Holt den Klink zurück!

  • Ein Käfig voller Helden (Hogan´s Heros)


    Holt den Klink zurück!


    1. Akt


    „Wie wollen Sie mich denn hier herausschleusen, Colonel Hogan?“


    Royal Air Force - Pilot Foster staunt nicht schlecht, als ihm bewusst wird, dass er sich in einem Tunnelsystem unter einem deutschen Kriegsgefangenenlagers befindet.


    „Sie werden mit dem Klink-Taxi in die Stadt kutschiert. Sie reisen im Kofferraum. Die Leute des Untergrunds werden Sie dann dort rausholen und zum U-Boot an der Küste bringen. Das wird sie zurück nach England schippern.“


    „Unorthodox! Sie bestellen ein Taxi um mich herausfahren zu lassen?“


    „Nein, Captain. Oberst Klink, der Kommandant dieses Lagers, wird Sie mitnehmen. Das hat er schon einige Male für uns gemacht.“


    „Also gehört er zu uns?“


    „In gewisser Weise schon, nur weiß er es nicht“, antwortet der Offizier mit einem verschmitzten Grinsen.


    Er ruft Corporal Lebeau und Sergeant Carter zu sich.


    „Lebeau, du wirst unseren Weißwurstprinzen mit ein paar Leckereien beschäftigen.“


    „Oui, mon Colonel. Isch abe noch Apfelstrudel übrig.“


    „Carter, du bringst den Captain zu Klinks Wagen und verhilfst ihm zur Flucht.“


    „Ich flüchte mit ihm. Alles klar, Junge… ähm … Verzeihung, Sir!“


    „C-colonel, unser Klinge-linge-link kommt!“, ruft Corporal Newkirk aus der Baracke in den Tunnel hinunter.


    „Ich komme schon. Sie warten hier, Captain. Wir holen Sie, wenn es so weit ist.“


    Colonel Hogan kommt aus dem Tunnel in die Baracke und kann den Tunneleingang unter dem Bett rechtzeitig verschließen, bevor Feldwebel Schultz den Raum betritt.


    „Aaaaachtung! Hier kommt der Kommandant!“


    „Colonel Hogan, der Feldwebel hat vor geraumer Zeit zum Appell gepfiffen. Und wir würden uns alle freuen, wenn Sie und ihre Männer an unserm Gruppenkuscheln teilnehmen könnten, nicha.“


    „Wir haben kein Pfeifen vernommen, Herr Oberst.“


    „Schultz!“


    Der Feldwebel holt eine kleine, silberne Trillerpfeife hervor und bläst kräftig hinein.


    „Und das sollten wir hören?“ entgegnet Hogan. „Hier brettern andauernd Lastwagen und Panzer an unseren Baracken vorbei. Wie sollen wir da Schultzie´s kleine Pfeife hören?“


    „Nu, da hörn´ses, Schultz! Sie ham nich genuch Dampf aufm Kessel, nicha!“


    Gelächter unter den Gefangenen.


    „Nu möcht ich Sie alle herzlich bitten, sich draußen aufzustellen.“


    Die Stimme des deutschen Offiziers ist von Ironie geprägt.


    „Nur wenn se ´s zeitlich einrichten können.“


    Die beiden Deutschen verlassen den Raum. Die alliierten Gefangenen tun es ihnen nach und stellen sich draußen auf.


    Nachdem Feldwebel Schultz die Gefangenen gezählt hat, macht er Meldung an seinen Kommandanten.


    „Alle Gefangenen san vollzählig angetreten, Herr Kommandant!“


    „Danke, Schultz.“, sagt Klink und fährt fort. „Heute Abend werd ich fürn paar Stunden in die Stadt fahrn. Und währnd der Tiecher ausm Haus is, hat Hauptmann Gruber das Sagen hier. Des Weiteren verbitte ich mir Fluchtversuche und sonstige Fisimatenten. Also, seien ´se artig, dann ham wa auch keene Komplikationen, nicha. Gute Nacht!“


    Hauptmann Fritz Gruber übernimmt das Wort.


    „Feldwebel Schultz, lassen Sie die Gefangenen wegtreten und begleiten Sie sie in ihre Quartiere.“


    „Jo, is scho recht. Alles zurück in die Baracken. Los, los! Gemma, gemma, gemma!“


    Unsere Helden sind wieder unter sich.


    „Colonel, was machen wir denn jetzt, wo dieser Gruber hier herrscht?“, fragt Kinch leicht besorgt.


    „Wir machen so weiter. Alles läuft wie geplant. Klink wird sich in seiner Wohnung noch stadtfein machen. Ich werde Gruber schon in Klinks Büro beschäftigen und ihn vor allem vom Fenster fernhalten. Wird schon schiefgehen. Hat noch irgendjemand Fragen?“


    Alle heben die Hände.


