner Kehle. Newkirk nahm ihn das Glas wieder ab und strich zärtlich über den Kopf des Kranken. Kurz hielt er in der Bewegung inne und legte seine Hand auf Carters Stirn. Lächelnd sagte Peter:
    „I-i-ich glaube das F-f-fieber ist gesunken. Du s-solltest aber d-dennoch w-w-weiterschlafen.“
    „Wirst du hier sein, wenn ich aufwache?“
    „N-n-natürlich! I-i-ich werde hier sein und n-n-nun sch-sch-schlaf!“ Sanft aber bestimmt drückte er Carter wieder in das Kissen. Kaum lag Andrew wieder auf seinen Kissen, überkam ihn eine Welle der Erschöpfung. Wenige Augenblicke später schlief er tief und fest.
    Wieder erwarten erholte sich Carter in den kommenden Tagen recht schnell von seiner Krankheit. Von seinen Freunden unterstützt und gepflegt konnte er schon zwei Wochen später in die Baracke zwei zurückkehren. Trotz allem waren ihm die Worte seines Großvaters tief ins Gedächtnis gebrannt. Es war der zweite mittlerweile der zweite Advent. Die Jungs saßen lachend und scherzend am Tisch und aßen LeBeaus Plätzchen. Vor ihnen brannte die zweite Kerze des Adventskranzes. Neben ihm saß Newkirk und legte einen Arm um seine Schultern. In diesem Augenblick dachte er: `Großvater, du bist vielleicht im Himmel, im Paradies. Aber ich bin hier unter Freunden und wir leisten jeden Tag gutes. Momente wie diese sind mein persönliches Paradies!'

    Ende

    "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt. " Jean-Paul Sartre


    "Papa! Lene behaupet sie hätte angefangen [mit ärgern], dabei habe ich doch angefangen!" Junior beim petzen.

  • Ich konnte die letzten beiden Törchen leider erst heute lesen, aber ich finde es echt toll, was du dir für Geschichte ausdenkst. Die Kurzgeschichten liegen dir wirklich, das sind nette kleine Ideen, die richtig individuell sind und schöne Gedanken verarbeiten. :)

    Das Gewissen ist fähig, Unrecht für Recht zu halten. Inquisition für Gott wohlgefällig und Mord für politisch wertvoll. Das Gewissen ist um 180° drehbar." (Erich Kästner)


    "Eine Rose gebrochen, bevor der Sturm sie entblättert." (Lessing)


    "Demokratie ist nicht die Herrschaft der Vernunft. Auch falsche Entscheidungen können demokratisch sein. Das ist zu akzeptieren" (Mein ehemaliger Chef, zumindest so in etwa)

  • Danke DTH. Mir macht es auch richtig Spaß zu schreiben.
    So etwas verspätet, das nächstes Türchen.




