Ehemaliger Auschwitz-Aufseher verhaftet

  • KZ Aufseher


    Habt ihr davon schon gehört? Warum erst jetzt wenn man doch wusste,das er seid 1983 in Deutschland lebt? Was will man den noch für eine Strafe aufbürden?


    Gruss

    Wir sterben viele Tode,solange wir leben, der Letzte ist nicht der bitterste. (Waggerl Karl Heinrich)

  • Hier kannst du nachlesen, warum erst jetzt. Kurz gesagt: Im Zusammenhang mit dem Fall Demjanjuk ist die Staatsanwaltschaft zu dem Schluss gekommen, dass den einzelnen Angeklagten nicht eine bestimmte Tat nachgewiesen werden muss, sondern dass derjenige, der in einem KZ Wächter o. ä. gewesen ist, sich auch schuldig gemacht haben muss. Diese Ansicht ist jedoch noch nicht richterlich bestätigt, da Demjanjuk gestorben ist, bevor das Revisionsverfahren abgeschlossen war.


    Das jetzige Alter hat keinen Einfluss darauf, welche Strafe der Verdächtige zu erwarten hat. Die Frage ist jedoch, ob es Sinn macht, ihn jetzt noch zu 15 Jahren Gefängnis zu verurteilen, da er wohl nicht mehr lebend rauskommen wird (es sei denn, er wird 108 Jahre alt). Eine einfache Aussetzung der Strafverfolgung würde jedoch auch gegen das allgemeine Rechtsempfinden verstoßen.

  • Ich finde diese Interviews hoch interessant. Man sollte sich mal die Männer genau anschauen und zuhören, für mich machen sie einen ganz normalen Eindruck. Für mich sind diese Leute vom Eindruck her, der nette Opa von nebenan. Ich möchte ihre Taten nicht schönreden, aber wenn man sie so sieht, würde man doch nie glauben, was sie gatan haben.


  • Davon ausgehend, daß vor Gericht alle Menschen gleich sind sehe ich keinen Hinderingsgrund Rücksicht auf des Alter eines Angeklagten zu nehmen. Wenn auch sehr spät, dafür gibt es vielerlei Gründe in der deutschen Nachkriegsregierung, so ist es nichts weiter als gerecht das volle Strafmaß auszunutzen.
    Gerade diese Menschen, die nach außen völlig unauffällig sind können u.U., sobald sie Macht ausüben und sie es nur in einem kleinen Wirkungsbereich eine 360 Grad Wendung charakterlich vollführen.

    Wer morgens zerknittert aufsteht, hat am Tag die besten Entfaltungsmöglichkeiten.

  • Ich finde auch verbrechen verjähren nicht.

    Pommes Frites enthalten bis zu 23% weniger Schadstoffe, wenn man vor dem Frittieren die Verpackung entfernt.


    Alice - kleine Maus folgte ihrem Schatz Pfingsten 2017
    Nicklas - friedlich im Schlaf über die Regenbogenbrücke geflogen (12.03.2017)
    Viktor - knall gelb, nur ganz kurz bei mir gewesen (15.09.16)
    Finn - hat mich am 25.07.2016 schon wieder verlassen
    Jack - ein Jahr hat mein kleiner Süßer gekämpft: 24. oder 25.02.2016
    liebste Pauline: 13.03.2013
    Emil - am 29.11.2011 verstorben

  • Sehe ich auch so. Wenn Alter vor Strafe schützen würde, hätte das verherrende Auswirkungen auf unser Rechtssystem. Und bestimmte Verbrechen sollte nie verjähren.

    "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt. " Jean-Paul Sartre


    "Papa! Lene behaupet sie hätte angefangen [mit ärgern], dabei habe ich doch angefangen!" Junior beim petzen.

  • Das sehe ich anders, nehmen wir mal an ein Täter ist 50 Jahre auf der Flucht, als man ihn endlich findet, leidet er an schwerer Demenz oder an Krebs im Endstadium. Hilft es dann noch ihn zu verurteilen, obwohl er womoglich das Jahresende nicht mehr miterleben wird? Eine Genugtuung für Hinterbliebene wird so eine Verurteilung nicht meher sein, weil eine Haftstrafe wohl das kleinere Übel für die Person sein wird.