    „Na dann ist ja alles klar. Auf geht´s!“


    Ende des 1. Aktes


    2. Akt


    Klopf! Klopf!


    „Herein!“


    „Hauptmann Gruber?“


    „Was gibt es denn, Colonel Hogan?“


    „Ich wollte mit Ihnen die Liste für unsere Rot-Kreuz-Pakete durchgehen und bei der Gelegenheit gleich eine Beschwerde vorbringen.“


    „Muss das ausgerechnet jetzt sein, Colonel?“


    „Ich hätte es ja mit Oberst Klink besprochen, aber der ist ja heute nicht mehr zuständig. Zu meiner Beschwerde: Beim letzten Mal haben eure Männer sich wieder aus unseren Paketen bedient und uns nur etwa die Hälfte übrig gelassen und…“


    „Ihre Liste, ihre Beschwerden und ihre Pakete interessieren mich wenig, Colonel Hogan. Außerdem wird ihr geliebter Oberst hier bald ausgedient haben. Besser gewöhnen Sie sich an mich. Über kurz oder lang werde ICH hier das Sagen haben.“


    „Ist ja sehr interessant. Wie stellen Sie das denn an?“


    „Das, lieber Colonel, werden Sie erleben. Es ist nur eine Frage der Zeit. Und nun dürfen Sie wegtreten.“


    In der Zwischenzeit ist es Carter gelungen, Captain Foster im Kofferraum von Klinks PKW zu verstecken während Lebeau Schultz mit Kuchen abgelenkt hat.


    Hogan tritt vor die Kommandantur und begibt sich noch einmal zu Klinks Wohnung, vor der Captain Foster noch auf seinen Abtransport wartet.


    „Viel Glück, Foster!“, sagt der Colonel, als Oberst Klink seine Wohnung verlässt.


    „Hogan, was machen sie denn außerhalb der Baracken?“


    „Ich war in Ihrem Büro und wollte mit Gruber die Liste für unsere Rot-Kreuz-Pakete besprechen. Und da ich schon mal unterwegs war, dachte ich, ich wünsche Ihnen noch persönlich einen schönen Abend.“


    „Danke, Hogan. Und Sie halten ihre Männer bei der Stange, nicha.“


    „Kommen Sie wohl und gesund zurück, Klink.“


    „Tschüss und gute Nacht!“


    Der deutsche Offizier wird von seinem Chauffeur, dem Gefreiten Langenscheid zum großen Haupttor herausgefahren und der Amerikaner geht zurück in seine Baracke.


    „Ich habe ein ungutes Gefühl. Irgendetwas stimmt nicht.“


    „Lassen Sie es für heute gut sein, Colonel. Lassen Sie uns schlafen gehen.“


    „Ach, Kinch. Musst du immer so vernünftige Sachen sagen? Gute Nacht, Jungs!“


    „Gute Nacht, Colonel!“, erwidern die Männer gemeinsam.
    D.h. bei Newkirk lautet es: „G-g-gute Nacht, Co-colonel!“


    Während Oberst Klink in der Stadt einen fröhlichen Tanzabend mit der Wirtin des Brauhauses verbrachte und er sich mit einigen anderen Offizieren freundschaftlich ausgetauscht hat, gelang es dem Untergrund, Captain Foster aus Klinks Wagen zu holen und ihn sicher zum
    U-Boot an die Küste zu bringen.


    Gegen Mitternacht begab sich der Oberst mit Langenscheid auf den Weg zurück. Auf einem Waldweg ein paar Meilen von Stalag 13 entfernt musste der Wagen stoppen. Ein anderer Wagen stand quer auf der Straße und blockierte die Durchfahrt. Ein Mann und eine Frau lehnten am Auto und küssten sich innig.


    „Langenscheiß, hupen ´se ma!“, befahl Klink.


    „Ich heiße doch „Langenscheid“, Herr Oberst.“


    „Nu werden ´se ma nich schnippisch und scheuchen ´Se den Arsch mit seiner Flatterbiene in die Botanik, nicha.“


    Langenscheid begann mehrmals laut zu hupen.


    „Die wollen einfach nicht, Herr Kommandant.“


    „Sie Vollnase können sich nich ma im Kindergarten durchsetzen. Lassen ´Se mich ma ran da.“


    Klink steigt aus und sagt mit fordernder Stimme:


    „He, Ihr Schmusebacken. Können ´Se nich im Wald weiterfummeln und Ihren Blechofen im Gemüse parken. Ein deutscher Offizier will hier passieren, nicha.“


    Das Pärchen beachtet den Oberst nicht.