    8. Dezember


    Verstohlen sah sich der kleine Franzose in der Baracke um. Sie war gänzlich leer. Die Männer waren auf einem Arbeitseinsatz, nur er ist zurück geblieben, weil er etwas krank ist. In etwa zwei bis drei Stunden kommen seine Mitgefangenen wieder. Er würde genügend Zeit zum backen haben.
    Schnell machte er sich an das Werk. Schon eine Stunde später roch die ganze Baracke nach frisch gebackenen Plätzchen. Nachdem der französische Koch die ersten beiden Bleche fertig hatte, fing er mit der nächsten Sorte an. Zwei Stunden später war er vom vielen Backen ganz erschöpft und ließ sich in einen Stuhl sinken. Um die fünfhundert Plätzchen, auf geteilt in drei Sorten, sind fertig.
    Normalerweise machte LeBeau das Kochen und Backen glücklich, aber heute stand er vor einem unlösbaren Problem. Grübelnd stand er auf und lief durch den Raum. Doch bevor ihm eine Lösung einfallen konnte, öffnete sich die Tür und dreizehn müde Männer und Colonel Hogan traten ein.
    „Louis, hast du ohne mich Plätzchen gebacken? Du wolltest doch warten und mich mit backen lassen. Ich wollte doch …..“ plapperte Carter munter und leicht enttäuscht los.
    „Carter, lass es. Wir haben es alle verstanden,“ unterbrach Kinch seinen Freund.
    „Mmmmm, Louis, hier riechst wirklich lecker. Was hast du den für Plätzchen gebacken?“ fragte Olsen neugierig. Bei dieser Frage lief der Franzose prompt rot an und schwieg. Frech grinsend wandte sich nun Newkirk an LeBeau: „S-sag mm-m-mal mein kl-kl-kleiner F-freund. H-hier d-durftet es nach J-jJ-jam Buns, F-flap J-jack und G-ginger S-snaps. D-du, mein F-freund, wirst d-doch nicht e-etwa e-e-englische K-keks gebacken h-h-haben. Gerade, DU, d-der en-eglisches E-essen immer sch-sch-schlecht macht!“
    „ Ihr Briten 'ab aber auch wirklisch einen schleschten Geschmack. Und du weißt mein Essen auch nie zu schätzen. Eigentlisch kannst du nischt dafür. Du kannst ja auch nischt dafür Brite zu sein.“
    „L-l-louis, du l-lenkst ab. H-h-hast du nun e-e-englische K-kekse gebacken oder n-nicht?“
    „Ääh. Isch 'abe leckere Kekse gebacken.“
    „ A-also en-en-englische? Ha, d-du g-gibst es a-also zu, d-d-dass en-en-englisches E-e-essen au-auch schmecken k-k-kann?“
    „ Englisches Essen und gut schmecken schließt sisch aus. Entweder ischt es lecker oder es ist englisch.“ LeBeau und Newkirk steigerten sich beide immer mehr in ihren Streit rein.
    Zwischen zeitlich kam Sergeant Joseph Wilson durch die Barackentür. Neugierig sah er in eine der Keksdosen. „Lebeau. Du hast ja Jam Buns gebacken. Darf ich mir einen nehmen?“
    LeBeau wurde sofort rot im Gesicht und Newkirk grinste triumphierend.
    „Ich wusste es! Louis gib zu, dass du englische Kekse magst.“
    LeBeau, der nun erkannte das er keine andere Wahl hatte als der Aufforderung nachzukommen, stammelte: „Na gut. Isch ...isch mag englische Kekse....gern. Aber das ist auch das einzig genießbare an englischer Küche!“
    „Egal was du jetzt sagst, es ist egal. Der Triumph ist einfach zu süß!“ lachte der Brite.
    Missmutig starrte ihn der französische Corporal an. Wobei LeBeau zugeben musste, er würde nicht anders reagieren, wenn sein englischer Freund zugeben würde, dass er französisches Essen mag.
    „Der klügere gibt nach, mon ami. Willst du einen Jam Buns, Ginger Snaps oder Flap Jack?“
    Scherzend und lachend setzten sich alle Männer an den Tisch und genossen den restlichen Tag.

    Ende


    Anmerkung:
    Jam Buns- Kekse mit Marmelade
    Ginger Snaps-Ingwerkekse
    Flap Jack-Haferkekse

    "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt. " Jean-Paul Sartre


    "Papa! Lene behaupet sie hätte angefangen [mit ärgern], dabei habe ich doch angefangen!" Junior beim petzen.

  • Dass es in Britannien und in Frankreich keine Adventskalender gibt, wusste ich nicht.
    Wenn ich das recht verstanden habe, gibt es da auch keinen Nikolaustag.
    Da haben wir es doch deutlich besser :)


    Echt tolle Geschichten. Weiter so :thumbsup:

  • Gibt es auch nicht bzw. sind beide Bräuche nicht verbreitet.
    Hier jetzt das nächste Türchen, jetzt kommt ein langer Mehrteiler.


