Wölfe im Bleigewitter

  • Soooo.
    Ich möchte mal hier meinen Roman rein stellen.
    Er heißt, wie das Thema schon heißt, "Wölfe im Bleigewitter".


    Dieser Roman stellt die Aufzeichnung eines deutschen Soldaten dar. Alles. Von seiner
    Einberufung über seinen Kampfeinsatz an der russischen Front, bis hin zu seinem Tod.


    Dies ist ein Roman GEGEN Krieg. genauso wie mein Bild "Der soldat ohne Gesicht"


    Sämtliche Personen und Ereignisse in dieser Geschichte sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit
    lebenden oder verstorbenen Personen (falls so was vorkommt) ist rein zufällig und nicht
    beabsichtigt.


    @ dirk, Mods: Falls was geschnitten wird, bitte die betroffene Stelle mit "*Schnitt*" versehen.
    Danke.



    OK, fangen wir mit Kapitel 1 an...


    P.s.: würde mich über Kommis freuen.
    Danke


    Anm.: Wer hieraus klaut, KRIEGT TIERISCH AUF DIE SCHNAUZE!




    Kapitel 1



    Damals sah ich ein Werbeplakat, auf dem stand: „Heilkräuter für die Gesundheit“. Darunter stand in krakeliger Handschrift: „Heil Hitler zum kotzen“.
    Mittlerweile denk auch ich so darüber. Mein Name ist Erwin Böhringer. Ich bin einer von vielen deutschen Wehrmachtssoldaten. Unsere Abteilung, die 174. Infanteriedivision hatte den Spitznamen „Die Wölfe“.


    Ich saß in einem Güterzug, vollgestopft mit meinen Kameraden. Wir wurden zur Front gebracht. Keiner wusste, wo wir hin fahren, bis uns der Herr Hauptmann nach etwa 20 Kilometern mitteilte: „Es geht nach Stalingrad, meine Herren“. Das Gejubel war riesengroß. Der Herr Hauptmann steckte sich eine Zigarette an. Er wirkte nachdenklich. Ich saß mit meinen Freunden am Tisch. Wir spielten Karten, tranken unser Bier, erzählten uns die neusten Witze und lachten fröhlich.
    Der Herr Hauptmann gesellte sich zu uns an den Tisch. „Ah, guten Tag, Herr Hauptmann“ sagte Friedrich mit äußerst fröhlichem Ton. „Denen werden wir’s zeigen, Soldaten.“ Sagte der Offizier. „Wollen sie auch ein Bier?“ fragte Heinrich. „Nein, Danke, Obergefreiter“ erwiderte der Hauptmann.


    „Seht!“ sagte Heinrich mit äußerst traurigem Unterton „Das wird vielleicht das letzte Mal sein, dass wir unsere Heimat sehen“. Er sah mit wehmütigem Blick aus dem Fenster.
    „Kopf hoch!“ Erwiderte ihm der Hauptmann „Wir werden schon wieder nach Hause kommen, Obergefreiter. Machen sie sich keine Sorgen. Diese kleine Stadt haben wir in 2 Wochen eingenommen und dann geht’s wieder nach Hause“
    Heinrich lächelte.
    „Der Herr Hauptmann hat Recht, Heinz. Wir nehmen diese popelige Stadt ganz schnell ein und dann verschwinden wir wieder nach Hause“ stimmte ich dem Offizier zu.
    „Danke, aber trotzdem hab ich da so ein Gefühl...“
    „Prost und halt die Klappe!“ sagte Müller und warf ihm eine Flasche Bier zu.
    „Wollen wir singen?“ fragte Friedrich
    „Ja!“ sagten wir alle am Tisch im Chor. Nur der Herr Hauptmann nicht.
    Friedrich stimmte das Horst-Wessel-Lied an und der ganze Tisch sang im Nu mit.
    Kaum 10 Sekunden später sang es der ganze Zug im Chor. Es klang schön.
    Als wir fertig mit dem Lied waren, erhob sich Friedrich und brüllte einmal laut: „Prost, ihr Säcke!“
    „Prost, du Sack“ rief der ganze Zug zurück. Ein riesen Gejubel brach los.


    Wir waren 8 Stunden unterwegs. Wir waren da. Mit kreischenden Bremsen hielt der Zug an. Einheitlich traten wir aus den Waggons. Endlich waren wir da. Als wir dann in die zerstörte Bahnhofshalle gingen, verging vielen von uns das Lachen. In der Bahnhofshalle lagen etwa 400 verwundete Kameraden. Einige davon tot. Entsetzt sah ich sie mir an und betete zu Gott, dass uns so was erspart bleiben würde.
    Der Anblick war einfach grauenvoll. Noch nie sah ich solch etwas schreckliches.
    Die Verwundeten stöhnten vor Schmerz. Klaus hielt sich die Ohren zu und weinte vor Mitleid. Müller übergab sich. Wir kamen an den Ärzten vorbei. Ihre weißen Kittel waren so mit Blut verschmiert, dass sie schon nicht mehr weiß, sondern nur noch scharlachrot waren.
    Ein Verwundeter hielt mich am Bein fest. Ich hielt inne. Er hatte nur noch den einen Arm. Dieser war furchtbar verbrannt. Der andere war weg. Auf seinem Bauch war ein dicker Verband. Er war vom Blut ganz rot gefärbt. Seine Uniform war zerfetzt, sein Gesicht blutüberströmt.
    „Kamerad“ ächzte der Mann mit schwacher Stimme. Er sah mich flehend an und zeigte auf meine MP 40 „Erschieß mich!“.
    Ich tat es nicht und ich wendete mich von ihm ab. „Bitte!“ krächzte mir der Verwundete aus letzter Kraft hinterher.
    „Na, schei**e!“ sagte Müller „Diese armen Schweine“
    Ohne weitere Worte zu sagen gingen wir weiter.


    Als wir das Bahnhofsgebäude verließen, bot sich uns ein Anblick, der erschreckend fürchterlich war und mir wirklich das Blut in den Adern gefrieren ließ...