  • Eine Krankheit ist etwas anderes als Alter. Einen dementen Täter würde niemand mehr verurteilen, er könnte sich nicht mehr an die Tat erinnern und würde in einem Pflegeheim dahin vegietieren.
    Aber nehmen wir mal einen 78 Jährigen Kinderschänder, der sich bester Gesundheit erfreut, der sollte in meinen Augen verurteilt werden, auch wenn man davon ausgehen muss, dass er das Ende seiner Haftstrafe nicht mehr erlebt. (Obwohl, die meisten Kinderschänder ja eh nur eine geringe Haftstrafe oder strafe auf Bewährung bekommen.)

    "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt. " Jean-Paul Sartre


    "Papa! Lene behaupet sie hätte angefangen [mit ärgern], dabei habe ich doch angefangen!" Junior beim petzen.

  • (Obwohl, die meisten Kinderschänder ja eh nur eine geringe Haftstrafe oder strafe auf Bewährung bekommen.)


    Das Stimmt, wenn man Steuern hinterzieht sind die Strafen höher

    Pommes Frites enthalten bis zu 23% weniger Schadstoffe, wenn man vor dem Frittieren die Verpackung entfernt.


    Alice - kleine Maus folgte ihrem Schatz Pfingsten 2017
    Nicklas - friedlich im Schlaf über die Regenbogenbrücke geflogen (12.03.2017)
    Viktor - knall gelb, nur ganz kurz bei mir gewesen (15.09.16)
    Finn - hat mich am 25.07.2016 schon wieder verlassen
    Jack - ein Jahr hat mein kleiner Süßer gekämpft: 24. oder 25.02.2016
    liebste Pauline: 13.03.2013
    Emil - am 29.11.2011 verstorben

  • Mord verjährt in Deutschland auch nicht.


    Leider hatte ich gestern nur Zeit für die ersten beiden Teile, heute weigert sich mein Laptop, den nächsten Teil zu spielen. Allerdings soltle ich mich jetzt sowieso lieber mal um die Arbeit kümmern.
    Ich finde es jedenfalls sehr interessant, wie diese Männer erzählen. Auch, wie sie selbst versuchen, manche Geschehnisse auszublenden und nicht zu wiederholen.
    Eigentlich ist es eine Farce (in Teil 2), wenn der eine Mann bei wiederholter Nachfrage sagt: "Jetzt quälen sie mich aber." (oder so ähnlich, Zitat nur aus dem Kopf möglich)

    Das Gewissen ist fähig, Unrecht für Recht zu halten. Inquisition für Gott wohlgefällig und Mord für politisch wertvoll. Das Gewissen ist um 180° drehbar." (Erich Kästner)


    "Eine Rose gebrochen, bevor der Sturm sie entblättert." (Lessing)


    "Demokratie ist nicht die Herrschaft der Vernunft. Auch falsche Entscheidungen können demokratisch sein. Das ist zu akzeptieren" (Mein ehemaliger Chef, zumindest so in etwa)

  • Mord verjährt in Deutschland auch nicht.


    Leider hatte ich gestern nur Zeit für die ersten beiden Teile, heute weigert sich mein Laptop, den nächsten Teil zu spielen. Allerdings soltle ich mich jetzt sowieso lieber mal um die Arbeit kümmern.
    Ich finde es jedenfalls sehr interessant, wie diese Männer erzählen. Auch, wie sie selbst versuchen, manche Geschehnisse auszublenden und nicht zu wiederholen.
    Eigentlich ist es eine Farce (in Teil 2), wenn der eine Mann bei wiederholter Nachfrage sagt: "Jetzt quälen sie mich aber." (oder so ähnlich, Zitat nur aus dem Kopf möglich)