    „Nu krieg ich aber gleech ´nen Blutrausch! Ich…“


    Blitzschnell dreht sich das Paar um und steht nun mit vorgehaltener Waffe vor Klink.


    „Nu ja, so war es ja nu och wieder net gemeint. Wenn ´Se fummeln wollen kann ich och genauso gut in meiner Kalesche warten, nicha.“


    „Los, in unseren Wagen setzen“, befiehlt der Mann und die Frau fügt hinzu:
    „Bei der kleinsten falschen Bewegung werden wir Sie durchlöchern, Sie deutscher Offizier.“


    „Langenscheid, warum tun ´Se denn nüscht? Langenscheid? Langenscheid!!!“


    Gefreiter Langenscheid ging sofort hinter Klinks Wagen in Deckung, als das Paar seine Waffen zog.


    „Kommen Sie her, Sie feiger Hund!“, befahl der Mann dem Gefreiten.
    „Sie warten hier noch 2 Stunden, dann fahren Sie zum Lager zurück. Haben Sie das verstanden?“


    Langenscheid nickt ängstlich.


    „Einsteigen, Klink!“, befahl der Mann erneut.


    Der Oberst gehorchte und setzte nicht mit ängstlichem Blick auf die Rückbank desAutos.
    Der Mann setzte sich neben ihn und die Frau übernahm das Steuer.
    Die Drei fuhren davon und Langenscheid blieb allein auf dem Waldweg zurück.


    Ende des 2. Aktes



    3. Akt


    Ein neuer Tag im Stalag 13.
    Am frühen Morgen kommt Feldwebel Schultz wie gewohnt in die Baracke 2 um die Männer zum Morgenappell zu rufen.


    „Aufwachen! Alles raus! Appell is! Los, raus den Federn! Gemma! Gemma! Gemma!“


    Die Männer erheben sich aus ihren Betten und auch Colonel Hogan kommt aus seinem Zimmer.


    „Guten Morgen, Schultz. Ist Klink zurück?“


    „Jo, des is ja grad des. Der Langenscheid is heut Nacht ohne den Klink zurückkumma. Er sagt, dass a Mann und a Weibsbild den Kommandanten mitgnomme haben. Aber nu kommen´s bitte zum Appell.“


    „W-warum denn h-heu-heute so früh, Sch-Schorschi?“


    „I woiß nix. Des is´n Befehl vom neuen Arsch! Ich bitt´ Euch zum Appell. Bittschön!?“


    „Schon gut, Schultz. Los raus, Jungs!“


    Die Gefangenen sind vollzählig angetreten und Hauptmann Gruber ergreift das Wort.


    „Meine Herren, Ihr geliebter Oberst hat sich entschlossen, uns nicht weiterhin mit seiner Anwesenheit zu beehren. Er ist heute Nacht nicht aus der Stadt zurückgekommen. Allem Anschein nach hat er Fahnenflucht begangen. Aber damit wird sich die Gestapo befassen. Bis auf Weiteres habe ich hier das Kommando. Und da es mit der Aufstellung heute zu lange gedauert hat, werden die Baracken heute Abend eine Stunde früher verdunkelt. Das war´s! Lassen Sie die Männer wegtreten, Feldwebel!“


    „Jawohl, Herr Hauptmann! Weeeeggetreten!!!“
    Hogan und seine Männer setzen sich auf die Bank vor der Baracke.
    Feldwebel Schultz kommt hinzu.


    „Colonel Hogan, wie könne wir des dammische Arschloch loswerden? I bin freilich kein Freund vom Klink, des wissen´s scho, gell? Aber es war do viel angenehmer, als der Oberst no hier g´wesen is. Stellen´s anner vor, Colonel, der Gruber sagt, er will mi versetzen lassen.“


    „Sie will man uns wegnehmen? Ach, kommen Sie, Schultz.“


    „Es is so, Colonel Hogan. Der Gruber hat mi gestern Abend g´sagt, ich sei zu human zu den G´fangenen und außerdem zu weich und zu lasch für an deutschen Soldaten. Er will mi dahin versetzen, wo ich abgehärtet werden soll. Sie wissen´s wo des is, gell?“


    „Sibirien?“


    „Bittschön, Herr Hogan. Mir is scho ganz kalt bei dem G´danken an diesen Ort. Ham Sie net a Idee, wie wir uns alle retten könner?“


    „Und Klink wiederkriegen?“


    „A schlimmer G´danke. Aber die G´danken an Russland und den Schnee san schlimmer. Aber sagen´s, wie wollen ´se den Oberst zurückbringen? Er soll doch desertiert sein.“


    „Glauben Sie wirklich, dass Klink seinen angenehmen Posten hier aufgeben würde?“


    Schultz schüttelt ungläubig den Kopf.