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    9. Dezember


    Die Helden saßen wieder einmal in der Baracke und langweilten sich. Es gab einfach nichts zu tun. Wegen dem extremen Schneesturm könnten sie heute nicht nach draußen gehen. Es war kalt und zugig. Carter stöhnte leicht genervt und sah sich um. Kinch las ein Buch, LeBeau schrieb einen Brief, Hogan spielte mit einigen Männern Karten und Newkirk lag im Bett und starrte an die Decke.
    „Leute mir ist langweilig,“ stöhnte der junge Amerikaner erneut.
    „Da bischt du nischt der Einzige!“
    „Wollen wir über Weihnachten aus unserer Kindheit sprechen? Geschichten sind klasse und uns wäre nicht mehr langweilig. Vielleicht legen wir auch ein bestimmtes Weihnachten fest.,“ schlug Kinch vor und sah von seinem Buch auf.
    Dieser Vorschlag stieß auf positive Resonanz. Die Männer räumten den Tisch leer, LeBeau kochte frischen Kaffee und alle versammelten sich um den Tisch. Für die richtige Stimmung, wurden noch einige Kerzen angezündet. Sie einigten sich, das Weihnachtsfest, dass sie mit acht Jahren erlebt hatten, zu erzählen.
    „Und wer fängt nun an?“ fragend schaute Kinch in die Runde. Er persönlich rechnete damit, dass Newkirk anfangen würden. Bei solchen Geschichten fing der freche Brite immer an. Aber tatsächlich meldete sich Carter.
    „Also Weihnachten in Bullfrog North Dakota. Wir waren fünf Kinder, drei Mädchen und zwei Jungs. Ich war damals acht Jahre alt. Wie jedes Jahr, wurde auch in diesem besagten Jahr der Weihnachtsbaum am 24. Dezember aufgestellt. Mit meinem Dad haben wir den Baum mit Zuckerstangen, Lebkuchen und Plätzchen und Kerzen geschmückt. Am Abend waren wir alle zufrieden und standen vor dem erleuchteten Weihnachtsbaum. Am nächsten Morgen war mein großer Bruder Ronald zuerst wach und weckte mich. Leise sind wir in das Mädchenzimmer geschlichen und haben sie geweckt. Nur meine kleinste Schwester Carrie schlief noch bei meinen Eltern im Zimmer. Sie war aber auch erst zwei Jahre alt. Zu viert liefen wir ins Wohnzimmer um die Geschenke zu öffnen. Ein Bild der Verwüstung erwartete uns. Meine kleine Schwester Mary stieß einen spitze Schrei aus. Meine Eltern kamen sofort angerannt, da sie vermutlich dachten uns sein etwas passiert. Entsetzt sahen sie in den Raum. Alle Geschenke waren aufgerissen, unter dem Baum war ein Berg Geschenkpapier. Die Plätzchen, Lebkuchen und Zuckerstangen vom unterem Teil des Baumes waren abgerissen. Die Kerzen lagen auf dem Boden. Und wir alle stellten uns die Frage, was ist hier nur passiert? Plötzlich raschelte es unter dem Geschenkpapierberg. Vorsichtig ging mein Vater auf den Hügel zu. Langsam zog das oberste Papier weg und fing an zu grinsend. Er bedeutete uns leise zu sein und winkte uns heran. Leicht ängstlich näherten wir uns und linsten in den Haufen. In dem ganzen zerknüllten und zerrissenen Papier lag meine kleinste Schwester Carrie schlafend. Sie musste in der Nacht aus ihrem Bettchen geklettert sein. Kichernd sahen wir auf sie. Dabei wurde sie wach. Strahlend gluckste Carrie: „Hab Schenke funden und Fonfetti macht!“ (Ich habe Geschenke gefunden und Konfetti gemacht!) Jetzt konnten wir uns nicht mehr zurückhalten und lachten alle laut los. Wir vier großen Kinder setzten uns in den Papierhaufen und meine Eltern verteilten die Geschenke. Mein Dad hat viele Fotos an diesem Tag gemacht. Wir haben auch alle zusammen wieder den Baum geschmückt und aufgeräumt. Es wurde ein wunderschöner Tag. Wir haben noch Jahre später diese Geschichte erzählt und die Fotos gezeigt.“
    „Schöne Geschichte!“, sagte Kinch.
    Die anderen Männer stimmten ihm zu. Alle blickten fragend in die Runde.
    „Isch erzä'le die näschste Geschichte!“, sagte LeBeau.