    Kapitel 2



    Es war fürchterlich. Die gesamte Stadt war restlos zerstört. Hier brannte ein Haus, da ein Trümmerhaufen und das schlimmste: Alles lag voller Leichen. Kameraden, Russische Soldaten, Zivilisten, Frauen, Kinder,...
    Ein Meer von Blut ergoss sich über der Straße. Über und über voll mit Leichen ohne Arme, Beine, Köpfe. Lose Innereien lagen überall verstreut. Ich musste mich übergeben.
    Müller sah mich an: „Schöne schei**e! Das darf doch nicht wahr sein!“
    „Mein Gott! Das ist nicht Stalingrad, Das ist die Hölle“ mischte sich Klaus mit ruhiger Stimme ein.
    „Ruhe jetzt!“ unterbrach der Hauptmann „Wir sind nicht hier, um Mitleid zu haben, wir sind hier, um zu töten. Unser erstes Ziel, das wir unbedingt einnehmen müssen, ist das Theater. Dort werden wir die Nacht drin verbringen!“
    Müller entgegnete: „Aber, Herr Hauptmann bei allem Nöti...“
    „Fresse, Müller“ fiel ihm der Hauptmann ins Wort „Das Theater ist in etwa 4 Straßen weiter weg von hier entfernt. Wenn wir nicht erfrieren wollen, müssen wir dieses verdammte Gebäude einnehmen! Also: Mir nach, Männer!“
    Müller grummelte noch etwas unverständliches und dann war für eine Weile Ruhe. „Aufpassen! Es wird nicht geschossen! Wir wollen ja nicht entdeckt werden!“ brüllte der Hauptmann in die Reihen. Alle antworteten einheitlich mit einem „Jawohl, Herr Hauptmann!“ und dann marschierten wir vorsichtig los, bis wir nur noch eine Straße weit entfernt waren.
    „Feldwebel Böhringer, sie nähern sich mit Ihren Leuten von Links. Unteroffizier Emigholz wird mit seinen Leuten rechts ein Ablenkungsmanöver abziehen. Sie werden den LKW da in die Luft sprengen und dann nur zur Ablenkung in die Luft feuern. Das dürfte das Augenmerk der Russen auf Emigholz lenken. Also, Los!“
    So wendete ich mich an meine Mannschaft: „Hört mal. Emigholz wird dort drüben gleich ein Ablenkungsmanöver abziehen. Wir kommen dann unbemerkt von links und überraschen sie dann. Es könnte sein, dass trotzdem ein paar noch auf links aufpassen. Müller, falls Du sie mit deinem Fernglas siehst, erledige sie mit deiner Mauser und wir stürmen sie dann mit dem Rest des Teams. Klaus geht mit dem Flammenwerfer voraus. Alles klar soweit?“
    „Jawohl, Herr Feldwebel“
    „Gut.“
    Kaum 20 Sekunden später rummste es. Man hörte den Schusswechsel zwischen MP 40 und AKs.
    „Müller“
    „Ich seh da einen. Den mach ich platt!“
    Man hörte das laute Krachen der Mauser und Müller sagte: „Er ist weg!“
    „Dann los!“
    Ich gab meinen Männern das Zeichen und wir rannten los. Sofort wurde das Feuer auf uns eröffnet. Es waren zu viele. „In Deckung!“ Schrie ich aus voller Kehle. Ich warf mich mit Friedrich hinter eine zertrümmerte Mauer. MP 40er knatterten, AKs krachten. Die Schmerzensschreie meiner Kameraden, die es erwischte. Als ich mich traute, linste ich über die Mauer hinweg. Gerade in diesem Moment sah ich, wie Klaus eine Kugel traf. Sie traf ihn durch die Schulter durch. Er hielt sich die Hand dran und sein Gesicht verzog sich vor Schmerzen. Er ging langsam auf die Knie. „Klaus!“ schrie ich entsetzt, wollte ihm zur Hilfe eilen, da hielt mich Friedrich am Ärmel fest. „ Nein, Erwin, Nein. Bleib hier, sonst erwischt es dich auch!“ schrie er mich an. Ein weiterer Schuss traf Klaus. Dieser traf ihm am Kopf. Der Helm flog weg und über das Gesicht von Klaus rann hellrotes Blut. Ihm war nicht mehr zu helfen. Ihm, meinem besten Freund, mit dem ich zusammen aufwuchs. Wir gingen in die selbe Schule, waren in der selben Hitlerjugend, gingen zur selben Einheit. Ich vergrub mein Gesicht in meinen Händen und begann zu weinen. Friedrich klopfte mir auf die Schulter.
    „Kopf hoch, mein Freund, das wird schon wieder!“ sagte er mit beruhigender Stimme.
    „Gib mir das Feldtelefon!“ erwiderte ich.
    Friedrich gab mir das Feldtelefon, am anderen Ende war der Herr Hauptmann.
    „Herr Hauptmann“
    „Ja, Feldwebel?“
    „Sie scheinen und bemerkt zu haben. Wir liegen unter schwerem Beschuss! Ich wiederhole: Wir liegen unter schwerem Beschuss!“
    „Verdammt!“
    „Was sollen wir machen, Herr Hauptmann?“
    „Nehmen sie dieses verdammte Theater ein!“
    „Aber wie denn?“
    „Lassen sie sich was einfallen!“
    „Jawohl, Herr Hauptmann!“
    Ich legte den Hörer wieder in die Gabel. schei**e. Was sollte ich machen?
    „Rauchgranaten!“ brüllte ich aus vollem Halse.
    Wenige Sekunden später nahmen Heinrich und Friedrich ihre Rauchgranaten, zündeten sie an und warfen sie mit voller Wucht nach vorne. Kurz darauf zeigten sie ihre Wirkung. Zwei dicke weiße Rauchwolken bildeten sich. Jetzt hieß es: Improvisieren...



    Kapitel 3



    Wir hatten Glück.. Friedrich traf mit seiner Rauchgranate genau die Eingangstür. So könnten wir fast unbemerkt eindringen. Wir mussten es versuchen.
    „Los, Los, Los“ gröhlte ich.
    Wir stürmten los in den dichten Rauch. Die Straße war voll von den Leichen meiner Kameraden. Als ich an der Leiche von Klaus vorbei lief, bekam ich Tränen in die Augen. Ich blieb stehen.
    Sein Gesicht war vollkommen entstellt. Es war vor Schmerz verzogen. Es war über und über voller Blut. Das Licht seiner Augen: erloschen. Er lag in einer Pfütze seines eigenen Blutes. Ich fing wieder an zu weinen. „Mach’s gut, mein Freund!“ verabschiedete ich mich und lief weiter, denn genau jetzt war der falsche Zeitpunkt für Trauer. Ich tauchte in den Nebel ein, meine MP 40 im Anschlag, bereit, um zu töten.
    Ich ging freiwillig vor. Als ich dann an der Tür ankam, stand ich zum ersten Mal einem Russen Auge in Auge gegenüber. Er sah mich überrascht an und war vor Angst gelähmt. Ich auch.
    Dann kam Friedrich und feuerte ohne zu zögern auf den Russen los. Er durchbohrte ihn mit einer Salve seiner 7,92mm-Kugeln aus seiner FG 42. Er durchlöcherte seinen Bauch. Der Russe stöhnte vor Schmerz auf, verzog sein Gesicht. Blut strömte aus seinem Mund und aus seinem Bauch. Er ging zu Boden, wo er liegen blieb und vor Erschöpfung röchelte. Ich übergab mich.
    „Alles in Ordnung?“ fragte mich Fritz.
    „I-Ich ha-hab m-mir in die Hose geschissen.“ Stotterte ich heraus. Und das war auch tatsächlich wahr.
    „Kopf hoch, Erwin. Das ist normal. Du standest dem Russen von Angesicht zu Angesicht gegenüber.“
    Da kamen auch schon die Anderen durch den Nebel. Jetzt waren wir drin. Jetzt hieß es: säubern. Wir standen an einer Gabelung.
    „Heinrich, Meier, Kohlmann, ihr erkundigt den linken Gang. Friedrich, Müller und ich gehen rechts rein. Der Rest bleibt hier. Knallt alles ab, was sich bewegt! Ihr, die da bleibt sichert die Stellung. Falls ihr eine Schießerei hört, eilt die Hälfte von euch zur Hilfe. Verstanden?“ gab ich die Order.
    „Jawohl, Erwin!“ gaben alle zurück. Ich hatte ihnen erlaubt, mich Erwin zu nennen, da so eine regelrechte Freundschaft bestehen kann.
    Heinrich, Meier und Kohlmann gingen los mit ihren MP 40 und FG 42 im Anschlag. Entsichert und geladen.
    Gerade wollten wir den rechten Gang nehmen, da kamen 4 Russen um die Ecke gerannt.
    Eine Schießerei brach los. Eine Kugel streifte meinen Arm. Vor Schmerz schrie ich auf. 2 Russen schoss ich nieder. Fontänen von Blut sprühten aus ihren Körpern. Sie schrien zum Gott erbarmen. Aus Mitleid begann ich zu weinen. Ich wollte so was nie. Ich wollte nie jemandem weh tun. Ich wollte nie jemanden mit 9mm-Kugeln zerreißen.
    Die Anderen beiden erledigten Friedrich mit seiner FG 42 und Sander mit seiner Luger. Schmerzensschreie. Die Schreie der Sterbenden.
    Ein rötlicher Nebel lag in der Luft. Es roch nach Blut. Ein widerlicher Geruch.
    „Mann getroffen!“ schrie Dillschneider „Mann getroffen!“...