    „Sehen Sie, ich auch nicht. Ich werde mir etwas einfallen. Tun Sie erstmal weiter Ihren Dienst, damit Gruber nicht noch auf dumme Gedanken kommt.“


    „Ich dank auch schön, Colonel.“
    Und an Hogan´s Männer gerichtet fügt der Feldwebel hinzu: „Des is so a netter Mensch!“


    Schultz nimmt seinen Dienst als Wächter des Stalag 13 wieder auf.


    Die Männer sind wieder unter sich.


    „Haben Sie schon eine Idee?“, fragt Kinch, als er dem Colonel in die Augen sieht.


    „We-wenn er schon so guckt-guckt, dann ha-hat er wieder etwas ausgebrü-brütet.“


    „Isch kriege jetzt schon Angst, mon Colonel.“


    „Stellt euch mal nicht so an. Kann ich irgendwas in die Luft sprengen, Junge…ähm… Sir?“


    „Ca-carter!“


    „Ich will dir nicht zu viel versprechen, Andrew. Aber es könnte sein, dass Du zum Abschluss meines Plans ein Auto sprengen darfst.“


    Der junge Sergeant senkt etwas betrübt den Kopf.


    „Was ist los, Andrew? Ich dachte, du freust dich.“


    „Na ja, schon. Ich habe aber eher an ein Gebäude oder eine Brücke gedacht, Sir.“


    „Beim nächsten Mal, mein kleiner Pyromane“. Der Offizier lächelt und klopft seinem jungen Bombenspezialisten auf die Schulter.


    „Lebeau?“


    „Ier bin isch, mon Colonel.“


    „Du gehst zu Schultz und bestellst ihm, dass er heute Abend in meinem Büro sein soll. Dann werde ich euch von meinen Plan erzählen.“


    Ende des 3. Aktes




    4. Akt


    Oberst Klink befindet sich in einem kellerähnlichen Raum und sitzt zwischen Strohballen und leeren Weinflaschen. Tief in seinen Mantel gehüllt friert der Offizier von Ungewissheit geplagt in diesem kahlen Raum vor sich hin.
    Da öffnet sich das kleine Guckloch in der Tür und ein weibliches Augenpaar schaut hindurch.


    „Ähm, gnädige Frau? Halloooo?“


    „Seien Sie ruhig, Klink!“


    „Ich wollt ja nur ma frachen, wie lang´ Se mich no hier behalten wolln. Ich bin immerhin Offizier der deutschen Luftwaffe und habe Freunde unter den Generälen. Der fette Burkhalter in Berlin wird sicher schon Suchtrupps nach mir ausgeschickt haben, nicha. Also, wann komme ich hier wieder raus?“


    „Das werden Sie schon mitkriegen, Sie Offizier.“


    „Nu, ich mein ja nur, dass es mir hier recht frisch is und Ihre Gastfreundschaft zu wünschen übrig lässt. `Ne Flasche Wein und ´n Sauerbraten wärn fein…och, ich red ja ein Stuss!“


    „So ist es. Wenn Sie nicht umgehend Ihr Maul halten, werden Sie durchlöchert.“


    „Da halt ich lieber die Schnauze! Und durchlöchert zieht ja es nur noch mehr, nicha.“


    „Wenn Sie ruhig bleiben, bekommen Sie auch etwas zu Essen.“


    Die Luke wurde geschlossen und Klink dachte so für sich:


    „Selbst bei der Kalinke, der alten Schlampe, is es komfortabler.“


    Zur selben Zeit in der Kommandantur des Stalag 13.


    „Und Sie wollen mir weismachen, Gruber, dass Oberst Klink über Nacht desertiert sein soll?“


    Der General sitzt in Klinks Stuhl und steht (oder sitzt) vor einem Rätsel.


    „Bestimmt, Herr General. Er gab vor in die Stadt zu fahren und ist nicht zurückgekommen. Vielleicht ist er sogar übergelaufen“, erwidert Hauptmann Gruber.