    Fortsetzung folg ….

    "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt. " Jean-Paul Sartre


    "Papa! Lene behaupet sie hätte angefangen [mit ärgern], dabei habe ich doch angefangen!" Junior beim petzen.

  • Oh toll. Hast du ein bisschen die jeweiligen Traditionen recherchiert oder wirst du dir kreativ verschiedene Weihnachtsfeste ausdenken?

    Das Gewissen ist fähig, Unrecht für Recht zu halten. Inquisition für Gott wohlgefällig und Mord für politisch wertvoll. Das Gewissen ist um 180° drehbar." (Erich Kästner)


    "Eine Rose gebrochen, bevor der Sturm sie entblättert." (Lessing)


    "Demokratie ist nicht die Herrschaft der Vernunft. Auch falsche Entscheidungen können demokratisch sein. Das ist zu akzeptieren" (Mein ehemaliger Chef, zumindest so in etwa)

  • Sowohl als auch. Zwei Geschichten in dieser Reihe werden sich nicht mit Weihnachtstraditionen beschäftigen, bei den anderen klingt es etwas durch. So hier meine letzte vorgeschriebene Geschichte. Ich mussmich heute echt hin setzten und weiter schreiben.


    _____________________________________________________________________________________________________________________



    10. Dezember


    „Vielleischt erzä'le isch eusch erst einmal ein paar grundlegende Dinge über das französisches Wei'nachtsfest. Bei uns wird der sapin de Noël, der Weihnachtsbaum aufgestellt. Auch in Frankreisch bekommen die Kinder am 25. Dezember die Geschenke. Euer Santa Claus ist unser Père Noël. Aber am 24. Dezember feiern wir schon. Am Abend gehen alle in die Wei'nachtsmesse und danach gibt es das Réveillon, das Wei'nachtessen.
    Jetzt zu meinem Wei'nachtsfest mit acht Ja'ren. Mein Vater 'at am 23. Dezember den sapin de Noël (Weihnachtsbaum) ge'olt und aufgeschtellt. Einen Tag später war mein Vater im Restaurant arbeiten und meine Mama schmückte mit uns Kindern den Baum. Sie und meine Schwestern 'atten schon Wochen vorher Papierblumen gebastelt. Mit den Blumen und Kerzen aus Bienenwachs schmückten also den Baum. Danach stellten wir Kinder unsere sauberen Stiefel unter den sapin de Noël, der Père Noël packt die Geschenke da hinein. Am Abend waren wir alle in der Kirche zur Messe. Da kamen auch meine grandsparents (Großeltern), meine Tanten und Onkel und deren Kinder. Nach der Messe waren wir ,wie jedes Ja'r, in Vaters Restaurant essen. Das Réveillon ist der 'öhepunkt des Abends. In diesen Ja`r gab es noch ein anderen 'öhepunkt. Das Essen war schon vorbei. Die Kinder tobten und die Erwachsenen sprachen. Es muss kurz vor Mitternacht gewesen sein, als es passierte. Meine Tante Michéle war schwanger und plötzlisch platzte die Fruchtblase. Mein Onkel Maurice, ihr E'emann, war ganz aufgeregt und wollte zum Auto. Doch die Tür ließ sisch nischt me'r öffnen. Es ' atte so se'r geschneit, dass wir vollkommen zu geschneit waren. Meine Mama, meine älteste Schwester Jeanne, meine Tanten und Cousinen na'men Michéle mit in den Nebenraum und bauten aus Decken und 'andtüschern ein Lager für sie. Mein Vater 'atte in der zwischen Zeit die Feuerwe'r und einen Arzt gerufen. Wir 'örten die Sirenen und der ersten Schreie Michéle gleichzeitig. Draußen würde versucht uns frei zu schaufeln. Das Läuten der Kirchenglocken ertönte und es passierten bei uns zwei Dinge gleichzeitisch. Die Tür wurde geöffnet und mein kleiner neugeborener Cousin schrie seinen erschten Schrei. Er wurde Jean Joseph genannt. Meine Tante, mein Onkel und Jean Joseph fu'ren mit den Krankenwagen ins Hospital. Am nächsten Tag, haben wir sie besucht. Mutter und Kind waren gesund und munter. Jean war ein leb'aftes Kind. Nach diesem Ja'r, konnten wir immer alle zusammen Wei'nachten und Jeans Geburtstag feiern,“ erzählte LeBeau seine Geschichte. Er stand auf und holte aus seinen Sachen ein Foto seiner Familie. Wieder am Tisch zeigte er allen ein Bild seines Cousins Jean. Alle lächelten ihren französischen Freund an.