    Kapitel 4



    Sofort drehte ich mich um.
    Es war Müller. Ihn hat es erwischt. Warmes Blut quoll aus Wunden in seinem Bauch und seiner Brust. Er schrie vor Schmerz.
    „ schei**e!“ dachte ich.
    Es war kein Sanitäter dabei. Wir konnten nicht zurück zu den Anderen, denn wir hatten unsere einzigen Rauchgranaten schon benutzt. Aber wir konnten Müller jetzt nicht im Stich lassen. Bevor wir ihn zu einem Sanitäter bringen könnten müssten wir zuerst das Gesamte Gebäude säubern. Wir mussten uns was einfallen lassen. Aber schleunigst, sonst ist es mit Müller aus.
    „Bleib ruhig, Müller!“ Versuchte ich ihn zu beruhigen „Das kriegen wir schon wieder hin, keine Angst!“.
    „Ich will nicht sterben!“ sagte er ganz unruhig. Er schrie weiter.
    „Du wirst nicht sterben!“ erwiderte ich.
    Ich zog meine Jacke aus und band diese um Müllers Bauch. Dann nahm ich seinen Koppel und zurrte diesen über der Jacke zu, um die Wunde abzudrücken, um die Blutung ein wenig zu stillen. Als ich den Koppel zu zog, schrie Müller noch lauter und grausamer als zuvor. Aber nur für kurz.
    „Das dürfe fürs erste reichen, mein Freund. Mehr kann ich im Moment nicht für dich tun. Tut mir leid...“ sagte ich ganz sachte zu ihm.
    „Sander, Klöppler, Meurer, ihr passt auf ihn auf. Egal, was passiert. Haltet ihn wach. Er darf nicht einschlafen, verstanden?“
    „Jawohl, Erwin!“
    „Gichthofen, du kommst an Müllers statt mit.“
    „Jawohl!“
    „Dann wollen wir mal weiter erkundigen.“
    Friedrich, Gichthofen und ich marschierten los in den rechten Gang.
    Es war etwas dunkel. Der Gang war schmal. Eiserne Ritterrüstungen und scharlachrote Vorhänge zierten die Wände.
    Ich bekam richtig Angst bei dem Gedanken, dass hinter jedem Vorhang, in jeder Ritterrüstung ein Russe stecken könnte, der nur auf uns wartet. Wir schauten hinter jeden Vorhang und in jeder Rüstung um uns da sicher zu sein. Wir fanden nichts. Keinen Russen, der nur darauf wartete, uns mit seiner AK zu durchsieben. Kein Russe, der mit dem Messer in der Hand nur wartete, um uns alle niederzustechen.
    Es war ruhig. Viel zu ruhig.
    Ich weiß nicht, aber irgendwie lag hier ein seltsamer Gestank in der Luft. Es roch nach faulen Frikadellen. Ein widerlich süßlicher Gestank, der selbst den stärksten Mann umhaut.
    „Riecht ihr das?“ fragte ich leise.
    „So riecht nur ein verwesender Körper“ Entgegnete Gichthofen
    „Woher weißt du das?“
    „Ich fand einst eine tote Katze bei uns im Keller und die hat genauso gestunken.“
    „Ach so! Dann verstehe ich...“
    „Still!“ unterbrach Friedrich „Ich höre da was!“
    Ich spitzte meine Ohren. Tatsächlich war da was. Es waren Russen. Sie sprachen miteinander. Und die Stimmen kamen immer näher. Jetzt waren wir erledigt. Einer musste schnell zurücklaufen und die andern holen.
    „Gichthofen! Lauf zurück und hol schnell die Anderen. Los, Junge lauf!“ flüsterte ich Gichthofen leise zu.
    Ohne ein weiteres Wort zu sagen lief er los.
    „Wir müssen uns schleunigst verstecken, Friedrich! Schnell, hinter die Vorhänge!“
    Wir versteckten uns schnell hinter den Vorhängen.
    Die Russen, sie kamen immer näher und näher. Schließlich gingen sie an uns vorbei, Richtung Ausgang. Durch einen klitzekleinen Spalt im Vorhang sah ich sie. Es waren 6 Russen.


    Da kam auch schon Gichthofen mit den anderen. Ein riesiges Geballer brach los.
    Schreie.
    Friedrich und ich kamen hinter den Vorhängen hervor, um die Russen auch noch zu überraschen. Wir feuerten, was das Zeug hielt. Ein Schuss streifte mein Bein.
    Ein rasender Schmerz pochte an der Stelle, wo die Kugel vorbei streifte. Blut rann aus der Wunde.
    Schreiend feuerte ich wie wild auf die Russen los.
    Ich sah aus den Augenwinkeln, wie eine Kugel durch den Kopf eines Kameraden sauste. Schmerzensschreie, die mein Herz wieder bluten ließen. Ich wollte das nicht. Man zwang mich dazu. Der Staat zwang mich zu diesen Greueltaten.
    5 Russen waren schon tot. Einer war noch. Auch dieser fand sein Ende. Eine Salve von Kugeln durchbohrten seinen Bauch. Sein Gesicht verzog sich zu einem Gesichtsausdruck, der mir wirklich weh tat. Man sah in seinem Gesicht das Leid, das er ertrug. Blut sprudelte aus seinem Mund. Er ging mit einem schmerzerfüllten Ächzen langsam zu Boden...