    Das Problem ist aber, wir verurteilen diese Männer, ohne Widersspruch an dieser Veruteilung zuzulassen. Aber keiner kann sich ein Urteil darüber bilden, wie es du dieser Zeit war gelebt zu haben, keiner von uns kann beurteilen was in solchen Männern vorgegangen ist und warum sie das gemacht haben. Für uns ist es leicht zu sagen, die hätten ihre Befehle doch einfach verweigern können, abe wir können das nur sagen, weil wir nie in so einer Situation waren, wie die Männer. Und ich glaube auch nicht, dass viele das aus Lust am morden gemacht haben, ich kann mir schon vorstellen, dass viele wirklich nur Befehle ausgeführt habenm und sich schrecklich dabei gefühlt haben. Der eine sagt ja auch, dass er in der Zeit viel Alkohol getrunken hat.
    Wie gesagt, ich möchte die Taten nicht leugnen und schönrede, aber sdie Männer als Bestien oder sonst etwas zu veruteilen, ist für mich auch der falsche Weg, da keiner weiß wie es in der damaligen Zeit war gelebt zu haben.

  • Als Bestien habe ich sie auch nicht bezeichnet.
    Ich finde es einfach immer interessant auch die Täterperspektive zu hören. Es stimmt schon, dass man den Tätern keine größere Plattform als den Opfern bieten sollte, aber ohne die Täterperspektive hat man nur die eine Sichtweise. Das heißt dann wiederrum nicht, dass man das gutheißen sollte.


    Was Mord und und Verjährung angeht, das war in erster Linie mal eine wertungsfreie Feststellung, weil es vorher um die Verjährung von Straftatbeständen ging.
    Allerdings wurde diese Regelung tatsächlich im Zuge der NS-Verbrechen eingeführt, man wollte auch nach Ablauf der üblichen Verjährungszeit noch zumindest Mordtaten bestrafen können.

    Das Gewissen ist fähig, Unrecht für Recht zu halten. Inquisition für Gott wohlgefällig und Mord für politisch wertvoll. Das Gewissen ist um 180° drehbar." (Erich Kästner)


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  • Als Bestien habe ich sie auch nicht bezeichnet.


    War auch nicht auf dich bezogen, sondern allgemein.;)


    Was die Verfolgung von NS-Verbrechen angeht, so bin ich auch der Meinung, dass es keine Verjährungsfrist geben sollte, nur wie sinnvoll ist so etwas heute noch? Einer der zum Kriegsende damals 20 Jahre alt war, wäre heute 90 Jahre. Wie viele NS-verbrecher laufen denn heute noch rum? Selbst wenn sie noch rumlaufen und sie bei bester Gesundheit sind, ist eine Verurteilung noch eine gerechte Strafe? Ich sage nein, da sie die meiste Zeit ihres Lebens einer gerechten Strafe entkommen sind und auf die letzten Monate oder Jahre, kann kein gerechtes Urteil mehr gefällt werden. Die Leute sollen ja auch für ihre Taten bezahlen und zur Rechenschaft gezogen werden, nur wird eine Verurteilung im hohen Alter keine gerecht Strafe sein. Wo ist die Gerechtigkeit, wenn ein NS-Verbrecher im Alter von 90 Jahren zu lebenslanger Haft verurteilt wird?

  • Ah ok, dann hatte ich das falsch verstanden, weil es unter meinem Zitat stand.


    Der Verjährungsausschluss sollte aufrecht erhalten bleiben, einfach auch für andere Morde.


    Die Frage nach der gerechten Strafe ist aus diesem Blickwinkel natürlich interessant. Wenn jemand trotz seiner Straftaten ein unbehelligtes Leben geführt hat und man dies als ungerecht empfindet, dann wird eine späte Verurteilung zum Lebensabend keine Gerechtigkeit wiederherstellen können.
    Wobei die Frage ja wäre, was Gerechtigkeit ist und warum wir strafen. Auge um Auge und Zahn um Zahn gilt bei uns ja schon lange nicht mehr, wobei auch da die Frage nach Gerechtigkeit immer wieder gestellt werden kann. Ist es gerecht, wenn jemand jemanden tötet und zur Strafe selbst getötet wird oder ist es gerechter, wenn er sich bei vollem Bewusstsein mit den Fehlern seines Lebens auseinandersetzen muss.