    „Oh, was für eine schöne Geschichte. Ihr habt also ein richtiges Weihnachtsbaby,“ meinte Carter, „Okay, wer ist der nächste?“
    In dem Moment kam Feldwebel Schultz in die Baracke und sah fragend in die Runde: „Ja mei, was treibts ihr den hier?“
    „Wir erzählen uns Weihnachtsgeschichten aus unserer Kindheit als wir acht Jahre alt waren,“ antwortete Kinch.
    „Carter und LeBeau haben ihre Geschichten gerade erzählt. Willst du dich den nicht setzten?“ fragte Colonel Hogan. Unaufgefordert goss LeBeau Schultz einen Kaffee ein und kochte neuen.
    „Wenn keiner will, dann erzähle ich jetzt meine Geschichte,“ meldete sich Kinch für die nächste Geschichte freiwillig. Gespannt setzten sich die Männer bequem hin und blickten zu dem Erzählenden.


    Fortsetzung folgt.....

    "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt. " Jean-Paul Sartre


    "Papa! Lene behaupet sie hätte angefangen [mit ärgern], dabei habe ich doch angefangen!" Junior beim petzen.

  • Ich hoffe wirklich, dass du die Zeit findest, aber wenn nicht, ist dir keiner böse.
    Ich freue mich morgens immer sehr über die kleinen Geschichten, die geben einen guten Start in den Tag!
    Aber stress dich nicht damit, es muss sonst auch ohne gehen...

    Das Gewissen ist fähig, Unrecht für Recht zu halten. Inquisition für Gott wohlgefällig und Mord für politisch wertvoll. Das Gewissen ist um 180° drehbar." (Erich Kästner)


    "Eine Rose gebrochen, bevor der Sturm sie entblättert." (Lessing)


    "Demokratie ist nicht die Herrschaft der Vernunft. Auch falsche Entscheidungen können demokratisch sein. Das ist zu akzeptieren" (Mein ehemaliger Chef, zumindest so in etwa)

  • Hier der all morgendliche Adventskalender.