    Dort wo meine Wiege stand da ist mein Heimatland
    Das Reihenhaus mit Schrebergarten wo meine Frau und Kinder warten
    Hier wo die Eisenkreuze sprießen werd ich heiß mein Blut vergießen
    Wo statt Ehre Wahnsinn ich fand, werde fallen hier im Feindesland

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  • Kapitel 5



    Wieder übergab ich mich. Vor meinen Füßen ein Meer aus Blut. Auf dem Boden Gesichter. Schmerzverzerrte Gesichter. Die Gesichter der Toten. Blut an meinen Händen. Blut an meiner Uniform. Blut an den Uniformen meiner Kameraden. Blut, das die Uniformen der Toten langsam rot färbt. Blut, das aus frischen Wunden strömt.
    Ich sah nach meinem Bein, das gerade eben getroffen wurde. Es blutete immer noch. Warmes Blut rann mein Bein herunter. Ich riss ein Stück von den Gardinen ab. Ich krempelte das Hosenbein hoch und band es um mein Bein. Um die Stelle, die blutete. Langsam krempelte ich das Hosenbein wieder herunter. Denn, hätte ich das Stück Gardine über meine Hose gebunden, würde ich schnell wegen dem Scharlachroten Stück Gardine zur Zielscheibe werden.
    Ich drehte mich zu meinen Kameraden. Ihre Gesichter waren vor Angst entstellt. Ihnen stand die pure Angst in den Augen geschrieben.
    Nur nicht bei Menninger. Ihm stand ein krankhaftes Grinsen im Gesicht. Als würde es ihm Spaß machen. Als hätte er Freude am Töten.
    Jeder hatte Angst. Auch ich.
    Ich fasste in meine linke Koppeltasche und nahm eine Zigarette hervor. Ich steckte sie an und fing an, die Zigarette zu rauchen. Zug um Zug wurde sie immer kleiner. Meine Hände zitterten stark. Meine Kameraden zitterten. Minuten vergingen. Wir sahen einander entsetzt an. Als meine Zigarette schon halb geraucht war, schaffte ich es endlich, ein Wort heraus zu bringen.
    „Wie geht es Müller?“ stotterte ich heraus.
    Sander sah mich an. Er sah mich deprimiert an.
    „Müller..... Müller ist eben gestorben. Er hat es nicht mehr geschafft“ Sagte er mit langsamer, trauriger Stimme. Er gab mir meine Jacke wieder, mit der ich Müller vorhin provisorisch verarztet habe. Sie war mit Blut getränkt. Sie war mit Müllers Blut getränkt.
    Ich vergrub mein Gesicht in meinen Händen. Ich setzte mich auf einen Ritterhelm, der beim Feuergefecht wohl herunter geschossen wurde.
    Ich dachte nach. Ich dachte an die schönen Zeiten, die Müller und ich damals hatten.
    Als wir uns kennen lernten.
    Als wir an diesem Abend sturzbetrunken aus unserer Kneipe „Zum goldenen Bierfass“ kamen und aus vollem Halse „Schnaps, das war sein letztes Wort“ sangen. Wir sangen es eigentlich nicht. Wir gröhlten es regelrecht. Wir haben zusammen viel unternommen. Wir hatten viel Quatsch gemacht.
    Jetzt, wo die Bomben fallen, jetzt, wo die Bosheit regiert, wo der grimmige Sensenmann einen Menschen nach dem Anderen mitnimmt, war es an der Zeit für uns, uns zu verabschieden.
    Es war sehr schmerzhaft für mich. Ich zog meine Jacke wieder an. Sander gab mir Müllers Hundemarke. Ich steckte sie in meine linke Brusttasche. Eimersdorfer nahm den Gefallenen die Hundemarken ab und brachte sie mir. Er brachte mir drei Stück.
    Stumm steckte ich sie zu Müllers Hundemarke in meine linke Brusttasche.
    Meine Zigarette war mittlerweile aufgeraucht. Ich drückte sie auf dem stählernen Ritterhelm aus, auf dem ich saß und ließ sie fallen. Ich zauberte eine weitere Zigarette aus meiner linken Koppeltasche. Ich zündete sie mir an und fing an, auch diese zu rauchen. Irgendwie beruhigte mich das. Es gab mir Zeit zum nachdenken.
    Wir saßen weitere fünf Minuten stumm da. Auch diese Zigarette war schon aufgeraucht.
    Mühsam rappelte ich mich auf. Meine Knie knackten. Ich warf die Zigarette auf den Boden und trat sie aus.
    „Gehen wir weiter.“ sagte ich zu den anderen.
    Ich warf einen letzten wehmütigen Blick auf Müller und dann brachen wir auf.
    Es tat mir weh, ihn hier liegen zu lassen. Aber ich konnte leider nicht anders. Ich musste ihn liegen lassen.
    Wir gingen weiter den Gang entlang. Am Ende war eine Tür.
    Ich öffnete sie. Dahinter war ein riesiger Saal mit vielen Stühlen und einer Bühne.
    Heinrich, Meier und Kohlmann waren auch schon da.
    „Wir haben den Raum gesichert.“ Meldete Meier „Keine Feindkontakte“
    „Sehr schön!“ erwiderte ich „Friedrich. Geh und hol die anderen, die noch am Eingang sind.“
    „Jawohl, Erwin“
    Friedrich ging ohne murren und knurren los.
    Er ging in den Gang, den wir vorhin nahmen.
    „Ich brauche zehn Freiwillige.“ rief ich in die Reihen.
    Es meldeten sich zehn Mann. Es meldeten sich Gutmann, Mauermann, Höltzner, Kohlmann, Kaiser, Hönisch, Poth, Schmidt, Keitel und Gichthofen.
    „Kaiser, Gutmann, Höltzner, Poth, Schmidt, ihr nehmt den linken Gang da, hinter der Bühne, die anderen den rechten. Wir halten die Stellung und eilen zur Verstärkung, falls etwas passiert. Alles klar soweit?“
    „Jawohl, Erwin!“
    „Na, dann los!“
    Im Gleichschritt brachen sie auf. Mit Todesverachten marschierten sie durch die Türen.
    Die anderen und ich setzten uns auf die Stühle.
    „Ich seh nach Müller, haltet ihr die Stellung!“ befahl ich.
    „Jawohl, Erwin!“
    Ich ging in den Gang, durch den Heinrich, Meier und Kohlmann vorhin gingen.
    Er war genau so, wie der andere. Dunkel, eng. An den Wänden scharlachrote Vorhänge aus Samt und eiserne Ritterrüstungen. Als ich an der Mitte des Ganges ankam, hörte ich einen Schluchzer. Ich hielt inne. Ich sah mich um. Ich entdeckte nichts. Gerade wollte ich weiter gehen, da hörte ich es schon wieder.
    Erst jetzt bemerkte ich die Schuhe unter dem Vorhang. Ich entsicherte meine MP 40 leise und riss den Vorhang bei Seite.