    Aber es gibt noch weitere Strafzwecke. Die Generalprävention und die Spezialprävention, wobei Zweitgenannte immer einen größeren Raum einnehmen sollte, als die generelle Prävention.
    Generalprävention meint (stark vergröbert gesagt, dahinter steht eine ganze Philosophie, die sich mir selbst nie ganz erschlossen hat), wir strafen, damit die Gesellschaft sieht, dass solche Taten geahndet werden. Spezialprävention ist täterbezogen und meint, wir bestrafen eine Person, damit sie daraus lernt und die Tat nicht wiederholt. Das dürfte in solchen Fällen allerdings ausgeschlossen sein, während man bei der Generalprävention drüber diskutieren kann.

    Das Gewissen ist fähig, Unrecht für Recht zu halten. Inquisition für Gott wohlgefällig und Mord für politisch wertvoll. Das Gewissen ist um 180° drehbar." (Erich Kästner)


    "Eine Rose gebrochen, bevor der Sturm sie entblättert." (Lessing)


    "Demokratie ist nicht die Herrschaft der Vernunft. Auch falsche Entscheidungen können demokratisch sein. Das ist zu akzeptieren" (Mein ehemaliger Chef, zumindest so in etwa)

  • Gerechtigkeit ist für mich schwer zu beurteilen. Viele sinnen nach Rache, nur kann Rache nie ein gerechtes Urteil sein, deshalb finden wir auch viele Urteile viel zu milde. Ich bin der ehrlichen Meinung, egal wie schwer ein Verbrechen ist/war, jeder hat eine zweite Chance verdient.

  • Der Satz, Ich habe nur meine Pflicht getan, wird nur allzu oft dazu benutzt um selbst die widerwärtigsten Taten zu erklären. Wenn jemand als Soldat im Kriegsgeschehen auf den sogenannten Feind schießt ist das etwas ganz anderes als wenn jemand aus purer Mordlust und völliger Überheblichkeit wehrlose Menschen vom Kindes- bis zum Greisenalter quält. In den meisten Fällen hatten diese Wachmannschaften Spaß daran ihre Funktion auszunutzen.
    Der damalige Staatsanwalt in Frankfurt Fritz Bauer hat 1963 gegen alle Einwändungen und Schwierigkeiten, selbst aus den eigenen Reihen, den Ausschwitzprozess geführt. Doch man hielt es nicht für nötig, weitere Prozesse zu führen, da viele ehemalige in hohen Stellungen saßen.

    Wer morgens zerknittert aufsteht, hat am Tag die besten Entfaltungsmöglichkeiten.

  • [quote='tunel','http://www.stalag13.de/index.php/Thread/11578-Ehemaliger-Auschwitz-Aufseher-verhaftet/?postID=149122#post149122']Ich finde diese Interviews hoch interessant. Man sollte sich mal die Männer genau anschauen und zuhören, für mich machen sie einen ganz normalen Eindruck. Für mich sind diese Leute vom Eindruck her, der nette Opa von nebenan. Ich möchte ihre Taten nicht schönreden, aber wenn man sie so sieht, würde man doch nie glauben, was sie gatan haben.


    So gesehen war es doch "normal" was in einer unnormalen Zeit passierte. Und wie man jetzt nach all denn Jahren noch über diese Leute richten kann weiss ich nicht ! Entweder sie haben es von selbst gelernt mit ihrer Schuld zu leben oder kapieren es bis heute nicht !
    Und mal im Ernst: Wer kann denn wirklich zu 100% sagen "Ich hätte nicht mit gemacht und beschwöre das!" ?
    Ich möchte nichts beschönigen und hasse Nazis, aber was gab´s denn damals an Propaganda bzw. an Informationsmöglichkeiten ?
    Und wie ich jetzt aus den andauerden Dokus sehen kann - es gab genug Mithelfe aus den sogenannten westlichen Demokratien, welche auch "die Juden" nicht aufnehmen wollten - bzw. schon nach 1933 wussten was passiert ist !
    Und man muss doch auch mal sehen das der Antisemitismus keine deutsche Erfindung ist !