    „Ich halte es für ausgemachten Schmarrn. Klink ist viel zu feige für so eine Aktion. Und zu dämlich sowieso.“


    „Ach was“, beginnt Major Hochstetter sich einzumischen, „der hat nur all die Jahre so getan. Der ist doch immer auf der Seite von Hogan und seinen Männern gewesen.“


    „Wie auch immer. Ein verschwundener Oberst macht sich in Berlin nicht so gut. Auch wenn´s nur der Klink ist. Vielleicht weiß ja der Feldwebel etwas über den Verbleib von Oberst Klink. Immerhin ist er hier der erste Wachmann und bekommt einiges mit.“


    Gruber und Hochstetter sehen den General mit einem Blick an, der sagt:


    „Es ist Schultz. Seit wann weiß der überhaupt etwas?“


    Der General erkennt den Blick und fügt hinzu:


    „Wir versuchen es trotzdem. Gruber, rufen Sie den Feldwebel herein.“


    Schultz betritt das Büro, baut sich vor dem General auf und salutiert.


    „Feldwebel Schultz, was wissen Sie über den Verbleib Ihres Kommandanten?“


    „Jo, des is so, Herr General. Der Klink wurd vom Gefreiten Langenscheid in die Stadt chauffiert, gell. Nur is der Langenscheid ohne den Klink wiederkumma.“


    „Und hat der Gefreite Langenscheid etwas über den Verbleib des Obersts gesagt?“


    „Er hat g´sagt, dass a Mann und a Weibsbild den Oberst geklaut und mit vorgehaltener Waffe bedroht ham.“


    „Eine Entführung? Warum sollte jemand Interesse am Verschwinden von Klink haben – außer mir selbst?“


    „Das war doch eine Ablenkung, damit es nicht wie Landesverrat aussieht“, echauffiert sich Major Hochstetter gewohnt lauthals.


    „Ich kann Ihre Ablehnung gegen Klink nachvollziehen, Major. Aber das zu beurteilen überlassen Sie gefälligst mir.“


    „Aber Herr General…“


    „Schnauze, Sie Flasche! Ich halte es für richtig, abzuwarten und alle Möglichkeiten zu prüfen.“


    „Dann könnt´s aber zu spät sein“, wendet Feldwebel Schultz ein.


    „Da könnten Sie recht haben, Feldwebel. Nur haben wir im Moment keine andere Wahl. So lange sich nichts Neues ergibt sind uns die Hände gebunden. Aber was haben Sie plötzlich für ein Interesse daran, dass Oberst Klink wieder hier das Kommando hat?“


    „Der Gruber, also der Hauptmann Gruber hat g´sagt, dass er mi an die Ostfront schicken wui.“


    „Mit welcher Begründung wollen Sie den Feldwebel versetzen lassen, Gruber?“


    „Nun, Herr General. Ich habe…ich wollte…ich…ich…“


    „Halten´s de Goschen, Sie Trottel. Ihr Gestammel genügt als Antwort.“


    „Der Herr Hauptmann meint, i sei als deutscher Soldat zu weich und für a Wachen zu human und net hart genug zu den G´fangenen.“


    „Das stimmt ja wohl auch“, meint Hochstetter, „Sie haben zu lang unter Klink gedient. Und das merkt man auch. Sie sind genau so unfähig wie dieser Vollpfosten von Oberst!“


    „Es reicht, Major!“, befiehlt der General. „Sie haben auch nicht mehr in Ihrem Kopf.
    Außerdem spricht für Klink, dass hier bisher keinem Gefangenen die Flucht geglückt ist – was er ja auch bei jeder Gelegenheit erwähnt.“


    „Was werden wir jetzt tun, General?“


    „Sie unternehmen gar nichts, Major. Das ist eine Angelegenheit der Luftwaffe.
    Ihr SS-Penner haltet´s euch gefälligst raus! Hauptmann Gruber wird hier vorläufig das Kommando weiterführen.“


    Burkhalter wendet sich Gruber: „Und Feldwebel Schultz bleibt hier weiterhin der oberste Spieß der Wachmannschaft. Ist das klar, Hauptmann?“


    „Völlig klar, Herr General.“


    „Ich werde vorerst Klinks Privatquartier beziehen. Und Sie, Hochstetter, Sie verpissen sich mit ihren schwarzen Saftsäcken aus meinem Dunstkreis, nicha…. Ich sitze wohl schon zu lange hinter Klinks Schreibtisch.“


    Ende des 4. Aktes



    5. Akt


    Die Helden sind bereits in Hogans Büro versammelt, als Feldwebel Schultz den Raum betritt.


    „Ah, Sie sind´s Schultz. Nehmen´se Platz.“


    „Was machen wa denn jetzt wegen dem Gruber und dem Klink?“


    „Zunächst mal müssen wir herausfinden, was mit Klink ist. Gruber ist erstmal zweitrangig. Mir gegenüber hat Gruber verlauten lassen, dass er sehr bald hier das Kommando haben wird. Also muss er es gewusst haben. Und daraus müssen wir schließen, dass er selbst hinter dieser Aktion steckt. Als Helfer kommen dabei nur Leute infrage, denen er blind vertrauen kann. Nähere Verwandtschaften sind doch euren Personalakten vermerkt, oder Schultz? Können Sie die Akte von Gruber beschaffen?