    In der Nische hinter dem Vorhang sah ich ein Mädchen. Etwa mein Alter. So um die achtzehn bis zwanzig Jahre alt. Ihre Kleidung war zerfetzt. Ihr Gesicht vom Dreck verschmiert. Sie hatte lange, schwarze Haare und ein sehr hübsches Gesicht. Ein Gesicht wie aus einem Bilderbuch. Rehbraune Augen, ein kleines Stupsnäschen und ein hübscher, kleiner Mund mit blutroten Lippen.
    Sie hielt die Hände vor ihr Gesicht und saß vor Angst gelähmt auf dem Boden. „Nicht schießen!“ flehte sie mich mit russischem Akzent an.
    Laut Befehl des Hauptmanns hätte ich sie erschießen müssen. Aber ich konnte es nicht. Ich brachte es nicht übers Herz, unschuldige zu töten.
    Langsam senkte ich meine Waffe. Das Mädchen sah mich ängstlich an. Ihre Augen waren Angsterfüllt. Tränen liefen ihre Wangen herunter.
    Ich griff in meine rechte Jackentasche und nahm ein Stück Brot hervor. Ich hielt es dem Mädchen hin. Etwas misstrauisch nahm sie mein kleines Geschenk an.
    „Danke“ stotterte sie.
    „Keine Angst! Ich tue dir nichts!“ versuchte ich sie zu beruhigen. Sie begann, das Brot zu essen. Ich setzte mich neben sie.
    „Wieso sprichst du deutsch?“ fragte ich sie.
    „Meine Mutter war Deutsche.“ stotterte sie heraus.
    „Brauchst keine Angst haben. Ich werde dir nicht weh tun.“
    „Ehrlich nicht?“
    „Nein. Ich werde dir nicht weh tun. Ich werde dich beschützen.“
    „Ehrlich?“
    „Ja, selbstverständlich. Ich werde auf dich aufpassen. Ich werde dich vor den anderen verstecken. Wer weiß, was die machen würden.“
    „Danke.“
    „Dies ist der einzige Moment, in dem ich, seit ich hier bin keine Angst habe.“
    „Danke noch mal für das Brot. Ich hab schon seit Tagen nichts mehr gegessen.“
    „Hab ich doch gerne gemacht.“
    Ich reichte ihr meine Feldflasche.
    „Hier, du bist doch bestimmt durstig.“ sagte ich
    Sie nahm die Feldflasche an. Sie trank einen Schluck und gab sie mir wieder.
    „Danke.“
    Wir sahen einander an. Wir sahen uns tief in die Augen.
    Ihr Angstentstelltes Gesicht verzog sich langsam zu einem freundlichen Lächeln. Ich lächelte zurück. Etwa fünf Minuten vergingen, dann öffnete sich die Tür zum Theatersaal. Ich sprang aus der Nische und zog flott den Vorhang zu. Durch die Tür trat Menninger.
    Er sah mich. „Erwin, wo bleibst Du?“ rief er mir zu.
    „Ich komme gleich. Macht euch keine Sorgen! Hab nur mal gerade Pause, um nach zu denken gemacht. Bin gleich wieder da!“ antwortete ich
    „Jawohl, Erwin“ Entgegnete er und verschwand wieder. Die Tür schloss sich wieder.
    Ich öffnete den Vorhang wieder.
    Das Mädchen war noch da. Ich setzte mich wieder zu ihr.
    „Wie heißt du?“ fragte ich sie.
    „Sofia. Und du?“
    „Erwin.“
    „Das ist aber ein schöner Name, Erwin.“
    „Danke, Sofia. Dein Name ist auch sehr schön.“
    „Danke“
    „Ich muss leider wieder los. Wenn man uns findet, werden wir beide erschossen. Bleib du hier. Hier bist du sicher. Ich komme wieder. Versprochen. Hab keine Angst.“
    „In Ordnung. Ich werde auf dich warten. Ich glaub, ich kann dir vertrauen. Bist ein netter Mann.“ sie lächelte, als sie das sagte.
    „Danke. Ich komme bestimmt wieder.“ entgegnete ich.
    „Bis später“
    „Bis später“
    Ich zog den Vorhang wieder zu und machte mich wieder auf den Weg.
    Auf den Weg zu Müller. Den ganzen Weg dachte ich nur an das Mädchen.
    Ich hatte mich in sie verliebt. Ich unterband diesen Gedanken. Ich hatte schon eine Freundin. Ich hatte ihr ewige Treue geschworen. Es wäre gegen jede Vernunft gewesen, fremd zu gehen.
    Ich kam wieder in den Eingangsbereich. Müller lag da ganz allein. Nur die Leichen der vier Russen waren sonst noch da.
    Sein Körper lag in einem roten See. Einem See aus seinem eigenen Blut. Sein Blick war starr auf die Decke gerichtet. Sein Mund stand offen. Sein Gesicht war zu einem Gesicht des Entsetzens verzogen. Ich kniete mich vor ihn und schloss ihm die Augen. Sofort begann ich zu weinen. Warum nur? Warum nur kann Gott so grausam sein? Warum nur hat Gott mir meine beiden besten Freunde genommen?
    Ich griff in meine rechte Jackeninnentasche und nahm die Mundharmonika hervor, die er mir früher geschenkt hatte. Ich legte sie in seine Hand und schloss sie.
    Ich begann, für ihn und Klaus, der noch immer dort draußen liegt, zu beten.
    Zehn Minuten blieb ich bei Müller. Zehn Minuten versank ich in Gedanken an die schönen Zeiten, die wir miteinander hatten.
    Langsam und schmerzvoll stand ich wieder auf. Es war an der Zeit, Abschied zu nehmen.
    „Mach’s gut, mein Freund!“ Verabschiedete ich mich und ging schweren Herzens wieder in den Gang, in dem ich das Mädchen vorhin zum ersten mal traf.
    Ich ging diesmal an der Stelle vorbei, an dem das Mädchen war, denn das Risiko, jetzt erwischt zu werden war zu groß. Ich ging wieder in den Saal zu meinen Kameraden.
    „Mensch, da bist du ja endlich wieder!“ hörte ich Friedrich rufen.
    Er war schon mit den anderen da.
    Ich setzte mich zu den Anderen und trank einen Schluck Wasser aus meiner Feldflasche.
    Ich dachte an das Mädchen. Ob sie noch da ist? Ob sie mir vertraut oder, ob sie sich auch in mich verliebt hatte... ich wusste es nicht.
    Zwanzig Minuten verblieb ich in dem Zustand absoluter Nachdenklichkeit.
    Da kamen auch schon Gutmann, Mauermann, Höltzner, Kohlmann, Kaiser, Hönisch, Poth, Schmidt, Keitel und Gichthofen vom Erkundungsgang zurück.
    „Das Theater ist gesichert!“ meldeten Kaiser und Hönisch.
    Ich nahm das Feldtelefon.
    „Herr Hauptmann!“
    „Ja“
    „Hier Böhringer. Melde gehorsamst: Das Theater ist gesichert!“
    „Sehr gut, Böhringer! Wir kommen rein!“
    „Jawohl, Herr Hauptmann!“
    Ich legte den Hörer wieder in die Gabel. Jetzt machte sich der Rest der Division auf den Weg hier her. Ich flehte zu Gott, dass sie das Mädchen nicht entdecken würden...