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    11. Dezember


    Kinch richtete sich etwas mehr auf. Für einen kurzen Augenblick wurde sein Blick traurig. Leise und mit einem Hauch Trauer fing er an zu berichten: „ Mein Weihnachtsfest, welches ich mit acht Jahren feierte, war nicht unbedingt, dass schönste. Wir lebten damals noch in den Südstaaten. Meine Eltern mussten am heiligen Abend bis zum späten Nachmittag arbeiten. Wir hatten auch nur einen ganz kleinen Baum, meine Eltern bekamen nicht viel Geld. Trotz allem machten wir es uns jedes Jahr schön. Mein Vater erzählte uns abends Geschichten, wir Kinder waren schon in unseren Pyjamas. Meine kleine sechsjährige Schwester Clara saß auf Vaters Schoß, ich saß neben meiner Mutter. Gerade erzählte er uns von Christus Geburt und den Gedanken von Weihnachten, da hörten wir laute Schreie. Mein Vater stürzte zum Fenster und sah hinaus. „Jane, nimm die Kinder und versteckt euch im Keller. Ich komme gleich nach,“ befahl er voller Aufregung. Meine Mutter packte uns an den Händen und zerrte uns in den dunklen, kalten Keller. Kurz darauf kam mein Vater. Meine Mutter presste ängstlich meine Schwester an sich. Ich sah meinen fragend an. „Der Ku-Klux-Klan zieht draußen durch die Straßen,“ war seine einzige Erklärung. Wir rückten näher zusammen und lauschten in die Nacht. Von oben hörten wir Stimmen und Gepolter.
    „Wo sind den diese dreckigen Niger?“
    „Hier scheint alles ruhig zu sein.“
    „Dann lasst uns Spaß haben! Du gehst dich im Haus umsehen und wir dekorieren um!“

    Aus Angst fing Clara an zu weinen. Meine Mom sang ihre leise von und mein Vater fing an zu beten. Von oben hörten wir lautes Krachen und Klirren. Mir war damals schon klar, dass die unser Haus völlig zerstören. Plötzlich wurde die Kellertür aufgestoßen. Vater zog uns alle enger an sich. Wir wagten es nicht, auch nur zu atmen. Die Lippen meiner Eltern bewegten sich stumm. Sie betteten für uns. Der Eindringling war
    Kisten um und sah in jede Ecke des Kellers. Frustriert trat er gegen mein Fahrrad und verließ den Keller wieder. Erleichtert atmeten wir
    auf.
    „Hier ist keiner. Die schwarzen Schweine sind anscheinend ausgeflogen.“
    „Das macht nichts. Wir werden hier warten!“