    „Ja leicht. Der Hauptmann wui sich mit dem General wieder gut stellen und hat ihn zum gemeinsamen Dinner überredet.“


    „Gut. Sobald wir die Namen und Adressen der nächsten Angehörigen haben brauchen wir ein paar Uniformen. Newkirk? Lebeau? Was würdet ihr uns empfehlen?“


    „SS oder Luftwaffe?“


    „Was hat denn gerade Saison?“


    „Z-z-zur ist ein Ma-major von der Lu-luftwaffe sehr beliebt. Da-dazu empfehlen wir dem Mann von Welt ei-ein oder zwei Gefreite als Lau-laufkundschaft.“


    „Okay, dann gehe ich mit Newkirk und… Ich brauche noch einen Deutschen.“


    „Wie wäre es mit mir?“ – lächelt Kinch.


    „Zu arisch, zu bayrisch. Da werden sie misstrauisch. Lebeau, du kommst mit.“


    „Oui, mon Colonel.“


    „Schultz, Sie müssen uns mit einem Wagen vor der Baracke abholen.“


    „Und was machen ich und Kinch, Sir?“, fragt Carter scheinbar etwas betrübt.


    „Zunächst stellst du erstmal ein schönes Bömbchen her – mit Zeitzünder. Sobald wir Klink haben, geben wir euch über Funk Bescheid. Dann geht ihr maskiert und in SS-Uniform zu Gruber und verhelft… nein…besser…treibt ihn zur Flucht. Sagt ihm, der Plan sei aufgeflogen und er müsse fliehen, da er sonst von einem Kriegsgericht verurteilt wird.“


    „Alles klar, Colonel. Aber was machen wir, wenn er trotzdem nicht will?“


    „Dann müsst Ihr euren freundschaftlichen Absichten mit der Aussicht auf eine Tüte Blei etwas Nachdruck verleihen. Aber zunächst muss Schultz erstmal Grubers Akte herholen.“


    Schultz schaut ziemlich verdutzt in die Runde.


    „A-alles in Ordnung, Sch-Schorschi?“


    „I krieg doch kane Schwierigkeiten, oder Colonel?“


    „Sie müssen uns nur hier herausfahren. Alles andere machen wir dann schon.“


    „Und Sie versuchen´s net zu fliehen, gell?“


    „Unser Ehrenwort, Schultz. Wir werden zusammen mit Ihnen und vollzählig hierher zurückkehren.“


    „Ja mei, da bin i aber froh. Sie san ein so netter Mensch!“


    Ende des 5. Aktes



    6. Akt


    General Burkhalter und Hauptmann Gruber sitzen in Klinks Wohnung beim Abendessen. Feldwebel Schultz kommt mit einem kleinen Truppen-LKW vor Baracke 2 vorgefahren.
    Hogan in Uniform eines Luftwaffen-Majors besteigt den LKW. Ihm folgen die „Gefreiten“ Newkirk und Lebeau.


    Der Feldwebel konnte Grubers Personalakte entwenden. Darin stand, dass Gruber eine Schwester namens Martha Holzer im nahegelegenen Stuttheim hat, die dort mit ihrem Mann Heinrich ein Weingeschäft betreibt und ausserhalb der Stadt auf einem kleinen Bauernhof bewohnt.


    Also setzt sich der Wagen mit Schultz und den drei Helden in Bewegung in Richtung des kleinen Hofs außerhalb von Stuttheim.
    Nach einer Fahrt von etwa 20 Minuten passiert der LKW das Tor des Hofes und fährt den Weg entlang bis zum Haupthaus.


    Hogan und seine zwei Begleiter steigen aus dem LKW. Der Colonel (nun Major) gibt Schultz zu verstehen, er solle in etwa 30 Meter Entfernung warten.
    Klopfen an der Tür.
    Die Frau öffnet nach dem dritten Klopfen.


    „Ja, bitte?“


    „Frau Martha Holzer? Ich bin Major Hodenkneifer.““


    „Was will denn das Militär von mir?“


    „Wir haben Hinweise, dass Ihr Bruder, Hauptmann Fritz Gruber, alliierten Kriegsgefangenen zur Flucht verhilft und sie hier bei ihnen versteckt hält. Deshalb müssen wir ihr Haus durchsuchen.“


    „Das ist ja lächerlich. Sie durchsuchen hier gar nichts.“


    „Frau Gruber, wir sind hier auf direkten Befehl von Hermann Göring. Finden Sie den auch lächerlich.“


    „Mir egal. Sie kommen hier nicht rein.“


    Kaum hatte sie diese Worte ausgesprochen, schiebt Hogan sie zurück ins Haus. Lebeau und Newkirk folgen auf dem Fuße.