    Kapitel 6



    Menninger nahm seinen Flachmann aus seinem Rucksack.
    Immer noch stand ihm dieses einfach krankhafte Grinsen im Gesicht. Mir lief da ein eiskalter Schauer über den Rücken. Mir lief da ein noch mehr eisiger Schauer über den Rücken bei dem Gedanken, was er wohl mit dem armen russischen Mädchen gemacht hätte, wenn er sie entdeckt hätte wenn ich nicht schnell genug gewesen wäre.


    Menninger setzte seinen Flachmann an und tat einen kräftigen Schluck. Er zog eine Grimasse, als hätte er in eine Zitrone gebissen. Dann reichte er die Flasche weiter an Höltzner.
    Dieser gab Menninger die Flasche zurück ohne auch nur einen Schluck zu tun.
    „Nein, Danke! Ich muss noch fahren!“ sagte er.
    „Du *****loch!“ grummelte Menninger zurück.
    Friedrich grinste leicht. Wahrscheinlich über das, was Höltzner gerade eben sagte, als Menninger ihm die Flasche Schnaps gab.
    Ich hatte keine Lust, um zu grinsen. Keine Lust, um zu lachen.
    Der Tod meiner beiden besten Freunde brannte mir immer noch im Hirn.
    Eine Zeit lang passierte nichts. Ein paar Kameraden weinten, andere starrten in eine endlose Leere. Wieder andere steckten sich eine Zigarette an und tranken ihren Schnaps.
    Da hörten wir schon Schritte.
    Es war der Rest der Division, der gerade in das Theater herein marschierte. Wieder betete ich still für das Mädchen, dass es von keinem Entdeckt würde. Sicher würde sie jetzt Todesängste durchstehen. Dieser Gedanke tat mir weh.
    Da öffneten sich schon die Türen des Korridors, durch welchen Friedrich, Gichthofen und ich gingen und die Anderen traten herein. Sie sind nicht durch den Korridor gegangen, in dem sich Sofia versteckt hielt. Gott sei dank!


    Allen voraus ging der Herr Hauptmann. Er kam auf mich zu.
    Ich stand ganz schnell auf und nahm Haltung an. Ich salutierte. Der Herr Hauptmann schüttelte mir die Hand.
    „Sehr gut gemacht, Feldwebel! Ich bin stolz auf sie!“ lobte er mich.
    „Danke, Herr Hauptmann!“ gab ich zurück.
    Ich gab ihm die Erkennungsmarken der Gefallenen in die Hand.
    Der Hauptmann nahm sie, zählte sie und ging auf die Bühne zu. Er stellte sich auf sie und wartete, bis alle im Saal waren.
    „Soldaten!“ fing er an „Jetzt haben wir einen Stützpunkt! Von ihm aus werden wir operieren. Jeden Tag werden wir hierher zurück kommen. Wir werden hier übernachten und essen. Der Gruppe Böhringer danke ich. Sie haben es uns möglich gemacht, dieses Theater zu besetzen. Tapfer sicherten sie jeden Winkel, tapfer riskierten sie ihr Leben dafür, dass wir einen Stützpunkt haben, dass wir nicht frieren. Acht von ihnen ließen hier ihr Leben. Doch sie sollen dieses Opfer nicht umsonst gebracht haben! Mein Stolz gilt ihnen. Schlaft euch gründlich aus! Ab Zehn Uhr, deutsche Zeit ist Nachtruhe Morgen früh um sechs Uhr werden wir weiter aufbrechen und weiter vorrücken. Der Sieg ist unser, Soldaten!“


    Alle jubelten. Auch ich.
    Der Hauptmann ging wieder von der Bühne. Er setzte sich neben ein Fenster.
    Ein Stimmengewirr brach los. Jeder sprach mit jedem.
    Es war jetzt Acht Uhr abends. Es waren noch zwei Stunden bis zur Nachtruhe...



    Kapitel 7



    Ich saß wieder auf einem Stuhl. Ich steckte mir eine weitere Zigarette an.
    Menninger kam auf mich zu.
    "Na, Erwin, wat haste vorhin so lang gebraucht?" fragte er ziemlich pampig.
    "Ach, halt dein Maul!" gab ich zurück
    Beleidigt drehte er sich um und ging wieder. Also, wenn hier einer beleidigt sein durfte, dann war ja wohl ich das, oder? Ich ließ mich nicht von jemandem anpampen. Schon zweimal nicht von so einem Blödmann wie Menninger. Einem *****loch, dem es wohl Spaß macht, andere Menschen zu töten. Menschen, die vielleicht Frauen und Kinder hatten. Menschen, die Menschen waren wie du und ich. Bei dem Gedanken daran lief mir ein eiskalter Schauer über meinen Rücken.
    Ich tat einen weiteren beherzten Zug an meiner Zigarette und dachte an Zuhause.
    Ob meine Frau mir wohl treu bleibt? Wie es wohl meinem Sohn geht? Ist er immer noch in der HJ?...
    Ich versank sehr lange in meinen Gedanken. So lange, bis meine Zigarette so weit niedergebrannt war, dass sie mir die Finger verbrannt hatte.
    Schmerzerfüllt schüttelte ich meine Hand. Menninger lachte mich lautstark aus. Ich tat so, als würde ich es nicht hören und bohrte mir mit dem Mittelfinger in der Nase, zu Menninger gewandt. Er reagierte nicht. Mir war es Wurscht.
    Ich legte mich hin, um ein bisschen zu schlafen. Ich schloss meine Augen und schlief.


    Ich wachte auf. Ich konnte mich nicht mehr an meinen Traum erinnern. Das konnte ich so gut wie nie. Manchmal fielen mir Tagsüber wieder Träume ein. Träume, die ich vor Ewigkeiten geträumt habe, Gott weiß, wann.
    Ich schaute auf meine Uhr. Es war Elf Uhr nachts. Alle schliefen schon. Ich dachte an Sofia. Dies war die einzig sichere Tageszeit, um sie zu besuchen. Leise stand ich auf und schlich zu jener Tür. Ich bemühte mich, kein Geräusch zu machen. Mein Herz pochte, als wolle es aus meiner Brust springen. Mir stand der eiskalte Schweiß auf der Stirn. Er rann mir mein Gesicht herunter. Mein Puls raste. Literweise Adrenalin wurde mir eingepumpt. Ich war nervös.
    Bis ich endlich an der Tür war. Es war fast geschafft. Langsam drückte ich die Klinke herunter und öffnete die Tür. Sie quietschte etwas. Ich bekam da fast einen Herzinfarkt.
    Ich hielt inne. Ich schaute um mich, ob jemand durch das Quietschen wach geworden war. Niemand wurde geweckt. Erleichtert atmete ich auf und nahm das Waffenöl aus meiner Koppeltasche. Schnell und lautlos ölte ich die Scharniere der Tür ein.
    Jetzt dürfte sie nicht mehr quietschen.
    Ich ging durch die Tür und schloss sie schön langsam und leise. Sie quietschte nicht mehr. Ich dankte Gott dafür.
    Ich näherte mich dem Vorhang, hinter dem das Mädchen sein sollte.
    Ich war da. Langsam öffnete ich ihn und ich wurde auch nicht enttäuscht.
    Sofia lag da. Sie schlief.
    Vorsichtig weckte ich sie auf. "Aufwachen, Sofia, aufwachen!" flüsterte ich und rüttelte sie leicht. Allmählich öffnete sie ihre Augen. Als sie mich wahrnahm, setzte sie an, um zu schreien. Schnell hielt ich ihr den Mund zu.
    "Verdammt, Sofia! Ich bin es, Erwin! Kennste mich überhaupt noch? Ich bin einer von den Guten!"
    Langsam fiel es ihr wieder ein. Ich nahm meine Hand fort.
    "Mein Gott, Erwin. Du hast mich zu Tode erschreckt!"
    "Tut mir leid! Aber das ist die einzige Tageszeit, bei der wir sicher miteinander reden können."
    "Achso." Sagte sie und rieb sich verschlafen ihre süßen Augen.
    "Ich wollte nachsehen, wie es dir geht" sagte ich.
    "Aha?"
    "Ich, ich hab dich nunmal gerne"
    "Soso"
    "Ich hatte richtig Angst um dich. Ich hatte Angst, dass man dich entdecken würde"
    "Diese Angst hatte ich auch"
    "Sofia?"
    "Ja?"
    "Lass uns doch ein bisschen unterhalten"


    Und wir unterhielten uns. Darüber, was wir am liebsten in unserer Freiheit tun, über unseren Lebensverlauf, über unser Lieblingsessen und vieles andere.
    Als wir uns über unsere Ehepartner unterhielten, zeigte ich ihr ein Foto von meiner Frau und eins mit meiner Frau, mir und meinem Sohn. Auf dem Bild lächelten wir alle sehr glücklich und fröhlich.
    "Ist das dein Sohn?" fragte sie mich
    "Ja. Er ist schon zehn Jahre alt."
    "Aha. Und wie heißt er?"
    "Erich."
    "Das ist aber ein schöner Name."
    "Danke."