    Leise stand mein Vater auf und bedeutete uns, es ihm gleich zu tun.Es gab in unseren Keller einen Notfluchttunnel, eben für solche Situationen. Vater nahm Clara auf den Arm und wir schlichen nach draußen. Im Garten kamen wir raus. Barfuß flüchteten wir von unserem zu Hause.Auf einem Hügel rasteten wir einen kurzen Moment und sahen zu unserem Haus zurück. Im ganzen Viertel brannten Kreuze im Vorgarten. Überall waren weiße verkleidete Menschen, die Männer des Terrors. Mein Vater führte ins Richtung Stadt. Irgendwann waren meine kleinen Füße taub vor Kälte und Vater nahm mich auf den Arm. Mutter hatte Clara. Uns allen war so furchtbar kalt. Es waren um die -10 °C und es lag Schnee. Irgendwann kamen wir an eine Kirche, wir wollten schon hinein gehen, da erblickten wir das Schild. Schwarze war in dieser Kirche nicht erwünscht. Starr vor Kälte, setzten wir uns dennoch auf die Kirchentreppe. Vor Erschöpfung fielen uns fast die Augen zu. Allerdings schreckten wir auf als ein Auto vor uns hielt und ein Mann ausstieg. Man Vater ging augenblicklich in Kampfhaltung. Meine Mutter stellte sich schützend vor uns.
    Der Weiße sah uns traurig an und meinte: „ Ma'am! Sir! Ich möchte Ihnen und ihren Kindern nichts zu leide tun. Sie sehen erfroren, müde und hungrig aus. Kommen Sie! Seien Sie heute Abend meine Gäste!“
    Unsicher blickte mein Vater auf den Weißen. Er wusste, wenn er das Angebot annahm, konnte es tödlich für uns enden. Wir wussten ja nicht, ob er auch vom Ku-Klux-Klan war. Andererseits, wenn wir uns nicht bald aufwärmen konnten, würden wir alle erfrieren. Widerwillig und misstrauisch, deutete mein Vater, dass wir ins Auto steigen sollten. Der Weiße fuhr die Straße entlang und kam irgendwann an einer Farm an. Wir folgten ihm zu der Tür und eine junge schwarze Frau öffnete. Sie sprachen kurz mit einander. Die junge Frau führte uns in ein großes Zimmer mit Kamin und einem hell erleuchteten Weihnachtsbaum. Hier war es herrlich warm. Kurz darauf kam auch der Weiße wieder und brachte uns Decken.
    „Ich habe mich noch gar nicht vorgestellt. Ich bin William Barkley,“ sagte er freundlich.
    „Und ich bin Mary,“ stellte sich die junge Frau vor und überreichte uns heißen Kakao. Erwartungsvollen blickten die beiden auf uns, aber Vater und Mutter blieben stumm. In dem Moment stürmte ein kleiner schwarzer Junge in das Zimmer. „War der Santa Claus schon da? Mommy, war er schon da?“ Mary lächelte sanft ihren Sohn an und schüttelte den Kopf. „ Samuel, geh wieder ins Bett!“
    Trotzig reckte der Junge sein Kinn in die Luft und sah zum weißen Mann. „Daddy, soll mich ins Bett bringen!“ Lachend stand William Barkley auf und verließ mit dem Kind den Raum.
    Fragend und verwirrt sahen meine
    Eltern zu Mary. Diese erklärte: „ William und ich haben uns hier kennen gelernt. Er war der Sohn des Hausherren und ich eine einfach
    Sklavin. Wir haben uns in einander verliebt. Wir würden gerne heiraten, aber das ist verboten. Deshalb bin ich offiziell sein
    Hausmädchen und Samuel hat keinen Vater. Der Kleine weiß, dass er niemanden sagen darf wer sein Dad ist. Es ist schwer, aber durch die Liebe zu einander schaffen wir es.“
    „Deshalb, hat er uns mit genommen? Er ist kein Rassist?“ fragte Vater verwundert.
    "Nein, das war er auch nie. Alle seine schwarzen Arbeiter bekommen das selbe Gehalt, wie ein Weißer. Bei ihm sind alle Menschen, abhängig der Hautfarbe willkommen,“ mit diesen Worten stand Mary auf und brachte uns etwas Essen.
    Mein Vater und Mister Barkley unterhielten sich den ganzen Abend. Wir Kinder sind irgendwann eingeschlafen. Am nächsten Morgen, nachdem Frühstück, fuhr uns Mister Barkley nach Hause. Die Männer vom Ku-Klux- Klan waren inzwischen wieder verschwunden. Unser Haus war komplett demoliert. Wir standen vor dem nichts. Der Weiße steckte meinen Vater einen Umschlag und eine Visitenkarte zu und verabschiedete sich mit den Worten: „Ich wünsche Ihnen ein schönes Weihnachtsfest und viel Glück auf ihren weiteren Lebensweg!“
    In dem Umschlag war Geld und die Visitenkarte zeigte eine Detroiter Adresse. An diesem Tag packten wir unsere Sachen und zogen nach Detroit. Übringens ist wie durch ein Wunder keinen einzigen Schwarzen an diesem Heiligen Abend etwas passiert. Ende der Geschichte!“


    Die Männer sahen Kinch sprachlos an. Sie alle wussten, dass er als Schwarzer immer wieder Rassismus ausgesetzt war, aber wie schlimm dies war, konnte sich keiner vorstellen. Trotz das die Geschichte so traurig und schockieren war, hatte sie ein Happy End. Das gab den Gefangenen Kraft und Hoffnung. Schweigend saßen sie da.
    „Leute, aber jetzt wollen wir eine fröhlichere Geschichte hören. Schultz was ist mit dir? Warum erzählst du uns nicht dein Weihnachtsfest mit acht Jahren?“ sagte Kinch fröhlich. Er war durch die stille Anteilnahme gerührt. Schultz nickte und nahm noch einen Schluck Kaffee. „Also mein Weihnachtsfest.....


    Fortsetzung folgt..........


    "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt. " Jean-Paul Sartre


    "Papa! Lene behaupet sie hätte angefangen [mit ärgern], dabei habe ich doch angefangen!" Junior beim petzen.