    „Sie dürfen hier nicht…. Heinrich! Komm schnell!“


    Heinrich Holzer erscheint umgehend im Flur.


    „Was hat das zu bedeuten? Wer sind sie?“


    „Sondereinheit der Luftwaffe. Wir sind hier im Auftrag von Hermann Göring. Hausdurchsuchung!“


    „Und was suchen Sie?“


    „Das habe ich ihrer Frau bereits gesagt. Lebermann, Sie passen auf, dass die Zwei nicht stiften gehen. Neukirch, Sie kommen mit mir. Wir fangen im Keller an.“


    Lebeau alias Gefreiter Lebermann bleibt mit gezogener Pistole bei dem Ehepaar.
    Newkirk alias Gefreiter Neukirch folgt Hogan in den Keller.
    An einer großen, schweren Tür mit Guckloch kommen die Beiden zum Stehen.


    Hogan öffnet die Luke und entdeckt den Oberst. Zusammengekauert in einer Ecke des kühlen Raumes.


    „Herr Oberst?“


    Klink schaut völlig verdutzt, als er das Gesicht des Colonels in Luftwaffenuniform erblickt.


    „Hogan, was machen Sie denn außerhalb der Baracken? Und was machen Sie außerhalb des Lagers?


    „Hab mich gelangweilt. Da wollte ich mir mal ihr Feriendomizil ansehen.“


    „Wissen Sie eichentlich, dass ich sie wegen der Uniform als Spion erschießen lassen könnt?“


    „Gut, dann gehe ich eben wieder.“


    „Nu, nich so schnell, nicha. Wollen´se mich nich vorher hier rausholen?“


    „Na gut. Newkirk, mach mal das Vorhängeschloss auf.“


    „Mi-mit Vergnügen. Ha-hallo Oberst!“


    „Der Stotterer is och hier? Das halbe Lager is ja hier. Wer denn nu noch?“


    „Lebeau ist noch oben. Schultz wartet draußen.“


    Mittlerweile hat der Engländer das Schloss geknackt.


    „Kommen Sie, Klink. Jetzt nichts wie raus hier.“


    Die Drei kommen zurück in den Flur.


    „Etwa 30 Meter vorm Haus wartet Schultz mit einem LKW“, flüstert Hogan dem Oberst zu.


    Klink verlässt schnellen Schrittes dieses Haus.


    „Lebeau. Newkirk. Fesselt die Zwei.“


    „Wie war das? Lebeau? Newkirk? Das sind doch keine deutschen Namen. Sie sind ja nicht einmal Deutsche. Was soll das hier?“


    „Und knebeln. Sie quatschen mir zuviel. Der Untergrund wird die Beiden abholen.“


    Gesagt. Getan.


    Wieder vor der Haustür gibt Hogan Kinch und Carter über Funk das Zeichen, dass der zweite Teil des Plans jetzt beginnen kann.


    Stalag 13.


    General Burkhalter hat das Lager inzwischen verlassen.
    Carter und Kinch betreten in SS-Uniform und mit schwarzen Tüchern überm Kopf Klinks Wohnung, in der momentan noch der Hauptmann residiert.
    Die beiden Amerikaner platzen in die Wohnstube.


    „Hände hoch!“


    „Was hat das zu bedeuten?“


    „Maul halten!“, befiehlt Carter. „Wir sind enge Vertraute Ihres Schwagers. Ihr Plan, hier Klinks Posten einzunehmen, ist fehlgeschlagen, alter Junge… ähm Hauptmann.“


    „Wir sind hier um Ihnen bei der Flucht zu helfen“, fährt Kinch fort.


    „Ich fliehe aber nicht.“


    „Wollen Sie lieber vor ein Kriegsgericht und nach der Verhandlung erschossen werden?“


    „Die Luftwaffe ist dahinter gekommen, dass Sie Oberst Klink haben entführen lassen. Er wurde bereits befreit und ist auf dem Weg hierher“, erklärt der dunkelhäutige Sergeant.


    „Dann wird es wohl besser sein, wenn ich verschwinde.“


    „Fahren Sie nach Stuttheim zum Geschäft ihrer Schwester. Dahinter wird sie jemand treffen, der sie in die Schweiz bringt. Vor der Tür hier steht ein Wagen für sie bereit.“


    „Kann ich mit dem Wagen auch möglichen Verfolgern entkommen?“


    „Dieser Wagen“, meint Carter, „ ist ein echter Knaller!“


    Gruber steigt in den Wagen und fährt zum Haupttor hinaus.