    Sie zeigte mir ein Bild ihres Mannes. Ich sah kurze Haare, Ein sehr schmales Gesicht, sehr ernste Gesichtszüge und Augen, die besorgt aussahen. Sofia brach in Tränen aus. Sie erzählte mir, was ihm passierte. Der gute Mann kam bei dem Artillerieangriff vor zwei Wochen um. Sie musste es mit ansehen. Sie sah es von einem Fenster aus. Gerade als ihr Mann brüllte "In Deckung!" schlug eine Artilleriegranate direkt auf ihm ein. Es war ein Volltreffer.
    Sofia weinte bitterlich. Ich nahm sie tröstend in meine Arme.
    Ja, mir tat ihr Mann leid. Er war bestimmt ein sehr freundlicher Mensch gewesen.
    Es muss wirklich ein schei** Gefühl sein, seinen Ehepartner im Krieg sterben zu sehen.
    "Schon gut, Sofia." Tröstete ich sie und klopfte ihr mit meiner Handfläche sehr leicht auf die Schulter "Mir tut dein Mann wirklich leid. Ich weiß, wie du dich fühlst. Ich habe vorhin meine beiden besten freunde verloren. Freunde, die ich von klein auf kannte."
    Sie beruhigte sich allmählich.
    Mit verweinten Augen sah sie mich an. Ihre Augen waren feuerrot. Ihr Gesicht voller Tränen. Ich wischte sie langsam mit meinem Taschentuch ab.
    "Warum?" fragte sie "Warum ist das nur passiert?"
    "Das Schicksal hat ein böses Gesicht. Es nimmt alles. Alles. Die Zeit. Man sagt, die Zeit heile alle Wunden. Aber das tut sie nicht. Zeit kann nur zerstören. Die Zeit zerstört alles."
    "Du bist ja ein richtiger Poet."
    "Danke"
    "Lass uns doch einfach das Thema wechseln. Dieses Thema deprimiert mich"
    "In Ordnung. Über was wollen wir reden?"
    "Wie fühlt es sich, ein Soldat zu sein?"
    "Es ist nicht schön. Anfangs freust du dich. Aber, wenn du an der Front ankommst, vergeht dir sehr schnell das Lachen. Du musst mit ansehen, wie deine Kameraden fallen, wie sie leiden. Deine Freunde. Auch sie siehst du sterben. Einen nach dem anderen. Du wirst gezwungen, zu töten. Denn sonst wirst du getötet. Angst. Ständig bist du der Angst ausgesetzt, zu sterben. Dein Blutdruck steigt ins Unermessliche, Dein Puls rast, kalter Schweiß rennt dir das Gesicht herunter, Deine Hände zittern, dein Adrenalinspiegel steigt so, dass du denkst, dass du gleich daran verreckst. Du wirst da langsam wirklich wahnsinnig. Du kannst nicht mehr denken."
    "Klingt nicht sehr schön."
    "Das ist es auch nicht. Glaub mir."


    Wir sprachen noch eine ganze halbe Stunde über den Krieg. Was der Sinn des ganzen ist, wie doof manche Menschen sein können, wie häßlich Krieg ist...
    Danach verabschiedete ich mich. Ich musste schlafen gehen. Außerdem wollte ich das Risiko vermindern, dass man uns findet. Das hätte fatale Folgen. Vor allem, wenn Menninger uns finden würde.
    Sofia verstand das. Ich winkte zum Abschied. Sie winkte auch und lächelte mich dabei freundlich an. Ich zog den Vorhang zu und machte mich auf den Weg zurück.
    Als ich an der Tür ankam, verlangsamte ich mein Tempo.
    Sehr vorsichtig und ohne auch nur einen Mucks zu machen öffnete ich sie, schlich durch sie hindurch und schloss sie ganz, ganz leise wieder.
    Auf Zehenspitzen ging ich wieder auf meinen Schlafplatz zurück. Als ich ankam, sah ich mich um, ob vielleicht jemand wach geworden ist.
    Niemand war wach. Alle Mann schliefen tief und fest.
    Ich legte mich langsam hin und schloss meine Augen...

    Dort wo meine Wiege stand da ist mein Heimatland
    Das Reihenhaus mit Schrebergarten wo meine Frau und Kinder warten
    Hier wo die Eisenkreuze sprießen werd ich heiß mein Blut vergießen
    Wo statt Ehre Wahnsinn ich fand, werde fallen hier im Feindesland

  • Kapitel 8



    "Los, Aufwachen, Soldaten" hörte ich eine vertraute Stimme brüllen "Es ist sechs Uhr morgens! Los! Auf!"
    Es war der Herr Hauptmann.
    Langsam und schmerzvoll rappelte ich mich auf. Meine Knie knackten. Ich streckte mich verschlafen.
    Der Rest der Kompanie stand auch schon langsam auf. Alle hatten ziemlich verschlafene Augen. Verschlafene Gesichter. Am liebsten hätten wir alle weiter geschlafen.
    Ich rieb mir müde meine Augen.


    Da kamen schon die Soldaten vom Versorgungstrupp mit unserem Frühstück die Türen hereingeplatzt.
    Sie waren pünktlich wie die Feuerwehr. Drei von ihnen trugen riesig große Bottiche auf dem Rücken mit unserem Frühstück drin.
    Ein anderer hatte einen riesigen Sack um. In diesem Sack war unsere Post.
    Ich nahm meinen Henkelmann und mein Essbesteck aus meinem Rucksack und stellte mich zum Essenfassen an.
    Es gab Kartoffelsuppe und Brot.
    Vor mir stand Sander. Davor Menninger.
    Als der Koch Menninger die Suppe in den Becher kippte, fragte Menninger frech: "Ist die Brühe da zum trinken oder zum rasieren?"
    "Zum trinken!"
    Sander mischte sich ein und fuhr Menninger an: "Zum rasieren!"
    Ich musste mir das Lachen verkneifen.
    Als ich dann an der Reihe war hielt ich meinen Henkelmann hin.
    Der Versorger füllte die Suppenkelle bis zum Rand und schüttete die Suppe in meinen Becher und gab mir noch ein Stück Brot.
    Platsch!
    Es sah zwar sehr appetitlich aus, roch aber ekelhaft. Wie eingelegte Schweißsocken. Mahlzeit!
    Ich ging auf meinen Platz, wo ich gerade mein Essbesteck hinstellte.
    Friedrich saß neben mir. Ich bat ihn, mal gerade auf mein Essen aufzupassen, während ich die Post für uns beide holen gehe.
    "Alles klar!" hörte ich von ihm.
    Ich ging zum Postmann und fragte: "Hast du was für Böhringer und Klinker?"
    "Moment!" gab er zurück und schaute in seinem Sack nach.
    "Ja. Hier. Einer für Klinker und zwei für Böhringer!" sagte er und drückte mir die Briefe in die Hand.
    Ich machte mich auf den Weg zu Friedrich. Er saß noch da und passte auf mein Essen auf, als wäre es aus Gold.
    Jetzt war ich da.
    Friedrich sah mich an. "Und? Ist Post für mich da?" fragte er.
    Ich gab ihm seinen Brief und setzte mich hin. Dann griff ich nach meinem Henkelmann und begann, zu essen.
    Die Kartoffelsuppe schmeckte scheußlich. Bah! Mühsam und tapfer würgte ich alles herunter. Es schmeckte, wie es roch. "Ekelhaft" war schon keine Definition mehr dafür.
    Das Stück Brot steckte ich in meine Tasche. Für Sofia. Ich hatte ihr ja versprochen, sie zu beschützen und auf sie aufzupassen.


    Als ich dann endlich fertig mit dem essen war sah ich nach meiner Post.
    Einer war von meiner Frau. Der andere von meiner Mutter.
    Ich öffnete zuerst den von meiner Mutter.


    "Lieber Erwin.
    Wie tut es mir leid, dir solche Zeilen zu schreiben.
    Es geht um deinen Vater. Es geht ihm nicht gut. Er hat einen Herzinfarkt erlitten und liegt nun im Lazarett.
    Der Stabsarzt sagt, er würde es wahrscheinlich überleben..."


    Wie ein Donnerschlag erschlug es mich. Nach all dem jetzt auch noch mein Vater?
    Das darf doch wohl nicht wahr sein!
    Niedergeschlagen öffnete ich den zweiten Brief. Den von meiner Frau. In der Hoffnung, darin etwas Trost zu finden.
    Doch als ich auch diesen las, war dem Fass endgültig der Boden ausgeschlagen. In diesem Brief war etwas sehr hartes. Ihr Ehering. Dabei ein Zettel.


    "Mein geliebter Erwin.
    Viel zu lange hab ich es dir verschwiegen. Es tut mir weh, dir dies mitzuteilen, aber ich kann nicht anders. Ich will dich nicht weiter belügen.
    Ich habe gesündigt. Sei mir bitte nicht böse. Ich habe jemanden kennen gelernt. Wir stehen uns sehr nahe.
    Bitte verzeih mir!
    Deine Margret"


    Ich legte dem Brief mitsamt Inhalt beiseite. Eine Weile lang dachte ich nach. Friedrich sah meinen Gesichtsausdruck. Das pure Entsetzen stand mir ins Gesicht geschrieben.
    "Was ist passiert?"
    Ich konnte nicht antworten. Ich war zu sehr in meine Gedanken versunken.
    "Luftangriff?" fragte er vorsichtig weiter.
    "Schlimmer" gab ich mühevoll zurück. Ich brauchte eine Weile. Dann fuhr ich fort: "Mein Vater hatte nen Herzinfarkt und liegt jetzt im Lazarett."
    "Kopf hoch!" sagte Friedrich und klopfte mir leicht auf die Schulter "Wird schon wieder!"
    "Das ist aber noch nicht alles"
    Schweigen.
    Ich musste Kraft sammeln, um weiter erzählen zu können.
    "Meine Frau. Sie ist fremd gegangen! Mehr Scheiße kann ja wohl nicht mehr passieren."
    Er klopfte mir nochmal auf die Schulter. Dann ließ er mich in Ruhe.
    Ich saß eine weitere Weile dort und starrte in die Luft.
    Ich war wie gelähmt.
    Wie kann das Schicksal nur so grausam sein? Verdammt!
    Plötzlich überkam mich das Gefühl der rasenden Wut. Wütend warf ich mein Essbesteck auf den Boden und begann urplötzlich zu weinen. Mein Gesicht verzog sich zu einem Bild des Jammers.
    In all meiner Wut und in all meiner Trauer fluchte ich.
    "Gedämpte Horres!" kam es mir lautstark und hasserfüllt aus der Kehle. Danach vergrub ich mein Gesicht in meinen Händen und weinte weiter. Negative Energie staute sich in mir auf. Ich spürte es. Ich spürte all die negative Energie.
    Der Hauptmann hatte mich bemerkt. Er kam langsam und vorsichtig auf mich zu.
    "Was ist denn passiert, Feldwebel?" fragte er.
    Das hätte er nicht tun dürfen. Um genau das zu vermeiden, was dann passierte, hat Friedrich mich schlussendlich lieber in Ruhe gelassen.
    "Ach! Lasst mich doch in Ruhe!" brüllte ich den Offizier an "Ihr habt eh alle was gegen mich! Ihr könnt mich doch alle mal am Arsch lecken!"
    "Böhringer." sagte der Hauptmann ruhig.
    "Ach, hau ab!"
    "Sie sind mein bester Mann!" fuhr der Offizier mit sehr ruhiger Stimme fort "Ohne sie wären wir hier niemals rein gekommen. Dann wären wir alle draußen jämmerlich erfroren!"
    Er klopfte mir auf die Schulter.
    Genau in diesem Moment hörte ich eine Explosion.
    Unmittelbar danach brach ein Feuergefecht aus.
    Die MG-Schützen am Fenster feuerten, was das Zeug hielt.
    Das war jetzt genau das, was ich jetzt brauchte. Ablenkung. Ich musste irgendwie sofort auf andere Gedanken kommen.
    Ich rannte zu einem Fenster, wo eine MG 38 unbesetzt war.
    Es war tatsächlich ein Angriff. Es waren die Russen. Sie wollten rein. Sie wollten wohl das Theater wieder haben.
    Wie wild feuerte ich drauf los.
    Schmerzensschreie. Schreie meiner Kameraden, welche wohl ein Paar Zufallstreffer von den Russen abbekamen.
    Schreie der Russen, welche in unser Gewehrfeuer liefen. Die Straße wurde allmählich zu einem Massengrab. Sie wurde zu einem Teppich aus Blut und Leichen.
    Blind vor Raserei feuerte ich umher. Ein Kampfesschrei kam aus tiefster Kehle. Ich schrie, so laut ich es nur konnte.
    Rattatatatatatatatata Bumm! Paufpaufpaufpaufpauf Aaaaaaaaah! Peng! Peng! Rattatatatatatata
    Das war er. Das war der klang des Todes.
    Langsam bekam ich Angst. Angst vor mir selber. Wie konnte ich nur so kaltblütig sein? Wie konnte sich von einer Minute auf die andere meine Lebenseinstellung komplett verändern?
    Vielleicht war es aber auch nur eine Phase. Eine vollkommen natürliche Reaktion, um mit meinem neuen Herzeleid fertig zu werden.
    Ich würde wetten, jeder Andere hätte in meiner Situation genau so reagiert.
    Trotzdem machte es mir Angst...

    Dort wo meine Wiege stand da ist mein Heimatland
    Das Reihenhaus mit Schrebergarten wo meine Frau und Kinder warten
    Hier wo die Eisenkreuze sprießen werd ich heiß mein Blut vergießen
    Wo statt Ehre Wahnsinn ich fand, werde fallen hier im Feindesland