    Carter und Kinchloe entledigen sich der SS-Uniformen und warten im Hof auf die Ankunft von Hogan und der Anderen.


    Ca. 2 Minuten, nachdem Gruber das Lager verlassen hat, passiert auch schon der LKW das Lagertor.


    „Hat alles geklappt? Hat Gruber das Lager verlassen?“


    „Es ist alles nach Plan gelaufen, Colonel“, erwidert Kinch.


    „Und gleichen erleben wir die Uraufführung des „Fliegenden Hauptmanns“.
    Und zwar genau in 5…4…3…2…1…Jetzt!“


    Nichts passiert.


    „Carter, hast du auch den Zünder richtig eingestellt?“


    Der junge Sergeant guckt etwas verunsichert.


    „Oh Ma-mann, A-Andrew! Ma-manchmal bist du dä-dämlich wie ein Liegestu-stuhl auf einem Misthaufen u-und…“


    BBBBBBOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOMMMMMMMMMMM!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!


    In einiger Entfernung gab es eine gewaltige Explosion.
    Die Zeitbombe in Grubers Wagen ist genau dann explodiert, als er gerade über die Brücke nach Stuttheim fuhr.


    „Ich muss wirklich mal neue Batterien in meine Uhr einsetzen“, meint Carter.


    Ende des 6. Aktes



    Nachsatz


    „Herein!“


    Colonel Hogan betritt am Morgen darauf das Büro des Kommandanten.


    „Sie wollten mich sprechen, Klink.“


    „Nehmen´se Platz, Hogan. Des war ein ziemlich riskantes Ding, dass Sie da durchjeführt ham. Hätten die SS oder die Gestapo und erwischt, hätten wir alle erschossen werden können, nicha. Ich möchte nu Ihre Version hörn, Hogan. Wer hatte diese – zugegeben – geniale aber och unglaublich beknackte Idee zu diesem Plan?“


    „Ich habe Schultz davon erzählt, was Gruber mir gegenüber erwähnt hat. Dass er bald hier das Kommando hat und so. Schultz dachte, eine Entführung kommt nur mit der Hilfe von Leuten infrage, denen man vollends vertraut. Er hat herausgefunden, dass Gruber eine Schwester hat. Und da Grubers Schwester die Wächter von hier kennen könnte, dachte sich Schultz, dass er mit uns besserer Chancen auf Ihre Rettung hätte. Also gab er uns Uniformen und… Den Rest der Geschichte kennen Sie ja.“


    „Hörn´se auf. Schultz hat mir gestern Abend schon erzählt, dass der Plan von Ihnen ausging.“


    „Nun, aber es gehörte für Schultz viel Mut dazu, diesen Plan mit uns durchzuziehen.“


    „Nu ja, deshalb habe ich unserer Weischwurscht auch bis morgen Abend frei gegeben, nicha“, sagt der Offizier mit einem Grinsen.


    „Ein feiner Zug von Ihnen, Klink.“


    „Aber was in diesen Gruber gefahrn is? Ich hab seine Karriere gemacht. Und so dankt er´s einem. Aber ich konnte ihn nie besonders leiden. Undank is der Welt sein Hohn, oder so ähnlich. Vors Gericht hätte er gehört, nicha. Aber wieso ausgerechnet dann die Brücke gesprengt wird, während er hinüberfährt?“


    „Vielleicht Sabotage.“


    „Hm, das könnte sein. Mieser Sack!“


    Hogan ist im Begriff zu gehen.


    „Ach, Hogan?“


    „Ja, Klink.“


    „Sachen ´se och Ihrn Männern „Vielen Dank!“. Und am Wochenende gibt es abends zwei Stunden länger Licht, für Jeden eine Scheibe Weißbrot extra und am Samstag können´se ihr großes Baseballspiel auf´m Hof abhalten, nicha.“


    „Da werden sich meine Männer aber freuen. Danke, Herr Oberst.“


    „Ich danke Ihnen, mein Freund.“


    Die beiden Offiziere salutieren und der Amerikaner verlässt das Büro.
    Und Oberst Klink ist wieder einmal froh und erleichtert, einen weiteren Kriegstag überstanden zu haben, ohne erschossen zu werden.


    ENDE

  • Wow! Eine ziemlich gute Geschichte - du hast echtes Schreibtalent. Ich persönlich hätte noch sehr gerne mehr über die Wohnung oder den privaten Lebensraum des Protagonisten erfahren weil es Charaktertiefe gibt aber die Geschichte ist so auch wirklich sehr gelungen!